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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Katholische Kirche St. Valentin

Inselstraße 25, Daxlanden

Die alte Pfarr­kir­che von Daxlanden liegt im früheren Zentrum des Dorfes. Sie wurde von 1713 bis etwa 1723 im Auftrag der Markgraf­schaft Baden-Baden errichtet als Ersatz für das baufällig gewordene Provi­so­rium, das seit der Flutka­ta­stro­phe von 1651, die Daxlanden nahezu vollstän­dig zerstörte, als Kirche diente.

Architekt war der berühmte markgräf­li­che Hofbau­meis­ter Johann Michael Ludwig Rohrer (1683-1732), der durch Bauwerke hervor­ge­tre­ten ist wie etwa Schloss Ettlingen (1728-33), Kath. Pfarr­kir­che St. Martin in Ettlingen (1715, 1732/33), Umbau von Jagdschloss Schei­ben­hardt (1721-26), Bauleitung Schloss Bruchsal (1723/28), Schloss Rastatt (1707/40), Rathaus Rastatt (1750, zusammen mit seinem Bruder Johann Peter Ernst), Markgräf­li­ches Sommer­schloss Favorite (1710/11), Ehem. Eremitage in Waghäusel (1723/26), Jagdhaus St. Hubertus in Baden-Baden (1716/21), Schloss Kislau (heute Straf­an­stalt) in Bad Schönborn (1723-43).

Der ländliche Barockbau ist eine Saalkirche mit polygo­na­lem Chor, der mit einer flachen Tonne gewölbt ist, und mit einem querschiff­ar­ti­gen Kapel­lenan­bau. Der Turm über dem Satteldach wurde 1755 von Johann Peter Ernst Rohrer (1690-1762), dem Bruder von Johann Michael Ludwig, anstelle eines kleineren Dachrei­ters aufge­rich­tet.

1834/35 war die Verlän­ge­rung des Saales um zwei Fenster­ach­sen nach Westen durch den Archi­tek­ten Johann Ludwig Weinbren­ner notwendig. Dadurch entstand eine neue Haupt­fassade im Westen, die durch vier Pilaster in drei Längs­fel­der gegliedert ist. Im Inneren wurde dabei eine große Empore auf vier dorischen Säulen eingebaut. Bei der purifi­zie­ren­den Renovie­rung der Raumscha­le1964-66 wurde sie teilweise wieder entfernt, und der Fußboden wurde erneuert.

Von der barocken Ausstat­tung sind drei Altäre (um 1760) erhalten, sie wurden 1807 aus dem Kapuzi­ner­klos­ter in Baden-Baden übernommen. Weitere Ausstat­tungs­stücke sind die Kanzel (um 1720), der Taufstein (1773), der sich jetzt allerdings in der Heilig-Geist-Kirche befindet, der Opferstock (spätes 17. Jh.) und die St. Valen­tins­fi­gur (18. Jh.). Die Orgel wurde 1779 in Rastatt gekauft. Der barocke Beicht­stuhl stammt aus der Franzis­ka­ner­kir­che in Rastatt.

Das Bild des Haupt­al­tars zeigt die Geißelung Jesu. Auf dem Marien­al­tar links ist eine Maria auf der Mondsi­chel umrahmt von vielen Engels­köp­fen darge­stellt, in dem kleinen Bild darüber die Heilige Klara mit einer Monstranz. Der Antoni­u­sal­tar rechts zeigt den Heiligen Antonius als Franzis­ka­ner mit dem Jesuskind, auf dem kleinen Bild darüber der Selige Bernhard von Baden, der Patron der badischen Markgrafen und der Erzdi­öze­se Freiburg. Im rückwär­ti­gen Teil des Langhauses hängt ein Bild von Ad. Hans Müller "Lasst die Kinder zu mir kommen", um 1930.

An der Fassade steht in einer Nische über dem westli­chen Portal die stark restau­rierte Valen­tins­fi­gur, daneben befinden sich zwei Bauin­schrif­ten. Das ursprüng­lich außen am Chor angebrachte hölzerne Kruzifix hängt heute im Pfarrhaus der Heilig-Geist-Kirche.

Seit dem 15. Jahrhun­dert wurde der Heilige Bischof und Märtyrer Valentin, dessen Fest am 14. Februar gefeiert wird, als Helfer bei allen Krank­hei­ten und Sorgen angerufen und in Daxlanden hoch verehrt. Zeitweilig setzte eine richtige Wallfahrt zum Hl. Valentin nach Daxlanden ein.

St. Valentin ist die älteste katho­li­sche Kirche im Dekanat Karlsruhe.

Text: Dr. Gerhard Kabierske, Südwest­deut­sches Archiv für Archi­tek­tur und Ingenieur­bau, Barbara Jäger