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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 68 vom 16. September 2005: Bücherblick

Bespro­chene Bücher


150 Jahre - Die Geschichte der Karlsruher Kunst­aka­de­mie in Bildern und Texten. Hrsg. von Axel Heil und Harald Klingel­höl­ler für die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. 356 S., 672 meist farbige Abb.,
40,- €

Annette Ludwig, Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Bernhard Schmitt (Hrsg.): Karlsruhe - Archi­tek­tur im Blick. Ein Querschnitt, Röser Verlag Karlsruhe 2005, 216 S., € 19,80

 

150 Jahre - Die Geschichte der Karlsruher Kunst­aka­de­mie in Bildern und Texten. Hrsg. von Axel Heil und Harald Klingel­höl­ler

Anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Staat­li­chen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe im Jahre 2004 erschien diese umfang­rei­che Publi­ka­tion, die den langen Weg von der Gründung der "Groß­her­zog­li­chen Kunst­schu­le" durch den Prinz­re­gen­ten und späteren Großherzog Friedrich I. von Baden bis zum gegen­wär­ti­gen Hochschul­be­trieb nachzeich­net. In kleineren, chrono­lo­gisch angeord­ne­ten Essays von Rudolf Theilmann, Joachim Heusinger von Waldegg, Andreas Franzke u. a. - alles Autoren, die der Akademie oder künst­le­ri­schen Insti­tu­tio­nen der Stadt biogra­fisch und zum Teil profes­sio­nell verbunden sind - werden Charak­te­ris­tika und Beson­der­hei­ten der zahlrei­chen von ihrer Dauer und ihren Auswir­kun­gen auf nachkom­mende Genera­tio­nen, von ihren Darstel­lungs­wei­sen, techni­schen Ausfüh­run­gen und inhalt­li­chen Botschaf­ten verschie­de­nen Kunst­pha­sen heraus­ge­stellt.

Ein erster retro­spek­ti­ver Bogen, der etwa ein Viertel der Darstel­lung ausmacht, erstreckt sich von der roman­ti­schen Landschafts­ma­le­rei Johann Wilhelm Schirmers, des ersten Direktors der 1854 gegrün­de­ten Kunst­schule und dessen dem Natura­lis­mus (Hans Frederik Gude, Wilhelm Riefstahl) oder der Histo­ri­en­ma­le­rei (Feodor Dietz) verpflich­te­ten Nachfol­gern über die heraus­ra­gen­den Vertreter der Neuen Sachlich­keit (Karl Hubbuch, Georg Scholz, Wilhelm Schnar­ren­ber­ger) bis hin zu einem äußerst knappen Ausblick über die natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Jahre.

Der zweite zurück­schau­ende Bogen, der den Hauptteil darstellt, dokumen­tiert fünf Jahrzehnte Kunst­schaf­fen zwischen dem Neubeginn des Akade­mie­be­trie­bes im Herbst 1947 und der Jahrtau­send­wende. Ihm gehört das umfas­sends­te Bildma­te­rial an, fanden doch die Ausein­an­der­set­zun­gen mit der unmit­tel­bar voraus­ge­gan­ge­nen Geschichte, die bei einigen Künstlern sogar zu einer Aufar­bei­tung deutscher Kultur­ge­schichte führte (Anselm Kiefer), mit der Malerei zeitge­nös­si­scher ameri­ka­ni­scher Kollegen durch die Verla­ge­rung der tonan­ge­ben­den Kunstszene von Europa in die USA, mit der zuneh­men­den Moder­ni­sie­rung und Digita­li­sie­rung des Lebens­rau­mes und vielem mehr seit den 50er Jahren in einem unüber­schau­ba­ren "Stil­plu­ra­lis­mus" ihren Ausdruck.
Die umfang­reichste Infor­ma­tion erhält der Leser aber zweifellos im letzten Teil des Bandes. Darin geht Ellen Kipple zunächst auf die Bauge­schichte ein, d. h. auf die frühen provi­so­ri­schen Unter­künfte des Instituts, den Erwerb des Grund­stückes zwischen Stephanien- und Bismarck­straße und eigent­li­chen Schul­neu­bau nach Schirmers Konzeption sowie dessen nachträg­li­che Erwei­te­run­gen, bevor sie mittels zeitge­nös­si­scher Quellen nochmals eine nahezu lücken­lo­se Chrono­lo­gie über die 150-jährige Geschichte der Einrich­tung aufzeigt.

Das Bemühen sämtlicher Autoren, den Wandel im künst­le­ri­schen Schaffen der Lehrenden und der Studie­ren­den an entschei­den­den Künst­ler­per­sön­lich­kei­ten festz­u­ma­chen, verleiht der Publi­ka­tion eine beach­tens­werte Homoge­ni­tät, wie sie gleicher­ma­ßen, wie im Anhang ersicht­lich, seit der Entstehung der Schule zwischen ehemalige Studie­ren­den und Lehrenden bestand und bis heute besteht.

Dr. Katja Förster, Kunst­his­to­ri­ke­rin

Annette Ludwig, Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Bernhard Schmitt (Hrsg.): Karlsruhe - Archi­tek­tur im Blick. Ein Querschnitt

Endlich: Der neue, mit Spannung erwartete Karls­ru­her Archi­tek­tur­füh­rer liegt in den Buchhand­lun­gen. Doch was bekommt der baukünst­le­risch Inter­es­sierte da in die Hände gelegt? - Es ist lediglich ein "Archi­tek­tur­füh­rer light", eine Auswahl von nur fünfund­sech­zig Bauwerken, die durch infor­ma­tive, gut zusam­men­ge­schrie­bene Texte zur Bau-, Sozial- und Kultur­ge­schichte Karlsruhes zu Kapiteln vereint wurden. Die Selbst­be­schrän­kung ist überaus kühn, auch angesichts der Tatsache, dass es in Karlsruhe etwa zweitau­send Baudenk­male gibt. Dieser Defizite sind sich die Autoren bewusst und äußern sich dazu im Vorwort: Man habe sich auf die Kernstadt und weitgehend öffent­li­che Gebäude beschränkt. Etwas beschämt wird konsta­tiert, dass man die zahlrei­chen nicht berück­sich­tig­ten Bauten "als Lücke" empfinde und verweist auf den inzwischen klassi­schen, freilich nicht mehr erhält­li­chen Archi­tek­tur­füh­rer von Joachim Göricke - von den Verfassern als "Über­sicht" abgetan - und seine jüngere, von Arno Lederer heraus­ge­ge­be­ne Fortset­zung.

Im nun vorlie­gen­den Buch sind fraglos wichtigste und wichtige Bauten vereint, die mit guter Kenntnis der Quellen und Veröf­fent­li­chun­gen knapp und insgesamt infor­ma­tiv darge­stellt werden. Dabei unter­lie­fen allerdings nicht wenige Fehler, so gleich im ersten Satz beim ersten Gebäude. Die Behauptung, Schloss Gottesaue gehöre "zu den wenigen mit sichtbarer histo­ri­scher Bausub­stanz erhaltenen Gebäude der süddeut­schen Renaissance" ist eine kapitale Falsch­in­for­ma­tion. Was ist mit den Schlössern in Heidel­berg und Neuburg an der Donau, was mit der Landshuter Residenz? Dort gibt es wertvollste Origi­nal­sub­stanz, am Schloss Gottesaue geht diese gegen Null.

Enttäu­schend ist, dass Grundrisse völlig fehlen. Die zum Verständ­nis der gezeigten Bauwerke damit notwen­di­ge Beschrei­bungs­ar­beit kostet somit wertvollen Platz. Leider gelingt es den "eigens für diesen Band erstell­ten" Fotogra­fien nicht, dieses Manko auszu­glei­chen. Sie zeigen häufig nur Details und wunder­li­che Ausschnitte oder zeigen die gleiche Seite des Bauwerks noch ein zweites Mal. Hier wäre eine nüchtern-dokumen­ta­ri­sche Illus­tra­ti­onss­tra­te­gie dienlicher gewesen, der es nicht um "über­ra­schen­de Perspek­ti­ven" oder gar um eine "eigene Bildspra­che" zu tun ist. So ist das Buch weder Archi­tek­tur­füh­rer, noch Bildband.

Zwar recht­fer­ti­gen sich die Autoren für die Subjek­ti­vi­tät ihrer Auswahl, doch sind sie deshalb nicht zu entlasten. Auffällig ist zum Beispiel, dass der berühmte Architekt Egon Eiermann zwar genannt, aber keines seiner beiden Karls­ru­her Projekte eigens diskutiert wird. Seine Schüler Heinz Mohl und Oswald Mathias Ungers dagegen, unstrittig hervor­ra­gen­de Baukünst­ler, werden gleich fünfmal bedacht. Insgesamt huldigt die Auswahl einem überholt geglaubten Kunst­be­griff, der das Meister­werk des Künst­ler­ar­chi­tek­ten in den Vorder­grund rückt, "namen­lo­se" Archi­tek­tu­ren aber - das Seiler­häus­chen bildet die löbliche Ausnahme - wohl kennt aber in die zweite Reihe rückt. Was letztlich möglich gewesen wäre, lässt der biogra­phi­sche Anhang des Bandes ahnen: Ein breites who-is-who der Karlsruher Kunst- und Archi­tek­tur­ge­schichte, welches immerhin viele weitere gewichtige Bauten nennt, im Detail aber mit Vorsicht zu genießen ist. Zuletzt stellt man überrascht fest, dass auch das moderne Verlags­haus des Archi­tek­tur­bu­ches mit einer doppel­sei­ti­gen Würdigung gefeiert wird. Ungeach­tet allge­mei­ner archi­tek­tur­kri­ti­scher Wertmaß­stäbe mag dieses Vorgehen in den Ruch ärger­li­cher public relations geraten.

Verdienst­voll kompiliert das vorlie­gende Archi­tek­tur­buch also viel bisher eher verstreut publi­zier­tes Wissen und mag so dem inter­es­sier­ten Stadt­spa­zier­gän­ger nützliche Infor­ma­tio­nen liefern. Dies geschieht allerdings auf höchst selektive, nicht immer adäquate Weise: Mehr wäre hier einfach mehr gewesen. Für den Archi­tek­tur­freund, der auf glanzvolle Bilder und wohl gesetzte Prosa verzichten kann, bietet der Eintrag "Karls­ru­he" im ehrwür­di­gen Dehio-Handbuch Baden-Württem­berg (Bd. I, 1990) ein vergleichs­wei­se dichteres, infor­ma­ti­veres und auch ausge­wo­ge­ne­res Bild.

Dr. Clemens Kieser, Regie­rungs­prä­si­dium Karlsruhe, Referat Denkmal­pflege