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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 75 vom 16. Juni 2007: Biographie Erich Blankenhorn

Sein Vater, ein berühmter Weinbau­fach­mann, hatte 1867 das Oenolo­gi­sche Institut in Karlsruhe gegründet. Hier wurde Erich Blanken­horn am 14. März 1878 geboren, hier besuchte er das Gymnasium. 1896 begann er seine Offiziers­lauf­bahn beim Leibdra­go­ner-Regiment in Karlsruhe. Vor und während des Ersten Weltkrie­ges war er verschie­de­nen General­stä­ben zugeteilt. Da nach dem Versailler Vertrag der größte Teil Badens zur entmi­li­ta­ri­sier­ten Zone erklärt wurde, beauf­tragte das badische Staats­mi­nis­te­ri­um Blanken­horn, im Lande eine kaser­nierte Sicher­heits­po­li­zei aufzubauen.

In kurzer Zeit stellte er in Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe und Müllheim, später auch in Pforzheim, Hundert­schaf­ten auf. Die Gesamt­stärke dieser Polizei­ein­hei­ten betrug anfäng­lich insgesamt 2200 Mann. Die Leitung der neuen Polizei­ab­tei­lung, die ins badische Minis­te­rium des Innern einge­glie­dert war, übernahm Polizei­oberst Blanken­horn. Wegen zahlrei­cher politi­scher Unruhen kam es in den folgenden Jahren immer wieder zu oft gefähr­li­chen Einsätzen, namentlich gegen kommu­nis­ti­sche und natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Gruppie­run­gen. Im März 1933 versuchte Blanken­horn das von der NS-Partei betriebene Hissen der Haken­kreuz­flagge auf Karls­ru­her Dienst­ge­bäu­den zu unter­bin­den. Jetzt wurde er wegen seiner offenen Ablehnung des NS-Regimes verhaftet und aus dem Amt entlassen.
Der tatkräf­tige Mann fand alsbald eine neue Aufgabe: Dank seiner weitrei­chen­den Verbin­dun­gen, vor allem zu Soldaten und deren Angehö­ri­gen, vermochte er eine einmalige Sammlung wehrge­schicht­li­cher Zeugnisse zusam­men­zu­tra­gen, bestehend aus Fahnen, Uniformen, Waffen, Gerät, Orden, Licht­bil­dern und Dokumenten. Kennt­nis­reich hat er all dies wissen­schaft­lich geordnet und aufbe­rei­tet, im Mai 1934 konnte er das Badische Armee­mu­seum im ehema­li­gen Marstall des Karlsruher Schlosses eröffnen. Das Haupt­ge­wicht der Lehrschau lag auf dem Zeitraum von 1770-1918, bereits im ersten Jahre sind über 70000 Ausstel­lungs­be­su­cher gezählt worden. Als während des letzten Krieges die alliier­ten Luftan­griffe zunahmen, verlagerte Blanken­horn Ende 1943 den größten Teil des Museums­guts nach Baden­wei­ler und Lenzkirch, wo es vor Zerstörung bewahrt blieb.

Nach Kriegsende verbrachte Blanken­horn die Ausstel­lungs­stücke ins Neue Schloss von Baden-Baden. Schon in den Jahren 1946 und 1947 steuerte er Exponate bei zu den franzö­si­schen Ausstel­lun­gen "Frank­reich - Baden" und "Im Dienste Frank­reichs", die im örtlichen Kurhaus statt­fan­den. Allseits wurde dies als früher Beitrag zu einer deutsch-franzö­si­schen Annäherung begrüßt. Im Jahre 1949 konnte das "Badische Histo­ri­sche Museum" im Baden-Badener Schloss wieder eröffnen. Sieben Jahre später wurde das gesamte Museum ins Rastatter Schloss verlegt. Die infor­ma­tive, sachliche Darstel­lung militä­ri­scher Aspekte unserer Geschichte hat stets viel Zuspruch gefunden. Anfang 1969 übernahm die Bundeswehr unter der Bezeich­nung "Wehr­ge­schicht­li­ches Museum" Blanken­horns Lebenswerk. Der verdiente Museums­grün­der war bereits am 15. Januar 1963 in Baden­wei­ler verstorben.

Dr. Reiner Haehling von Lanzenauer, Jurist und Historiker
 

Erich Blankenhorn 1878 - 1963 Foto: Markgräfler Museum Mülheim

Erich Blankenhorn 1878 - 1963 Foto: Markgräfler Museum Mülheim