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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blaue Infotafel zur Deportation der Jüdinnen und Juden nach Gurs

Hauptbahnhof, östlicher Gebäudeteil


Aufnahme Stadtarchiv 2021

Aufnahme Stadtarchiv 2021



Am 22. Oktober 1940 diente der Osteingang des Haupt­bahn­hofs, der "­Fürs­ten­flü­gel", als Sammel­punkt der zur Depor­ta­tion in das un­be­setzte Frankreich vorge­se­he­nen Karlsruher Jüdinnen und Juden. Zur Erinnerung daran wurde am Ostflügel des Haupt­bahn­hofs eine blaue Emaille-Infor­ma­ti­ons­ta­fel angebracht.

Insgesamt über 6.500 Menschen aus Baden, Pfalz und Saarlan­d wur­den in dem im Jahr zuvor für spani­sche ­Bür­ger­kriegs­flücht­linge errichtete Baracken­la­ger bei Gurs am Nor­d­rand der Pyrenäen interniert. Viele der Depor­tier­ten starben wäh­rend dieser Inter­nie­rung oder wurden später in Ver­nich­tungs­la­gern ermordet.

Der Text der Infor­ma­ti­ons­ta­fel (Höhe 26 cm, Breite 44 cm), die am 22. Oktober 2000, dem 60. Jahrestag der Depor­ta­tion, enthüll­t wurde, lautet:

Die Depor­ta­tion von 945 jüdischen Karls­ru­he­rin­nen und Karls­ru­hern nach Gurs / durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten begann am 22. Oktober 1940 auf diesem Bahnhofs­platz. / Mit der Depor­ta­tion al­ler Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland verloren am glei- / chen Tag über 6500 Menschen ihre Heimat und später zum größ­ten Teil auch das Leben. / 210 der aus Karls­ru­he ­De­por­tier­ten starben in Gurs und anderen südfran­zö­si­schen La- / gern. 345 gelang die Flucht und Emigration. 390 kamen 1942 in die Konzen­tra­ti­ons­la­ger / Auschwitz, Majdanek oder The­re­si­en­stadt und wurden ermordet.

Die blauen Emaille-Tafeln, die von der Stadt Karlsruhe seit 1989 an zahlrei­chen Bauten angebracht wurden, enthalten zentra­le his­to­ri­sche Infor­ma­tio­nen zur Nutzung der Gebäude oder zu mit ihnen verbun­de­nen Ereig­nis­sen. Die Gestaltung erfolgte in An­leh­nung an histo­ri­sche Straßen­schil­der.


Weiterführende Informationen

Artikel zur Deportation 1940 im Stadtlexikon Karlsruhe


Zur Verfolgung der Karlsruher Jüdinnen und Juden in der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus:
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karls­ru­her Juden im Dritten Reich, 2. Auflage Karlsruhe 1990 (= Ver­öf­fent­li­chun­gen des Karlsruher Stadt­ar­chivs, Band 9).

Sie finden den Download-Link unter https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv.de