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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 83 vom 19. Juni 2009: Biographie Margarete Schweikert

Andere Frauen haben in vergleich­ba­rer Situation aufge­ge­ben und auf ihre Kreati­vi­tät verzichtet, etwa Maria Anna Mozart oder Alma Mahler-Werfel. Das kam für Margarete Schwei­kert offenbar niemals in Frage, obwohl die Geigerin, Kompo­nis­tin, Pädagogin und Musik­kri­ti­ke­rin in einer Zeit lebte, die Frauen im Musik­be­trieb auf vielfäl­tige Weise ausgrenzte. Geboren wurde sie am 16. Februar 1887 in eine Familie, die musika­li­sche Begabungen und Interessen förderte und pflegte. Ersten Violin­un­ter­richt erhielt sie von ihrem Vater Friedrich, und mit dem Klavier machten sie ihre Mutter Luise und eine Tante vertraut. Am Munz'schen Konser­va­to­rium in ihrer Heimat­stadt Karlsruhe, das sie seit dem Schuljahr 1898/99 besuchte, fiel ihre kompo­si­to­ri­sche Begabung auf und wurde nach Kräften gefördert: Ab 1904 wurden in den öffent­li­chen Schul­kon­zer­ten immer wieder Lieder und der sinfonisch angelegte 57. Psalm für Solosopran, Chor und Orchester aufgeführt. 1906 wechselte sie auf das Großher­zog­li­che Konser­va­to­rium und wurde dort in den Fächern Violine, Musiktheo­rie und Kompo­si­tion unter­rich­tet. Ihre Entschei­dung für eine Karriere als Berufs­mu­si­ke­rin unter­strich sie, als sie sich von ihren Eltern statt einer Aussteuer eine kostbare Geige schenken ließ.
Ihre Studien setzte sie am könig­li­chen Konser­va­to­rium in Stuttgart fort. Ihr Violin­leh­rer war dort Carl Wendling, und in Kompo­si­tion unter­rich­tete sie Joseph Haas, ein Schüler Max Regers. Seit 1910 war sie im konser­va­tiv geprägten Karlsruher Kultur­le­ben präsent, neben Liedern, Klavier- und Orgel­wer­ken und Chorsätzen kompo­nierte sie für ihr eigenes Instrument, die Violine. Großen Anklang beim Publikum fand ihr abend­fül­len­des Singspiel für Kinder "Der Frosch­kö­nig", zu dem Erika Ebert den Text verfasst hat.

Während des Ersten Weltkrie­ges vertrat sie den zum Kriegs­dienst einge­zo­ge­nen Violin­leh­rer am Großher­zog­lich Badischen Lehre­rin­nen-Seminar, nach dem Krieg, als die Männer wie selbst­ver­ständ­lich in ihre Stellun­gen zurück­kehr­ten, unter­rich­tete sie zahlreiche Privat­schü­ler. Als Violin­vir­tuo­sin trat sie in ganz Süddeutsch­land auf und machte sich als Inter­pre­tin Regerscher Werke einen Namen. Während der Infla­ti­ons­zeit veran­stal­tete die Pragma­ti­ke­rin eine Konzer­treihe in der elter­li­chen Wohnung. 1923 heiratete sie Hermann Voigt, 1924 kam Tochter Christiane zur Welt; auch die Mitarbeit im Juwelier­ge­schäft einer Tante reduzierte die Zeit, die Margarete Voigt-Schweikert für künst­le­ri­sche Aktivi­tä­ten zur Verfügung stand. Schwerer noch wog das Berufs­ver­bot für Doppel­ver­die­ner, das die Natio­nal­so­zia­lis­ten 1933 verhängten: als Podium blieben ihr die Heimabende der Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Frauen­schaft. Während des Zweiten Weltkrie­ges durften Frauen wieder arbeiten, doch schwere Schick­sals­schläge verhin­der­ten eine längere Tätigkeit Margarete Schwei­kerts. Trotz ihrer Krebser­kran­kung blieb sie bis zu ihrem Tod am 13. März 1957 kreativ, ihr Werkver­zeich­nis ist beein­dru­ckend. Gleich­wohl fällt auf, dass die Gattungen, in denen sie sich in spätro­man­ti­scher Musik­spra­che ausdrückte, weitest­ge­hend auf einen kleinen Rahmen beschränkt sind - Werke für den prakti­schen Gebrauch also. Große Beset­zun­gen standen ihr nicht zur Verfügung: Ein Erbe des 19. Jahrhun­derts, in dem eine bürger­li­che Frau, wenn sie denn schon kompo­nie­ren musste, auf den Salon beschränkt blieb.

Birgitta Schmid, Musik­wis­sen­schaft­le­rin
 

Margarete Schweikert (1887 - 1957) Foto: Stadtarchiv

Margarete Schweikert (1887 - 1957) Foto: Stadtarchiv