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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 88 vom 24. September 2010

Verleger, Chefre­dak­teure, Ressort­lei­ter

Journa­lis­ten aus den ersten Jahrzehn­ten der "Badischen Neuesten Nachrich­ten"


von Josef Werner


Noch immer, Radio, Fernsehen und Internet zum Trotz, ist die Tages­zei­tung unsere wichtigste Infor­ma­ti­ons­quelle. In der Region Karlsruhe sind dies die "Badischen Neuesten Nachrich­ten" (BNN). Geprägt wurden und werden sie von engagier­ten Redak­teu­ren. Nachste­hend wird erinnert an einige jener Journa­lis­ten, die dieser Zeitung in den ersten Jahrzehn­ten ihres Bestehens Gehalt und Gestalt gegeben haben.

Wilhelm Baur, der damals 50-jährige Journalist, hatte ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von der US- Besat­zungs­macht die Lizenz zur Gründung einer Tages­zei­tung für den Großraum Karlsruhe erhalten. Ihn hatten die Christ­de­mo­kra­ten als Heraus­ge­ber vorge­schla­gen. Der von der SPD nominierte Walter Schwerdt­fe­ger schied vier Jahre später aus. So ruhte die Haupt­ver­ant­wor­tung für eine seriöse. politisch unabhän­gige Zeitung bei Wilhelm Baur.

Am 16. Februar 1895 als Sohn eines Goldschmieds in Schwäbisch Gmünd geboren, hatte Wilhelm Baur am Reuchlin-Gymnasium in Pforzheim das Abitur gemacht. Seine journa­lis­ti­schen Sporen verdiente Baur, unversehrt aus dem Ersten Weltkrieg zurück­ge­kehrt, beim "Badi­schen Beobach­ter" in Karlsruhe, dem Zentral­or­gan der badischen Zentrums­par­tei. Danach wurde er Sekretär dieser (katho­li­schen) Partei für Mittel­ba­den, Landtags­kor­re­spon­dent und schließ­lich Heraus­ge­ber einer Korre­spon­denz seiner Partei. Während der NS-Zeit aus seinem Beruf verdrängt, arbeitete Baur für die neu gegründete Badenia-Bauspar­kasse.

Am 1. März 1946 erschien die erste Ausgabe der BNN, vierseitig und danach nur zweimal wöchent­lich. In Karlsruhe war man glücklich, wieder eine Zeitung zu haben. Dank der Fusion mit wieder entstan­de­nen Blättern in Bruchsal, Bretten, Ettlingen und Bühl/A­chern gelang es Baur in den folgenden Jahren, die BNN zur dominie­ren­den Zeitung in Mittel­ba­den zu machen. Wilhelm Baur, Verleger und Chefre­dak­teur in Perso­nal­union, blieb politisch engagiert: Er war Mitgründer der Karlsruher CDU und gehörte 25 Jahre lang der CDU-Fraktion im Karls­ru­her Gemein­de­rat an. Gleichwohl achtete er streng auf die Überpar­tei­lich­keit seiner Zeitung. Dank seiner Umgäng­lich­keit, seiner Mensch­lich­keit und seines Humors war der "Chef" bei seinen - im Lauf der Jahre auf über 500 Mitar­bei­ter angewach­se­nen Beleg­schaft außer­or­dent­lich beliebt. Hochge­schätzt war Baur auch außerhalb seiner von ihm so genannten "BNN-Familie". Nach voraus­ge­gan­ge­nen anderen Ehrungen verlieh ihm der damalige Minis­ter­prä­si­dent Kiesinger den Stern zum Verdienst­kreuz der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land. Als ihm Oberbür­ger­meis­ter Günther Klotz im Jahr 1970 im Auftrag des Karlsruher Gemein­de­rats die Ehren­bür­ger­wür­de der Stadt Karlsruhe verlieh, vermit­telte Baur in kurzen Dankes­wor­ten so etwas wie seine Lebens­ma­xime: "Charakter zu bewahren, ist wichtiger als der Erfolg", sagte er. Wilhelm Baur wurde 78 Jahre alt. Er starb am 18. Mai 1973 während des Urlaubs in Bad Ragaz.

Im Sommer 1946 engagierte Wilhelm Baur den soeben aus franzö­si­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft zurück­ge­kehr­ten Ludwig Arnet zur Mitarbeit an seiner noch so jungen Zeitung. Der damals 40 jährige übernahm die Lokal­re­dak­tion der BNN und wurde später Ressort­lei­ter der so genannten Landre­dak­tion.

Eigentlich hatte Arnet Priester werden wollen. Am 13. August 1904 in Karlsruhe geboren, hatte er die katho­li­sche Lendersche Lehran­stalt in Sasbach besucht, am Ludwig-Wilhelm-Gymnasium in Rastatt das Abitur gemacht und danach in Salzburg und Freiburg Theologie studiert. Aber irgendwie wurde aus diesem Berufsziel nichts, Arnet entschied sich für den Journa­lis­mus. Nach einem Volon­ta­riat beim "Badischen Beobach­ter" wurde er Redakteur bei der Zweiein­halb-Mann-Redaktion (Chefre­dak­teur, Redakteur, Volontär) des damaligen Karlsruher "Resi­denz­an­zei­gers". Als diese Zeitung im Jahr 1940 ihr Erscheinen aus "kriegs­wirt­schaft­li­chen Gründen" einstellen musste, wurde Arnet Soldat, blieb es bis Kriegsende.

Zwei Bereiche waren es, denen Arnet während seiner rund 25 jährigen Tätigkeit als BNN-Redakteur seine besondere Aufmerk­sam­keit widmete: Die Kirchen und die Vereine, die Gesangs­ver­eine vor allem. Er wurde nicht müde, deren Wirken ins Blatt zu bringen. Arnet, der wegen seiner Gradli­nig­keit, Hilfs­be­reit­schaft und Beschei­den­heit so sehr geschätzte Kollege, begleitete als Christ und Journalist zahlreiche Pilger­fahr­ten. In dem Bändchen " Pilgerndes Gottesvolk aus Baden" hat er sie dokumen­tiert. Als ob er hier des Guten etwas zuviel getan hätte, fand Arnet, seinem Verleger euphorisch von einer Rom-Wallfahrt berichtend, bei diesem wenig Resonanz. Wilhelm Baur, dem es ohnehin nicht gefiel, wenn seine Redakteure aus dienst­li­chen Gründen oder urlaubs­hal­ber nicht am Schreib­tisch saßen, quittierte Arnets begeis­ter­te Schil­de­rung - im Blick auf die zu erwar­ten­de Spesen­ab­rech­nung - mit dem Satz: "Hör auf, Ludwig, Du hasch gut fromm sei für mei Geld". Ludwig Arnet, der den Gesang­ver­ei­nen auch nach seiner Zurru­he­set­zung schreibend die Treue hielt, starb am 18. August 1980 bei einem Spazier­gang an Herzver­sa­gen.

Man könnte ihn einen Seiten­ein­stei­ger nennen. Hubert Doerr­schuck, am 10. Mai 1910 in Karlsruhe geboren, war ohne Abitur und Studium zur Zeitung gekommen, dank einer dreijäh­ri­gen Buchhänd­ler­lehre aber mit großem Interesse an Geschichte, Theater und Literatur und - mit einem ausge­präg­ten Schreib­ta­lent. Dieses offenbarte sich umgehend, als Doerr­schuck 1930 beim Karlsruher "Resi­denz­an­zei­ger" zunächst als Volontär, danach als Redakteur arbeitete zusammen mit Ludwig Arnet. Seine origi­nel­len Geschich­ten aus dem Karlsruher Alltag machten -uck, Doerr­schucks bleibendes Kürzel, schnell bekannt. Im Jahr 1933 engagierte ihn die "Badische Presse" damals die bedeu­tendste badische Zeitung. Hier brachte er es in kurzer Zeit zum Ressort­lei­ter der Heimat­seite und wurde schließ­lich Feuil­le­ton­chef.

Im Jahr 1941, ein Jahr nach der Kapitu­la­tion Frank­reichs, als Feuil­le­ton­chef an die zweispra­chi­ge "Pariser Zeitung" berufen, löste der franko­phile Badener die heikle Aufgabe, über die Kultur vermit­telnd und versöhnend zu wirken, aufge­schlos­sen und verständ­nis­voll. Nach Kriegs­dienst in franzö­si­sche Gefan­gen­schaft gekommen, verar­bei­tete er diese in der - später in den BNN veröf­fent­lich­ten - Novelle "Madelaine und der Gefangene", Zeugnis behut­sa­mer Annäherung zwischen zuvor verfein­de­ten Menschen.

Im Jahr 1948 übernahm Doerr­schuck bei den BNN das Ressort "Spiegel der Heimat". Am filmischen Geschehen schon immer hochin­ter­es­siert, schrieb er zahlreiche Biogra­phien von Filmstars. Seine fundierten Filmkri­ti­ken fanden in der Filmwirt­schaft große Aufmerk­sam­keit. Bei seinen Lesern unver­ges­sen sind Doerr­schucks unter dem Pseudonym "Amadeus Sieben­punkt" allsams­täg­lich in den BNN erschie­ne­nen geist-, gemüt- und humor­vol­len Plaude­reien, die später auch in mehreren Büchern erschienen. Drehbücher zu Filmen und schließ­lich sein kennt­nis­reich-witziges Buch "Deutsch­land deine Badener" machten den begabten Feuil­le­to­nis­ten und beliebten Kollegen weit über das Verbrei­tungs­ge­biet der BNN hinaus bekannt. Hubert Doerr­schuck starb am 9. Juli 1999 im Alter von 89 Jahren.

Für Dr. Otto Gillen war es vielleicht die glück­lichste Stunde, als im Asamsaal des Ettlinger Schlosses drei seiner von Wolfgang Heinze vertonten Gedichte ihre Urauf­füh­rung erlebten. Gillen war damals 83 Jahre alt. Man hatte ihm bei den Schloss­fest­spie­len, deren Mitbe­grün­der er zusammen mit Erwin Vetter und Kurt Müller-Graf gewesen war, einen Abend mit seinen Werken gewidmet. Womit schon angedeutet ist, dass das Wirken Gillens weit über seinen Redak­ti­ons­tisch hinaus­reichte.

Am 26. Oktober 1899 in Greiz/T­hü­rin­gen geboren, hatte Gillen in Osnabrück sein Abitur gemacht und war dann mehrere Jahre auf Kunst­stu­di­en­rei­sen in Italien und Griechen­land unterwegs, ehe er dann in Berlin, Köln und Kiel neben Philo­so­phie und Germa­nis­tik vor allem Kunst­ge­schichte und Theater­wis­sen­schaf­ten studierte. Nach der Promotion zum Dr. phil. im Jahr 1929 arbeitete Gillen als Theater- und Kunst­kri­ti­ker in Wien, wurde dann Dozent an der Kunst­aka­de­mie Stuttgart. Nach Kriegs­dienst und Gefan­gen­schaft wurde Gillen bald nach Gründung der Zeitung Chef der Kultur­re­dak­tion der BNN. Und er blieb dies bis zu seinem 74. Lebensjahr.

Theater, Kunst und Literatur waren die Wirkungs­be­rei­che, in denen sich Gillen ein Viertel­jahr­hun­dert lang als Interpret und Kritiker einen Namen machte. Mit Vorträgen etwa über Dürer, Rembrandt und van Gogh, über den Futurismus oder über den "Humor in der Malerei" bewies Gillen zusätzlich sein breit gefächer­tes kunst­ge­schicht­li­ches Wissen. Moder­nis­ti­scher Kunst gegenüber nicht besonders aufge­schlos­sen, musste Gillen gelegent­lich auch selbst Kritik einstecken. So etwa, als er den bunten Gebilden von Horst Antes, die während der Bundes­gar­ten­schau im Jahr 1967 als "Garten der Lüste" im Botani­schen Garten zu sehen waren, nicht die Spur einer Zuneigung abgewann.

Otto Gillens Wesen und Wirken spiegeln sich im Übrigen ungleich präsenter und bleibend in seiner Erzähl­kunst und seiner Lyrik, erhalten in zahlrei­chen Bänden. "Es geschieht Dir nichts, was nicht aus Deinem Wesen wächst", ist hier einmal zu lesen. Fatalismus oder - Trost? Otto Gillen, ausge­zeich­net mit dem Litera­tur­preis der Stadt Karlsruhe, starb am 27. Februar 1986 im Alter von 86 Jahren.

Es war ein Doppel­ju­bi­läum, das Dr. Otto Haendle Ende des Jahres 1975 feiern konnte: Das Fünfzig­jäh­rige seiner Berufs­zu­ge­hö­rig­keit und das Fünfund­zwan­zig­jäh­rige seiner Zugehö­rig­keit zur Redaktion der BNN. Und dies wenige Wochen vor seinem 75. Geburtstag. Woraus zu ersehen ist, dass Otto Haendle tatsäch­lich erst mit 75 Jahren in den Ruhestand ging, auch er ein Beweis, wie schwer es Journa­lis­ten fällt, die Feder aus der Hand zu legen.

Am 9. März 1901 in Basel geboren, doch im Schwä­bi­schen aufge­wach­sen, hatte Haendle eigentlich das höhere Lehramt als Berufsziel angepeilt. Hatte ein Philo­lo­gie­stu­dium mit Staats­ex­amen und Promotion abgeschlos­sen. Doch der früh am politi­schen Geschehen inter­es­sierte Dr. phil. entschied sich für den Journa­lis­mus. Der "Reut­lin­ger General­an­zei­ger" war seine erste, das "Schwä­bi­sche Tagblatt" nach Engage­ments in Leipzig, Stuttgart und Salzburg die letzte Station, ehe Haendle im Dezember 1950 zu den "Badischen Neuesten Nachrich­ten" kam. Verpflich­tet wurde er als Chef vom Dienst und stell­ver­tre­ten­der Chefre­dak­teur, Funktionen, die es bei den BNN bis dahin noch nicht gegeben hatte. Ihm oblag die Koordi­na­tion innerhalb der Redaktion und im Blatt, eine Aufgabe, die Organi­sa­ti­ons­ta­lent ebenso verlangte wie Führungs­ver­mö­gen und kolle­gia­les Verständ­nis. Haendle meldete sich aber immer wieder selbst zu Wort, sein Namens­kür­zel O. H. unter den Leitar­ti­keln wurde mit der Zeit zum Synonym für überzeu­gende Deutung des politi­schen Geschehens. Von einer besonderen Initia­ti­ve profi­tie­ren die BNN heute noch: Haendle gelang die Schaffung eines Pools von Auslands­kor­re­spon­den­ten, mitge­tra­gen von einigen befreun­de­ten Zeitungen.

Nebenbei bemerkt: Otto Haendle war ein guter Sportler. Wenn er sich in der Mittags­pause mit jüngeren Kollegen auf dem Schloss­platz zu einem 100-Meter-Lauf traf, war er stets der Schnellste. Dies wollte er auch sein bei der Verkündung des Todes von Papst Johannes XXIII. im Jahr 1976. In großen Lettern meldeten die BNN in Teilen ihrer Ausgabe am Samstag vor Pfingsten jenes Jahres den Tod des Papstes. In Wahrheit starb Johannes XXIII. erst am Pfingst­mon­tag, den 3. Juni. Seinen spät angetre­te­nen Ruhestand konnte Haendle noch volle 20 Jahre genießen. Er starb am 9. April 1996 im Alter von 95 Jahren.

Er war der fried­fer­tigste Mensch, den man sich denken kann, galt als "Mann des Ausgleichs" und war ungewollt doch ein Polari­sie­rer. Der Weg des späteren Chefre­dak­teurs Edwin Kraus, geboren am 29. Januar 1926 in Karlsruhe, führte nach dem Abitur am Bismar­ck­gym­na­sium, nach Flakhelfer- und Kriegs­dienst sowie Gefan­gen­schaft zum Univer­si­täts­stu­dium in Heidelberg mit Staats­lehre, Neuerer Geschichte und Germa­nis­tik als wichtigs­ten Fächern. Vor allem sein starkes Interesse an der Politik brachte Kraus zum Journa­lis­mus. Im Jahr 1954 kam er zur damaligen "Badischen Volks­zei­tung" in Karlsruhe, deren Chefre­dak­teur er schließ­lich wurde. Als dieses katholisch-konser­va­tive Blatt - in Journa­lis­ten­krei­sen flapsig "Schwarz´ Katl" genannt, zum Unter­schied von der "Rot´ Katl", der SPD- nahen AZ - im Jahr 1968 sein Erscheinen einstellen musste, kam Edwin Kraus zu den BNN, wurde bald Leiter der politi­schen Redaktion, stell­ver­tre­ten­der Chefre­dak­teur und im Jahr 1988 Chefre­dak­teur.

Fundiertes Wissen in Geschichte und Politik, verbunden mit einem einpräg­sa­men Schreib­ta­lent, waren das Fundament viel beachteter Leitar­ti­kel zum politi­schen und gesell­schaft­li­chen Geschehen. Der konser­va­ti­ve Journalist nahm kein Blatt vor dem Mund, wenn es galt, Zeitgeist-Ideologien zu wider­spre­chen und ethische Werte zu vertei­di­gen. Dies hatte eine Polari­sie­rung zur Folge mit einer großen Gemeinde Gleich­ge­sinn­ter auf der einen und Anders­den­ken­den auf der anderen Seite. Einig waren sich diese wie jene: Man musste seine Beiträge gelesen haben, schon der oft überra­schen­den sprach­li­chen Einfälle wegen.

Ausge­spro­chen beliebt war Kraus wegen seiner Umgäng­lich­keit, seines feinen Humors und seiner - von ihm selbst so genannten - "badischen Libera­li­tät" im Haus der BNN. Mit 69 Jahren in den Ruhestand gekommen, schrieb Kraus seine engagier­ten Montags-Leitar­ti­kel noch einige Jahre lang, ehe er dann am 26. Juli 2006 im Alter von 80 Jahren starb.

Sein Vater hätte ihn - ebenso wie dessen ältesten Bruder, der als Franzis­ka­ner in Japan wirkte - gern als Theologen gesehen. Aber der am 29. Dezember 1892 in Mardorf bei Magdeburg geborene Dr. Alphons Noll entschied sich für den Beruf eines Journa­lis­ten, eines Wirtschafts­jour­na­lis­ten. Dies mit der Folge, dass er nach voraus­ge­gan­gen Wirken andernorts im Jahre 1949 bei den BNN landete.

Hinter sich hatte Noll zu diesem Zeitpunkt längst ein Philologie- und Volks­wirt­schafts­stu­dium, das durch Kriegs­dienst und über fünfjäh­ri­ge Kriegs­ge­fan­gen­schaft in und nach dem Ersten Weltkrieg unter­bro­chen wurde. Der Promotion an der Univer­si­tät Frankfurt folgten Jahre volks­wirt­schaft­li­cher Nachrich­ten- und Wissens­ver­mitt­lung in einer Nachrich­ten­agen­tur, in der deutschen Bergwerks­zei­tung und in Vorträgen. Wegen Regime-kritischer Beiträge und seiner Freund­schaft mit einer jüdischen Familie vorüber­ge­hend in Haft, wurde Alphons Noll im Jahr 1939 aus der NSDAP und aus dem Reichs­ver­band der deutschen Presse ausge­schlos­sen. Nach dem Krieg arbeitete Noll für das Deutsche Institut für Wirtschafts­for­schung.

Bei den BNN gab es in den ersten Jahren noch keine Wirtschafts­re­dak­tion. Mit großem Engagement baute Dr. Noll dieses Ressort auf, eine von den Lesern staunend aufge­nom­mene Berei­che­rung der Zeitung. Seine samstäg­li­chen Wirtschafts-Leitar­ti­kel, in denen der erfahrene Wirtschaft­ler auch immer wieder harte Kritik übte, gegenüber Wirtschafts­ver­bän­den ebenso wie gegenüber den Gewerk­schaf­ten, waren viel beachtet. Auch am gesell­schaft­li­chen Leben seiner neuen Heimat Karlsruhe nahm Noll aktiv teil. Die Deutsch-Franzö­si­sche Gesell­schaft und der Presseclub Karlsruhe, dessen Vorsit­zen­der er jahrelang war, verdanken ihm vielfäl­ti­ge Initia­ti­ven. Bei seinen Kollegen war der damalige Senior der Karlsruher Journa­lis­ten wegen seines profunden Wissens und seines klaren Urteils sehr geschätzt. Dr. Noll, auch er fast 10 Jahre über die übliche Pensi­ons­grenze hinaus "in den Sielen", starb am 14. Januar 1966 im Alter von 74 Jahren.

Liselotte Nückel hat in den ersten 50 Jahren der BNN-Geschichte durch ihre Arbeit wohl am Nachhal­tigs­ten für die Gleich­schät­zung der Frau im Journa­lis­mus in Karlsruhe gesorgt. Es kam nicht von ungefähr, dass diese Frau, die als klug, charmant und tapfer bezeichnet wurde, dem Haus der BNN sagenhafte 46 Jahre lang angehörte, sieben Jahre halbbe­ruf­li­cher Tätigkeit einge­schlos­sen.

Am 1. Mai 1923 in Aschaf­fen­burg geboren, hatte Liselotte, ehe sie mit ihrer Familie im Jahr 1938 nach Karlsruhe kam, halb Deutsch­land kennen gelernt. Bremer­ha­fen und Hannover, Düsseldorf und Nürnberg waren beruf­li­cher Verpflich­tun­gen des Vaters wegen als Lebens­sta­tio­nen voraus­ge­gan­gen. Eigene Mobilität bewies die junge Dame, als sie nach dem Abitur am Karlsruher Fichte-Gymnasium während des Zweiten Weltkriegs in Prag, in Wien und dann in Heidelberg studierte. Hier, am Neckar, neben Germa­nis­tik und Kunst­ge­schichte auch das noch junge Fach Zeitungs­wis­sen­schaft, Vorstufe ihres späteren Berufs.

Nach dem Krieg vorüber­ge­hend in einer US-Presse­stel­le tätig, absol­vierte Liselotte Nückel danach bei den BNN ein zweijäh­ri­ges Volon­ta­riat, durchlief dabei alle Ressorts und blieb im "Spiegel der Heimat", dem späteren "Südwe­stecho" und schließ­lich in der Sonntags­bei­la­ge "hängen", Kollegin und Ressort-Nachfol­ge­rin von Hubert Doerr­schuck, ihrem Mentor und Förderer. Dessen Zuspruch war es wohl auch zu verdanken, dass Liselotte über Jahre hinweg unter dem Pseudonym "Nico­let­te" eine Samstags­ko­lumne schrieb, heitere Alltags­ge­schich­ten, die später auch in Buchform erschienen. Frauen- und Jugend­t­he­men besonders zugetan, war die Journa­lis­tin auch eine gefragte Referentin in Karls­ru­her Frauen­or­ga­ni­sa­tio­nen. Auch Liselotte Nückel war einige Jahre Vorsit­zende des Karls­ru­her Press­e­clubs.

Mütter­li­cher­seits entstammte Liselotte Nückel dem elsäs­si­schen Adels­ge­schlecht von Türckheim. Ein Hauch von Aristo­kra­tie, ob in Kleidung, Haltung oder Sprache, schien sie lebenslang zu umgeben. Drei Söhnen war sie eine fürsorg­li­che Mutter: einem Keramiker, einem Archi­tek­ten und - wen wundert´s - einem Journa­lis­ten. Liselotte starb am 1. November 2007 im Alter von 84 Jahren.

Fotos: BNN-Archiv und Stadt­ar­chiv (Schle­si­ger, Fotostudio Bauer)

Josef Werner, Journalist, Ettlingen

 

Wilhelm Baur

Wilhelm Baur


Ludwig Arnet

Ludwig Arnet


Hubert Doerrschuck

Hubert Doerrschuck


Dr. Otto Gillen

Dr. Otto Gillen


Dr. Otto Haendle

Dr. Otto Haendle


Edwin Kraus

Edwin Kraus


Dr. Alphons Noll

Dr. Alphons Noll


Liselotte Nückel

Liselotte Nückel