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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 98 vom 15. März 2013

Bücher­blick

Wolfgang von Hippel/­Frank Engehausen: 200 Jahre IHK Karlsruhe

"Wenn so oft Unklarheit über die Aufgaben und die Tätigkeit der Handels­kam­mern besteht, so rührt das in erster Linie daher, dass es kaum eine Verwal­tungs­kör­per­schaft gibt, deren Arbeits­feld so umfassend ist wie das der Handels­kam­mern." Dieses hier verkürzt wieder­ge­ge­bene Zitat von 1912 stellen die Autoren ihrer Festschrift voran, da dies einerseits heute noch im Wesent­li­chen zutreffe. Zum anderen verdeut­li­che es aber auch die Schwie­rig­keit einer angemes­se­nen Darstel­lung der vielschich­ti­gen und zugleich wechsel­vol­len Geschichte dieser Insti­tu­tion.

Die auch als Landes­his­to­ri­ker ausge­wie­se­nen Verfasser lösen diese Aufgabe, indem sie von der insti­tu­tio­nel­len und organi­sa­to­ri­schen Entwick­lung der Selbst­ver­wal­tungs­kör­per­schaft der Wirtschaft ausgehen, diese jedoch in den jewei­li­gen zeithis­to­ri­schen politi­schen, gesell­schaft­li­chen und ökono­mi­schen Zusam­men­hang einbetten. So entfaltet sich für den Leser ein Panorama badischer und Karls­ru­her Wirtschafts­ge­schichte von der Gründung der Handels­stu­be durch 37 Karlsruher Handels­leute im Jahr 1813 bis zur IHK Karlsruhe mit ihren 65.000 Mitglie­dern im Jahr 2013. Verwiesen sei hier nur auf die wichtigs­ten Stationen nach der Gründung: Umgestal­tung der freiwil­li­gen Verei­ni­gung in die Handels­kam­mer als juris­ti­sche Person des öffent­li­chen Rechts 1880 mit einer Zwangs­mit­glied­schaft, in der nun die Industrie die bedeu­tendste Rolle spielte, was aber erst 1933 zur Bezeich­nung IHK führte; Vergrö­ße­rung des Kammer­be­zirks 1880 durch die umlie­gen­den Städte und 1889 durch den Zusam­menschluss mit dem Kammer­be­zirk Baden-Baden; Umwandlung nach dem Führer­prin­zip 1933 und Vollzug der NS-Wirtschafts­po­li­tik u. a. bei der Arisie­rung jüdischer Unter­neh­men; Aufhebung der Zwangs­mit­glied­schaft durch die Alliierten 1945 und Trennung des Kammer­be­zirks durch die Zonen­grenze; Wieder­er­lan­gung des öffentlich-recht­li­chen Status 1958; Ende des "badische Kammer­kriegs" 1974 im Zuge der Verwal­tungs- und Gebiets­re­form durch die Fusion der Kammern Karlsruhe und Baden-Baden. Verbunden mit dem Blick auf die Organi­sa­ti­ons­ge­schichte werden biogra­fi­sche Hinweise zum handelnden Führungs­per­so­nal gegeben, insbe­son­dere für alle 37 Gründungs­mit­glie­der finden sich entspre­chende Angaben.

Daneben wird exempla­risch auf die vielfäl­ti­gen und je nach Erfor­der­nis­sen der Zeit unter­schied­li­chen Aufgaben einge­gan­gen. So spielten etwa im Kaiser­reich Fragen der Arbei­ter­ver­hält­nisse eine Rolle. Es ging dabei unter anderem um das Koali­ti­ons­recht der Arbeiter, Arbeits­kämpfe und Streik­pos­ten, Ausein­an­der­set­zun­gen in denen die Kammer einen "Herr-im-Hause"-Standpunkt vertrat. Zustimmung fand dagegen die Sozial­ge­setz­ge­bung des Reichs­kanz­lers Bismarck. In der seinerzeit kontrovers disku­tier­ten Sonntags­ruhe plädierte die Handels­kam­mer im Interesse der Einzel­händ­ler für die Beibe­hal­tung der Laden­öff­nung am Sonntag. Seit den 1980er Jahren bildeten dagegen neben den zahlrei­chen Dauer- und Routi­ne­auf­ga­ben Fragen der regionalen Wirtschafts- und Struk­tur­po­li­tik Schwer­punkte der Kammer­tä­tig­keit (Tech­no­lo­gie­fa­brik, Flughafen, Neue Messe, Techno­lo­gie­Re­gion, Ratsatter Tunnel). Hier hätte man sich noch weiter­ge­hen­de Infor­ma­tio­nen zum Prozess der Deindus­tria­li­sie­rung gewünscht. Generell lassen sich die Aufgaben in zwei Punkten zusam­men­fas­sen: Ausge­wo­ge­ne Inter­es­sen­ver­tre­tung aller Wirtschafts­be­rei­che einerseits und anderer­seits wirtschaft­li­che Verwal­tungs­auf­ga­ben.

Zwar sind die IHK wegen der gesetz­li­chen Zwangs­mit­glied­schaft zu politi­scher Neutra­li­tät verpflich­tet, dennoch verweisen die Autoren auf Beispiele politi­scher Aktivi­tä­ten. So z. B. in der Ausein­an­der­set­zung mit der Stadt­ver­wal­tung über Prognosen zur Stadt­ent­wick­lung in den 1960er Jahren oder zu Fragen der Zentra­li­sie­rung von Landes­ein­rich­tun­gen in den 1990er Jahren. Dass Kritiker der IHK vorwerfen, sich damit von ihren eigent­li­chen Aufgaben zu entfernen, muss nicht Thema einer Festschrift sein.

Einge­lei­tet wird der großfor­ma­tige, reich bebildert und sehr anspre­chend gestaltete Band mit einem knappen Blick auf die aktuellen Aufgaben und Projekte der IHK, die sich unter den Schlag­wor­ten Bildung, Fachkräf­te­si­che­rung und Innovation fassen lassen. Sach-, Orts- und Perso­nen­re­gis­ter erleich­tern die inhalt­li­che Erschlie­ßung des Bandes und die Quellen- und Litera­tur­ver­weise sind in den Anmer­kun­gen dem Charakter einer Festschrift angemessen auf das Nötigste beschränkt. Der IHK darf man nicht nur zum Jubiläum, sondern auch zu dieser Festschrift über ihre eigene Geschichte gratu­lie­ren, die zugleich eine Berei­che­rung für die Stadt­ge­schichte darstellt.

Dr. Manfred Koch

Heraus­ge­ber / Redaktion Blick in die Geschich­te

Klaus E. R. Lindemann (Hg.): Heinz Fenrich. Oberbür­ger­meis­ter der Stadt Karlsruhe 1998-2013

Die Dokumen­ta­tion der Amtszeit von Karls­ru­her Oberbür­ger­meis­tern durch den Info Verlag in Karlsruhe hat inzwischen schon Tradition. So erschien nun zeitgleich mit der Verab­schie­dung von Heinz Fenrich aus dem Amt auch ein Rückblick auf dessen Wirken als Oberbür­ger­meis­ter für die Stadt Karlsruhe. Der Band über Günther Klotz (1971 erschie­nen) bietet neben einer Würdigung durch den Chef der Lokal­re­dak­tion der BNN, Josef Werner, viele der zahlreich kursie­ren­den Anekdoten aus der Amtszeit des Oberbür­ger­meis­ters und einige Reden. Im Band zur Amtszeit von Otto Dullenkopf (1986) wurde das Konzept erweitert. Zu nun über 24 OB-Reden traten an die Stelle von Anekdoten Würdi­gun­gen von Persön­lich­kei­ten des öffent­li­chen Lebens, ein Interview mit dem schei­den­den OB sowie eine Chronik der Amtszeit. Mit einem noch größeren Bildan­teil als die voran­ge­gan­ge­nen wartete der Band für Gerhard Seiler (1998) auf, der allerdings keine OB-Reden bietet. In der neuesten, opulen­tes­ten Ausgabe dieser Publi­ka­ti­ons­folge kommen nun noch mehr Persön­lich­kei­ten des öffent­li­chen Lebens von Minis­ter­prä­si­den­ten bis zu KSC-Präsi­den­ten zu Wort. Dem Untertitel "Eine Dokumen­ta­tion" werden die 49 ausge­wähl­ten OB-Reden und die reich und in Farbe bebilderte Chronik gerecht, sie füllen 260 Seiten.

Wer mit der Chronik beginnt, wird in Wort und Bild in knapper Form erinnert an die für die Stadt­ent­wick­lung prägenden Ereignisse der vergan­ge­nen gut 14 Jahre, in denen Heinz Fenrich als OB die Geschicke der Stadt lenkte. Um nur Weniges zu nennen: Die lokalen Verkehrs­pro­jekte, die ja nicht nur aus der Kombi­lö­sung bestehen, wie die das überre­gio­nale Bahnpro­jekt der TGV-Anbindung; die Vorhaben auf den Konver­si­ons­flä­chen in Neureut, Knielingen und Südstadt-Ost sowie des alten Schlacht­hofs; die inner­städ­ti­sche Umgestal­tung mit dem ECE-Center, dem Kirchplatz St. Stephan und dem Hotel am Festplatz; der Bau der Neuen Messe und des Europa­ba­des; die Fortfüh­rung der Erinne­rungs­kul­tur mit dem Beginn des Gedenk­buchs für die Karlsruher Juden und dem Bekenntnis gegen rechts­ex­treme Bestre­bun­gen; neue Formen der Bürger­be­tei­li­gung; die Rettung der Majolika und des "Festes". Erinnert wird man aber auch an die fehlge­schla­ge­nen Vorhaben wie die (wieder einmal) nicht reali­sierte Bundes­gar­ten­schau, den Neubau des Wildpark­sta­di­ons, die Kultur­haupt­stadt­be­wer­bung, die zweite Rhein­brücke und die Aufgabe der umstrit­te­nen Nordtan­gente.

Zu manchen der in der Chronik festge­hal­te­nen Ereig­nis­se finden sich im Teil mit den OB-Reden die entspre­chen­den Ausfüh­run­gen von Heinz Fenrich. Hier findet sich seine Antritts­rede im Gemein­de­rat mit seinem Grund­satz­pro­gramm, Reden zum ÖPNV und zum TGV, zum ersten Bürger­emp­fang, zur ersten Reinhold-Frank-Gedächt­nis­vor­le­sung, zu 70 Jahre Gurs, zur Kultur­haupt­stadt und zum Masterplan. Hier werden Grund­po­si­tio­nen der Stadt­po­li­tik formuliert und insofern ein Stück Stadt­ge­schichte nachvoll­zieh­bar.

In seiner knappen Einleitung zieht der Heraus­ge­ber eine Bilanz des mit Heinz Fenrich geführten Interviews und all jener 53 Stellung­nah­men von Kollegen, Freunden und Wegge­fähr­ten zu seiner Amtszeit als OB von Karlsruhe. Lindemann charak­te­ri­siert ihn als Wertkon­ser­va­ti­ven, der mit badisch-liberaler Aufge­schlos­sen­heit einen wohltem­pe­rier­ten, unprä­ten­ti­ösen Politik­stil pflegte und sich um Ausgleich und Konsens bemühte.

Die abwechs­lungs­rei­che Lektüre dieser Festschrift vermittelt den Lesern und Leserinnen Erinne­rungs­stüt­zen für das eigene Erleben und gibt zugleich der Amtszeit des OB Heinz Fenrich klare Konturen. Ob und inwieweit eine kommende Histo­ri­ker­ge­ne­ra­tion mit dem nötigen zeitlichen Abstand und nach dem Studium der Quellen Diffe­ren­zie­run­gen vornehmen und andere Akzente setzen wird, bleibt natürlich abzuwarten.

Dr. Manfred Koch

Bernhard Schmit­t/Yps Knauber: Durlach. Ansichten und Einblicke

Wer sich über die Geschichte Durlachs infor­mie­ren möchte, findet ein reiches Angebot. Es gibt eine über 500 Seiten umfassende und eine "kleine" Stadt­ge­schichte und zudem zahlreiche Publi­ka­tio­nen zu Einzelthe­men der histo­ri­schen Entwick­lung der vormaligen Residenz­stadt. Dank der Veröf­fent­li­chun­gen des Stadt­ar­chivs und des Pfinz­gau­museum sowie dessen Freun­des­krei­ses und freier Autoren wird die Geschichte lebendig gehalten: Von den ersten Siedlungs­spu­ren der Römer über die mittel­al­ter­li­che Stadt­grün­dung, ihrer Erhebung zur Residenz­stadt, der Zerstörung von 1689 und dem barocken Wieder­auf­bau, dem Verlust dieser Funktion an das neu gegründete Karlsruhe, dem Aufstieg zur Indus­trie­stadt und schließ­lich bis hin zur Einge­mein­dung nach Karlsruhe als dessen heute größter und selbst­be­wus­s­ter Stadtteil.

Auch ein reprä­sen­ta­ti­ver schon längst nur noch antiqua­risch zu erwer­ben­der Bildband ist 1983 erschienen. Der neue Bildband wird seinem Titel, Ansichten und Einsichten zu bieten, überzeu­gend gerecht. Er ermöglicht zum einen Einsichten in das gesellige Leben Durlachs mit Aufnahmen wieder­keh­ren­der Feste und Openair-Veran­stal­tun­gen von der Fastnacht über das Altstadt­fest, den Markt, den Floh- wie den Weihnachts­markt, den St. Martinstag bis hin zum Musiker­eig­nis "Klassik am Turm". Zu dieser Thematik tragen auch 31 Aufnahmen von Christine Gustai bei.

Größeren Anteil nehmen ONUK Bernhard Schmitts reizvolle Aufnahmen von Gebäu­de­en­sem­bles, wichtigen Bauten wie etwa Karlsburg, Kirchen, Rat- und Schul­häu­ser, dem Turmberg aber auch inzwischen neu genutzten Indus­trie­bau­ten nebst Detai­lauf­nah­men ein, in denen wohl selbst für einge­fleischte Durlacher und Durla­che­rin­nen manches neu oder wieder zu entdecken sein dürfte. In ihrer kurzen Einführung bemerkt Yps Knauber, der Kern der histo­ri­schen Altstadt sei ein histo­ri­sches Nachschla­ge­werk über Durlach. Das gilt vor allem für jene Betrachter, die über Vorwissen verfügen, andere kann es anregen, sich dieses Wissen in den Veröf­fent­li­chun­gen zur Geschichte anzueignen.

Der Band gibt nach der virtuellen Erkundung Anlass, mit Stadt­spa­zier­gän­gen in die Realität einzut­au­chen und die "mittel­al­ter­lich dörfliche bis merkantile Struktur im Kern, klassi­zis­ti­sche Großzü­gig­keit gegenüber der Karlsburg, bürger­li­chen Wohlstand entlang der Pfinz­tal­straße, ganz normalen Alltag in Aue, neuzeit­li­chen Reichtum entlang der Bergflan­ke", so Yps Knauber, selbst in Augen­schein zu nehmen. Ortsan­säs­si­gen bietet der Band eine schöne Möglich­keit, ohne große Worte auswär­ti­gen Verwandten und Freunden den unver­wech­sel­ba­ren Charakter, die Reize und die Lebens­qua­li­tät ihrer "Stadt" nahe zu bringen.

Dr. Manfred Koch

 

Bespro­chene Bücher

Wolfgang von Hippel/­­Frank Engehausen: 200 Jahre IHK Karlsruhe, Verlag Regio­nal­­kul­tur, Ubstadt-Weiher/Hei­­del­­ber­g/­­Ba­­sel 2013, 384 S., 361 Abb., 29,80 €

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Klaus E. R. Lindemann (Hg.): Heinz Fenrich. Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe 1998-2013. Eine Dokumentation, Info Verlag Karlsruhe 2013, 400 S., 148 Abb., 24,80 €

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Bernhard Schmitt/Yps Knauber: Durlach. Ansichten und Einblicke, G. Braun Buchverlag Karlsruhe 2012, 112 Seiten, 124 Abb., 24,90 €

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