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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 99 vom 21. Juni 2013: Biographie Alfred Maul

Als am 11. April 1911 vor dem Gebäude der Karls­ru­her Landes­turn­lehr­er­bil­dungs­an­stalt in der Bismarck­straße das Denkmal für Alfred Maul einge­weiht wurde, erfuhr ein außer­ge­wöhn­li­cher Turnpäd­agoge eine ebenso außer­ge­wöhn­li­che Ehrung. Alfred Maul war der erste Direktor der am 1. April 1869 zur Förderung des Schul­tur­nens neu gegrün­de­ten Badischen Turnlehr­er­bil­dungs­an­stalt und leitete diese Einrich­tung erfolg­reich bis zu seinem Tod am 12. Oktober 1907. Als Badens Turnvater ist er in die Geschich­te einge­gan­gen.

Der am 13. April 1828 in Michel­stadt (Odenwald) geborene Maul studierte in Darmstadt Mathematik und Natur­wis­sen­schaf­ten. Dort lernte er den berühmten Turnpäd­ago­gen Adolf Spieß, u.a. Begründer des Schul­tur­nens im Großher­zog­tum Hessen, kennen, der seinen beruf­li­chen Lebensweg beein­flusste. Spieß vermit­tel­te Alfred Maul 1856 eine feste Stelle am Realgym­na­si­um Basel, wo er Rechnen, geome­tri­sches Zeichnen und Turnen unter­rich­tete. Zeitgleich engagierte er sich in Basel im örtlichen Turnverein.

Durch zahlreiche Fachpu­bli­ka­tio­nen hatte sich derweil Maul einen Ruf als Turnme­tho­di­ker erworben, sodass er von den badischen Schul­be­hör­den zum Leiter der neuen Badischen Turnlehr­er­bil­dungs­an­stalt berufen wurde. Seine Arbeit in dieser Einrich­tung sowie seine zahlrei­chen Fachbücher machten Maul weit über die Grenzen von Baden hinaus bekannt.

Alfred Maul beschränkte sein turne­ri­sches Wirken jedoch nicht allein auf die Berufs­ar­beit. Sein Augenmerk galt ebenso dem Vereins- und Verband­we­sen. Er übernahm 1869 den Vorsitz der Karlsruher Turner­schaft (Vorläufer des heutigen KTV 1846) und gründete im gleichen Jahr den Karlsruher Turngau. Der Oberrhei­ni­sche Turnerbund wählte ihn 1871 als 1. Turnwart in den Vorstand. Die Deutsche Turner­schaft (DT) sicherte sich ebenfalls die Mitarbeit von Alfred Maul. Beim Deutschen Turntag 1875 in Dresden wurde er in den Ausschuss (Vorstand) gewählt. Schließ­lich berief ihn der Deutsche Turntag 1887 in Coburg als 1. Vorsit­zen­den an die Spitze der damals größten deutschen Organi­sa­tion für Leibes­übun­gen. Mit seinem Geschäfts­füh­rer, dem eigen­wil­li­gen Dr. Ferdinand Goetz aus Leipzig, musste der wesens­mä­ßig eher zurück­hal­ten­de Maul eine Vielzahl von verbands­po­li­ti­schen Konflik­ten austragen. Der Verzicht des gesund­heit­lich angeschla­ge­nen Alfred Maul auf eine Wiederwahl beim Deutschen Turntag 1895 in Esslingen war deshalb folge­rich­tig. Seiner Verdienste wegen wurde er zum DT- Ehren­vor­sit­zen­den ernannt.

An den badischen Turnvater erinnert heute noch die Verleihung der Alfred-Maul-Medaille durch die badischen Schul­be­hör­den an Abitu­ri­en­ten mit überdurch­schnitt­li­chen Sportnoten sowie die Gedenk­ta­fel, die der Badische Turner-Bund 1994 am Gebäude der PH Karlsruhe hat anbringen lassen.

Gernot Horn, Geschäfts­füh­rer des Badischen Turner­bun­des (1970 - 2000), vielfacher Deutscher Ringten­nis­meis­ter, Karlsruhe

 

Alfred Maul (1828 - 1907). StadtAK 8/PBS III 1014

Alfred Maul (1828 - 1907). StadtAK 8/PBS III 1014