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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Die zweite "kulturelle Kampfwoche" Ende Juni 1933

Festhalle Karlsruhe

Die von Josef Durm errichtete Festhalle wurde 1877 eingeweiht und hatte lange den größten Saal in der Stadt. Sie stand an der Stelle der heutigen Schwarz­wald­halle, Foto um 1885. StadtAK 8/PBS oXIVa 1844


Ehrung der "Heimat­dich­tung und -kunst"

Am Montag den 26. Juni 1933 rief HJ-Führer Friedhelm Kemper über eine Rundfunk­an­spra­che die zweite Woche der Kampagne aus, die landesweit bis zum 1. Juli dauern sollte. Diese stand unter der Parole "Ehrung der Heimat­dich­ter, -sänger und -musiker". Der "marxis­tisch-libera­lis­ti­schen Schmutz- und Schund­li­te­ra­tur" sollte damit die "erhabene Deutsche Art und Kunst" entgegen gestellt werden.

Dazu führte die HJ in Karlsruhe am folgenden Dienstag in den Räumen der Hochschule für Musik in der Kriegs­stra­ße 166/168 einen so genannten Heimata­bend für die Heimat­dich­ter und Künstler durch. In keiner Zeitung wurde etwas zum Verlauf berichtet. Höhepunkt in Karlsruhe war eine abermals dramatisch insze­nierte Veran­stal­tung. Diesmal im Saal in der Festhalle (heute Standort der Schwarz­wald­hal­le) am Donnerstag den 29. Juni mit angeblich 3.000 Teilneh­men­den. Tatsäch­lich wurde wie am 17. Juni auch diesmal die aufmar­schierte Jugend als Staffage benutzt für die natio­nal­so­zia­lis­tisch choreo­gra­fierte Veran­stal­tung.

Diese rahmten die Redner des Abends ein: der zum Vorbild erhobene Karlsruher Heimat­dich­ter Heinrich Vierordt (1855-1945), Professor Franz Philipp (1890-1972) von der Staat­li­chen Musik­hoch­schule und Professor Hans Adolf Bühler (1877-1951) von der Badischen Kunst­schule. Wie die Karlsruher Zeitung erwähnte, waren neben anderen als Gäste an diesem Abend anwesend der Bildhauer Hermann Volz (1847-1941), der Maler August Rumm (1888-1950), die Kompo­nis­tin Clara Faisst (1872-1948), der Journalist und Schrift­stel­ler Karl Joho (Pseudonym Quintus Federlein, 1875-1944), außerdem der Maler Hermann Junker (1881-?).

Landes­ju­gend­füh­rer Kemper wies zum Abschluss die künftige Richtung der Kultur in Deutsch­land, die nach Ausmerzen alles "Falschen und Hässli­chen", die wahre "deutsche Dichtung, deutsche Lieder, deutsche Kunst" reprä­sen­tie­ren sollte.

Kemper trat in der so genannten zweiten kultu­rel­len Kampfwoche in insgesamt sechs badischen Städten auf, darunter auch dort, wo zuvor in der so genannten ersten kultu­rel­len Kampfwoche keine Bücher­ver­bren­nung statt­ge­fun­den hatte.

 

Veranstaltung  in der Festhalle während der NS-Zeit. 11. Badisches Bundessängerfest, Oktober 1935. StadtAK 8/Alben 28/61

Veranstaltung in der Festhalle während der NS-Zeit. 11. Badisches Bundessängerfest, Oktober 1935. StadtAK 8/Alben 28/61