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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 70 vom 17. März 2006: Bücherblick

Bespro­chene Bücher

Christian Würtz: Johann Niklas Friedrich Brauer (1754-1813). Badischer Reformer in napoleo­ni­scher Zeit (Veröf­fent­li­chun­gen der Kommission für Geschicht­li­che Landes­kunde in Baden-Württem­berg, Reihe B, Forschun­gen, 159. Band) Stuttgart 2005, XXXIV und 422 S., 37.00 €

Karlsruhe - Nancy. Eine deutsch-franzö­si­sche Städte­part­ner­schaft, Veröf­fent­li­chung der Städte Karlsruhe und Nancy (Red. Manfred Koch, Elisabeth Schraut) Info Verlag Karlsruhe 2005, 160 S., 14,00 €

Rüppurrer Lebens­bil­der, hrsg. von der Bürger­ge­mein­schaft Rüppurr durch Günther Philipp, Info Verlag Karlsruhe, 2005, 96 S., 8,00 €

 

Christian Würtz: Johann Niklas Friedrich Brauer (1754-1813). Badischer Reformer in napoleo­ni­scher Zeit

Recht­zei­tig zur Erinnerung an die Erhebung Badens zum Großher­zog­tum vor nunmehr 200 Jahren legt der aus Karlsruhe stammende Jurist und Theologe Christian Würtz eine umfang­rei­che Monogra­phie über Johann Niklas Friedrich Brauer vor. In seinem als juris­ti­sche Disser­ta­tion entstan­de­nem Werk widmet sich der Verfasser mit bewun­derns­wer­ter Akribie dem Leben Brauers und vor allem dessen Wirken im Dienst Karl Friedrichs von Baden und seines Nachfol­gers Karl.

Als "arbeitsam über alle Begriffe" würdigte bereits der Heidel­ber­ger Rechts­leh­rer Thibaut seinen Juris­ten­kol­le­gen Brauer. Die Bemühungen von Christian Würtz um die Persön­lich­keit Brauers zeigen die Berech­ti­gung des zeitge­nös­si­schen Urteils. Somit widerfährt Brauer ein Stück Gerech­tig­keit insofern, als er stets in der Erinne­rung hinter einem Sigismund von Reitzen­stein, dem "Vater des badischen Staates" oder hinter einem Karl Friedrich Nebenius, dem Schöpfer der badischen Verfassung von 1818, zurück­ste­hen musste.

Der 1754 in Büdingen geborene Brauer trat nach juris­ti­schen Studien in Gießen und Göttingen 1774 in den Dienst des Markgrafen Karl Friedrich von Baden. Seine Verdienste liegen in der Verschmel­zung der seit 1771 verei­nig­ten baden-durla­chi­schen und Baden-Badener Terri­to­rien. Ferner sind ihm zu verdanken die Organi­sa­ti­ons­e­dikte für den badischen Kurstaaat ab 1803, für das Großher­zog­tum die Konsti­tu­ti­ons­e­dikte ab1807 und das auf dem Code civil beruhende badische Landrecht von 1809. Diese und andere Leistungen festigten seinen Ruf als bedeu­ten­der prakti­scher Jurist und zugleich als konser­va­ti­ver Reformer, der das in seinen Augen Bewährte in sein Reform­werk einzu­bin­den bemüht war.

Der tiefre­li­gi­öse Lutheraner Brauer tritt als Privatmann, Famili­en­va­ter, Freund und Mitglied der Karls­ru­her Museums­ge­sell­schaft in der Darstel­lung seines Biogra­phen hinter dem theolo­gisch fundiert gebildeten Juristen und Fürsten­die­ner zurück. Dies ist freilich nicht dem Autor anzulasten, sondern der Tatsache, dass es einen privaten Nachlass Brauers nicht gibt. Dazu passt, dass auch Brauers Haus in der Adler­straße seinerzeit der Abrisswut der Karlsruher Altstadt­sa­nie­rer zum Opfer gefallen ist.

Festzu­hal­ten bleibt, dass Christian Würtz ein Werk vorgelegt hat, ohne dessen Berück­sich­ti­gung künftig keine ernst zu nehmende Darstel­lung der Geschichte Badens des ausge­hen­den 18. und des begin­nen­den 19. Jahrhun­derts möglich sein wird. Die Auszeich­nung der Publi­ka­tion mit dem baden-württem­ber­gi­schen Geschichts­preis verweist in diese Richtung.

Dr. Rainer Gutjahr, Historiker, OStR

Karlsruhe - Nancy. Eine deutsch-franzö­si­sche Städte­part­ner­schaft, Veröf­fent­li­chung der Städte Karlsruhe und Nancy

Neben jener "großen" Politik nach dem Zweiten Weltkrieg, so der Wille zur Versöhnung auf beiden Seiten z.B. bei de Gaulle und Adenauer, markiert auch die "kleine" Politik der Partner­schaf­ten eine neue Ära. "Wer hätte sich damals ... vorstellen können, dass die ersten infor­mel­len Kontakte zwischen dem Lessing-Gymnasium aus Karlsruhe und dem Lycée Jeanne d'Arc aus Nancy eine solche Tragweite entwickeln und unseren beiden Städten den Europa­preis einbringen würden?", schreiben die Oberbür­ger­meis­ter Fenrich und Rossinot in ihrem Geleitwort und erinnern daran, dass nun 50 Jahre die erfolg­rei­che deutsch-franzö­si­sche Städte­part­ner­schaft besteht, eine der ältesten kommunalen Begeg­nun­gen dieser Art.

So ist eine Jubilä­ums­schrift dazu durchaus angemessen, die Manfred Koch und Elisabeth Schraut mit kundiger Hand redigiert haben. Das Schwer­ge­wicht liegt beim Aufsatz über die Geschichte der Partner­schaft, von M. Koch diffe­ren­ziert, nicht geglättet darge­stellt, auch die Akzent­ver­schie­bung betonend von der Versöhnung zum europäi­schen Städte­netz­werk angesichts weiterer Partner­schaf­ten mit anderen Städten. Nicht alles lief so glatt, und es ist heute müßig, dass einmal kommu­nis­ti­sche Gemein­deräte franzö­si­scher Städte mit Kommunen der DDR aus partei­po­li­ti­schen Gründen bewusst einen Gegenpol schaffen wollten. Francois Roth nimmt diesen Faden auch auf, beklagt die frühere Unwis­sen­heit, beschränkt sich aber auf eine Fakten­auf­zäh­lung. Heute dominiert neben dem Interesse für Ökonomie und Kultur wie eh und je die mensch­li­che Begegnung. Eben jenen sind dem Text "Part­ner­schaft­li­che Impres­sio­nen" angefügt, je 10 Inter­views in Karlsruhe und Nancy geführt, in denen über Erfah­run­gen gemein­sa­mer Treffen berichtet wird, z.T. sehr überzeu­gen­de Dokumente, wenn man an den Beitrag von jenem Ehepaar Holzleiter denkt, das jahrelang ausge­son­der­tes Spielzeug in großer Zahl repariert und dem Kinderheim St. Stanislas in Nancy zu Weihnach­ten geschenkt hat.

Dem Ganzen sind zwei Abrisse über die deutsch-franzö­si­schen Bezie­hun­gen voran­ge­stellt. Pia Nordblom werden für die Epoche seit 1945 noch sieben Seiten zugeteilt, auf denen ausgewogen berichtet wird, Fehlent­schei­dun­gen nicht vertu­schend als z.B. die Bevöl­ke­rung in der franzö­si­schen Zone sich als "Ausbeu­tungs­ko­lo­nie" behandelt fühlte. Rolf Ulrich Kunze werden nur ca. sechs Seiten eingeräumt, mit denen er Frankreich und Deutsch­land in 1150 Jahren gegen­über­stel­len soll. Dazu bedürfte es eines hohen Grades an Formu­lie­rungs­kunst, um die Unter­schied­lich­kei­ten, ja die Gegensätze zu profi­lie­ren, die eben zu dem Begriff der "Erbfeind­schaft" führten, welche nun überwunden wurde. Dieses Kapitel, ist sehr deutsch­las­tig und mit subjek­ti­ven Urteilen durchsetzt, die man disku­tie­ren möchte. Die Kritik, die franzö­si­sche Historiker gegenüber ihrer eigenen politi­schen Entwick­lung äußern, kommt da nicht zum Zuge.

Insgesamt erinnert dieser mit sorgfältig ausge­wähl­ten Abbil­dun­gen von Nancy und Karlsruhe ausge­stat­te­te zweispra­chige Band an eine positive Entwick­lung und lässt spüren, in welcher erfreu­li­chen Atmosphäre diese beiden europäi­schen Mittel­mächte heute koope­rie­ren, ein Band wie man sich ihn wünscht: informativ, ausgewogen anspre­chend präsen­tiert.

Dr. Leonhard Müller, Historiker

Rüppurrer Lebens­bil­der, hrsg. von der Bürger­ge­mein­schaft Rüppurr durch Günther Philipp

In der Lokal­his­to­rie einzelner Karlsruher Stadt­tei­le zeigt die Geschichts­werk­statt Rüppurr eine besondere Aktivität. Der Heraus­ge­ber G. Philipp hat mit seinen acht Autoren im Band 2 der Rüppurrer Hefte eine glück­li­che Auswahl von zehn Lebens­bil­dern über Persön­lich­kei­ten getroffen, die entweder in Rüppurr geboren wurden oder hier lange Zeit lebten. Es sind dies der Baumeister Wilhelm Fischer, der Politiker, Gewerk­schaf­ter und Amtsleiter August Furrer, der Chirurg Hermann Hueck, der Pfarrer Lebrecht Mayer, der Politiker und Versi­che­rungs­wirt­schaft­ler Alex Möller, der Künstler und Leiter der Maler­fach­schule Ernst Rehmann, die Pädagogin und Politi­ke­rin Luise Riegger, der Architekt Gisbert von Teuffel, der Komponist und Hochschul­leh­rer Eugen Werner Velte und der Volks­schau­spie­ler Adi Walz.

Ein Heft von Laien für Laien geschrie­ben, engagiert, aber nicht unkritisch, flüssig formuliert, vor allem auf sorgsamer Quellen­su­che aufbauend, wie der Anmer­kungs­ap­pa­rat aufweist. Auch bei profes­sio­nel­len Landes­his­to­ri­kern dürfte diese Revue typischer Schicksale Interesse finden, zumal Zeitzeugen befragt und Quellen erschlos­sen wurden, die sonst unbekannt geblieben wären. Das Vorbild­li­che des Wirkens dieser Menschen weckt Erinne­run­gen an jene Jahrzehnte des 20. Jahrhun­derts, die so kurven­reich verliefen. Da ist der Bruch jener zwölf Jahre NS-Regime nicht ausgespart samt nachträg­li­cher Spruch­kam­mer­zeit ab 1945. Doch das Leben des Pfarrers Mayer (1849-1926), dem der Bau der evange­li­schen Kirche Rüppurr zu verdanken ist, war nicht weniger spannungs­reich. So ist eine Palette farbiger Charak­terskiz­zen entstanden, die eine Lektüre wert sind. Der Heraus­ge­ber dankt einer Reihe von Insti­tu­tio­nen und Personen für ihre fachliche Beratung, die einem erfreu­li­chen Objekt gegolten haben. Man kann sich auf ein weiteres Rüppurrer Heft freuen.

Dr. Leonhard Müller, Historiker