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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 91 vom 24. Juni 2011: Biographie Karl Hafner

Im Zuge der NS-Machter­grei­fung hatte Gauleiter Wagner am 9. März 1933 selbst­herr­lich die Geschäfte der badischen Regierung übernommen. Schon nach wenigen Tagen ordnete er die Beurlau­bung oder Entlassung von politisch unlieb­sa­men Beamten an. Zu den Betrof­fe­nen aus dem Bereich der Justiz gehörte der Karls­ru­her General­staats­an­walt Dr. Hafner.

Geboren war Karl Hafner am 17. August 1878 in Engen im Hegau. Volks­schule und Gymnasium besuchte er in Donaue­schin­gen, studierte sodann Rechts­wis­sen­schaft. Im Jahre 1902 wurde er an der Univer­si­tät Heidel­berg promoviert. Nach dem Zweiten Staats­ex­amen war er als Staats­an­walt und Richter tätig, zuletzt am Landge­richt Karlsruhe. Bald nach Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg hat man ihn als Oberre­gie­rungs­rat an das Minis­te­rium für Justiz und Unterricht in Karlsruhe versetzt, am 1. April 1924 wurde er zum General­staats­an­walt berufen. Dem früheren Staats­prä­si­den­ten Hellpach verdanken wir eine treffliche Charak­te­ri­sie­rung. Er bezeich­nete Hafner als lautere, etwas trockene Juristen- und Beamten­na­tur, "das klassische Bild des Inqui­si­tors: ellenlang, knochen­ma­ger, mit einer wahren Geiernase ausge­rüs­tet - für sein hohes Amt gleichsam wie geboren."

Als aufrechter Demokrat beobach­tete Hafner wachsam die Umtriebe der Natio­nal­so­zia­lis­ten und hielt die Staats­an­wälte seines Bezirks zu tatkräf­ti­gem Einschrei­ten an. Sein besonderes Augenmerk galt dem in Philipps­burg und in Wiesloch tätigen Amtsge­richts­rat Reinle, der Funktionen in der NS-Partei übernommen hatte und sich obendrein mit antise­mi­ti­schen Äußerungen hervortat. Zweimal hat ihn Hafner vorgeladen und wegen seiner radikalen politi­schen Haltung persönlich verwarnt. Da verwundert nicht, dass gleich nach dem Macht­wech­sel, nämlich im Februar 1933, im NS-Blatt "Der Führer" mit einem gehässigen Artikel gefordert wurde, der General­staats­an­walt Dr. Hafner müsse aus seiner wichtigen Stelle entfernt werden. Der zu dieser Zeit noch amtierende Staats­prä­si­dent Dr. Schmitt stellte sich vor den angegrif­fe­nen Chefan­klä­ger. Doch am 13. April 1933 wurde Hafner auf Anordnung des Gauleiters Wagner mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Man darf davon ausgehen, dass der früher gemaß­re­gelte Reinle, soeben erst zum Referenten im Justiz­mi­nis­te­rium befördert, diese Amtsent­he­bung betrieben hat.

Hafner blieb vorerst in Karlsruhe wohnen, er verfasste Beiträge für juris­ti­sche Fachzeit­schrif­ten. 1938 wurde er in den dauernden Ruhestand versetzt. Aus diesem Anlass meldete sein Nachfolger im Amte dem Berliner Reichs­jus­tiz­mi­nis­te­rium, Hafner sei vor der Macht­über­nahme ein erklärter Anhänger des Weimarer Systems und ein scharfer Gegner der nationalen Bewegung, inson­der­heit der NSDAP, gewesen. Er halte es daher nicht für angebracht, dem Pensionär den üblichen Dank für geleistete Dienste auszu­spre­chen. Auf solchen Dank verzich­tend ist Hafner nunmehr nach Heidelberg verzogen. Als nach Kriegsende das dortige Landge­richt wieder­er­öff­net wurde, erklärte er sich sogleich bereit mitzu­wir­ken. Im Juni 1945 wurde er im Rang eines Landge­richts­di­rek­tors einge­stellt, für die Beför­de­rung zum Vizeprä­si­den­ten war er vorgesehen. Er ist indes nach einem Unfall und hinzu­tre­ten­der Erkran­kung bereits am 19. Dezember 1946 in Heidelberg verstorben.

Dr. Reiner Haehling von Lanzenauer, Jurist und Historiker, Baden-Baden

 

Karl Hafner (1878 - 1946).<br />Foto: GLA

Karl Hafner (1878 - 1946).
Foto: GLA