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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 69 vom 9. Dezember 2005: Biographie Fritz Spannagel

Heute sind der Name und das Werk des Archi­tek­ten Fritz Spannagel in Karlsruhe nahezu unbekannt, obwohl er fast ein Jahrzehnt, von 1920 bis 1928, als Professor die Fachklas­se für Archi­tek­tur an der Landes­kunst­schule (Akade­mie) leitete.

1891 in Basel geboren, wuchs Spannagel in Freiburg auf und durchlief nach der Schule eine Schrei­ner­lehre. Im Anschluss daran besuchte er die Kunst­ge­wer­be­schu­len in Nürnberg und München sowie die TH in München. 1917 machte er sich dort als Architekt selbstän­dig. Ein halbes Jahr lang leitete er das Zeichen­büro der Deutschen Werkstät­ten in Hellerau, die als wichtiger Impuls­ge­ber für die Reform­be­we­gung um 1900 schlichte Maschi­nen­mö­bel für einen breiten Abneh­mer­kreis herstell­ten. Kurz vor seiner Berufung nach Karlsruhe erschien in der Zeitschrift "Deko­ra­ti­ve Kunst" ein umfang­rei­cher Artikel über Spannagel und seine Arbeit. Neben den Plänen für eine Klein­haus­sied­lung wird seine persön­li­che Wohnungs­ein­rich­tung vorge­stellt. In den schlichten, gelb gefassten Möbeln klingt die Formen­spra­che des Bieder­meier an.

Im Rahmen der Karlsruher Herbst­wo­che organi­sier­te Spannagel 1921 die "Badische Möbel­schau" in der städti­schen Ausstel­lungs­halle, die gemeinsam vom Verband der Holzin­dus­trie, dem Badischen Kunst­ge­wer­be­ver­ein und der Stadt Karlsruhe veran­stal­tet wurde. In übersicht­lich angeord­ne­ten Kojen konnten Schrei­ne­reien aus Baden ganze Raumein­rich­tun­gen präsen­tie­ren, die mit Gemälden Karls­ru­her Künstler, aber auch mit Leuchtern, Vasen, Schalen, Tisch­de­cken und Kissen wohnlich einge­rich­tet waren. Etliche der präsen­tier­ten Textilien entstanden an der Landes­kunst­schule. Eine zentral gelegene Koje blieb den Vertretern des badischen Kunst­ge­wer­bes vorbe­hal­ten. Kollegen an der Landes­kunst­schule unter­stütz­ten Spannagel bei der Vorbe­rei­tung: Sein Freund Albert Haueisen beriet ihn bei der Auswahl der Gemälde und zeigte selbst an promi­nen­ter Stelle das Bild "Heimkehr". Wilhelm Schnar­ren­ber­ger entwarf das Plakat mit stark farbigen, flächig reduziert darge­stell­ten Möbeln.

Spannagel, der von 1933 an zahlreiche Bücher zur Holzbe­ar­bei­tung in hohen Auflagen publi­zie­ren sollte, begann diese Tätigkeit 1925 als er im Auftrag des Karls­ru­her Landes­ge­wer­be­am­tes die Mappe I der Reihe "Vorbilder für das Handwerk" mit beispiel­haf­ten Wohnungs­ein­rich­tun­gen veröf­fent­lichte. Schnar­ren­ber­ger fertigte die Schmuck­rah­men der Textblät­ter. Während Spannagel für die Vorbilder dieselbe Formen­spra­che verwendete wie für seine Möbel von 1919, erinnert der behäbige Dielen­schrank, der im selben Jahr im Jahrbuch "Kunst und Handwerk am Oberrhein" abgebildet ist, an barocke Formen. Die Entwürfe der floralen Intarsien stammen wieder von Schnar­ren­ber­ger. Mit der Einrich­tung für das Arbeits­zim­mer des Konstan­zer Oberbür­ger­meis­ters 1927 wandte sich Spannagel einer expres­si­ven Formen­spra­che zu (Werke Spannagels z.Zt. in der Ausstel­lung "20er Jahre in Karlsruhe", Städt. Galerie).

Während seiner Karlsruher Zeit war Spannagel auch als Architekt tätig. So plante er 1928 die Wohnan­la­ge "Rosen­gar­ten­block" in Heidelberg im Stil der "Neuen Sachlich­keit". Von 1928 bis 1933 leitete er als Direktor die höhere Schrei­ner­fach­schule in Berlin. Nach seiner Entlas­sung 1933 zog er sich an den Bodensee zurück, wo er als Architekt und Autor arbeitete. Er starb 1957.

Dr. Brigitte Baumstark, stellv. Leiterin der Städti­schen Galerie

 

Fritz Spannagel 1891 - 1957. Foto: Städt. Galerie

Fritz Spannagel 1891 - 1957. Foto: Städt. Galerie