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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 61 vom 12. Dezember 2003: Bücherblick

Bespro­chene Bücher

Festschrift 200 Jahre Badisches Oberhof­ge­richt ‑ Oberlan­des­ge­richt Karlsruhe. Hrsg. von Werner Münchbach, Redaktion Michael Lotz. ‑ Heidelberg, C. F. Müller 2003. XIX, 505 S., gebunden, 30,‑ €.

Karlsruhe ‑ Der Stadt­füh­rer, von Sybille Peine, Verlag G. Braun Buchverlag Karlsruhe 2003, 132 S., 88 Abb., 8 Karten, 9,80 €.

 

Festschrift 200 Jahre Badisches Oberhof­ge­richt ‑ Oberlan­des­ge­richt Karlsruhe

Das Oberlan­des­ge­richt (OLG) Karlsruhe hat im Juni 2003 in selbst­be­wuss­tem Traditions- und Geschichts­ver­ständ­nis im Rathaus­saal der Stadt Karlsruhe mit einer eindrucks­vol­len Jubilä­ums­ver­an­stal­tung des 200. Jahres­ta­ges seiner Errichtung als badisches Oberge­richt gedacht. 1803 wurde bekannt­lich die Markgraf­schaft Baden unter erheb­li­chem Gebiets­zu­wachs im Zuge der Säkula­ri­sa­tion und Media­ti­sie­rung zum Kurfürs­ten­tum angehoben. Damit war nach altem Reichs­recht zugleich die Befugnis verbunden, in Unabhän­gig­keit von der Zustän­dig­keit des Reichs­kam­mer­ge­richts in Wetzlar und des Reichs­ho­frats in Wien ein letztin­stanz­li­ches Oberap­pel­la­ti­ons­ge­richt zu errichten. Hiervon machte Baden mit dem von Johann Nikolaus Friedrich Brauer verfassten 1. Organi­sa­ti­ons­e­dikt Gebrauch, was am 10. Juni 1803 zur Eröffnung des badischen Oberhof­ge­richts (OHG) in der Schloss­an­lage zu Bruchsal führte. Dieser Tag gilt als eigent­li­che Geburts­stunde des OLG Karlsruhe, da dieses init der Reichs­jus­tiz­re­form von 1879 geschaf­fene Gericht in sowohl sachlicher als auch perso­nel­ler Hinsicht als das unmit­tel­bare Nachfol­ge­ge­richt des seit 1810 im Mannheimer Schloss residie­ren­den OHG anzusehen ist. Zu diesem denkwür­di­gen Jahrestag ist eine reich­hal­tige, 25 Beiträge umfassende Festschrift erschienen, die sich als wahre Fundgrube für den landes­kund­lich und rechts­ge­schicht­lich inter­es­sier­ten Leser präsen­tiert. Da sich die Beiträge nicht nur mit der Entwick­lung des OLG und des OHG befassen, sondern auch sämtliche badischen Landge­richte sowie die drei größten Amtsge­rich­te mitein­be­zie­hen, kann die mit reich­hal­ti­gem Bildma­te­rial versehene Festschrift zu Recht als moderne badische Justi­z­ge­schichte verstanden werden, die auch umfassend auf die Zeit der Perversion des Rechts in der NS-Zeit eingeht.

Der an der Geschichte der Stadt Karlsruhe Inter­es­sier­te hat zudem die Gelegen­heit, neben der Geschichte des OLG, die anschau­lich von R. Haehling von Lanzenauer darge­stellt wird, auch einen fundierten Überblick über die Entwick­lung des Landge­richts (Auto­ren­ge­mein­schaft Bücker­t/Haft­mann/Oeh­ler) und des Amtsge­richts Karlsruhe (B. Krieg) zu erhalten. In den herkömm­li­chen Darstel­lun­gen zur Geschichte der Stadt Karlsruhe findet sich, was die Justi­z­ge­schichte angeht, aus nahe liegenden Gründen allenfalls nur Rudimen­tä­res. Hier in der anzuzei­gen­den Festschrift wird umfassend der örtlichen Entwick­lung nachge­gan­gen. Vielfach unbekannt sein dürfte, dass das im Zuge der badischen Justiz­re­form 1864 von Bruchsal nach Karlsruhe verlegte Kreis und Hofgericht, das unmit­tel­bare Vorgän­ger­ge­richt des heutigen Landge­richts (LG), zunächst mangels eigenen Dienst­ge­bäu­des im Rathaus unter Erwei­te­rung des dortigen Südflügels einquar­tiert wurde. Erst 1878 konnte der von Heinrich Leonhard erstellte Neore­naissance Bau an der heutigen Hans Thoma Straße bezogen werden. Ein Jahr später folgte in dieses Gebäude das OLG nach, um allerdings bereits 1902 den von Joseph Durm konzi­pier­ten Neubau in der Hoffstraße zu beziehen. Hervor­zu­he­ben ist ferner die Darstel­lung des Straf­ver­fah­rens gegen den Schwie­ger­mut­ter­mör­der Carl Hau aus dem Jahre 1907, das sicherlich als der aufse­hen­er­re­gendste Prozess in der Geschichte des LG Karlsruhe gelten kann und seiner­zeit weltweites Interesse gefunden hat.

Zwei wichtige Abhand­lun­gen in der Festschrift stammen aus der Feder von Michael Kißener, langjäh­ri­ger Leiter der Forschungs­stelle Widerstand gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus im deutschen Südwesten an der Univer­si­tät Karlsruhe und jetzt Inhaber eines Lehrstuhls für Neueste Geschichte an der Univer­si­tät Mainz. In seinem Beitrag Badische Richter zwischen Kaiser­reich und Republik schildert er den Arbeit­sall­tag, die wirtschaft­li­che Lage und die gesell­schaft­li­che Lage der damaligen Richter­schaft. Im Beitrag über das Schicksal der amtsent­ho­be­nen badischen Richter jüdischer Abstammung geht Kißener auch auf die Verhält­nisse in Karlsruhe ein. Hier wurde der gebürtige Karlsruher Otto Lewis (1872 1941), seit 1919 Richter am OLG und 1927 dort zum Senats­prä­si­dent ernannt, unmit­tel­bar nach der NS Machter­grei­fung aus seinem Richteramt verdrängt.

Bis zur Depor­ta­tion ins Lager Gurs wohnte der auch wissen­schaft­lich hoch quali­fi­zierte Richter weiterhin in seiner Heimat­stadt; in Südfrank­reich ist er wenige Wochen nach dem Tod seiner gleich­falls verschlepp­ten Mutter an den Lager­stra­pa­zen verstorben.

Dr. Detlev Fischer, Vors. Richter am Landge­richt Karlsruhe

Sybille Peine: Karlsruhe ‑ Der Stadt­füh­rer

An Nachschla­ge­wer­ken über Karlsruhe fehlt es eigent­lich nicht. In diesem Stadt­füh­rer werden aber Rundgänge vorge­schla­gen, die eine Erkundung auch außerhalb der gängigen Sehens­wür­dig­kei­ten ermöglicht, so z. B. der Süd- und Weststadt. Sybille Peine hat dazu einen lebendigen Text verfasst, gegründet auf sorgfäl­ti­gen Infor­ma­tio­nen von Michael Kohler, im Urteil zurück­hal­tend, aber Wertungen fehlen nicht. Einen besonderen Akzent legte der Verlag auf die Farbab­bil­dun­gen, unter anderem von Robert Dreikluft und Bernhard Schmitt. Kärtchen erleich­tern dem Fremden die Orien­tie­rung. Auch Einhei­mi­sche kann dieser Stadt­füh­rer zu Entde­ckungs­rei­sen verführen, und er erfährt Begeben­hei­ten, die ihm vielleicht bisher unbekannt waren. Vor allem aber für Gäste ist dieser Begleiter ein empfeh­lens­wer­tes Präsent.

Dr. Leonhard Müller, Forum für Stadt­ge­schichte und Kultur