Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt.

Karlsruhe: Stadtgeschichte

Friedhof und Friedhofskapelle

Karl-Jäck-Weg 1, Grötzingen

Die Friedhofskapelle, erbaut im Jahr 1928

Die Friedhofskapelle, erbaut im Jahr 1928

Vermutlich lag schon beim Bau der Grötzinger Kirche in der 2. Hälfte des 15. Jahrhun­derts hinter deren Pfarrhaus der alte Friedhof. Vom alten Friedhof hinter der Kirche sind lediglich einige histo­ri­sche Grabplat­ten erhalten geblieben, da 1937 auf Veran­las­sung der NSDAP das Areal für ein Aufmarsch­ge­lände eingeebnet wurde.

Der heutige Friedhof am Karl-Jäck-Weg hingegen stammt aus dem Jahr 1924. Er wurde bereits 1916 geplant, konnte aber wegen des 1. Weltkriegs erst 1919 beschlos­sen werden. In der Verlän­ge­rung der breiten Auffahrt steht die 1928 einge­weih­te Fried­hofs­ka­pelle.

Der oktogonale Bau wurde von den Karlsruher Archi­tek­ten Pfeifer und Großmann in expres­sio­nis­ti­scher Manier mit Elementen des Jugend­stils und des Neoklas­si­zis­mus errichtet. Vor allem die expressive Farbigkeit, die bei der Restau­rie­rung 1992/93 wieder zu Tage kam, mit dem Rot und Weiß am Außenbau und dem zurück­ge­nom­men Blau mit Gold im Innern verdeut­licht den denkmal­wür­di­gen Charakter des Gebäudes.


Kallmorgen-Grab auf dem Grötzinger Friedhof


Die Verwendung diverser Stilmittel des frühen 20. Jahrhun­derts zeigt sich an mehreren Bauten des Archi­tek­ten­paa­res, wie z. B. auch am Gebäude der 1924 fertig gestellten heutigen Deutschen Bank in der Karls­ru­her Kaiser­straße. Sowohl Arthur Pfeifer (1878 – 1962), dessen Famili­en­grab sich auf dem Mühlburger Friedhof befindet, als auch Hans Großmann waren Schüler Hermann Billings, einem Meister des Jugend­stils, was nicht zuletzt auch an der Grötzinger Kapelle spürbar wird.

Vor der Kapelle befindet sich eine Pieta Karl Seckingers. Sie stellt ein Mahnmal für die Opfer der beiden Weltkrie­ge dar mit der Sockel­in­schrift: “Die Toten mahnen – haltet Frieden“. Die überle­bens­große Mutter Gottes, die der Künstler hierfür 1970 geschaffen hat, bildet mit ihrem toten Sohn eine sehr ruhige, in sich geschlos­sene Gruppe.

Auch zahlreiche bekannte Persön­lich­kei­ten finden sich hier. So liegt z.B. an der nordöst­li­chen Ecke des Friedhofes das Grab Friedrich Kallmor­gens und Marga­rethe Hormuth-Kallmor­gens. Das Künst­ler­paar gehörte Ende des 19. Jahrhun­derts zur Grötzinger Künst­ler­ko­lo­nie, bis der Professor der Akademie Karlsruhe 1902 an die Akademie nach Berlin berufen wurde.

Text:Simone Dietz, statt­rei­sen Karlsruhe e.V.
Text: Dr. Peter Güß, Freun­des­kreis Pfinz­gau­museum – Histo­ri­scher Verein Durlach e. V.