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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 97 vom 14. Dezember 2012: Biographie Fridolin Dietsche

Der Bildhauer Fridolin Dietsche gehört zu der großen Gruppe von Künstlern, deren Namen und Werk heute besten­falls noch einer kleinen Gruppe Inter­es­sier­ter bekannt ist. Es sind eher Zufälle, die diese wieder an das Tageslicht bringen, wie anlässlich der Ausstel­lung "900 Jahre Baden", in der Dietsches Büste "Roma" zu sehen war. Sie zeigt das Brust­bild­nis einer jungen Frau mit zu Boden gesenktem Blick, einem sinnlichen Mund und gefalteten Händen. Die Plastik steht, nach ihrem Auftrag­ge­ber, dem Pfarrer und Politiker Heinrich Hansjakob symbolisch für die katho­li­sche Kirche, die blind, taub und stumm nicht auf die Missstände innerhalb der Religi­ons­ge­mein­schaft reagiert.

1861 in Schönau im Wiesental geboren und in Furtwangen zum Holzschnit­zer ausge­bil­det, ist Dietsches Wirken eng mit der Großher­zog­lich Badischen Kunst­ge­wer­be­schule in Karlsruhe verknüpft. Dort war er zunächst selbst Schüler. Danach rundete er seine freie künst­le­ri­sche Ausbil­dung an den Akademien in Berlin, München und Karlsruhe ab. In die badische Residenz zurück­ge­kehrt hatte er von 1888 bis 1898 die Stelle eines Assis­ten­ten und Lehrers an der Kunst­ge­wer­be­schule inne und wurde 1898 als Nachfol­ger von Adolf Heer zum Professor für Bildhaue­rei an diese Insti­tu­tion berufen.

Seine bedeu­tends­ten Werke entstanden in der Folge des enormen Baubooms, der nach 1871 in Karlsruhe und im ganzen deutschen Reich einsetzte. Die Geschäfts­häu­ser, Kirchen und reprä­sen­ta­ti­ven Villen wurden, gemäß dem Zeitgeist, mit farbigen Glasfens­tern, schmie­de­ei­ser­nen Gittern, vielfältig gestal­te­ten Keramik­flie­sen, Wandbrun­nen für Eingangs­hal­len und natürlich auch mit Bildhau­er­ar­bei­ten reprä­sen­ta­tiv ausge­stat­tet. Dietsches wichtigste Skulpturen, der Figuren­schmuck am Moninger-Gebäude (Ecke Kaiser- und Karlstra­ße) und an der Hofapo­theke sowie die Altarwand in der Chris­tus­kir­che in Karlsruhe, der Figuren­schmuck am Rathaus in Duisburg, die Figuren für die Kaiser­stra­ßen­brücke und das neue Rathaus in Freiburg sowie das Fassa­den­re­lief und die Kanzelwand für die Johan­nes­kir­che in Mannheim entstanden zwischen 1898 und 1902. Dabei arbeitete der Künstler eng mit bedeu­ten­den Archi­tek­ten seiner Zeit wie Hermann Billing, Robert Curjel und Karl Moser, Friedrich Ratzel sowie mit seinem Künst­ler­kol­le­gen Max Laeuger zusammen. Dietsches früher Tod im Jahre 1908 verhin­derte die Ausführung des sich in Planung befind­li­chen Denkmals für Markgraf Karl Wilhelm. Das Reiter­stand­bild hätte den Karlsruher Marktplatz zieren sollen.

Auf der Weltaus­stel­lung 1904 in St. Louis zeigte der Bildhauer einen Wandbrun­nen aus Marmor, gedacht für die Eingangs­halle einer Villa, den er später von der Majolika-Manufaktur als kleine Serie in Keramik ausführen ließ. Ein Exemplar des Brunnens "mit Quellnym­phe" ist heute im Majolika-Museum ausge­stellt.

Dr. Brigitte Baumstark

Die Autorin ist Leiterin der Städti­schen Galerie, Karlsruhe

 

Fridolin Dietsche (1861 - 1908). StadtAK 8/PBS III 251

Fridolin Dietsche (1861 - 1908). StadtAK 8/PBS III 251