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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 78 vom 20. März 2008: Bücherblick

Ulrich Wiedmann: Der Kislau-Prozess. Ludwig Marum und seine Henker. Ein szenischer Bericht

In Karlsruhe hatte sich im kleinen Kreis der NS-Gegner schnell herum­ge­spro­chen, dass die offizielle Version vom Selbstmord des SPD-Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­ten Ludwig Marum im KZ Kislau im März 1934 eine Lüge war. Und selbst in Kreisen der NS-Anhänger konnte nicht verborgen geblieben sein, dass Marum ermordet worden war. Seine Mörder lebten dennoch unbehel­ligt in Karlsruhe und brüsteten sich anfangs ihrer infamen und feigen Tat. Erst 1948 konnte vier der fünf Tatbe­tei­lig­ten in Karlsruhe der Prozess gemacht werden.

Ulrich Wiedmann hat die Akten des zweitä­gi­gen Prozesses studiert und daraus nicht, was auch möglich gewesen wäre, eine Dokumen­ta­tion erstellt. Er hat vielmehr den Prozess­ver­lauf in Form eines szenischen Berichts unter Verwendung des Wortlauts der Einlas­sun­gen der Angeklag­ten drama­ti­siert, d.h. gekürzt und auf das Wesent­li­che konzen­triert. Deutlich wird damit die neben der Schein­le­ga­li­tät des Handelns der NS-Machthaber beste­hen­de kriminelle Energie der verant­wort­li­chen NS-Führung, die beden­ken­lose Gefolg­schaft der Auftrags­mör­der, denen moralische Skrupel nicht im Weg standen, und die erschre­ckende Normalität und Banalität ihrer Biografien, die durch das Morden nicht spür- oder sichtbar gebrochen wurden. Diese Form der Geschichts­ver­mitt­lung berührt emotional und ist damit durchaus auch für den Schul­un­ter­richt geeignet.

Im Anhang finden sich neben einem kurzen Lebensbild Marums knappe Anmer­kun­gen zum Verlauf des Prozesses selbst, zur Bericht­er­stat­tung darüber sowie zu offen geblie­be­nen Fragen. Damit ist angedeutet, dass dies durchaus eine einge­hen­de­re (rechts-)histo­ri­sche Darstel­lung verdiente.

Dr. Manfred Koch, Historiker



Klaus Peter Hoepke: Geschich­ter der Fride­ri­ciana. Stationen in der Geschichte der Univer­si­tät Karlsruhe von der Gründung bis zum Jahr 2000

Klaus Peter Hoepke: Geschichte der Fride­ri­ciana. Stationen in der Geschichte der Univer­si­tät Karlsruhe von der Gründung bis zum Jahr 2000, Univer­si­täts­ver­lag Karlsruhe, Karlsruhe 2007, 210 S., € 29,50

Als Gründungs­lei­ter des Archivs der Univer­si­tät Karlsruhe und zeitwei­li­ger Heraus­ge­ber der Univer­si­täts­zeit­schrift "Fride­ri­cia­na" wurde Klaus-Peter Hoepke nach der Dienst­zeit von der Univer­si­täts­lei­tung beauftragt, eine Geschichte der Univer­si­tät zu schreiben., Vorar­bei­ten hatte er in eigenen Lehrver­an­stal­tun­gen erarbeitet. Seine Veröf­fent­li­chung ging allerdings in keiner Weise in die umfang­rei­che Festschrift des Jahres 2000 ein.

Im Vorwort und in den Geleit­wor­ten würdigen der Rektor und die engsten Fachkol­le­gen den wissen­schaft­li­chen Werdegang des Autors ( 2004) und seine spezi­fi­schen Verdienste für die Univer­si­täts­ge­schichte, neben mehreren Aufsätzen zu einzelnen Persön­lich­kei­ten und Insti­tuts­ge­schich­ten hat er 1995 ein Verzeich­nis der Profes­so­ren für den Zeitraum 1825 bis 1957 vorgelegt (ab 1957 finden sich Kurzviten der Profes­so­ren in den Heften der "Fride­ri­cia­na").

Das Buch ist nach sieben Zeitab­schnit­ten gegliedert, in denen die Entwick­lung von einer gehobenen techni­schen Lehran­stalt bis zur Techni­schen Univer­si­tät darge­stellt wird. Die wesent­li­chen Einschnitte werden bei der Reichs­grün­dung, jeweils am Ende des Ersten und des Zweiten Weltkrie­ges gelegt - der Zeitraum 1918 bis 1945 wird nicht unter­glie­dert. Diese Epochen­glie­de­rung wird vom Autor gelegent­lich proble­ma­ti­siert. Ab 1975 werden nur drei Entwick­lun­gen hervor­ge­ho­ben: die Informatik, inter­dis­zi­pli­näre Umwelt­for­schung und überna­tio­na­le Koope­ra­tion und Studien­gänge. Hoepke ist sich des Problems einer (kleinen) Univer­si­täts­ge­schichte bewusst, wenn er kaum auf die Forschungs­leis­tun­gen einzelner Profes­so­ren eingeht.

Im umfang­rei­chen Anhang sind besonders hervor­zu­he­ben die fünf Lagepläne der Hochschu­le/U­ni­ver­si­tät von 1892, 1942, 1955, 1969 und 1997 mit detail­lier­ten Legenden, eine Chronik von 1808/09 bis 1997, eine Auswahl von Quellen und Literatur zur Geschichte der Univer­si­tät Karlsruhe mit starkem Anteil an biogra­phi­schen Titeln und ein umfang­rei­ches Personen- und Sachre­gis­ter (leider ohne Verweise auf die einlei­ten­den Texte).

Die Veröf­fent­li­chung der Univer­si­täts­ge­schichte, mit der die Reihe "Veröf­fent­li­chun­gen aus dem Univer­si­täts­ar­chiv Karlsruhe" eröffnet wird, erfolgte auch elektro­nisch (www.uvka.de/uni­ver­lag/voll­tex­te/2007/272/). Dies könnte für weitere Unter­su­chun­gen von großem Wert sein.

Gut lesbar und flüssig geschrie­ben weist das Buch doch einen gravie­ren­den Mangel auf. Der Autor führt keinerlei Nachweise auf die Quellen. Bei deutlichen Wertungen und Einschät­zun­gen seitens des Autors hätte man insbe­son­dere bei kontro­vers deutbaren Stellen Belege erwartet, in der neueren Zeit bei der Einschät­zung der Rolle der Studen­ten­be­we­gung, oder bei der Hochschul­ge­setz­ge­bung - das Hochschul­rah­men­ge­setz wird nicht erwähnt - oder bei der Koope­ra­tion mit außeru­ni­ver­si­tären Forschungs­ein­rich­tun­gen (z.B. FIZ Karlsruhe).

Aus heutiger Sicht ist es eine ungleich­ge­wich­ti­ge Darstel­lung, zu viel Gewicht erfährt die Entstehung und zu wenig Raum die jüngste Univer­si­täts­ge­schichte. Gemessen an den jüngeren Univer­si­täts­ge­schich­ten der TU München oder der Univer­si­tät Stuttgart, kann man diese "kleine" Univer­si­täts­ge­schichte als Anregung verstehen, für die älteste deutsche Technische Univer­si­tät eine große Gesamt­dar­stel­lung in Angriff zu nehmen.

Dr. Hans-Joachim G. Haubold, Darmstadt



Detlev Fischer: 150 Jahre Badische Amtsge­richte

Das inten­si­vierte Bestreben des Rechts­his­to­ri­schen Museums den Karls­ru­hern die Residenz des Rechts in histo­ri­scher Perspek­tive nahe zu bringen und zur Identi­täts­s­tif­tung Karlsruhes beizu­tra­gen, hat 2004-2007 seinen Nieder­schlag in fünf Publi­ka­tio­nen gefunden. Bis dahin waren in zwanzig Jahren acht erschienen.

Detlev Fischer, der Leiter des Träger­ver­eins des Museum, hat anlässlich des Jubiläums der badischen Amtsge­richte eine Begleit­pu­bli­ka­tion zur gleich­na­mi­gen Sonderaus­stel­lung (bis 31. Juli 2008) vorgelegt. Sie verdeut­licht den langen Weg zur Trennung der Justiz von der Verwaltung im Bereich der badischen Unter­ge­richte und macht dessen Bedeutung für die Gewal­ten­tei­lung auch für rechts­his­to­ri­sche Laien verständ­lich. Ausführ­lich wendet sich der Autor der Proble­ma­tik der Amtsge­richte im Dienste des NS-Unrechts und dem Wieder­auf­bau einer rechts­staat­li­chen Justiz zu.

Dr. Manfred Koch, Historiker

 

Bespro­chene Bücher

Ulrich Wiedmann: Der Kislau-Prozess. Ludwig Marum und seine Henker. Ein szenischer Bericht, Edition Tintenfaß, Neckar­stein 2007, 87 S., € 12,90

Klaus Peter Hoepke: Geschichte der Fride­ri­ciana. Stationen in der Geschichte der Univer­si­tät Karlsruhe von der Gründung bis zum Jahr 2000, Univer­si­täts­ver­lag Karlsruhe, Karlsruhe 2007, 210 S., € 29,50

Detlev Fischer: 150 Jahre Badische Amtsge­richte, Karlsruhe 2007, 72 S.,
€ 12,-