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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 90 vom 18. März 2011

Carlsruher Blick­punk­te

Das erste "Gas-Abonnen­ten­buch" aus dem Jahr 1847

von Ernst Otto Bräunche

"Karlsruhe gehört zu jenen Städten Deutsch­lands, welche zuerst mit Gas beleuchtet waren. Vom Jahr 1844 datiert der Conzes­si­ons­ver­trag, den die Herren Barlow und Manby von London mit der Stadt behufs öffent­li­cher und privater Beleuch­tung mit Gas abgeschlos­sen hat". So wird ein Beitrag über das städtische Gaswerk aus dem Jahr 1876 einge­lei­tet. Zu diesem Zeitpunkt war das zunächst privat betriebene erste Karlsruher Gaswerk seit sieben Jahren ein städti­scher Betrieb. Bei der Übernahme war 1869 auch ein seltenes Dokument aus der Frühzeit der Gasver­sor­gung in städti­schen Besitz gelangt, das das Stadt­ar­chiv heute als eine wichtige Quelle nicht nur zur Geschichte der städti­schen Gasver­sor­gung, sondern auch zur städti­schen Sozial- und Wirtschaft­ge­schichte besitzt, das Gasabon­nen­ten­buch aus dem Jahr 1847. Darin sind 158 Abnehmer namentlich aufgeführt, in der Regel mit der Zahl der mit Gas betrie­be­nen Lichter. Da die Versorgung der Privat­kun­den mit Gas erst Ende 1846 begonnen hatte, sind dies die ersten Kunden der Firma Barlow und Manby. Nicht aufgeführt ist die Stadt als Betreiber der Laternen in der Stadt, 1848 waren es 612, die fast 50 % der Karls­ru­her Gaspro­duk­tion verbrauch­ten.

Unter den im Gasabon­nen­ten­buch aufge­führ­ten privaten Abnehmern waren die Bierbrauer - von 24 bezogen 20, d. h. über 80 % Gas - die am stärksten vertretene Berufs­gruppe, darunter die noch bis ins 20. Jahrhun­dert hinein bestehende Fels-Brauerei (Nr. 94 im abgebil­de­ten Plan) in der Blumen­straße. Zu den fortschritt­li­chen Bierbrau­ern gehörte aber auch August Schmieder (Nr. 7), der spätere Bauherr des Prinz MaxPalais, der seine Brauerei in der Langen Straße 7 im Jahre 1850 an Jacob Friedrich Hoepfner verkaufte und nach Ostdeutsch­land ging, um von dort als wohlha­ben­der Mann zurück­zu­keh­ren.

Nicht ganz so stark waren die Wirte vertreten, fast 50 % von ihnen hatten einen Gasan­schluss. Die größte Gruppe der Gaskunden bildeten die Kaufleute mit 36 (von rund 170). Eine nennens­werte Zahl von Handwer­kern findet sich ebenfalls in der Liste, darunter der Stein­dru­cker Peter Wagner (Nr. 40), dessen Litho­gra­phien weit über Karlsruhe hinaus Absatz fanden. Die Bijou­te­rie­fa­brik Zuber & Comp. (Nr. 24), die Buchdru­cke­rei Malsch & Vogel (Nr. 37), der Buchhänd­ler Adolph Bielefeld (Nr. 63), der Hofbuch­händ­ler Albert Knittel (Nr. 68), Inhaber der Braunschen Hofbuch­hand­lung, der Schreib­wa­ren­händ­ler Heinrich Leichtlin (Nr. 70), der Spiel­wa­ren­händ­ler Wilhelm Döring (Nr. 79), Schreiner Heinrich Himmel­he­ber (Nr. 86), Hofsattler Martin Lauter­milch (124) und Kaufmann Simon Model (Nr. 141) sind bekannte Namen, deren Geschäfte auch später noch einen guten Ruf hatten. Darüber hinaus bezogen aber auch einige bekannte Karlsruher Persön­lich­kei­ten Gas für ihre Privat­woh­nun­gen, so der Chemiker Professor Karl Weltzien oder die Witwe des langjäh­ri­gen Staats­mi­nis­ters und Karlsruher Ehren­bür­gers Freiherr Wilhelm Ludwig Leopold Reinhard von Berstett.

Größter Abnehmer war aber nicht überra­schend das Polytech­ni­sche Institut (Nr. 6), Vorläufer der Univer­si­tät Karlsruhe, die heute im KIT aufge­gan­gen ist, gefolgt von der Museums­ge­sell­schaft (Nr. 76), in deren 1814 an der Ecke zwischen Ritter­gasse und Langen Straße erbauten Gesell­schafts­haus sich das Karls­ru­her Großbür­ger­tum traf, und dem bereits erwähnten Albert Knittel. Dass sich so viele Firmen und Betriebe zu dieser frühen Zeit eine doch noch relativ kosten­in­ten­si­ve Gasbe­leuch­tung leisteten, überrascht nicht. Produk­ti­ons­zei­ten konnten so verlängert werden, Wirte, Geschäfte und Lesege­sell­schaf­ten boten ihren Gästen einen höheren Komfort.

Der Gasver­brauch und damit auch die Zahl der Gasabon­nen­ten war 1847 natürlich im Vergleich zur Einwohner­zahl von knapp 24.000 noch gering. Dies änderte sich erst nach der Gründung des Deutschen Reiches, als der Wirtschafts­boom der Gründer­zeit den Gasver­brauch innerhalb von fünf Jahren mehr als verdop­pelte. Die Stadt hatte 1869 also einen Betrieb mit Perspek­tive übernom­men und konnte im Rahmen der kommunalen Daseins­vor­sorge die preiswerte und komfor­ta­ble Versorgung mit Gas gewähr­leis­ten.

Dr. Ernst Otto Bräunche, Leiter Stadt­ar­chiv & Histo­ri­sche Museen, Karlsruhe

 

Gestaltung: Stadt Karlsruhe, Liegenschaftsamt, 2011

Gestaltung: Stadt Karlsruhe, Liegenschaftsamt, 2011