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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Digitale Angebote: Stadtchronik Karlsruhe


 

Die Chronik bietet Einträge zur Geschichte der Stadt Karlsruhe von ihrer Gründung als Residenz­stadt im Jahre 1715 an bis in die Gegenwart als Zentrum der Techno­lo­gie­Re­gion Karlsruhe. Stadt­teilchro­ni­ken der einge­mein­de­ten, ehemals selbstän­di­gen Stadtteile, die zum Teil sehr viel älter sind als Karlsruhe, liefern histo­ri­sche Infor­ma­tio­nen über die Entwick­lung des geogra­fi­schen Raumes, den die Großstadt Karlsruhe heute einnimmt. Die den Einträgen zugeord­ne­ten Bilder veran­schau­li­chen auch das jeweilige Zeitko­lo­rit, und an der Folge histo­ri­scher Stadtpläne kann die stadt­pla­ne­ri­sche Entwick­lung nachvoll­zo­gen werden.

 
1930
Die Stadt kauft das Gelände des alten Bahnhofs an der Kriegsstraße von der Reichsbahn.
1930
Die Bebauung um den Kolpingplatz nach Plänen Hermann Billings beginnt.
3. Januar 1930
Im Residenz-Theater wird mit dem amerikanischen Film "Submarine" erstmals ein Film vorgeführt, bei dem über Schallplatte der Ton zu den Bildern gleichzeitig eingespielt wird. Mit "The Singing Fool" wird knapp drei Monate später der erste vollsynchronisierte Film in der Schauburg gezeigt.
1. April 1930
Das Badische Landestheater wird als staatliche Institution gemeinsam von Stadt und Land betrieben und verwaltet.
1. April 1930
Karlsruhe erhält im Norden durch die Aufteilung der abgesonderten Gemarkung Hardtwald eine Gebietsvergrößerung um etwa 1.300 ha. Fast 34 % der Gemarkungsfläche sind nun mit Wald bewachsen.
22. April 1930
Das Palais der Gräfin Solms geht als Vermächtnis in den Besitz der Stadt über. Heute befinden sich dort Ecke Reinhold-Frank-/Bismarckstraße das Gästehaus der Stadt und das Standesamt.
1. Juni 1930
20.000 Zuschauer kommen zum Karlsruher Großflugtag.
14. Juni 1930
Verhaftung von Nationalsozialisten wegen verbotenen Uniformtragens.
11. - 14. Juli 1930
Veranstaltung "Der Badische Heimattag" als "Welttreffen der Badener". Auf dem gleichzeitig abgehaltenen Kongress der "führenden Badener in Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft" hält der Philosoph Martin Heidegger erstmals seinen Vortrag "Vom Wesen der Wahrheit".
14. September 1930
Bei den Reichstagswahlen wird die NSDAP stärkste Partei in Karlsruhe.
2. November 1930
Einweihung des von Hermann Binz geschaffenen Gefallenendenkmals der Stadt auf dem Ehrenfriedhof des Hauptfriedhofs.
10. November 1930
Die Karlsruher Notgemeinschaft wird gegründet. Dieser Zusammenschluss der karitativen Verbände soll vorwiegend die Not jener lindern helfen, die als "Wohlfahrtserwerbslose" keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosenunterstützung haben. Das waren bei der Gründung bereits 2.500, 1932 werden 6.430 gezählt.
16. November 1930
Bei den Wahlen zum Bürgerausschuss wird die NSDAP mit 28 von 84 Abgeordneten stärkste Fraktion, womit sie bei dem vom Bürgerausschuss am 8. Dezember gewählten Stadtrat ebenfalls mit 8 von 24 Stadträten am stärksten vertreten ist.
21. November 1930
Eröffnung des Studentenhauses beim Durlacher Tor nach Plänen von Fritz Hirsch.
19. Dezember 1930
Im Landtag im Ständehaus kommt es zu einer Schlägerei zwischen Abgeordneten des Zentrums und der Nationalsozialisten.
8. April 1931
Die Schiffsbrücke über den Rhein bei Maxau wird durch die Kollision eines Dampfers schwer beschädigt und mehrere Wochen unpassierbar.
11. Mai 1931
Im Bürgerausschuss kommt es zu einer von den Nationalsozialisten provozierten Prügelei mit den Kommunisten.
26. Mai 1931
Während eines Propagandaumzuges der NSDAP in Karlsruhe wird das Lahrer SA-Mitglied Paul Billet auf der Kaiserstraße in Höhe der Adlerstraße von Gegendemonstranten getötet. Am 23. November 1935 wird an der Stelle ein Denkmal enthüllt, das im Juni 1945 auf Anweisung der französischen Besatzungsmacht beseitigt wird.
26. Juni 1931
Der "Führer", die Zeitung der badischen NSDAP, wird für vier Wochen verboten.
5./6. September 1931
Erste deutsche Ringtennismeisterschaften in Rappenwört. Karlsruhe gilt als deutsche Geburtsstätte dieses Sports, den Bürgermeister Hermann Schneider bei einer Schiffsreise kennenlernt und durch die Anlage von Spielfeldern in Rappenwört hier heimisch macht. 1933 wird die Tradition der Pfingstturniere in Rappenwört begründet.
Das 1929 eröffnete Rheinstrandbad Rappenwört. Im Vordergrund die typischen Pontons im Schwimmbecken, im Hintergrund das Restaurant, davor die Ringtennisanlage. StadtAK 8/PBS oXIIIc 450
1932
Erstellung der Holzhaussiedlung an der Pulverhausstraße (Stadtrandsiedlung) für Erwerbslose. Die Häuser haben zur Selbstversorgung jeweils einen großen Garten. Innerhalb von drei Jahren entstehen etwa 200 einfache Häuser zunächst ohne Versorgungsleitungen für Wasser, Strom und Gas.
1. Februar 1932
Schließung des Bahnhofs der Lokalbahn Durmersheim-Spöck an der Kapellenstraße und damit der innerstädtischen Lokalbahnstrecke. Der Bahnhof wird am 30. August 1937 abgerissen.
Die Lokalbahnstrecke durch die Kapellenstraße um 1910. Im Vordergrund rechts das Bahnhofsgebäude, in der Bildmitte die Kapelle des alten städtischen Friedhofs.
StadtAK 8/PBS oXIIIb 126
10. April 1932
Bei den Reichspräsidentenwahlen liegt im Ergebnis der Amtsinhaber Paul von Hindenburg deutlich vor Adolf Hitler.
31. Juli/6. November 1932
Bei den Reichstagswahlen im Juli und November erhalten die extremen Parteien mehr als die Hälfte der Stimmen: NSDAP 40,3 %, KPD 10,3 % im Juli. Im November verschiebt sich das Verhältnis leicht zugunsten der KPD: NSDAP 37,7 %, KPD 13,0 %.
November 1932
Die Ausstellung von Professoren der Landeskunstschule (Akademie) mit Beiträgen von August Babberger, Karl Hubbuch, Wilhelm Schnarrenberger und Paul Speck im Badischen Kunstverein stößt in der rechtsradikalen Presse auf schärfste Proteste.
Schnarrenberger
Dezember 1932
Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise registriert die Stadt 9.708 Arbeitslose.
5. Dezember 1932
Beginn der Organisation des Luftschutzes.
30. Januar 1933
Die NSDAP feiert Hitlers Ernennung zum Reichskanzler mit einem Fackelzug durch die Stadt.
Fackelzug vor der Hauptpost anlässlich der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler. StadtAK 8/Alben 5, S. 9
31. Januar 1933
Am Karlstor wird versuchsweise eine Uhrzeiger-Verkehrsampel aufgestellt.
3. Februar 1933
Verbot aller KPD-Veranstaltungen unter freiem Himmel durch den Polizeipräsidenten.
5. Februar 1933
Im Anschluss an eine Demonstration von SPD und "Eiserne Front" gegen die rechtsgerichteten Kräfte der "Harzburger Front" und der NSDAP kommt es zu Schlägereien auf dem Marktplatz, der Kaiser- und Kreuzstraße.
17. Februar 1933
Die Karlsruhe SPD weist in einem offenen Brief das Einheitsfrontangebot der KPD, die die Sozialdemokraten als "Sozialfaschisten" angefeindet hatte, zurück.
27. Februar 1933
Dreitägiges Verbot des "Volksfreund" durch den Innenminister.
4. März 1933
30 - 40.000 Menschen auf dem Schlossplatz sind Kulisse des Schlussappells einer Großdemonstration dieses Tages, die die hinter der Hitler-Regierung stehenden Parteien und Verbände organisieren.
5. März 1933
Bei den Reichstagswahlen verfehlt die NSDAP trotz starker Behinderung des Wahlkampfs der gegnerischen Parteien ihr erklärtes Ziel der absoluten Mehrheit in Baden wie in der Landeshauptstadt.
6. März 1933
Um 9 Uhr hissen SA-Leute gegen den Willen von Oberbürgermeister Finter auf dem Rathausturm die Hakenkreuzfahne. Auch andere öffentliche Gebäude werden so beflaggt. Die Fahne demonstriert die Ohnmacht der noch amtierenden demokratisch gewählten Landesregierung und der Stadtverwaltung. Die Parteifahne bleibt bis zum 11. März auf dem Rathausturm. Vor dem Verlagsgebäude des "Volksfreund" in der Waldstraße und dem SPD-Volkshaus in der Schützenstraße versammeln sich SA und eine große Menschenmenge, die die Einholung der Dreipfeilfahne der "Eisernen Front" fordert. Dies wird auf Anordnung des Innenministers von der Polizei getan. Das Volkshaus bleibt aus Sicherheitsgründen über Nacht besetzt.
10. März 1933
Beurlaubung und Inschutzhaftnahme hoher Polizeioffiziere. Neuer Polizeipräsident Karlsruhes wird der SA-Ortsgruppenführer Hans Elard Ludin.
10. März 1933
Sally Grünebaum, Redakteur des "Volksfreund" und Ludwig Marum, Reichstagsabgeordneter der SPD, werden in Schutzhaft genommen, das Gebäude des "Volksfreund" in der Waldstraße wird besetzt.
11. März 1933
Die seit 1927 amtierende Leiterin der Kunsthalle, Lilly Fischel, wird wegen ihrer jüdischen Abstammung zunächst beurlaubt und dann entlassen. Ihr Nachfolger wird Hans Adolf Bühler, seit 1932 Direktor der Landeskunstschule (Akademie). Der überzeugte Nationalsozialist Bühler behält beide Ämter bis zu seiner Entlassung im September 1934.
11. März 1933
Die NSDAP übernimmt mit einer Regierungsneubildung durch Reichskommissar Robert Wagner die Macht in Baden.
13. März 1933
Es kommt, angeblich "hauptsächlich" durch Zivilpersonen provoziert, zu Geschäftsschließungen in der Innenstadt wegen antijüdischer Ausschreitungen. Bei zahlreichen Haussuchungen bei KPD-Mitgliedern werden Vervielfältigungsapparate und antinational-sozialistische Flugschriften beschlagnahmt. Am folgenden Tag finden erneut bei KPD- und SPD-Mitgliedern Kontrollen statt, die sich in den folgenden Wochen wiederholen. Am 25. März wird ein führendes Mitglied der badischen KPD, der Abgeordnete Robert Klausmann, im Hauptbahnhof verhaftet.
14. März 1933
Große Kundgebung auf dem Schlossplatz "zur Feier der nationalen Erhebung".
17. März 1933
Etwa 100 Personen werden in Karlsruhe verhaftet und in der Riefstahlstraße in U-Haft eingeliefert. Am Tage davor hat der geisteskranke SPD-Landtagsabgeordnete Daniel Nußbaum in Freiburg bei seiner Verhaftung zwei Polizisten erschossen.
20. März 1933
Dem Oberbürgermeister und den drei Bürgermeistern Karlsruhes werden nationalsozialistische Kommissare als Aufsicht zugeordnet.
21. März 1933
Die Reichstagseröffnung in der Potsdamer Garnisonskirche wird auf dem Marktplatz mit Lautsprechern übertragen. Am Abend nehmen nach Angaben der Tagespresse 100.000 Menschen an einer Kundgebung mit Kultusminister Otto Wacker teil.
24. März 1933
Der Stadtrat beschließt auf Antrag der Nationalsozialisten u. a. einen Ausschluss jüdischer Unternehmer von städtischen Aufträgen. Am 30. März werden weitere antijüdische Maßnahmen beschlossen.
27. März 1933
Drei Personen werden festgenommen, weil sie Handzettel mit kommunistischem Inhalt unauffällig an Passanten verteilen. Nach ähnlichen Vorkommnissen in den nächsten Wochen werden weitere Karlsruher meist aus dem kommunistischen Widerstand verhaftet.
28. März 1933
Peter Paul Freiherr von Eltz-Rübenach verabschiedet sich als Präsident der Reichsbahndirektion Karlsruhe. Er tritt als Reichspost und -verkehrsminister in das erste Kabinett Hitler ein.
30. März 1933
Die "Badische Presse" berichtet von zahlreichen Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte in den vorangegangenen Tagen. Städtische Beamte dürfen nach einem Beschluss des Stadtrates nicht mehr Mitglied der SPD sein.
1. April 1933
Die Nationalsozialisten organisieren auch in Karlsruhe einen Boykott jüdischer Geschäfte. Die Geschäfte sind mit einem gelben Fleck auf schwarzem Grund gekennzeichnet. Boykottbrecher sollen von Parteigenossen photographiert werden. Photoaufnahmen der Aktion sind jedoch nicht gestattet.
1. April 1933
Die Beurlaubungen, Umsetzungen und Verhaftungen von Mitarbeitern staatlicher und städtischer Behörden gehen weiter. Mit Ministerialrat Frech und Prof. Graf trifft es z. B. zwei Mitglieder des Zentrums. Anfang April wird der Landtagsabgeordnete des Zentrums Hilbert wegen Führerbeschimpfung verhaftet.
5. April 1933
Sämtliche Juden im öffentlichen Dienst werden beurlaubt. Nach Erlass des "Reichsgesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April werden sie mit Ausnahme der Kriegsteilnehmer 1914 - 1918 entlassen. Betroffen sind auch Kommunisten und Sozialdemokraten.
8. - 30. April 1933
Ausstellung "Regierungskunst 1918 - 1933", im Auftrag des badischen Kultusministers Otto Wacker zusammengestellt vom Akademie- und Kunsthallendirektor Prof. Hans Adolf Bühler. Die Ausstellung ist gedacht als Abrechnung mit der Kulturpolitik der Weimarer Republik. Sie ist eine der ersten Ausstellungen "entarteter" Kunst in Deutschland.
20. April 1933
Hitlers Geburtstag wird mit großem Aufwand gefeiert. Auf dem Schlossplatz wird eine Hitler-Linde gepflanzt.
22. April 1933
Zwei Tage nach der Berliner Uraufführung wird das nationalsozialistische Drama "Schlageter" von Hans Johst in Karlsruhe gezeigt. Albert Leo Schlageter war wegen Sabotage gegen die französische Besatzung im Ruhrgebiet 1923 hingerichtet worden. Die Nationalsozialisten vereinnahmten ihn als "Märtyrer der Bewegung" und stilisierten ihn zum Vorbild der Jugend.
1. Mai 1933
Der 1. Mai wird erstmals im Sinne der Nationalsozialisten nicht als klassenkämpferische Kundgebung, sondern als "Fest der nationalen Entschlossenheit und Feiertag der deutschen Arbeit" begangen.
2. Mai 1933
Auch in Karlsruhe werden die Häuser der nun verbotenen Gewerkschaften besetzt und ihr Vermögen beschlagnahmt.
4. Mai 1933
Generalmusikdirektor Joseph Krips wird mit Wirkung zum 31. August entlassen. Zu seinem Nachfolger wird am 22. November 1935 Josef Keilberth ernannt. Bereits im März waren der Generalintendant Dr. Hans Waag und zahlreiche Künstler entlassen worden.
6. Mai 1933
Der Verlag des "Führer" gibt die Übernahme der sozialdemokratischen Druckerei und des Verlagsgebäudes des "Volksfreund" in der Waldstraße bekannt.
6./7. Mai 1933
Treffen der Hitler-Jugend im Hochschulstadion (30.000 Teilnehmer) mit einer Ansprache des Reichsjugendführers Baldur von Schirach. Zahlreiche andere Massenveranstaltungen folgen.
8. Mai 1933
Der Oberbürgermeister Dr. Julius Finter und die drei Bürgermeister Karlsruhes werden endgültig abgelöst und pensioniert.
9. Mai 1933
Von dem gemäß dem Reichstagswahlergebnis vom 5. März umgebildeten Gemeinderat werden Adolf Hitler, Robert Wagner und Walter Köhler zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt. Zahlreiche Straßen und Plätze erhalten neue Namen: Marktplatz: Adolf-Hitler-Platz, Durlacher Allee: Robert-Wagner-Allee, Gottesauer Platz: Hermann-Göring-Platz, Waldring: Horst-Wessel-Ring.
11. Mai 1933
Erste große Luftschutzübung mit Verdunkelungsmaßnahmen in Karlsruhe.
Luftschutz
16. Mai 1933
Um die Mittagszeit werden sieben Karlsruher Sozialdemokraten - Adam Remmele, Ludwig Marum, Hermann Stenz, Sally Grünebaum, Erwin Sammet, Gustav Heller, August Furrer - nach einer Schaufahrt auf offenem Wagen durch die Stadt in das Konzentrationslager Kislau überführt. Tausende von Karlsruhern beteiligen sich an dem Spektakel. Wenige aus der Menge, die mit dem Ruf "Rotfront" protestieren, werden sofort verhaftet.
"Schaufahrt"
Abtransport von sieben Karlsruher Sozialdemokraten ins KZ Kislau. StadtAK 8/Alben 5, S. 31b
18. Mai 1933
Wahl des neuen Oberbürgermeisters im Bürgerausschuss. Die SPD nimmt aus Protest gegen ihren Ausschluss von der Mitarbeit in den Kommissionen an der Sitzung nicht teil. Neuer Oberbürgermeister ist der Nationalsozialist Adolf Friedrich Jäger, der seit 8. Mai als kommissarischer Oberbürgermeister amtiert.
20. Mai 1933
Einweihung des neuen Diakonissen-Krankenhaus in Rüppurr.
3. Juni 1933
Der frühere badische Staatspräsident und Reichsfinanzminister (1928/29) der letzten demokratischen Regierung, Heinrich Köhler vom Zentrum, wird in Schutzhaft genommen.
9. Juni 1933
Wie im öffentlichen Dienst wird auch in der Industrie "gesäubert". Die Firma Haid & Neu erhält vom Wirtschaftsministerium nach umfangreichen Änderungen im Aufsichtsrat und Vorstand das Recht, sich als "deutsche Firma" zu bezeichnen.
17. Juni 1933
Auf dem Schlossplatz verbrennt die Hitler-Jugend im Rahmen einer Sonnwendfeier "Schmutz- und Schundliteratur", darunter Bücher von Erich Maria Remarque und Erich Kästner. Die Bücher stammen aus den zuvor systematisch "gesäuberten" Leihbüchereien, Buchhandlungen und anderen Institutionen.
Bücherverbrennung
Bücherverbrennung durch die Hitler-Jugend am 17. Juni 1933.
StadtAK 8/Ze Der Führer vom 18.6.1933
23. Juni 1933
Mit dem Verbot der SPD scheiden deren Abgeordnete aus dem Bürgerausschuss aus.
24. Juni 1933
In Karlsruhe bleiben die Vertreter der aufgelösten Zentrumspartei als Hospitanten der NSDAP bis zur Aufhebung des Bürgerausschusses im Amt.
23. Juli 1933
Feierliche Einführung des ersten evangelischen Landesbischofs D. Julius Kühlewein in der Stadtkirche.
30. September 1933
Die letzten sechs Postpferde, die im Paketzustelldienst eingesetzt sind, werden durch Kraftfahrzeuge ersetzt.
1. Oktober 1933
Eröffnung des nationalsozialistischen Winterhilfswerks, das in Karlsruhe die Nachfolge der aufgelösten Karlsruher Notgemeinschaft antritt. Es soll allen Hilfsbedürftigen den nötigen Lebensunterhalt sichern. Nationalsozialisten und "erbgesunde, kinderreiche Familien" werden jedoch bevorzugt.
11. November 1933
Bei der "Reichstagswahl und Volksabstimmung für Frieden, Freiheit und Ehre" stimmen rund 90 % der Karlsruher mit Ja und für Adolf Hitler. Im Wahlkampf spricht am 2. November Joseph Goebbels in Karlsruhe, und am 10. November wird eine Hitler-Rede öffentlich vor Festhalle und Rathaus über Rundfunk übertragen.
Dezember 1933
Gastspiel der Mailänder Scala mit dem "Barbier von Sevilla".
18. Dezember 1933
Wegen anhaltenden Treibeises auf dem Rhein wird die Schifffahrt eingestellt und die Maxauer Schiffsbrücke geschlossen.
8. Februar 1933
Ein Erdbeben mit Epizentrum bei Rastatt erschüttert den Rheingraben.
1934
Das Badische Landesdenkmalamt wird in Karlsruhe eingerichtet.
1934
Fertigstellung des Südbeckens (heute Becken IV) des Rheinhafens.
1934
Die Kunsthalle wird für fünf Jahre teils aus renovatorischen, teils aus strategischen Gründen geschlossen. Sie wird so dem Kreuzfeuer der Kritik an ihrer widersprüchlichen Kunstpolitik entzogen.
23. Januar 1934
Letzte Sitzung des Bürgerausschusses, vor dem Gesetz vom 6. März 1934 über dessen Aufhebung.
1. Februar 1934
Die Stadt Karlsruhe tritt der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" (KdF) als erste badische Gemeinde als förderndes Mitglied bei.
8. Februar 1934
In Karlsruher Schulen werden 30 Schulfahnen geweiht.
13. Februar 1934
Nach langer Pause zieht wieder ein großer Fastnachtsumzug durch die Stadt.
17. März 1934
In einem Lagebericht des Geheimen Staatspolizeiamtes Karlsruhe wird festgestellt, im letzten Halbjahr 1933 seien in Karlsruhe 36 Verteiler einer illegalen KPD-Zeitung und KPD-Organisatoren verhaftet worden.
28./29. März 1934
Im Konzentrationslager Kislau wird in der Nacht der Karlsruher SPD-Reichstagsabgeordnete Ludwig Marum von Nationalsozialisten ermordet.
28. April 1934
Feierliche Eröffnung der Akademie für zahnärztliche Fortbildung im Rathaus. Sie entsteht aus dem seit 1920 bestehenden Lehrinstitut für Dentisten.
27. Mai 1934
Ein Sonderzug der Organisation "Kraft durch Freude" bringt 500 Karlsruher Urlauber nach Oberbayern.
11. Juni 1934
Friedrich Weick, SPD-Stadtverordneter in Karlsruhe 1933, wird vom Sondergericht Mannheim zu zwei Jahren und acht Monaten Zuchthaus verurteilt, weil er den Vertrieb von aus dem Elsass eingeschmuggelten Zeitungen organisiert hat. Er verliert kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in einem Strafbataillon auf Kreta unter ungeklärten Umständen das Leben.
14. Juli 1934
Freigabe des verbreiterten Stichkanals des Rheinhafens.
19. August 1934
Die Volksabstimmung über die Vereinigung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers in der Person Adolf Hitlers wird auch in Karlsruhe "zu einem überwältigenden Bekenntnis zum Führer".
22. September 1934
Einweihung des Schlageter-Denkmals. Das Denkmal im Beiertheimer Wäldchen wird 1945 auf Anweisung der Besatzungsmacht beseitigt.
Oktober 1934
Verhaftung einer Gruppe von Karlsruher SPD-Widerstandskämpfern.
Oktober 1934
Einweihung des "Bannheims" der Karlsruher Hitler-Jugend "Fritz-Körber-Heim" in der Kriegsstraße 57. Die Hitler-Jugend existiert in Karlsruhe seit 1929.
17. Oktober 1934
Der Karlsruher Hausfrauenbund wird in die NS-Frauenschaft eingegliedert.
21. Oktober 1934
Einweihung der neuen Markthalle (dreischiffige Stahlbetonkonstruktion) am Platz des alten Hauptbahnhofs an der Kriegsstraße. Erster Markttag ist der 25. Oktober. Die Markthalle wird 1970 für den Neubau des Staatstheaters abgerissen.
Die alte Markthalle am Platz des früheren Hauptbahnhofs. StadtAK 8/PBS oXIVa 1554
20. Dezember 1934
Gustav Kappler, Stadtverordneter der KPD von 1929 - 1933, wird vom Oberlandesgericht Kalsruhe wegen "illegaler" Widerstandstätigkeit für die KPD zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.
1935
Fertigstellung des Ölbeckens (heute Becken V) im Rheinhafen. Die Bauarbeiten am Stichkanal (heute Becken VI) dauern bis 1939 an. In die nach 1918 als Wohngebäude genutzte Kaserne Gottesaue zieht die Polizei- und Gendarmerieschule ein.
1. April 1935
Knielingen wird eingemeindet.
Mai 1935
Einrichtung einer Blitzflugverbindung Karlsruhe-Berlin. Die Flugzeit beträgt zweieinhalb Stunden.
23. Juni 1935
Feierliche Enthüllung des Carl-Benz-Denkmal in Anwesenheit der Witwe Berta Benz in der Kriegsstraße. Die 1958 neu geschaffene Büste steht heute in der Beiertheimer Allee.
Carl Benz
27. Juni 1935
Starke Erdstöße führen zum Einsturz von Kaminen. Ein Teil eines Steinkreuzes der Bernharduskirche fällt auf die Straße. Ein weiteres Erdbeben am 30. Dezember richtet keine nennenswerten Schäden an.
21. - 28. Juli 1935
Das Reichsbund-Gaufest für Leibesübungen findet in Karlsruhe statt.
Oktober 1935
Baubeginn der Kirchpfad-Siedlung bei Rintheim.
2. Oktober 1935
Eröffnung der Karlsruher Bruckner-Tage.
6. Oktober 1935
Feierliche Einweihung der Markuskirche in der Weinbrennerstraße. Die Pläne fertigte Prof. Otto Bartning.
11. Oktober 1935
Elftes Badisches Sängerfest mit über 30.000 Beteiligten.
29. Oktober 1935
Nach Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht rücken die ersten Rekruten in Karlsruher Kasernen ein.
9. Dezember 1935
Umbau des Durlacher-Tor-Platzes mit Verlegung der Haltestellen abgeschlossen.
10. Dezember 1935
Erstes öffentliches Eintopfessen in der Festhalle mit Beteiligung führender Persönlichkeiten der Stadt. Zuvor schon gilt einmal im Monat Eintopf als Sonntagsessen. Die eingesparten Beträge werden von verschiedenen Parteiorganisationen eingesammelt und dem Winterhilfswerk zugeführt.
1936
Neubau der Karlsruher Milchzentrale an der Durlacher Allee.
11. Januar 1936
Anselm Feuerbachs Gemälde "Das Gastmahl des Plato" wird aus Berlin wieder in die Kunsthalle nach Karlsruhe zurückgebracht. Es war am 4. Januar zur Ausschmückung des Repräsentationssaals der Reichskanzlei nach Berlin gebracht worden, hatte dort aber den Erwartungen nicht entsprochen.
16. Januar 1936
Die Badische Staatskapelle gibt das erste Betriebskonzert Badens in den Schaerer-Werken im Rheinhafen.
7. März 1936
Nach der Aufhebung der entmilitarisierten Zone durch Adolf Hitler rücken noch am selben Tag die ersten Truppen in Karlsruhe ein. Sie werden auf dem Adolf-Hitler(Markt)-Platz freudig begrüßt.
12. März 1936
60.000 z. T. mit 25 Sonderzügen nach Karlsruhe gebrachte Menschen hören in einem Riesenzelt auf dem Hochschulsportplatz eine Wahlkampfrede Hitlers, in der er, der dreieinhalb Jahre später Deutschland in den Zweiten Weltkrieg führen wird, Friedensabsichten äußert.
29. März 1936
98,7 % der Wählerstimmen in Karlsruhe bei den Wahlen für Adolf Hitler.
17. April 1936
Ein zwölfstündiger Schneesturm richtet große Baumschäden an.
9. Mai - 14. Juni 1936
Ausstellung "Leben und Schaffen der Gau-und Grenzhauptstadt Karlsruhe".
10. Mai 1936
Zum Karlsruher Garnisonstag kommen Zehntausende ehemaliger Soldaten. Der Karlsplatz (heute Kolpingplatz) wird in Langemarck-Platz umbenannt.
25. Mai 1936
"Reichsinstitut für Lebensmittelfrischhaltung" feierlich eröffnet. Es ist der Technischen Hochschule angegliedert.
11. Juni 1936
Adolf Mühlhäuser, "Ortsdiener" der Zeugen Jehovas in Karlsruhe, wird wegen Fortführung einer von der nationalsozialistischen Regierung verbotenen Organisation verhaftet. Er kommt im März 1940 im Konzentrationslager Mauthausen ums Leben. Mindestens zwei weitere Karlsruher Zeugen Jehovas bezahlen das Festhalten an ihrem Glauben ebenfalls mit dem Tod im Konzentrationslager.
1. August 1936
Emil Sutor, Bildhauer aus Karlsruhe, erhält für zwei Reliefgruppen beim Kunstwettbewerb zur Olympiade in Berlin eine Goldmedaille.
November 1936
Die Modernisierung und Verlegung der Flugplatzeinrichtungen auf die Ostseite an der Hindenburgstraße (heute Erzbergerstraße) sind mit der Fertigstellung des verwaltungs- und Restaurantgebäudes abgeschlossen.
11. November 1936
Eröffnung der neuen Hochschule für Lehrerbildung in der Bismarckstraße durch Unterrichtsminister Dr. Otto Wacker. 1932 war die Lehrerbildungsanstalt Karlsruhe geschlossen worden.
14. November 1936
Mit der Aufhebung der restriktiven Bestimmungen des Versailler Vertrages über die Wasserstraßen nimmt der Umschlag im Rheinhafen zu. Der Gütertransport durch Lastkraftwagen, der Hafen Kehl und die Fertigstellung des Neckarkanals bremsen die weitere Entwicklung.
1937
Fertigstellung der Volksschule Pulverhausstraße, dem einzigen Schulbau zwischen 1933 und 1945.
1937
Bau der Reichssportfliegerschule am Flughafen.
10. Januar 1937
Eine neue Ortsstraßen-Verkehrsordnung verhängt u. a. ein Parkverbot für die Kaiserstraße. Neugestaltung der Robert-Wagner-Allee (Durlacher Allee) durch Verbreiterung und Höherlegung beschlossen.
13. Januar 1937
Vorstellung eines Films über Karlsruhe von Hugo Landgraf.
5. Februar 1937
Gesamtverdunkelungsübung für Karlsruhe und Durlach.
19. März 1937
In Karlsruhe wird das erste Wirtschaftsabitur an der Höheren Handelsschule im Zirkel abgenommen.
23. März 1937
Der Pianist Frederik Lamond wird in Karlsruhe als Liszt- und Beethoven-Interpret stürmisch gefeiert.
1. April 1937
Jeder sechste Karlsruher verfügt über ein Rundfunkgerät. 1940 ist schon jeder vierte Karlsruher Rundfunkteilnehmer.
24. April 1937
Feierliche Eröffnung der Außenstelle des Rechnungshofs des Deutschen Reichs.
30. April 1937
Das "Karlsruher Tagblatt" muss sein Erscheinen einstellen.
9. Mai 1937
Ende der antikommunistischen Ausstellung "Der Bolschewismus", die 80.000 Besucher sahen.
24. Juli 1937
Erster Bauabschnitt der Rheinstrandsiedlung bezugsfertig. Geplant sind insgesamt 600 Wohneinheiten, von denen 1945 erst etwa 150 erstellt sind.
14. August 1937
Stillegung der Lokalbahnstrecken Kühler Krug-Mörsch. Die Strecken Kühler Krug-Grünwinkel-Daxlanden folgt am 31. März 1938. In Betrieb bleibt bis Kriegsende die Strecke Hauptfriedhof-Hagsfeld.
26. August 1937
Beisetzung des tödlich verunglückten Karlsruher Motorsportlers und Europameisters Karl Braun.
1. Oktober 1937
Die Eröffnung des Autobahnabschnitts Bruchsal-Karlsruhe schafft den Anschluss an die Strecke bis Frankfurt. Am 10. Dezember 1938 ist der Abschnitt nach Pforzheim fertig gestellt. Die Planungen für den Bau der "Hafraba" reichen bis zur Mitte der zwanziger Jahre zurück. Die Stadt Karlsruhe war daran beteiligt.
Einweihung der Autobahnstrecke Bruchsal-Karlsruhe am 1. Oktober 1937. StadtAK 8/Alben 5, S. 135b
10. Oktober 1937
Im Rahmen der Gaukulturwoche findet in der Kunsthalle eine "Moritz von Schwind-Ausstellung" statt, der Kunstverein zeigt die Sonderschau "Badische Maler der Gegenwart".
28. November 1937
Im Karlsruher Konzerthaus wird die neue Sendestation des Reichsrundfunks feierlich in Betrieb genommen.
10. - 12. Dezember 1937
Tagung des Reichsausschusses für Krebsforschung und der Deutschen Röntgengesellschaft.
1938
Die Stadt erwirbt für 710.000 Mark das Markgräfliche Palais am Rondellplatz.
17. Januar 1938
Freigabe der neuen Brücke über den Rhein bei Maxau für den Straßenverkehr. Ab 3. April fährt auch die Eisenbahn über die neue Brücke. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, am 20. März 1945, wird sie von deutschen Pionieren gesprengt.
Die neue Rheinbrücke, im Vordergrund die alte Schiffsbrücke.
StadtAK 8/Alben 5, S. 165
21. März 1938
Eröffnung des Arbeitsamts in dem Neubau an der Kapellenstraße.
28. März 1938
Der Befehl Adolf Hitlers zum Bau des Westwalls bedeutet den Bau von etwa 50 Bunkern auf Karlsruher Gemarkung.
April 1938
Eingemeindung von Durlach und Hagsfeld.
August 1938
Dr. Oskar Hüssy wird Nachfolger des aus Altersgründen ausscheidenden Oberbürgermeisters Adolf Friedrich Jäger.
5. August 1938
Die neue Rheinkaserne in Knielingen wird von Pionieren bezogen.
6. August 1938
In die neue Mackensen-Kaserne nördlich des Hauptfriedhofs zieht eine Panzerabwehr-Abteilung ein.
4. September 1938
Die Firma Friedrich Hoelscher KG übernimmt das Warenhaus der jüdischen Geschwister Knopf. Dies ist nur eines von vielen Beispielen der "Arisierung" jüdischer Firmen, die nach dem 10. November 1938 verstärkt fortgeführt wird. Am 24. August 1953 erwirbt die Karstadt AG das Kaufhaus.
Oktober 1938
Die Zahl der Arbeitslosen, die im Winter 1932/33 etwa 15.000 betragen hat, sinkt erstmals wieder unter 1.000. Arbeitsbeschaffungsprogramme, die vor 1933 schon geplant waren, Autobahn- und Westwallbau, Wehrdienst und sicher auch die Umstellung auf kriegswichtige Produktion tragen dazu bei.
28. Oktober 1938
Im Rahmen der reichsweiten sogenannten Polenaktion muessen laut einer im Archiv des Internationalen Suchdienstes in Arolsen ueberlieferten Liste 61 in Karlsruhe lebende Juden polnischer Staatsangehoerigkeit die Stadt sofort verlassen.
30. Oktober 1938
Eröffnung der neu geschaffenen Kammerspiele im Künstlerhaus Ecke Karl-/Sophienstraße.
1. November 1938
Ein Prototyp des KdF-Wagens, aus dem später der Volkswagen wird, ist - wie überall im Lande um diese Zeit - auf dem Marktplatz ausgestellt.
Der erste Volkswagen wurde auf dem Marktplatz von Schaulustigen umlagert.
StadtAK 8/Alben 5, S. 180
9./10. November 1938
In der von den Nationalsozialisten so genannten "Reichskristallnacht" werden von Nationalsozialisten die beiden Karlsruher Synagogen in Brand gesteckt, zahlreiche jüdische Geschäfte zerstört und auch Wohnungen verwüstet.
10. November 1938
Durch eine vielhundertköpfige, johlende Menschenmenge werden viele Juden über den Marktplatz in das Polizeipräsidium getrieben und in zahlreichen Fällen dabei misshandelt. In der folgenden Nacht werden etwa 400 - 500 Juden in das Konzentrationslager Dachau verschleppt.
11. November 1938
Einweihung der nach Plänen von Prof. Hermann Billing erbauten Reichspostdirektion am Ettlinger Tor.
29. November 1938
Die Karlsruher Musikhochschule wird staatliche Institution unter Leitung von Franz Philipp.
1. Dezember 1938
In einer Ratssitzung wird mitgeteilt, dass etwa 1.000 Kleinwohnungen fehlen. Der Wohnungsbau hat - entgegen der nationalsozialistischen Propaganda - die Durchschnittszahlen aus der Zeit der Weimarer Republik nicht erreicht.
8. Dezember 1938
Erste Weihnachtsbeleuchtung in der Kaiserstraße.
Erste Karlsruher Weihnachtsbeleuchtung. Blick vom Mühlburger Tor in die Kaiserstraße. StadtAK 8/Alben 5, S. 188b
1939
Beginn des Baus von Luftschutzbunkern in den Außenbezirken. In der Innenstadt gibt es lediglich Hausschutzräume.
1939
Das Badenwerk kauft den großen Garten der alteingesessenen Karlsruher Familie Klose vor dem Ettlinger Tor.
15. Januar 1939
Die noch weitgehend intakte Synagoge in der Kronenstraße wird auf Kosten der jüdischen Gemeinde auf Anordnung der Stadtverwaltung abgebrochen.
Abbruch der Synagoge in der Kronenstraße. Ein nahes Benzinlager hatte in der "Reichskristallnacht" ihre Zerstörung verhindert. StadtAK 8/PBS oXIVc 160
5. März 1939
Wie schon in den Jahren zuvor verlangen am Film-Volkstag die Kinos nur 10 Pfg. Eintritt. In diesem Jahr kommen u. a. folgende Filme in die Kinos: "Ninotschka" (Greta Garbo), "Vom Winde verweht" (Vivian Leigh, Clark Gable), "Robert Koch" (Emil Jannings, Werner Kraus), "Bel ami" (Willi Forst), "Effie Briest" (Marianne Hoppe).
25. März 1939
Gauleiter Robert Wagner sieht sich wegen der Wohnungsnot (es fehlen über 1.500 Wohnungen) veranlasst, die Freimachung von Dachstühlen anzuregen. Die Neubautätigkeit in der Stadt liegt 1939 unter dem Reichsdurchschnitt.
2. April 1939
Gründung eines städtischen Singchores unter Leitung von Fritz Kölble. Er soll das kulturelle Leben der Stadt beleben und gibt am 8. Mai 1940 sein erstes Konzert.
7. Mai 1939
Einweihung der Freiherr-von-Forstner-Kaserne im Hardtwald.
17. Mai 1939
Anlässlich einer Westwallbesichtigung kommt Adolf Hitler nach Karlsruhe, wo er im Hotel Germania am Ettlinger Tor mit dem Oberbefehlshaber des Heeres Walter von Brauchitsch zusammentrifft. Er übernachtet in seinem Sonderzug bei Eggenstein.
18. Mai 1939
Gastspiel Heinrich Georges mit dem "Ur-Götz" von Johann Wolfgang von Goethe.
2. Juli - 23. August 1939
Die Kunsthalle eröffnet nach fünfjähriger Schließung mit einer Ausstellung zum 100. Geburtstag Hans Thomas, zu der über 34.000 Besucher kommen. Der neugestaltete Feuerbach-Saal ist wieder zugänglich.
18. Juli 1939
Probealarm mit den Großalarmsirenen im gesamten Stadtgebiet.
27. August 1939
Das Ernährungs- und Wirtschaftsamt, das am 16. März 1940 im Markgräflichen Palais am Rondellplatz einzieht, ordnet die Verteilung der schon längere Zeit vorbereiteten Karten zum Bezug von Lebensmitteln an.
31. August 1939
Die Pläne zur Umsiedlung des Stadtgartens (Fasanengarten oder Turmberggegend) sind soweit gediehen, dass die ersten Tiere abtransportiert werden. Die Ettlinger Straße soll für Truppenparaden ausgebaut, das Sallenwäldchen mit monumentalen NS-Bauten zugestellt werden. Am 14. Juli 1941 stoppt Oberbürgermeister Dr. Oskar Hüssy die weiteren Planungen wegen der Kriegsverhältnisse.
1. September 1939
Seit Ausbruch des Krieges beginnt die Evakuierung von etwa 90.000 der 190.000 Karlsruher Einwohner (ältere Frauen, Kinder, Kranke, Gebrechliche) aus der Stadt, die wegen der Grenznähe direkt durch das Kriegsgeschehen bedroht scheint. Bis Weihnachten 1939 können die Evakuierten zurückkehren.
15. Dezember 1939
Einführung der Reichskleiderkarte wie im ganzen Reich.