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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Digitale Angebote: Stadtchronik Karlsruhe


 

Die Chronik bietet Einträge zur Geschichte der Stadt Karlsruhe von ihrer Gründung als Residenz­stadt im Jahre 1715 an bis in die Gegenwart als Zentrum der Techno­lo­gie­Re­gion Karlsruhe. Stadt­teilchro­ni­ken der einge­mein­de­ten, ehemals selbstän­di­gen Stadtteile, die zum Teil sehr viel älter sind als Karlsruhe, liefern histo­ri­sche Infor­ma­tio­nen über die Entwick­lung des geogra­fi­schen Raumes, den die Großstadt Karlsruhe heute einnimmt. Die den Einträgen zugeord­ne­ten Bilder veran­schau­li­chen auch das jeweilige Zeitko­lo­rit, und an der Folge histo­ri­scher Stadtpläne kann die stadt­pla­ne­ri­sche Entwick­lung nachvoll­zo­gen werden.

 
1910
Im Hafengelände werden erstmals Grundstücke an Industrieunternehmen verkauft. Zuvor hat die Stadt nur Pachtverträge abgeschlossen.
1910
Das Dienstgebäude des Evangelischen Oberkirchenrats in der Blumenstraße, nach Plänen des Architekturbüros Curjel & Moser gebaut, ist fertig gestellt.
1910
Die Musikbildungsanstalt wird mit dem Großherzoglichen Konservatorium vereinigt.
1910
Im Wintersemester 1910/11 verzeichnen die Hörerlisten der Technischen Hochschule 48 Studentinnen von insgesamt 198 Hörerinnen und Hörern. Ordentliche Studentinnen sind im Wintersemester vier gemeldet, und im Jahr 1915 wird mit der Chemikerin Irene Rosenberg die erste Frau promoviert.
1. Januar 1910
Daxlanden wird eingemeindet gemäß Landesgesetz vom 22. Dezember 1909.
23. Mai 1910
Der Bürgerausschuss bewilligt die Mittel für eine Schwemmkanalisation und eine Kläranlage für die Abwässer. Gleichzeitig werden Mittel für den Ausbau des Kanalsystems vorgesehen.
Einblick in den Landgraben. StadtAK 8/PBS oXIVb 587
25. Juni 1910
Der am 17. November 1891 gegründete Karlsruher Fußballverein (KFV) feiert im Friedrichshof die an Pfingsten errungene Deutsche Fußballmeisterschaft. Endspielgegner war in Köln die Mannschaft von Holstein Kiel.
24. - 30. Oktober 1910
Eine Ausstellung im Badischen Kunstverein mit Werken von Braque, Jawlensky, Kandinsky, Kanoldt und Picasso wird als Skandal empfunden.
1. Januar 1911
Das "Karlsruher Tagblatt", das seit 1803 erscheint und seit 1843 diesen Namen führt, wird aus einem Anzeigenblatt zu einer politischen Zeitung.
17. März 1911
Premiere des "Rosenkavalier" von Richard Strauss acht Wochen nach der Uraufführung in Dresden.
24./25. Mai 1911
Auf dem Karlsruher Exerzierplatz finden Flugtage statt.
Juni 1911
Die Wahlen zur Gemeindevertretung ergeben folgende Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung: Nationalliberale Partei 30, SPD 30, Fortschrittliche Volkspartei 18, Zentrum 16, Konservative 2. Dem von dieser Versammlung gewählten Stadtrat gehören an Nationalliberale Partei 8, SPD 6, Fortschrittliche Volkspartei 4, Zentrum 3, Konservative 1. Gewählt wurde nach dem neuen Wahlgesetz vom 26. September 1910, das die Einteilung in Wählerklassen nach dem Steueraufkommen zwar beibehielt, den Einfluss der Mittel- und Niederbesteuerten aber erhöhte.
21. September 1911
Für die Höhere Mädchenschule wird ein zweites Schulhaus am Gutenbergplatz eröffnet. Es erhält den Namen Lessingschule. Hier wird auch das 1893 gegründete Mädchengymnasium untergebracht. Die alte Schule an der Sophienstraße bleibt Höhere Mädchenschule und erhält den Namen Fichteschule.
30. September 1911
Zum 100. Geburtstag der am 7. Januar 1890 verstorbenen Kaiserin Augusta findet in dem Orangeriegebäude eine Gedenkfeier statt, in der Kunsthalle ist eine Ausstellung arrangiert.
1912
Gründung des "Bundes Badischer Künstlerinnen".
12. Januar 1912
Bei den Reichstagswahlen unterliegt der Sozialdemokrat Adolf Geck dem Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei sowohl in der Stadt wie im Wahlbezirk. Ludwig Haas wird neuer Reichstagsabgeordneter.
Ludwig Haas
29. Juli 1912
Der Bürgerausschuss bewilligt die Einrichtung eines Messplatzes an der Durlacher Allee, womit der Messe, die nach 1873 nicht mehr auf dem umgestalteten Schlossplatz stattfinden konnte, wieder ein fester Standort zugewiesen ist.
20. September 1912
Erstmals brennt auf der Kaiserstraße eine elektrische Straßenbeleuchtung.
27. Oktober 1912
Einweihung der katholischen Heiliggeistkirche in Daxlanden.
1913
Der bisher im Rathaus angesiedelte Krankenkassenverband bezieht sein eigenes Verwaltungsgebäude in der Gartenstraße 14/16.
1913
Die Malzkaffee-Fabrik Kathreiner nimmt am Rheinhafen eine Großanlage in Betrieb.
13. Mai 1913
Das vom Bürgerausschuss beschlossene Ortsstatut bestimmt für das Handelsgewerbe die völlige Sonntagsruhe mit Ausnahme der letzten vier Sonntage vor Weihnachten. Dem waren seit den 1890er Jahren zahlreiche Auseinandersetzungen um die Kürzung der Öffnungszeiten am Sonntag vorausgegangen.
10. September 1913
Fertigstellung des neuen städtischen Kinderheims in der Sybelstraße.
21./30. Oktober 1913
Bei den Landtagswahlen gewinnt die SPD zwei, die Nationalliberalen und die linksliberale Fortschrittliche Volkspartei je ein Mandat.
22./23. Oktober 1913
Inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofs südlich des Stadtgartens. Baubeginn war der 10. September 1906. Den Architektenwettbewerb hatte Prof. August Stürzenacker aus Karlsruhe gewonnen. Fast 30.000 Menschen lösten vom 22. - 26. Oktober Bahnsteigkarten, um den neuen Bahnhof zu besichtigen. Mit dem alten Hauptbahnhof an der Kriegsstraße werden auch der am Mühlburger Tor und der in Mühlburg geschlossen.
Der neue Hauptbahnhof im Jahre 1914 vom Lauterberg aus gesehen. StadtAK 8/PBS oXIVa 309
8. November 1913
Fertigstellung der Ettlinger Straße.
9. - 13. November 1913
Erste Karlsruher Richard-Strauss-Festwoche. Strauss dirigiert selbst eigene Kompositionen.
22. November - 7. Dezember 1913
Ausstellung für Siedlungswesen, Städtebau- und Wohnwesen des Badischen Architekten- und Ingenieurvereins. Sie zeigt auch städtebauliche Aufgaben für Karlsruhe.
8. Dezember 1913
Die Lokalbahn eröffnet den Betrieb auf der Strecke Grünwinkel-Daxlanden.
16. Dezember 1913
Der Bürgerausschuss beschließt die Anlage von Kleingärten im Gewann Dammerstock. Eine weitere Anlage folgt 1914 westlich der Yorkstraße.
1914
In Karlsruhe erscheinen 75 Zeitschriften und Zeitungen.
26. Februar 1914
Der "Städtische Nachrichtendienst" wird geschaffen. Durch ihn sollen Nachrichten aus der Stadtverwaltung der Presse mitgeteilt und zu wichtigen Fragen sachkundig Auskunft erteilt werden.
24. März 1914
Der Bürgerausschuss beschließt die Einrichtung eines Schwimmbades beim städtischen Elektrizitätswerk am Rheinhafen, das am 4. Juni 1915 eröffnet wird.
24. April 1914
Neubau des von Wilhelm Kreis und Camill Frei geplanten und mit Bildhauerarbeiten von Hermann Binz geschmückten Warenhauses Knopf (heute Karstadt) eröffnet. Am 25. November 1913 war der vom Architekturbüro Curjel & Moser geplante Neubau des Warenhauses Tietz (später Hertie, heute Karstadt) fertig gestellt.
30. Juli 1914
Der Bürgerausschuss genehmigt die Mittel zum Bau der Straßenbahn nach Neureut, der von den beiden Neureuter Gemeinden angeregt worden war. Der Kriegsausbruch verhindert die Ausführung des Projektes.
31. Juli 1914
Schutzleute in Begleitung von Trompetern der Feuerwehr verkünden am Nachmittag in der Stadt die Erklärung des Kriegszustandes durch Kaiser Wilhelm II.
1. August 1914
Das Großherzogspaar wird am Tag der Mobilmachung bei seiner Rückkehr in die Stadt von einer großen Menschenmenge begrüßt, die das Deutschlandlied ("Deutschland, Deutschland über alles") anstimmt.
10. August 1914
Nachdem in den Tagen zuvor ein großer Teil des Pferdebestandes beschlagnahmt wurde, fahren an diesem Tag auf dem Gutenbergplatz die Kraftwagen vor, um von der Militärbehörde für ihre Zwecke ausgewählt zu werden.
22. August 1914
Mit Glockengeläute von allen Kirchtürmen und einer großen Versammlung auf dem Schlossplatz feiert die Stadt den Sieg deutscher Soldaten zwischen Metz und den Vogesen.
Auf den Plakatsäulen prangten 1914 Ankündigungen von Siegesfeiern. Die Aufnahme entstand in der Kaiserstraße, im Hintergrund das Warenhaus Knopf (heute Karstadt). StadtAK 8/PBS oVI 449
24. August 1914
Zum Schutz städtischer Einrichtungen nimmt für die Dauer des Krieges eine Bürgerwehr ihre Tätigkeit auf.
September 1914
Von 1.028 städtischen Beamten sind 479, von 1.456 Arbeitern 597 zum Kriegdienst eingezogen.
17. September 1914
Der verstorbene Ehrenbürger Wilhelm Klose hinterlässt der Stadt 500.000 Mark zur Verschönerung der Stadt mit Kunstwerken.
Wilhelm Klose
November 1914
Zu Beginn des Monats sind etwa 16.000 Soldaten und Offiziere bei Karlsruher Familien einquartiert, da die Kasernen für die hier zusammengezogenen Truppen nicht ausreichen.
1915
Nach Plänen von Philipp Manz entsteht auf dem westlichen Teil des Geländes der Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik an der Gartenstraße der 312 m lange Block A mit seinen zehn Lichthöfen.
Die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik an der Gartenstraße vor 1895. StadtAK 8/PBS oXIVf 4
1. Januar 1915
Um den Betrieb der städtischen Straßenbahn und der privaten Lokalbahn besser aufeinander abzustimmen, erwirbt die Stadt die Lokalbahn Durmersheim-Spöck.
15. März 1915
Mit der Ausgabe von Brot- und Mehlkarten wird das System der Lebensmittelkarten eingeführt, das die Ernährung mit knapp gewordenen Lebensmitteln sichern soll.
Warteschlangen vor dem Städtischen Arbeitsamt, Frauenabteilung, in der Zähringerstraße 100 bei der Ausgabe von Zusatzbrotkarten. Im Vordergrund links das Rathaus. StadtAK 8/PBS oVI 194
22. März 1915
Die Albtalbahn erhält an der Reichsstraße (heute Ebertstraße) einen neuen Endbahnhof.
15. Mai 1915
Die von Wilhelm Vittali geplanten Bauten am südlichen Stadtgarteneingang gegenüber dem Hauptbahnhof werden eingeweiht.
15. Juni 1915
In etwa 1.000 - 2.000 Karlsruher Haushaltungen werden Flugblätter mit Antikriegsparolen verteilt. Urheberinnen sind Mitglieder der sozialistischen Frauenbewegung.
15. Juni 1915
Die Stadt erlebt zwei Tage vor ihrem 200. Gründungstag den ersten Fliegerangriff , der 29 Todesopfer und 58 Verletzte fordert.
Bei dem ersten Luftangriff auf Karlsruhe vom 15. Juni 1915 wurde das Haus Kriegsstraße 51 schwer getroffen. StadtAK 8/PBS oVI 236
30. Juli 1915
Die Stadtverwaltung eröffnet in der Kaiserstraße 175 eine ständige Verkaufsstelle für Lebensmittel. Nachdem im Laufe des Jahres zahlreiche Bestimmungen über Lebensmittelbewirtschaftung erlassen wurden, soll damit dem Lebensmittelwucher entgegengewirkt werden.
11. Dezember 1915
Einweihung des Konzerthauses am Festplatz. Es ist das erste von der Stadt errichtete Gebäude, das nur künstlerisch-musikalischen Zwecken dienen soll. Das fast gleichzeitig fertig gestellte neue Ausstellungsgebäude gegenüber der Festhalle hat im Sommer die Militärverwaltung beansprucht, weswegen die Vollendung des Innenausbaus erst nach Kriegsende erfolgt. Beide Gebäude plante das Architekturbüro Curjel & Moser.
Mai 1916
Fertigstellung der Tulla-Schule an der Tullastraße.
1. Mai 1916
Fertigstellung des Südwestbeckens (heute Becken IV) im Rheinhafen.
11. Mai 1916
Zu den bestehenden vier Volksküchen des Frauenvereins wird der Betrieb einer Zentralküche eingerichtet, die mit fahrbaren Kesseln in der Stadt für die ärmere Bevölkerung warme Mahlzeiten zu niedrigem Preis abgeben soll.
22. Juni 1916
Ein Bombenangriff von fünf französischen Flugzeugen fordert 120 Todesopfer und 169 Verletzte. Unter den Opfern sind zahlreiche Kinder, die die Nachmittagsvorstellung eines Zirkus vor dem Ettlinger Tor besuchen. Wie sich später herausstellt, war das eigentliche Ziel des Angriffs der Hauptbahnhof, der auf den veralteten Karten der Franzosen noch an der Kriegsstraße eingezeichnet war, wo er sich bis 1913 befand. Die Bombardierung Karlsruhes gilt als Vergeltung für einen deutschen Bombenangriff auf Bar le Duc, dem 85 Menschen zum Opfer fielen.
25. Juli 1916
Der Bürgerausschuss diskutiert die Probleme der Lebensmittelversorgung in der Stadt, die sich aus der zunehmenden Zahl bewirtschafteter Lebensmittel und auch sonstiger Gebrauchsartikel in der Folge des Krieges ergeben.
Oktober 1916
Inbetriebnahme des Brunnens auf dem Haydnplatz. Wie die architektonische Anlage des bis 1914 weitgehend umbauten Platzes, stammt auch der Entwurf des Brunnens von Heinrich Sexauer.
Dezember 1916
Die Städtische Milchversorgung in der Zähringerstraße 45/47 nimmt ihren Betrieb auf.
29. Dezember 1916
Oberhofmarschall Freiherr Leopold von Freystedt schenkt der Stadt sein am Isteiner Klotz gelegenes 280.000 qm großes Weingut. Mit dem Ertrag aus Bewirtschaftung oder Verkauf soll kriegsbedingte Not gelindert werden. 1953 wird das nicht mehr rentable Gut verkauft.
11. Januar 1917
Der Stadtrat beschließt die Anlage von Kleingärten am nördlichen Albufer (heute Beiertheimer Feld) auf 15.000 qm ehemaligem Müllablageplatz.
30. März 1917
400 Arbeiterinnen der Geschossabteilung der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik streiken für eine Lohnerhöhung.
20. April 1917
Die Archivkommission beschließt die Einrichtung eines städtischen Scheffel-Museums und -Archivs. Leiter wird Werner Kremser.
28. Juni 1917
Der Stadtrat beschließt eine weitere Einschränkung der Straßenbeleuchtung, um Kohle zu sparen. Aus diesem Grund hatten im Februar die Volksschulen auf unbestimmte Zeit geschlossen werden müssen. Am 6. August wird die Straßenbeleuchtung eingestellt, am 25. August der Gasverbrauch eingeschränkt.
11. Oktober 1917
Die Maschinenbaugesellschaft feiert die Fertigstellung der zweitausendsten Lokomotive und zugleich 80-jähriges Firmenjubiläum.
10. November 1917
In der Marmeladenfabrik Stern & Cie streiken 420 Arbeiterinnen für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.
16. November 1917
Der auch in Karlsruhe gegründete Ortsverein der "Deutschen Vaterlandspartei" tritt mit Forderungen nach einem "Siegfrieden" an die Öffentlichkeit. Nachdem andere Parteien sich in unterschiedlicher Weise ebenfalls zur Friedensresolution des Reichstages vom 19. Juli geäußert hatten, ist auch in Karlsruhe im Herbst der innenpolitische Burgfrieden beendet.
22. Dezember 1917
Bis 16. Januar 1918 bleibt die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik wegen Rohstoff- und Kohlemangel geschlossen.
28. Februar 1918
Das Gebäude der Museumsgesellschaft an der Ecke Kaiser-/Ritterstraße brennt nieder.
1. - 10. Juni 1918
Der Hausfrauenbund veranstaltet im Orangeriegebäude eine Ausstellung zum Thema "Durchhalten".
21. September 1918
Die Stadt erlebt den zehnten und letzten Fliegerangriff dieses Jahres.
Oktober - Dezember 1918
Eine Grippeepidemie fordert 349 Todesopfer.
17. Oktober 1918
Um dem Mangel an Zahlungsmitteln zu begegnen, gibt die Stadt Notgeld aus. Sie lässt Fünf- und Zwanzigmarkscheine im Gesamtwert von fünf Millionen Mark drucken.
9. November 1918
Oberbürgermeister Karl Siegrist ruft zur Gründung eines Wohlfahrtsausschusses, der Recht und Ordnung in der Stadt aufrechterhalten soll, die Parteiführer für 18.00 Uhr ins Rathaus. Vorsitzender des Ausschusses wird Stadtrat Heinrich Sauer von der SPD. Auf dem Bahnhofsvorplatz hat sich eine große Menschenmenge versammelt. Es werden revolutionäre Reden gehalten. Stadtrat Sauer schlägt die Bildung eines Soldatenrats im Rathaus vor. Dieser überreicht dem Wohlfahrtsausschuss um 21.00 Uhr seine Forderungen. Vorsitzender des Soldatenrats wird der Metallarbeiter Hans Brümmer.
Aufruf des Karlsruher Arbeiter- und Soldatenrats an die Karlsruher Bevölkerung, November 1918. StadtAK 8/PBS X 1130
10. November 1918
Wohlfahrtsausschuss und Soldatenrat beschließen die Bildung einer vorläufigen Regierung Badens und übergeben dem bisherigen Staatsminister Johann Heinrich von und zu Bodman eine Ministerliste. Kurz nach 16.00 Uhr wird vom Rathausbalkon die neue Regierung bekanntgegeben, die anschließend ihre erste Sitzung im Rathaus abhält.
11. November 1918
Der Obermatrose Otto Heinrich Klumpp zieht abends um zehn Uhr mit einigen Soldaten vor das Schloss. Es kommt auf dem Schlossplatz und dem Marktplatz zu Schießereien, die keine Verletzten fordern. Danach verlassen der Großherzog Friedrich II. und die Großherzogin Hilda die Stadt.
12. November 1918
Der Soldatenrat und der am 11. November gebildete Arbeiterrat bilden ein gemeinsames Gremium.
13. November 1918
Großherzog Friedrich II. verzichtet auf die Ausübung der Regierungsgewalt, und die provisorische Regierung erklärt Baden zur freien Volksrepublik. Am 22. November dankt der Großherzog endgültig ab.
17. November 1918
Die "Karlsruher Zeitung" erscheint erstmals in neuer Aufmachung als "Badischer Staatsanzeiger".
26. November 1918
Im Bürgerausschuss spricht Oberbürgermeister Karl Siegrist nach der Niederlage Deutschlands und dem Ende der Monarchie von einem schicksalsschweren Wendepunkt in der Geschichte und würdigt die Leistungen des Fürstenhauses für die Residenzstadt.
28. November 1918
Der Stadtrat beschließt für die städtischen Ämter und Betriebe den Achtstundentag, der am 1. Dezember in ganz Deutschland eingeführt wird.
Dezember 1918
Zur Linderung der Wohnungsnot erstellt die Stadt in Grünwinkel an der Durmersheimer Straße zwei Wohnbaracken, die im März 1919 bezugsfertig sind.
1. Dezember 1918
Die Rheinbrücke bei Maxau wird gemäß den Waffenstillstandsbedingungen von den Franzosen besetzt.
12. Dezember 1918
Die in dem Waffenstillstand festgelegten Bestimmungen über die entmilitarisierte Zone, die östlich von Durlach verläuft, treten in Kraft.
1919
Um der Wohnungsnot zu begegnen, wird mit der Erschließung des Exerzierplatzes Gottesaue, des Geländes hinter der Tullaschule und dem Ausbau der Gartenstadt Rüppurr begonnen. Die ersten Häuser sind noch in diesem Jahr bezugsfertig. In ehemaligen Kasernen, u. a. Gottesaue, werden Notwohnungen hergerichtet.
1. Januar 1919
Das Gebäude der Gewerbeschule am Lidellplatz, das 1912 nach Plänen von Prof. Eugen Beck begonnen, im September 1914 fertig gestellt und während des Krieges als Lazarett benutzt wurde, wird seiner Bestimmung übergeben.
5. Januar 1919
Bei den Wahlen zur verfassunggebenden badischen Nationalversammlung, bei denen Frauen erstmals das aktive und passive Wahlrecht haben, erzielt in Karlsruhe-Stadt die SPD das beste Wahlergebnis. Unter den 15 Abgeordneten, die in Karlsruhe wohnen, sind zwei Frauen, Kunigunde Fischer (SPD) und Klara Siebert (Zentrum). Die badische Nationalversammlung tagt erstmals am 15. Januar im Landtagsgebäude. Ihr gehören 39 Abgeordnete des Zentrums, 36 der SPD, 25 der Deutschen Demokratischen Partei und 7 der Deutschnationalen Volkspartei an.
19. Januar 1919
Die Wahlen zur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung finden statt. Stärkste Partei in Karlsruhe-Stadt ist die SPD.
24. Januar 1919
Gründung der Baugenossenschaft Gartenvorstadt Grünwinkel, die den Bau von 180 Wohnungen plant.
10. Februar 1919
Eine französische Truppenabteilung zur Überwachung des Rheinhafens trifft ein.
23. Februar 1919
Wegen des Verbots einer Versammlung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei im Colosseum kommt es zu Demonstrationen, bei denen Fensterscheiben zu Bruch gehen und einige Schüsse fallen. Die Demonstrationen am Schlossplatz und vor dem Innenministerium dauern bis in die Nacht. Die Proteste richten sich gegen den wegen revolutionärer Unruhen in Mannheim verhängten Belagerungszustand in Baden.
1. März 1919
Die Karlsruher Turngemeinde 1846 und die Karlsruher Turngesellschaft vereinigen sich zum Karlsruher Turnverein 1846.
3. März 1919
Gründung der Handwerker-Baugenossenschaft Hardtwaldsiedlung unter Vorsitz von Albert Braun.
13. April 1919
Volksabstimmung über die badische Verfassung. Diese erhält in Karlsruhe 22.355 Ja- und 2.479 Nein-Stimmen.
13. Mai 1919
Die Stadtverwaltung und die vier Hauptfraktionen (nach den letzten Wahlen von 1911 die Nationalliberalen, SPD, Zentrum und Fortschrittliche Volkspartei) veranstalten eine Protestkundgebung gegen die Versailler Friedensbedingungen.
18. Mai 1919
Bei den Stadtverordnetenwahlen gewinnt die liberale Deutsche Demokratische Partei vor der gleichstarken SPD und Zentrumspartei. Im Stadtrat, der von den Stadtverordneten gewählt wird, sind vertreten: SPD 6, USPD 1, KPD 1, Zentrum 6, DDP 7 und DNVP 1. Unter den 96 Stadtverordneten sind zehn Frauen, und dem 27-köpfigen Gremium des Stadtrats gehören drei Frauen an.
23. Juli 1919
Bei den fälligen Neuwahlen für den Oberbürgermeister nehmen von 122 stimmberechtigten Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung 47 an der Wahl teil. 37 stimmen für den bisherigen Amtsinhaber Karl Siegrist, 10 Zettel sind ungültig. Die Wahl ist somit nicht gültig. Nach öffentlicher Ausschreibung der Stelle wird am 19. September mit 91 von 92 abgegebenen Stimmen Dr. Julius Finter, Bürgermeister in Mannheim, zum neuen Oberbürgermeister Karlsruhes gewählt.
August 1919
Aufhebung des Kartenzwangs für Seife. Für Nahrungsmittel und andere Bedarfsgüter hält die Zwangsbewirtschaftung an. Die Lebensmittelpreise müssen aufgrund des Mangels deutlich erhöht werden.
29. August 1919
Reichspräsident Friedrich Ebert besucht in Begleitung des Reichswehrministers Gustav Noske die Stadt zu Wirtschaftsbesprechungen mit der badischen Regierung.
29. September 1919
Die Zahl der Bürgermeisterstellen wird um eine auf vier erhöht.