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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 89 vom 23. Dezember 2010: Biographie Max Leichtlin

Ein kleiner Garten im Süden Karlsruhes, an der Ettlinger Straße gegenüber dem Stadt­gar­ten gelegen, versetzte in den 1860er Jahren die botanische Fachwelt und viele Pflan­zen­lieb­ha­ber in Verzückung. Er beher­bergte die größte bekannte Sammlung von Lilien­ge­wäch­sen aus aller Welt: 250 Arten und Varietäten gediehen hier auf engem Raum. Angelegt hatte diesen prächtigen Garten der gelernter Kunst­gärt­ner und Unter­neh­mer Max Leichtlin. Die vom Vater 1823 gegründete Papier­hand­lung der Gebrüder Leichtlin in Karlsruhe gehörte gegen Ende des 19. Jahrhun­derts zu den bedeu­tends­ten ihrer Art in Europa.

Max Leichtlin, der am 20. Oktober 1831 in Karlsruhe geboren wurde, wollte im Gegensatz zu seinen älteren Brüdern nicht in die väterliche Firma eintreten. Er inter­es­sierte sich früh für Pflanzen und Gärten. Nach dem Besuch der Polytech­ni­schen Schule von 1845 bis 1848 begann er eine Lehre bei den Großher­zog­li­chen Hofgärt­ne­reien. Der Ausbildung folgten Anstel­lun­gen in Deutsch­land und dem benach­bar­ten Ausland sowie ein Aufenthalt an der König­li­chen Gärtner-Lehran­stalt in Potsdam. In den 1850er Jahren unternahm Leichtlin ausge­dehnte Reisen in Europa und Südamerika, auf denen er seine pflan­zen­kund­li­chen Kenntnisse vertiefte. Der Tod des ältesten Bruders 1857 bedeutete einen tiefen Einschnitt in das Leben Max Leichtlins. Er kehrte nach Karlsruhe zurück und arbeitete in den nächsten Jahren im Famili­en­un­ter­neh­men, bis die Söhne seines verstor­be­nen Bruders ihre Ausbildung beendet hatten und in die Firma eintraten. Für den unver­hei­ra­te­ten Leichtlin wurde sein Garten zu einem geschätz­ten Flucht­punkt, um Abstand vom Geschäfts­le­ben zu finden. Der begeis­ter­te Botaniker impor­tierte Samen und Pflanzen aus aller Herren Länder, kreuzte verschie­dene Arten und schuf zahlrei­che Neuheiten. Sein besonderes Interesse galt dabei ameri­ka­ni­schen und japani­schen Lilien­ar­ten. Leicht­lins Geschick im Umgang mit schwer zu kulti­vie­ren­den Gewächsen sprach sich in Fachkrei­sen schnell herum. Eine rege Korre­spon­denz entspann sich mit führenden Botanikern der Zeit, darunter Sir Joseph Hooker, der Leiter der Royal Botanic Gardens in Kew. Er war es, der Leichtlin erstmals würdigte, indem er eine Lilie nach ihm benannte: Lilium leicht­li­nii. Zahlreiche weitere Benen­nun­gen sollten später noch folgen, unter denen Kniphofia leicht­li­nii (Fackel­li­lie) und Camassia leicht­li­nii (Leichtlin-Präri­e­li­lie) vielleicht die bekann­tes­ten sind.

Anfang der 1870er Jahre gab Max Leichtlin sowohl seine Tätigkeit in der Firma als auch seinen Karlsruher Garten auf. Letzterer fiel den Plänen zur Bebauung der Südstadt zum Opfer. 1873 zog Leichtlin mitsamt seinen Pflanzen nach Baden-Baden um. In der Kurstadt hatte er im Schatten des Neuen Schlosses eine ehemalige Gärtnerei erworben. Hier legte Leichtlin den berühmten Botani­schen Garten an, der seinerzeit auf jedem Stadtplan Baden-Badens verzeich­net war. Nach einem kurzen Engagement als Stadtrat (1875-1878) lebte Leichtlin zurück­ge­zo­gen ganz seiner botani­schen Leiden­schaft. Er machte Reisen, stets auf der Suche nach Pflan­zen­ra­ri­tä­ten, betätigte sich als Juror und veröf­fent­lichte zahlreiche Miszellen in deutschen und englischen Garten­zeit­schrif­ten. In Anerken­nung seiner außer­or­dent­li­chen Verdienste um den Gartenbau wurde er zum Mitglied der Royal Horti­cul­tu­ral Society ernannt und mit verschie­de­nen Auszeich­nun­gen geehrt. Am 3. September 1910 starb Max Leichtlin in Baden-Baden.

Walter Metzler M.A., Baden-Baden
 

(1831 - 1910) Foto: Privat

(1831 - 1910) Foto: Privat