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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Digitale Angebote: Stadtchronik Karlsruhe


 

Die Chronik bietet Einträge zur Geschichte der Stadt Karlsruhe von ihrer Gründung als Residenz­stadt im Jahre 1715 an bis in die Gegenwart als Zentrum der Techno­lo­gie­Re­gion Karlsruhe. Stadt­teilchro­ni­ken der einge­mein­de­ten, ehemals selbstän­di­gen Stadtteile, die zum Teil sehr viel älter sind als Karlsruhe, liefern histo­ri­sche Infor­ma­tio­nen über die Entwick­lung des geogra­fi­schen Raumes, den die Großstadt Karlsruhe heute einnimmt. Die den Einträgen zugeord­ne­ten Bilder veran­schau­li­chen auch das jeweilige Zeitko­lo­rit, und an der Folge histo­ri­scher Stadtpläne kann die stadt­pla­ne­ri­sche Entwick­lung nachvoll­zo­gen werden.

 
1790
In der Schlossstraße (heute Karl-Friedrich-Straße) wird der Landgraben überwölbt. Versicherung für Dienstboten geschaffen. 1837 erfolgt die Umwandlung in den Hospitalverein, der jedem Karlsruher offen steht. Dessen Aufgaben übernimmt 1852 der "Städtische Krankenverein", in dem die Dienstboten von der Herrschaft versichert werden müssen.
1790
Die vor dem Bürgerspital gelegene Fläche wird als öffentlicher Platz ausgewiesen und hergerichtet. Auf dem Spitalplatz (seit 1892 Lidellplatz) findet regelmäßig der Heu- und Holzmarkt statt, er wird zum Zentrum der südöstlichen Stadterweiterung .
8. September 1790
Der Marktplatz wird nach Plänen des Architekten Salins de Montfort abgesteckt.
1791
Der Hofbuchhändler und Verleger der Karlsruher Zeitung Michael Macklot veröffentlicht einen Artikel, in dem Argumente gegen aber auch für die französische Konstitution wiedergegeben werden. Er wird dafür zu drei Tagen Haft verurteilt, die wegen seines hohen Alters gnadenhalber sein Sohn für ihn verbüßen darf.
1791
Eröffnung des Militärhospitals Ecke Kreuzstraße/Spitalgasse, das von Wilhelm Jeremias Müller geplant wurde.
1791
Berufung von Johann Peter Hebel als Lehrer an das Gymnasium, dessen Direktor er 1808 wird.
Johann Peter Hebel
1792
Gründung der Gesellschaft "Zum Haarenen Ring". Sie besteht bis 1813. Die Männer und Frauen tragen bei ihren wöchentlichen Sitzungen einen Ring aus den Haaren der Mitglieder. Bei ihren Zusammenkünften sprechen sie über neue Bücher, wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Ereignisse. Auch ein geselliges Vereinsleben wird gepflegt.
Die Gesellschaft "Zum Haarenen Ring", in der Männer und Frauen gleichberechtigt waren, bei einer ihrer Sitzungen.
StadtAK 8/PBS oIV 165
1. Oktober 1792
In der Stadt verbreitet sich die Nachricht, die Franzosen hätten den Rhein überschritten. Die markgräfliche Familie und viele Bürger verlassen die Stadt oder bereiten sich darauf vor. Das markgräfliche Archiv wird über Pforzheim nach Ulm in Sicherheit gebracht. Die Nachricht erweist sich zwar als falsch, aber schon am 7. Oktober greift erneut die Furcht vor einer französischen Invasion um sich. Viele Bürger fliehen, der Markgraf begibt sich mit dem Militär nach Ettlingen.
11. Oktober 1792
Markgraf Karl Friedrich tritt in einem Dekret dem Gerücht entgegen, er habe wegen aufrührerischer Stimmungen der Bürger Karlsruhes die Stadt verlassen. Tatsächlich scheinen manche Bürger sich eine Kokarde besorgt zu haben. Ob nur aus Vorsicht für den Fall französischer Besetzung oder aus Überzeugung, ist nicht überliefert.
1793
Beginn der Hausnummerierung in den Straßen der Stadt.
22. März 1793
Nach der Kriegserklärung des Reiches gegen Frankreich marschieren verschiedene Truppenkontingente durch die Stadt.
27. August 1793
Friedrich Wilhelm II., König von Preußen, trifft mit großem Gefolge auf dem Weg zu seinen Truppen in Karlsruhe ein.
1. November 1793
Badische Truppen in der Stärke von 754 Mann treten von Karlsruhe aus für drei Jahre in englischen Dienst. Eine größere Zahl von Frauen ermuntert die Soldaten offensichtlich zur Fahnenflucht.
6. Dezember 1793
Tod des Freiherrn Wilhelm von Edelsheim, Staatsminister, enger Vertrauter und Ratgeber des Markgrafen.
1794
Ein dritter Wochenmarkt wird eingeführt. Markttage sind jetzt Montag, Mittwoch und Freitag.
1794
Durch die Bebauung der Schlossstraße (heute Karl-Friedrich-Straße) seit 1777 wird die Schließung des Schlachthauses am Landgraben notwendig. Der Neubau wird am heutigen Ludwigsplatz errichtet, aber bereits 1809 für baufällig erklärt, jedoch erst 1819 geschlossen.
1794
In Klein-Karlsruhe ist eine dampfgetriebene Griesmühle in Betrieb.
März 1794
Neben der 1721 gegründeten Schützengesellschaft, der zumeist Männer von höherem Stand angehören, bildet sich eine bürgerliche Gesellschaft. Beide vereinigen sich bald und bilden die erste Kompagnie des bewaffneten Bürgerkorps. An der Rüppurrer Straße wird ein neues Schießhaus fertig gestellt.
August 1794
Kaiserliche Truppen ziehen in stärkerem Umfang als zuvor durch die Stadt.
21. September 1795
Der Markgraf erhebt Klein-Karlsruhe auf Bitten der Bewohner zu einer Dorfgemeinde.
22. September 1795
Nachdem die Franzosen Mannheim am 20. September zur Kapitulation gezwungen haben, flieht der Markgraf mit großem Gefolge über Ulm nach Regensburg.
1796
Die Stadterweiterung erfordert die Verlegung des Ettlinger Tores nach Süden an das Ende der heutigen Karl-Friedrich-Straße. Es besteht zunächst aus Holz. Vom Ettlinger Tor nach Osten wird die Kriegsstraße angelegt. Ihre Verlängerung nach Westen erfolgt bis 1809/10, nachdem der Markgraf im Jahre 1800 im Tausch Beiertheimer Gemarkung für die Stadt erworben hat.
25. Februar 1796
Der Markgraf ermächtigt Theodor Kreglinger, neben einer Reichsposthalterei eine markgräfliche badische Landpost zu unterhalten.
12. Juli 1796
Französische Truppen besetzen die Stadt, nachdem der Waffenstillstand vom 1. Januar 1796 ohne Friedensschluss am 31. Mai beendet wurde. Der Markgraf hat die Residenz bereits am 29. Juni verlassen. Ein Teil der Bevölkerung verbrüdert sich mit den Franzosen. Es kommt zu Requisitionen und Kontributionen.
14. September 1796
Frühmorgens stürmen kaiserliche Truppen die von Franzosen besetzte Stadt. Im Verlauf der Kämpfe in den Straßen, die im Westen am Mühlburger Tor besonders heftig sind, werden auch einige Bürger verletzt und getötet. Schaden richtet auch die Beschießung der Stadt mit Kanonen an. Gegen 11.00 Uhr ziehen sich die Franzosen unter großen Verlusten an Gefallenen und Gefangenen zurück. Die "Franzosenfreunde" in der Stadt sehen das, wie ein Chronist der Ereignisse berichtet, mit großem Bedauern. In den folgenden Wochen marschieren fast täglich Truppen durch Karlsruhe.
12. November 1796
Tausende von Bürgern empfangen schon vor der Stadt den zurückkehrenden Markgrafen und die Stadt feiert seine Ankunft.
27. November 1796
In Stadt und Land wird das 50-jährige Regierungsjubiläum von Markgraf Karl Friedrich festlich begangen.
1797
Eröffnung der Müllerschen Hofbuchdruckerei und Buchhandlung durch Christian Friedrich Müller.
C. F. Müller Verlag
1797
Friedrich Weinbrenner kehrt nach siebenjähriger Abwesenheit nach Karlsruhe zurück. Er legt 1798 seine Pläne für die Stadtbebauung, die Gestaltung des Marktplatzes und der Schlossstraße (heute Karl-Friedrich-Straße) vor.
Friedrich Weinbrenner
Friedrich Weinbrenner, der Baumeister des "klassizistischen" Karlsruhe.
StadtAK 8/PBS III 1698
22. April 1797
Mit einem Extrablatt meldet die Karlsruher Zeitung den Abschluss des Friedens von Campo Formio zwischen Österreich und Frankreich.
15. Dezember 1797
Der von Freiherr Ernst v. Reitzenstein in geheimen Verhandlungen in Paris vorbereitete Separatfrieden zwischen der Markgrafschaft Baden und Frankreich wird abgeschlossen.
Sigmund Freiherr von Reitzenstein, der als eigentlicher Begründer des badischen Staates gilt.
StadtAK 8/PBS oIII 613
1798
Das Tabakrauchen sowie das freie Umherlaufen von Schweinen und Gänsen auf den Promenaden im vorderen und hinteren Schlossgarten wie unter den Arkaden wird verboten.
10. Juni 1798
Grundsteinlegung zum Bau der neuen Synagoge an der Ecke Kronen-/Lange Straße. In dem nach den Plänen Friedrich Weinbrenners errichteten Bau konnten seit 1800 Gottesdienste stattfinden. Feierlich eingeweiht wird er in Anwesenheit des Großherzogs Karl Friedrich am 18. Juli 1806.
1799
Die Bijouterie-Fabrik Oelenheinz verlegt ihren Betrieb nach Karlsruhe.
März 1799
Als die Franzosen erneut den Rhein überschreiten, um gegen kaiserliche Truppen zu kämpfen, bleibt der Markgraf in seiner Residenz. Zusagen, Frankreich werde Baden als befreundetes Land behandeln, und Befürchtungen, ein neuerlicher Rückzug aus Karlsruhe könnte den revolutionären Geist stärken, führten zu diesem Entschluss. Karlsruhe bleibt 1799 von Einquartierungen und Besetzungen verschont.
12. Dezember 1799
Große Kälte herrschte vom 12. Dezember bis 13. Januar. Der Rhein führt Treibeis und gefriert zu. In der Stadt wurden auf Bitten des Hofdiakons milde Gaben für die "verschämten Armen" gesammelt.