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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 70 vom 17. März 2006: Biographie Hermann Fecht

Hermann Fecht ist am 20. Mai 1880 in Bretten geboren worden. Er besuchte in Baden-Baden die Schule, studierte sodann Rechts­wis­sen­schaft und wurde im Jahre 1902 promoviert. Nach dem Zweiten Staats­ex­amen 1906 hat man ihn in das badische Innen­mi­nis­te­rium in Karlsruhe übernommen. Von dort berief ihn der Großherzog im Jahre 1918 zum stell­ver­tre­ten­den Bevoll­mäch­tig­ten Badens beim Reichsrat in Berlin. 1931 rückte er auf zum Leiter der badischen Vertretung mit dem Rang eines Minis­te­ri­al­di­rek­tors. Ganz aus der Nähe beobach­tete er in der Reichs­haupt­stadt die braune Machter­grei­fung vom 30. Januar 1933. Drei Tage später erlebte Fecht den Antritts­be­such Hitlers im Reichsrat. Er notierte: "Man greift sich an den Kopf und fragt sich,wie dieser Mann, hinter dem offen­sicht­lich nichts steht,13 Millionen Menschen hinter sich bringen konnte." Als im März die NS-Anhänger in Karlsruhe unerlaubt Haken­kreuz­fah­nen auf den Amtsge­bäu­den hissten, wurde Fecht vom badischen Staats­prä­si­den­ten Josef Schmitt angewiesen, in Berlin bei Hitler Protest einzulegen. Unver­züg­lich begab sich Fecht in die Reichs­kanz­lei, wurde aber nicht vorge­las­sen. Im März war Fecht in der Potsdamer Garni­sons­kir­che zugegen bei der egegnung Hinden­bur­g/Hit­ler. Fecht hielt fest: Millionen Deutsche ließen sich durch dieses propa­gan­dis­ti­sche Manöver täuschen...

Im Juli wurde Fecht von Karlsruhe aus bedeutet, als Inhaber solch eines wichtigen Postens müsse er in die NS-Partei eintreten. Dies lehnte Fecht offen ab. Damit endete seine Karriere abrupt - er sah sich in den Ruhestand versetzt. Mit seiner Frau Hilde zog er sich nach Baden-Baden zurück. Nach Kriegs­be­ginn holte man ihn als Referenten an das Wirtschafts- und Finanz­mi­nis­te­rium in Karlsruhe. Mehrere Jahre war er dort tätig bis ihm im November 1944 die Stelle des Baden-Badener Polizei­di­rek­tors übertragen wurde. In dieser Funktion hat er im April 1945 maßgeblich dazu beige­tra­gen, die ursprüng­lich für eine Vertei­di­gung vorge­se­hene Bäderstadt fast kampflos an die einmar­schie­ren­den franzö­si­schen Truppen zu übergeben.

Nach Kriegsende verblieb der politisch Unbelas­tete bis zum Herbst 1945 im Amte, dann wurde er alters­hal­ber entlassen. Seine Wohnung hatte die Besat­zungs­macht beschlag­nahmt, er selbst kam irrtümlich in Haft, wurde aber bald wieder freige­las­sen. Im Frühjahr 1946 beteiligte er sich an der Gründung der BCSV - später CDU - in Baden-Baden. Im November 1946 hat man ihn in die südba­di­sche Verfas­sung­ge­bende Landes­ver­samm­lung entsandt. Am Verfas­sungs­ent­wurf hat Fecht mitgewirkt, nach Eröffnung des Landtags wurde er als Abgeord­ne­ter mit der Leitung des Rechts­pflege- und Verfas­sungs­aus­schus­ses betraut. Ab Februar 1948 hatte Fecht die Ämter des Justiz­mi­nis­ters und des stell­ver­tre­ten­den Staats­prä­si­den­ten inne. Die Reorga­ni­sa­tion der südba­di­schen Justiz in der drang­vol­len Nachkriegs- und Besat­zungs­zeit ist zu einem guten Teil sein Verdienst. Als es um die Neuglie­de­rung im Südwesten ging, vertrat Fecht bei den Treffen auf dem Hohen­neuf­fen und in Karlsruhe die Freiburger Regierung. Und als die Gründung der Bundes­re­pu­blik anstand, nahm Fecht an dem Verfas­sungs­kon­vent in Herren­chiem­see teil. Danach war er Mitglied des Parla­men­ta­ri­schen Rats. Zuletzt gehörte er als Bevoll­mäch­tig­ter des Landes Baden dem Bundesrat in Bonn an. Nach längerer Krankheit ist Dr. Hermann Fecht am 4. Februar 1952 in Baden-Baden verstorben.

Dr. Reiner Haehling von Lanzenauer, Jurist und Historiker

 

Hermann Fecht (1880 - 1952). Foto: Lanzenauer

Hermann Fecht (1880 - 1952). Foto: Lanzenauer