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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 77 vom 21. Dezember 2007: Biographie Peter Perez Burdett

Selbst historisch Inter­es­sierte kennen weder den Namen noch gar die Leistungen von P. P. Burdett. Dabei stand dieser englische Ingenieur und Landver­mes­ser an der Wiege des Aufbruchs der Markgraf­schaft Baden-Durlach zu ihrer verkehrs­tech­ni­schen Erschlie­ßung und damit zur indus­tri­el­len Entwick­lung.

Peter Perez Burdett kam 1734 in Eastwood in der Grafschaft Essex in England zur Welt. Über sein Herkommen und seine Ausbildung ist nichts bekannt, er war jedoch in seiner Heimat als Schiffs­bau­in­ge­nieur, Landver­mes­ser und Kartograf tätig. 1774 befasste er sich mit der karto­gra­fi­schen Aufnahme und der Planung einer neuen Wasser­ver­sor­gung für Liverpool.

In seinem Atelier arbeitete seinerzeit auch der badische Ingenieur Karl Christian Vierordt, der im April 1774 in einer Korre­spon­denz mit Karlsruhe Burdetts Verwendung in Baden- Durlach empfahl. Bei dem merkan­ti­lis­tisch orien­tier­ten Markgrafen Karl Friedrich fand die Anregung Zustimmung, zumal er schon einige Jahre einen regen Brief­wech­sel mit Markgräfin Caroline Luise mit engli­schen Sprach­übun­gen und dem Austausch über Fragen der Kunst pflegte. Anfang 1775 trat Burdett in badische Dienste ein. Der mit ihm befreun­dete Maler Joseph Wright of Derby, der ihn mehrmals porträ­tierte, kam Ende 1774 ebenfalls nach Süddeutsch­land.

Burdett gehörte zu den Personen, die Markgraf Karl Friedrich zum Wohl des Landes Baden immer wieder um sich zu scharen wusste. Seinen ersten Auftrag erhielt er in Rastatt, wo unter seiner Leitung die Kanali­sie­rung der Murg zur Verhin­de­rung der alljähr­li­chen Überschwem­mun­gen zwischen Kuppenheim und der Mündung in den Rhein begann. Eine weitere Aufgabe und wohl der Hauptgrund seiner Einstel­lung war die topogra­fi­sche Aufnahme der 1771 neu hinzu­ge­kom­me­nen Landes­teile. 1791 stellte Burdett zusammen mit Vierordt und mehreren Mitar­bei­tern eine General­karte der ehema­li­gen Markgraf­schaft Baden-Baden fertig. Daneben war er in die Planungen zur Verbes­se­rung des Handels auf dem Rhein - einschließ­lich des Baus renta­blerer Boote für die Rhein­schiff­fahrt -, der Erstellung von Plänen für einen Rheinhafen der Residenz­stadt Karlsruhe und der Neuge­stal­tung des Karlsruher Markt­plat­zes einge­bun­den. Auch eine ab 1786 in Daxlanden statio­nierte markgräf­li­che Jacht und Windmüh­len entstanden nach seinen Entwürfen.

Seine wichtigste Aufgabe erfüllt Burdett aber als Beirat des badischen Ingenieurs­korps, dem die wissen­schaft­li­che Ausbildung der Ingenieur-Eleven übertragen wurde. Zu seinen Schülern gehörte auch Johann Gottfried Tulla, dessen techni­sches Talent er frühzeitig erkannte und nach Kräften förderte.

Nach dem Urteil eines Zeitge­nos­sen war Burdett neben mathe­ma­ti­schen Kennt­nis­sen auch mit "mancher­ley Kunst­ta­len­ten" ausge­stat­tet. So zeichnete er 1776 zwei oft gedruckte Ansichten des Karlsruher Schlosses, die er Markgräfin Caroline Luise persönlich übergab. Überhaupt hatte Burdett einen vertrauten Umgang mit dem Fürsten­paar. Am 11. Juli 1787 heiratete Burdett in 2. Ehe Friede­ri­ke Kotkowski, "deren Vater geheimer Secretair bei der letzt­ver­stor­be­nen Königin In Preußen Majestät war". Peter Perez Burdett starb am 9. September 1793 in Karlsruhe.

Manfred Fellhauer, Dipl.-Finanzwirt (FH)

 

Peter Perez Burdett 1734 - 1793 Foto: Portrait in Privatbesitz

Peter Perez Burdett 1734 - 1793 Foto: Portrait in Privatbesitz