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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Blick in die Geschichte Nr. 122 vom 22. März 2019

Carls­ru­her Blick­punkte: Kultur­denk­mal ohne Namen

von Alfred Becher

Foto: Becher, Stadtarchiv


Blick auf die Brücke 1986. Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A52/26/6/41

Blick auf die Brücke 1986. Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A52/26/6/41


 

Etwas südwest­lich des Platzes Entenfang im Karlsruher Stadt­teil ­Mühl­burg überquert die Vogesen­brücke (B 36) die Südtan­gen­te (B10), einen mehrglei­si­gen Schie­nen­strang der Bundesbahn und die Carl-Metz-Straße. Dazu kommen noch zwei Abfahrten der beiden ­Bun­des­s­tra­ßen. Unter dem Gewirr all dieser mächti­gen ­Spann­be­ton­brücken und Bahnlinien ist ein denkmal­ge­schütz­tes Kleinod versteckt: Eine Korbbo­gen­brücke überquert hier die Alb, die, von der Günther-Klotz-Anlage kommend, einen Schwenk in süd­west­li­cher Richtung macht. Die Abfahrt der Südtan­gente, die von Westen kommt, führt über die Korbbo­gen­brücke und geht dann an einem Kreis­ver­kehr in die Liststraße über.

1818 wurde sie erbaut und verband damals das Dorf Grünwinkel und die Stadt Mühlburg mitein­an­der und war darüber hinaus Teil einer ­Straße, die Heerstraße genannt wurde und von Rastatt über das Schloss Mühlburg weiter nach Graben und Speyer führte. An der Alb gab es früher eine kleine Insel und die Kreewink­ler Furt, durch die man den kleinen Fluss queren konnte. Aber dies war eine feuchte und mitunter gefähr­li­che Sache und oft war eine ­Durch­que­rung einfach nicht möglich. Seit dem 17. Jahrhun­der­t er­baute man daher mehrfach eine Holzbrücke (Pfahl­joch­brücke) und dann eine Stein­brücke, aber sie wurden immer wieder vom Hoch­was­ser beschädigt oder gar zerstört. Anfang des 19. Jahr­hun­derts gab es eine Gewöl­be­brücke, die allerdings so bau­fäl­lig war, dass man ihren Einsturz befürch­tete. Zuerst ­dachte man an eine Reparatur, aber Hauptmann Johann Gottfrie­d Tulla befür­wor­tete einen Neubau an anderer Stelle, da sie "eine ­feh­ler­hafte Brücke (sei), weil solche zwey enge Bögen, und also in der Mitte einen Pfeiler hat, wodurch der Strom zu sehr ein­ge­engt und genöthiget ist, sich mit Gewalt durch die Brücke zu drengen und die Fundamente zu unter­mi­ni­ren." Der Bau ver­zö­gerte sich noch ein paar Jahre und wurde dann 1818 ­ver­wirk­licht: Man erhöhte die Straße auf Grünwink­ler und Mühl­bur­ger Gemarkung und baute die neue Brücke nun nicht mehr im Tief­ge­stade der Alb, sondern von Hochge­stade zu Hochge­stade. So erhielt man nun eine Brücke, die immer befahr- und begehbar war und auch durch Hochwasser nicht mehr zerstört wurde.

Die Brücke wurde aus unver­putz­tem rotem Sandstein­qua­der­werk er­baut und kostete zusammen mit der gleich­zei­tig durch­ge­führ­ten Fluss­kor­rek­tur rund 10.000 Gulden. 1898 wurde sie wegen des er­höh­ten Verkehrs­auf­kom­mens wiederum mit Sandstein nach Osten hin verbrei­tert und 1973 mit einer Stahl­be­ton­platte verstärkt. Auf beiden Seiten sind oberhalb der Schluss­steine des Bogens die beiden Daten 1818 und 1898 einge­mei­ßelt. Unter der Brücke geht ein Rad- und Gehweg durch, der Teil des Naher­ho­lungs­ge­bie­tes ­ent­lang der Alb ist. Das Bauwerk hat keinen Eigennamen und wird nach dem Brückentyp benannt.

Das Kultur­denk­mal bietet heute einen eher traurigen Anblick: Durch Treppenan­bau­ten aus Beton, die Verun­zie­rung durch­ häss­li­che Graffiti und die Einzwän­gung durch die anderen ­Brücken, sieht man leider nicht sehr viel von ihr.

Alfred Becher, Stadt­ar­chiv Karlsruhe

 
 

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