Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt.

Karlsruhe: Stadtgeschichte

Frauen im Aufbruch

Künst­le­rin­nen im deutschen Südwesten 1800 - 1945

Die Sozial­ge­schichte der Frauen ist weithin die Geschichte von Benach­tei­li­gun­gen. Auch die Kunst­ge­schichte stellt sich, soweit sie vom schöp­fe­ri­schen Anteil von Frauen handelt, bis in unser Jahrhun­dert hinein sozio­lo­gisch vor allem dar als eine Geschichte der Unter­pri­vi­li­gie­rung, ja oft der Chancen­lo­sig­keit, allerdings auch als der gelegent­li­chen und dann immer öfter geglück­ten Überwin­dung solch schlechter Wirkungs­be­din­gun­gen durch kreative Kraft. Der Beruf des bildenden Künstlers war ja viele Jahrhun­derte lang in Ausbildung und Ausübung durch Zunft- und Akade­mie­we­sen ein männliches Monopol. Um so bemer­kens­wer­ter und erstaun­li­cher ist es, daß seit der Renaissance doch immer wieder einmal und mit zuneh­men­der Tendenz auch einzelne heraus­ra­gen­de Künst­le­rin­nen zu Anerken­nung und Erfolg gelangten.

Die Städtische Galerie Karlsruhe dokumen­tiert in einer verdienst­vol­len Sonderaus­stel­lung und dem beglei­ten­den Katalog das Wirken südwest­deut­scher Künst­le­rin­nen von der napoleo­ni­schen Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg. Der Bogen spannt sich von der badischen Nazare­ne­rin Marie Ellen­rie­der aus Konstanz, die es im Ausstrah­lungs­kreis der Residenz­stadt und Kunst­me­tro­pole Karlsruhe in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhun­derts bis zur großher­zog­li­chen Hofmalerin brachte, bis hin zu Ida Kerkovius in Stuttgart, die noch weit in die Nachkriegs­zeit hinein als große alte Dame der lyrischen Abstrak­tion wirkte.

(Brigitte Unger-Soyka, MdL, 1995. Auszug aus dem Geleit­wor­t)