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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 84 vom 18. September 2009: Biographie August Boeckh

Eine Karlsruher Straße ist nach Christian Friedrich Boeckh benannt, der 1821 bis 1844 als Finanz­mi­nis­ter die maroden Finanzen ordnete und Baden in den Zollver­ein führte. Sein Bruder August dagegen, geboren am 24. November 1785, war ein Gelehrter von höchstem natio­na­lem Rang. Der Vater der Boeckhs war Hofse­kre­tär beim Markgrafen Karl Friedrich und starb 1790, eine Witwe mit sechs Kindern in ärmlichen Verhält­nis­sen hinter­las­send. Mit Stipendien musste man sich den Bildungs­weg erkämpfen, und August Boeckh zeigte sich bald als hochbe­gab­ter Schüler. Seit 1792 am 'Gymnasium illustre', traf er auf heraus­ra­gende Lehrer wie Johann Peter Hebel und Lorenz Böckmann, die ihn in alten Sprachen, Mathematik und "Natur­leh­re" förderten. Hebel lobte seinen "unun­ter­bro­che­nen Eifer, sein für die Erlernung der Sprachen glück­li­ches Talent." Zu seinen Schul­ka­me­ra­den zählte Karl Friedrich Nebenius, der 1818 die Beratungs­vor­lage zur badischen Verfassung schrieb.

In diesem Umfeld aufge­wach­sen, zog es ihn nach dem Maturum 1803 mit einem vierjäh­ri­gen badischen Stipen­di­um zum Theolo­gie­stu­dium zur Univer­si­tät Halle. Hier wurde er durch F. A. Wolf, den man als "Heros für das Geschlecht der deutschen Philo­lo­gen" feierte, für die Alter­tums­wis­sen­schaft begeistert. Die Kriegs­wir­ren trieben den 1807 Promo­vier­ten ins heimat­li­che Karlsruhe, wo er am Gymnasium unter­rich­ten sollte. Er erbat sich aber einen Lehrauf­trag an der Univer­si­tät Heidelberg, an der er sich schon 1807 habili­tierte und sogleich eine außer­or­dent­li­che philo­lo­gi­sche Professur erhielt, eng mit führenden Vertretern der Romantik wie Clemens Brentano und Achim von Arnim gesellig verbunden.


Als 1810 in Berlin eine Univer­si­tät geplant wurde, war der 25-Jährige einer ihrer Mitbe­grün­der, und über 50 Jahre blieb er als Ordinarius in einem berühmten Gelehr­ten­kol­le­gium Mitglied dieser Insti­tu­tion, die im 19. Jahrhun­dert richtung­wei­send für die deutsche Wissen­schaft wurde. In mehr als 120 Semestern erzog er eine große Zahl von Schülern, in den Haupt­kol­legs über 150, war sechsmal Dekan und fünfmal Rektor. Bereits 1814 wurde Boeckh als Mitglied der königlich-preußi­schen Akademie der Wissen­schaf­ten berufen. Engagiert setzte er sich für die Wissen­schafts­frei­heit ein gegenüber einer Regierung, die auch die Hochschule diszi­pli­nie­ren wollte.

Wegweisend waren seine Sammlung griechi­scher Inschrif­ten und in seinem Frühwerk über "Die Staats­haus­hal­tung der Athener" die Erfor­schung von Preisen, Löhnen und Zinsen in der Polis. Damit begründete er gegenüber der mehr litera­ri­schen "Wort­phi­lo­lo­gie" der Leipziger Schule eine "Sach­phi­lo­lo­gie" mit einer Fülle von Publi­ka­tio­nen. Aus einem späteren Einklang der beiden Richtungen erwuchs seinerzeit jener deutsche Vorrang im Wissen um die Antike, aus der auch Max Weber um 1900 für seine moderne Stadt­so­zio­lo­gie schöpfte. Und so bleibt in einer globalen Welt bei Relati­vie­rung natio­na­ler Geschichte die Alter­tums­wis­sen­schaft, weit in den Orient ausgrei­fend, Basis für struk­tu­rel­le Erkennt­nisse.

Der hochge­ehrte und von den Studenten verehrte Wissen­schaft­ler, er war u. a. seit 1860 Ehren­bür­ger Berlins und Träger des Ordens 'Pour le Mérite', starb am 3. August 1867 in Berlin, wo eine Straße nach ihm benannt wurde. Seine Grabstätte befindet sich im bekannten Dorotheen­städ­ter Friedhof.

Dr. Leonhard Müller, Histo­ri­ker

 

August Boeckh (1785 - 1867) Foto: Stadtarchiv

August Boeckh (1785 - 1867) Foto: Stadtarchiv