Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt.

Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 61 vom 12. Dezember 2003: Biographie Reinhold Glatz

Reinhold Glatz hat in vielfäl­ti­ger Weise seine "Spuren" in der Stadt Karlsruhe hinter­las­sen ‑ sei es als Bauin­ge­nieur, als Lehrender an der Fachhoch­schule, deren Rektor er später wurde, oder in seinen Bemühungen um das europäi­sche Mitein­an­der. Glatz wurde am 15.5.1918 in Reichen­bach bei Lahr geboren. Nach dem Besuch des humanis­ti­schen Gymnasiums in Lahr und einer zweijäh­ri­gen Lehrzeit als Betonbauer im elter­li­chen Betrieb nahm er 1938 das Studium am damaligen Staats­tech­ni­kum Karlsruhe auf, das er 1940 als Bauin­ge­nieur mit Auszeich­nung beendete. Daran schloss sich ein siebens­emest­ri­ges Studium des Bauin­ge­nieurs­we­sens ‑ unter­bro­chen durch Kriegs­dienst ‑ an der Techni­schen Hochschule an.

1946 nahm Reinhold Glatz seine Tätigkeit als Dozent am Staats­tech­ni­kum auf. In dieser Funktion hat er maßgeb­lich den Aufbau und die Struktur für das Studium des Bauin­ge­nieur­we­sens gestaltet. 1956 wurde ihm der Titel Professor verliehen, zwei Jahre darauf promo­vierte Glatz zum Dr.‑Ing. Neben seiner Lehr‑ bzw. späteren Direk­to­ren­tä­tig­keit an der Fachhoch­schule betrieb Reinhold Glatz zunächst ein Ingenieur­büro, später ein Prüfin­ge­nieur­büro für Baustatik. Zu den Projekten des Büros gehörten zahlreiche Gebäude an der Kaiser­straße, z. B. Nummer 215 (Ecke Karlstra­ße) oder Nummer 130 (Papier Fischer). Als Prüfsta­ti­ker war Reinhold Glatz auch an den neuesten Entwick­lun­gen im Karlsruher Stadtbild zu Beginn der 1960er Jahre beteiligt, indem er beispiels­weise die Statik zahlrei­cher Hochhäuser aus Fertig­bau­tei­len prüfte, darunter das 18‑stö­ckige Punkt­hoch­haus in der Waldstadt an der Königs­ber­ger Straße oder das 15 Stockwerke hohe Gebäude an der Kaise­r­al­lee nahe der Guten­berg­schule. Zu den weiteren Aufträgen des Ingenieur­bü­ros Glatz zählten neben Brücken, zahllosen Privat­häu­sern und Bauwerken der Fachhoch­schule auch prominente Karls­ru­her Verwal­tungs­bau­ten.

Am 1. Juni 1968 wurde Reinhold Glatz Direktor der Staat­li­chen Ingenieur­schule Karlsruhe, 1972 bis 1983 ihr Rektor. Großen Wert legte Reinhold Glatz auf die Förderung von Kontakten mit Insti­tu­tio­nen im Ausland, z. B. mit dem Trent‑­Po­ly­tech­nic in Nottingham oder der Univer­si­tät Besançon.

Glatz' Wirken in Karlsruhe wäre unvoll­stän­dig, wollte man sein ausge­präg­tes Interesse an inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen außer Acht lassen. Ihm war vor allem an der deutsch‑­fran­zö­si­schen Freund­schaft gelegen. Als "Mann der ersten Stunde" hatte er schon früh den europäi­schen Gedanken unter­stützt und den Vorsitz der Europa‑U­nion im Kreis­ver­band Karlsruhe von 1954 bis 1970 ausgeübt. 1971 zeichnete man Reinhold Glatz mit der Europa‑U­nion‑­Me­dail­le als einen "der verdien­tes­ten und eifrigsten Vorkämpfer für die Annäherung und Aussöhnung der europäi­schen Nachbarn" aus. Zu seinen Verdiens­ten ist auch sein Beitrag zum Zustan­de­kom­men der Städte­part­ner­schaft Karlsruhes mit Nancy zu rechnen. Zu den zahlrei­chen Ehrungen, die Reinhold Glatz für sein Wirken erfuhr, gehört das 1978 verlie­he­ne Bundes­ver­dienst­kreuz. Reinhold Glatz starb 1998, nur wenige Wochen vor Vollendung seines 80. Lebens­jah­res.

Das Wirken Reinhold Glatz' wurde ‑ ebenso wie das zahlrei­cher anderer Absol­ven­ten der Fachhoch­schule und ihrer Vorgän­ger­ein­rich­tun­gen ‑ in der Ausstel­lung "Spuren in der Stadt" im Stadt­mu­seum im Prinz‑­Ma­x‑Pa­lais gewürdigt, die vom 27. September 2003 bis 18. Januar 2004 zu sehen war.

Konstanze Ertel, M.A., Stadt­mu­seum Karlsruhe

 

Reinhold Glatz 1918 - 1998. Foto: Stadtarchiv

Reinhold Glatz 1918 - 1998. Foto: Stadtarchiv