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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 98 vom 15. März 2013: Biographie Großherzog Ludwig I.

Es dürften wohl nicht viele Passanten sein, die täglich den Marktplatz queren und sich angesichts der Brunnen­sta­tue an Großherzog Ludwig erinnern. Als 1763 dritt­ge­bo­re­ner Sohn des Markgrafen Karl Friedrich hatte er kaum einen Anspruch auf eine Erbfolge, und so fühlte er sich oft zurück­ge­setzt. Er machte in der preußi­schen Armee Karriere, und soldatisch blieb sein Wesen, auch als er nach Karlsruhe zurück­kehrte. Ihn drückten lange seine Schulden aufgrund eines aufwen­di­gen adligen Lebens­stils wie bei manch anderen Offizieren. Seinen Ruf schädigte auch sein sehr freier eroti­scher Lebens­wan­del. Als er auch noch seinen mit der Stief­toch­ter Napoleons verhei­ra­te­ten Neffen Karl da hineinzog, zwang der franzö­si­sche Kaiser den Großherzog, seinen Sohn Ludwig auch wegen Unfähig­keit als Finanz­mi­nis­ter zu entlassen, ein Amt, das Ludwig bei dem badischen Schul­den­berg überfor­dert hatte.

Zum Nachfolger Karls, der keine Söhne hatte, 1819 als dritter Großherzog gekrönt, kriti­sierte man schließ­lich seinen autokra­ti­schen Umgang mit dem neuen Landtag. Statt Unter­stüt­zung des jungen Libera­lis­mus herrschte das restau­ra­tive System des Misstrau­ens, der Kontrolle. Zum Positiven seiner elfjäh­ri­gen Regent­schaft gehört die Einrich­tung eines badischen Erzbistums 1821 für die Katholiken und die Union der luthe­ri­schen und refor­mier­ten Protes­tan­ten, so dass im zusam­men­ge­wür­fel­ten Großher­zog­tum eine konfes­sio­nel­le Ordnung einkehrte.

Besonders gelobt wurde Ludwig wegen Rückhalt und Förderung der beiden Univer­si­tä­ten Heidelberg und Freiburg, 1803 und 1805 frisch erworben aus dem Gebiets­zu­wachs. Das bedeutete für ein durch Krieg und Besatzung verarmtes Baden eine große finan­zi­elle Leistung. Dieser Ehrgeiz wurde durch die Polytech­ni­sche Schule nach dem Vorbild der Pariser École polytéch­ni­que 1825 in Karlsruhe gekrönt. Zu deren Gründung wurde die Archi­tek­tur­schule des bedeu­ten­den Archi­tek­ten Weinbren­ner mit der Ingenieur­schule des berühmten Oberst Tulla zusam­men­ge­führt. Schon mit 13 Jahren konnten Schüler in die Vorschule eintreten, um Mathematik und Natur­wis­sen­schaft "zum künftigen Gebrauch für das Leben studieren zu wollen", also Berufs­schule und Hochschu­le ganz nach dem nüchternen Geschmack Ludwigs, Grundstein für die erste Technische Hochschule Deutsch­lands. Aber auch in der "merkan­ti­len Abteilung" konnte man sich für Berufe im Handel und Gewerbe vorbe­rei­ten. Fremde, also Studenten aus anderen deutschen Ländern und aus dem Ausland waren erwünscht. Dabei muss man auch den liberalen Innen­mi­nis­ter Winter zitieren, dem diese Insti­tu­tion unterstand.

Beliebt war Ludwig freilich nicht, denn viel politi­scher Spreng­stoff sammelte sich in dieser restau­ra­ti­ven Zeit, dem Vormärz, an. Dies führte schließ­lich unter anderem unter seinem Nachfolger Leopold im März 1848 zum Ausbruch der Revolution. Diesem vierten Großherzog hatte freilich Ludwig mit rigoroser Sparsam­keit einen geordneten Haushalt hinter­las­sen, und allein damit war es gerecht­fer­tigt, die Kopie des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Originals vor dem Karlsruher Rathaus aufzu­stel­len.

Dr. Leonhard Müller

Der Autor ist Historiker und lebt in Karlsruhe.

 

Großherzog Ludwig I. (1763 - 1830).<br />StadtAK 8/PBS I 598

Großherzog Ludwig I. (1763 - 1830).
StadtAK 8/PBS I 598