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Karlsruhe: Kultur

Musik in Karlsruhe - einst und heute

17./18. Jahrhundert: Barocke Hofmusik

Das Karlsruher Schloß um 1783

Das Karlsruher Schloß um 1783

Die Musik­ge­schichte in Karlsruhe beginnt in Durlach - dort hatten die Markgrafen von Baden-Durlach seit 1565 ihre Residenz. Infor­ma­tio­nen über die Musik am Hof gibt es erst ab dem Wieder­auf­blü­hen des kultu­rel­len Lebens nach dem Dreißig­jäh­ri­gen Krieg. Berichtet wird von seltenen Opern­auf­füh­run­gen und der Anwesen­heit franzö­si­scher Tanzmeis­ter. Finan­zi­elle Beschrän­kun­gen, Kriege und glückliche Erbschaf­ten prägten nach der Gründung von Karlsruhe im Jahr 1715 das Musikleben der neuen Stadt.

Immer noch stand der kleine Hof im Mittel­punkt. In den ersten Jahren wurden regelmäßig Opern aufgeführt: Eine Karlsruher Beson­der­heit war, daß von einhei­mi­schen Kompo­nis­ten vertonte deutsche Opern gegeben wurden - an den anderen Höfen dominierte italie­ni­sches und franzö­si­sches Musik­thea­ter. Die einzige aus der Gründungs­zeit Karls­ru­hes erhaltene Oper ist Casimir Schweit­zels­bergs 1715 aufge­führ­te "Roman­ti­sche Lucretia". Aus Kosten­grün­den wurden keine auslän­di­schen Sänge­rin­nen und Sänger, vor allem keine Kastraten, engagiert. Eine spezifisch Karlsruher Einrich­tung war ein Chor von etwa 70 Mädchen. Die Hofkapelle war, je nach Kriegs- und Finanzlage, mit bis zu 40 Musikern besetzt. In mageren Zeiten beschränkte man sich auf Kammer­mu­sik, in glück­li­che­ren Zeiten hatte die Hofkapelle neben der Kirchen­mu­sik, der Tafelmusik und den Balletten die Aufgabe, reisende Schau­spie­ler­trup­pen bei der Aufführung von Singspie­len zu begleiten. Mit dem Aussterben der Baden-Badener Linie im Jahr 1777 fiel die Rastatter Hofkapelle an Baden-Durlach, eine weitere Berei­che­rung des Ensembles folgte der Auflösung der Bruch­sa­ler fürst­bi­schöf­lich speyri­schen Musik­ka­pelle im Jahr 1803. Heraus­ra­gende Kapell­meis­ter und Kompo­nis­ten des 18. Jahrhun­derts waren Johann Melchior Molter (1696 - 1765) und Joseph Aloys Schmitt­baur (1718 - 1809).

19./20. Jahrhundert: Das Hoftheater wird Badisches Staatstheater

Blick vom Zuschauerraum zur Bühne des Weinbrenner-Theaters, als Kulisse der Prospekt des Karlsruher Marktplatzes

Blick vom Zuschauerraum zur Bühne des Weinbrenner-Theaters, als Kulisse der Prospekt des Karlsruher Marktplatzes

1806 entstand das Großher­zog­tum Baden: Geschick­tes Paktieren und ebenso geschickte Heirats­po­li­tik hatten zur Folge gehabt, daß das Land Baden sich um ein Dreifa­ches vergrö­ßerte. Das bedeutete nicht nur einen Zuwachs an Landes­kin­dern, sondern auch an finan­zi­el­len Mitteln, dem ein Aufblühen des Musikle­bens folgte. Weitere Schubkraft kam vom sich emanzi­pie­ren­den Bürgertum, das die Theater und Konzert­säle gleichsam stürmte. Das von Friedrich Weinbren­ner gebaute und 1810 eröffnete Hoftheater faßte rund 1.800 Besucher - und das bei etwa 11.000 Karls­ru­her Einwohnern.

Zwischen Klassik und Romantik changiert das schöp­fe­ri­sche Werk des aus Bruchsal übernom­me­nen Karlsruher Musik­di­rek­tors Johann Evangelist Brandl (1760 - 1837). Eine glück­li­che­re Hand als Brandl bei der Orche­s­ter­lei­tung hatte Franz Danzi (1763 - 1826), der Carl Maria von Webers Opern kurz nach der Urauf­füh­rung in Karlsruhe heraus­brachte. Josef Strauß (1793 - 1866) begründete im Zusam­men­wir­ken mit dem ersten bürger­li­chen General­in­ten­dan­ten des Hofthea­ters, Eduard Devrient (1801 - 1877), in den 1850er Jahren die Karls­ru­her Wagner­tra­di­tion. Äußerer Anlaß für die von Devrient durch­ge­führte Bühnen­re­form war der Theater­brand von 1847 gewesen, bei dem 65 Stehplatz-Besuche­rin­nen und -Besucher ums Leben gekommen waren; 1853 war der Neubau Heinrich Hübschs fertig­ge­stellt worden.

Das Karlsruher Hoftheater, erbaut 1851 - 53 von Heinrich Hübsch

Das Karlsruher Hoftheater, erbaut 1851 - 53 von Heinrich Hübsch

Der namhafte Wagner-Dirigent Hermann Levi (1839 - 1900) war mit Johannes Brahms befreundet, zahlreiche Werke des Kompo­nis­ten wurden in Karlsruhe auspro­biert und urauf­ge­führt, so 1876 seine 1. Sinfonie unter Felix Otto Dessoff (1835 - 1892). Die Zeit Felix Mottls (1856 - 1911), der von 1880 bis 1903 die musika­li­schen Geschicke leitete, war der Höhepunkt des Hofthea­ters. Er erarbei­tete Karlsruhe nicht nur den Ruf, ein "Klein-Bayreuth" zu sein, auch Berlioz– und Bruckner-Auffüh­run­gen festigten sein inter­na­tio­na­les Renomée.

Nach der Abdankung Großherzog Friedrichs II. wurde das großher­zog­li­che Hoftheater zum Badischen Landes­thea­ter. Seit 1933 ist es das Badische Staats­thea­ter, das Orchester nennt sich seither Badische Staats­ka­pelle. Heraus­ra­gen­de General­mu­sik­di­rek­to­ren waren Joseph Krips (1902 - 1974), Joseph Keilberth (1908 - 1968), Otto Matzerath (1914 - 1963) und in jüngerer Zeit Christoph Prick, Günter Neuhold und Kazushi Ono.

Das Badische Staatstheater am Ettlinger Tor, Architekt: Helmut Bätzner

Das Badische Staatstheater am Ettlinger Tor, Architekt: Helmut Bätzner

1975 wurde das neue Staats­thea­ter am Ettlinger Tor eröffnet. 1978 als Händel-Tage gegründet, bieten die 1985 umbenann­ten Händel-Festspiele ein Programm mit Werken des Hallenser Meisters und seiner Zeitge­nos­sen. Seit 1856 gibt es regel­mä­ßige Sinfo­nie­kon­zerte der Karlsruher Hofkapelle bzw. der Badischen Staats­ka­pelle; Kammer­kon­zerte und ein Zyklus von Konzerten zeitge­nös­si­scher Musik ergänzen das breit gefächerte Angebot des Badischen Staats­thea­ters, das Opern-, Operetten-, Ballett- und Theater­auf­füh­run­gen umfaßt.

Zeitgenössische Musik

Zwei Musik­fes­ti­vals werden vom "Ensemble 13 " getragen: die "Winter­mu­sik" und die "Musik auf dem 49". Mit Wolfgang Rihm lebt und lehrt einer der bedeu­tends­ten Kompo­nis­ten unserer Tage in Karlsruhe.

Musik- und Gesangsvereinigungen

Das 19. Jahrhun­dert war das Jahrhun­dert der Musik- und Sänger­feste. 1853 fand in der Fächer­stadt das erste instru­men­tale Musikfest Süddeutsch­lands statt, bei dem auch Franz Liszt dirigierte. Musik- und Gesangs­ver­eine wurden gegründet, allen voran die Männer­chöre "Lieder­ta­fel" (1840), "Lieder­kranz" (1841) und "Lieder­hal­le" (1842). Auch die eher beschei­dene Pflege der Kirchen­mu­sik, die im 18. und frühen 19. Jahrhun­dert eng mit der Hofmusik verbunden war, nahm durch Chorver­ei­ni­gun­gen einen Aufschwung. Neben den großen Chören wie dem Bachchor und dem Orato­ri­en­chor tragen in unseren Tagen einige klein besetzte Chöre der histo­ri­schen Auffüh­rungs­pra­xis Rechnung: Zu nennen sind hier der CoroPic­colo der Evange­li­schen Stadt­kir­che und der Kammer­chor der Chris­tus­kir­che. Weitere leistungs­fä­hige Kantoreien mit großem Repertoire bestehen an der katho­li­schen Haupt­kir­che St. Stephan, an der Chris­tus­kir­che und an der Evange­li­schen Stadt­kir­che Durlach. 1980 wurde das Studio Vocale als semipro­fes­sio­nel­ler Kammerchor gegründet.

Musikalische Bildungseinrichtungen

Schloß Gottesaue, Sitz der Staatlichen Hochschule für Musik

Schloß Gottesaue, Sitz der Staatlichen Hochschule für Musik

1884 gründete Heinrich Ordenstein das Großher­zog­li­che Konser­va­to­rium, das heutige Badische Konser­va­to­rium. 1929 wurden die Oberklas­sen zur staatlich anerkann­ten Hochschu­le für Musik, der ersten in Baden, erhoben, 1971 wurde die Musik­hoch­schule staatlich. In den letzten Jahren erwei­ter­ten der Modell­stu­dien­gang "Lern­ra­dio" und das "Institut für Musik­thea­ter" das Ausbil­dungs­spek­trum. An der Techni­schen Hochschule Karlsruhe existieren mit dem Collegium Musicum ein studen­ti­sches Sinfo­nie­or­che­s­ter und der Univer­si­täts­chor. Der Univer­si­tät angeglie­dert sind das Sinfonie- und das Kammer­or­che­s­ter an der Univer­si­tät. Zwei Gymnasien bieten Musikzüge an: das Bismarck- und das Helmholtz-Gymnasium.

Musikbezogene Einrichtungen

Das Studio Karlsruhe des SWR veran­stal­tet Konzerte in enger Koope­ra­tion mit Künstlern und Ensembles der Region. Die Musik­ab­tei­lung der Badischen Landes­bi­blio­thek beher­bergt eine Musika­li­en­samm­lung mit ca. 200 mittel­al­ter­li­chen und 1.300 Musik­hand­schrif­ten vorwiegend des 18. Jahrhun­derts. Seit 1996 befindet sich das Max-Reger-Institut in Karlsruhe. Dem Zentrum für Kunst und Medien­tech­no­lo­gie ist das "Institut für Musik und Akustik" angeschlos­sen.
Literatur
Joachim Draheim: Karlsruher Musik­ge­schichte, Hoepfner-Bibliothek im Info-Verlag, Karlsruhe 2004