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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Karl Friedrich Drais von Sauerbronn: Erfinder des Zweirades

Karl Friedrich Drais von Sauerbronn (1785 - 1851)

Karl Friedrich Drais von Sauerbronn (1785 - 1851)



Drais von Sauerbronn auf der Laufmaschine

Drais von Sauerbronn auf der Laufmaschine



Drais in den Revolutionsjahren 1848/49. Er trägt unter seinem Rock die Uniform der damals neu gegründeten Bürgerwehr.

Drais in den Revolutionsjahren 1848/49. Er trägt unter seinem Rock die Uniform der damals neu gegründeten Bürgerwehr.



Der Karlsruher Bicycle Club

Der Karlsruher Bicycle Club



Litera­tur­hin­weis:
Hans Erhard Lessing: Automo­bi­li­tät. Karl Drais und die un­glaub­li­chen Anfänge, Leipzig 2003

 

Die Familie Drais von Sauerbronn geht auf ein lothrin­gi­sches A­dels­ge­schlecht zurück. Im frühen 18. Jahrhun­dert war ein Drais von Sauerbronn in Diensten der Markgraf­schaft Baden. Dessen En­kel Karl Wilhelm von Drais, der Vater des Erfinders, trat 1777 e­benso in markgräf­lich badische Dienste. 1784 heiratete er die Frei­frau Ernestine Christine von Kaltenthal . Ihr Sohn Karl Fried­rich erblickte am 29. April 1785 das Licht der Welt. Am glei­chen Tag wurde dieser in Gegenwart "erlauch­ter Taufzeugen, darunter Markgraf Karl Friedrich selbst mit den Erbprinzen Karl Lud­wig und dessen Gemahlin Amalie, Prinzessin von Hessen, sowie ­sämt­li­cher Prinzen des Hauses" getauft.

Der spätere Großherzog von Baden war also Taufpate des neuen Er­den­bür­gers und hat diesen zum Forst­dienst bestimmt. Nach dem Besuch des Karlsruher Gymnasiums, dessen Lehrer sein techni­sches ­In­ter­esse weckte, wurde der junge Karl Friedrich von Drais ­Forst­an­wär­ter bei seinem Onkel in Pforzheim. Die Zeit bis zu seinem Forste­x­amen im Jahre 1807 überbrückte Drais mit dem Stu­dium der Mathematik, Physik und Baukunst an der Univer­si­tät Hei­del­berg. 1808 wurde der junge Student als Forst­in­spek­tor dem Forst­be­zirk Offenburg zugeteilt. Unter dem Einfluss des greisen ­Groß­her­zogs und auf Ersuchen seines Vaters beförderte man ihn 1810 noch zum Großher­zog­lich badischen Forst­meis­ter. Schon ein Jahr später erhielt Drais bei vollen Bezügen auf unbestimm­te ­Zeit Urlaub, da er offenbar mehr Begabung für Erfin­dun­gen als für den Forstberuf zeigte. Nachdem sich Drais am Anfang seiner Er­fin­der­tä­tig­keit vorwiegend mit mathe­ma­ti­schen Proble­men ­be­schäf­tigt hatte, entwi­ckelte er 1813 ein Gefährt, das großes Auf­se­hen erregte. Anlass war die erste von fünf schlech­ten Ern­ten im Jahre 1812 gewesen, die die Hafer­preise anstei­gen ließ. Drais baute eine vierräd­rige "Fahr­ma­schine ohne Pferde", die durch den "insit­zen­den Menschen, vermöge des einfachen und desto dauer­haf­ten Maschi­nen­werks" angetrie­ben wurde. Diese Er­fin­dung stellte er zunächst dem Großherzog und im Dezem­ber 1813 dem Zaren Alexander von Russland vor, der zu dieser Zeit bei seiner Schwie­ger­mut­ter, der Markgräfin Amalie, in Karls­ru­he wohnte.

Die Vorführung fand wahrschein­lich in dem der Markgrä­fin ­ge­hö­ren­den Erbprin­zen­gar­ten zwischen Kriegs­straße und St. Stephan statt. Der Zar fand Gefallen an dem neuen Gefährt. Weniger günstig äußerten sich Weinbren­ner und Tulla in ihrem ­Gut­ach­ten zu der neuen Erfindung: "Wir können ... der von Drai­si­schen Fahrma­schine gar keinen wesent­li­chen Zweck beilegen, weil jedermann, der Füße hat, dieselben für seine Orts­ver­än­de­rung weit besser auf eine natürliche Art gebrau­chen ­kann ...". Sein Antrag auf ein "Monopol" zur Herstel­lung dieser Fahr­ma­schine wurde daher abgelehnt. Drais ließ sich dadurch aber ­zu­nächst nicht beirren, sondern führte eine verbes­serte Version ­des Fahrzeugs 1814 auf dem Wiener Kongress vor.

Nach seiner vierräd­ri­gen Fahrma­schine stellte Drais 1817 ein neues Gefährt vor: das Zweirad. Auf diesen Vorläufer unseres heu­ti­gen Fahrrads setzte man sich rittlings und stieß sich mit den Füssen vom Boden ab. Über dem Vorderrad war ein Lenkstan­ge als umgekehrte Deichsel angebracht. Um die Nützlich­keit seiner Er­fin­dung zu demons­trie­ren, fuhr Drais von Mannheim zum Re­lais­haus bei Schwet­zin­gen und zurück in weniger als einer ­Stunde. Die Pferdepost brauchte damals für diese Strecke vier ­Stun­den. Nach neuesten Forschun­gen war Drais wiederum durch eine von einer Natur­ka­ta­stro­phe ausgelöste Hungersnot, die 1816/17 ein Pferdester­ben verur­sachte, zu dieser Erfindung angereg­t wor­den. Oberst Tulla, der erneut ein Gutachten abgab, fand ­den­noch wenig Positives an dem neuen Verkehrs­mit­tel. Trotz­dem er­teilte Großherzog Karl dem Freiherrn 1818 das Privileg, für zehn Jahre auch kommer­zi­ell seine Erfindung auswerten zu dürfen, und verlieh ihm den Titel eines Professors der Mechanik. Drais hatte sich bereits vorher bemüht, das Zweirad überall schüt­zen zu lassen und bekannt zu machen, etwa durch Vorfüh­run­gen in Baden-Baden und Frankfurt sowie in Nancy und Paris. Aber auch durch zahlreiche nicht lizen­sierte Nachbauten fand seine "Lauf­ma­schi­ne" rasche Verbrei­tung, so dass schon 1819 Leute auf z. T. eisernen Zweirädern in England und Amerika fuhren.

War sein Leben bisher nur turbulent gewesen, so begann für Drais in Mannheim nach dem Tod des Vaters, der ihm immer noch ein Halt ­ge­we­sen war, der soziale Abstieg. 1832 wurde seine Er­fin­der­pen­sion gekürzt. Dagegen prozes­sierte er erfolg­reich und brachte damit dem Fiskalan­walt des Hofes eine Niederlage bei. In der Folgezeit wurde er zum Ziel von dessen Privat­ra­che, wobei ein gegen ihn wohl insze­nier­ter handgreif­li­cher Ehren­han­del zum Ver­lust seines Kammer­her­ren­schlüs­sels führte. Zwei Jahre später ­machte ihn der Schrift­stel­ler Karl Gutzkow zum Opfer eines ­Ruf­mor­des. Er beschul­digte Drais in einem Buch, er habe mit seinem Atem ein totes Kind zum Leben erwecken wollen. Damit war Drais endgültig gesell­schaft­lich ruiniert. Der Erfinder zog sich ­ver­bit­tert nach Waldkat­zen­bach im Odenwald zurück und ent­wi­ckelte dort aus seiner vierräd­ri­gen Fahrma­schine eine Ei­sen­bahn­drai­sine. 1845 zog Drais wieder in seine "Vater­stadt­" ­Karls­ruhe. Hier legte er in der Revolution von 1848/49 seinen A­dels­ti­tel ab und bekannte sich zu den demokra­ti­schen ­For­de­run­gen.

Nach der Nieder­schla­gung der Revolution und der Wie­der­her­stel­lung der Monarchie wurde Drais' Pension zur Ab­de­ckung der Revolu­ti­ons­kos­ten beschlag­nahmt. Am 10. Dezem­ber 1851 starb er verarmt in Karlsruhe.

Die Weiter­ent­wick­lung von der Laufma­schine zum Fahr­rad

Die Weiter­ent­wick­lung der Laufma­schine zum Fahrrad bewirkte auch die Rehabi­li­ta­tion des Konstruk­teurs der Basisin­no­va­tion. In den 1880er Jahren wurden die ersten Radsport­ver­eine gegründet, die den Erfinder als Vater ihres Sports feierten. Der deutsche Rad­fah­rer-bund veran­lasste 1891 die Überfüh­rung der irdischen ­Über­reste des Freiherrn auf den Karlsruher Haupt­fried­hof und er­rich­tete ihm aus Spenden­gel­dern ein reprä­sen­ta­ti­ves Grabmal. Zwei Jahre später sammelte man für ein Denkmal, das 1893 in An­we­sen­heit des damaligen Stadtrats und des Oberbür­ger­meis­ter­s Schnetz­ler eingeweiht wurde.

In den vierzig Jahren seit Drais' Tod hatte sich das Fahrra­d ­be­reits zum Massen­ver­kehrs­mit­tel entwickelt. Der erste Schrit­t ­zum Fahrrad war 1864 die Anbringung von Pedalen am Vorder­ra­d ­ge­we­sen. Diese Weiter­ent­wick­lung stammte wohl von dem Franzo­sen Pi­erre Michaux. Da man den Hinter­rad­an­trieb mit Kette noch nicht ­kannte, wurde das Vorderrad immer größer, um eine höhere ­Über­set­zung und somit Geschwin­dig­keit zu erreichen: die Hoch­rä­der entstanden. In der Fahrrad­fa­brik des Briten John Kemp ­Star­leys ging schließ­lich 1885 das erste stilset­zende Nieder­ra­d ­mit Hinter­rad­ket­ten­an­trieb in Serie. Die Nieder­rä­der wurden ­durch die indus­tri­elle Massen­fer­ti­gung auch für Arbei­ter er­schwing­lich, die damit in die Fabrik fuhren. Heute sind welt­weit mehrere hundert Millionen Menschen auf dem Fahrra­d un­ter­wegs. Auch Karl Benz, der Drais als Kind noch gesehen haben ­könnte, war ein begeis­ter­ter Zweirad­fah­rer und progres­si­ve ­Tech­nik­his­to­ri­ker stellen die Laufma­schine mit dem Automobil in eine Entwick­lungs­reihe.