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Karlsruhe: Kultur

Literarische Traditionen


Karls­ru­hes Rang als Kultur­stadt basiert auch auf seinem rei­chen litera­ri­schen Leben - und auf seinen bedeu­ten­den öf­fent­li­chen und wissen­schaft­li­chen Biblio­the­ken. Deren ­Band­breite reicht von einer Univer­sal­bi­blio­thek wie der Ba­di­schen Landes­bi­blio­thek mit ihren etwa 2,6 Mio. Medien aus allen Fachbe­rei­chen bis hin zur hochs­pe­zia­li­sier­ten Media­thek ­des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM), die die digita­len ­Künste und Techniken bewahrt.

Badische Landes­bi­blio­thek hütet ­Ni­be­lun­gen­lied

Die Badische Landes­bi­blio­thek (BLB) gehört zu den großen re­gio­na­len Biblio­the­ken in Deutsch­land. Sie geht auf die Sam­mel­lei­den­schaft der Markgrafen von Baden zurück, die ihre Schätze schon im 18. Jahrhun­dert öffentlich zugäng­lich ­mach­ten. Die BLB besitzt, wie der Titel einer Ausstel­lung lau­tete, "unschätz­bar Wertvolles, Wissens­wer­tes, Kurioses". Zum unschätz­bar Wertvollen gehören unter vielem anderen die be­rühm­ten Tulpen­bü­cher des Markgrafen Karl-Wilhelm von Baden-Durlach. Krone der Sammlung ist inzwischen die Ni­be­lun­gen-Handschrift C, die von der UNESCO zum Welt­do­ku­men­te­nerbe erklärt wurde. Sie ist um 1250 ent­stan­den und befand sich lange Zeit in Donaue­schin­gen, bis das Land Baden-Württem­berg sie kaufte und an die BLB übergab. Heute sind die Nibelungen-Handschrift und zahlreiche andere ­mit­tel­al­ter­li­che Handschrif­ten und Inkunabeln auch digital ­zu­gäng­lich.

Unter den Karlsruher Biblio­the­ken verzeich­net die Stadt­bi­blio­thek mit Abstand die meisten Entlei­hun­gen pro Jahr. Sie hält in ihrer Haupt­stelle im Ständehaus ein Selbst­lern­zen­trum und in ihren Außen­stel­len in Durlach, Gröt­zin­gen, Mühlburg, Neureut und Waldstadt sowie in der Ju­gend­bi­blio­thek im Prinz-Max-Palais und im Medien­bus ­Bel­le­tris­tik, Fachli­te­ra­tur, Bücher für Kinder und Ju­gend­li­che und audio­vi­su­elle Medien bereit.

Karlsruher virtueller Katalog (KVK) erschließt wis­sen­schaft­li­che Bücher­wel­ten

Die Fachbi­blio­the­ken der neun Karlsruher Hochschu­len lassen für For­schung und Lehre kaum Wünsche offen. Aufse­hen­er­re­gend war - und ist bis heute - der so genannte "Karls­ru­her­Vir­tu­el­le ­Ka­ta­log (KVK)". Er wurde von der Univer­si­täts­bi­blio­thek ­Karls­ruhe (heute: KIT-Biblio­thek) entwickelt und wird von ihr gepflegt. Der "Karls­ru­her Virtuelle Katalog" ist seit ­sei­ner Online-Schaltung im Jahr 1996 weltweit der größte frei ­ver­füg­bare "Meta-Katalog", mit dem simultan nicht nur alle ­deut­schen, öster­rei­chi­schen und Schweizer, sondern auch ­zahl­rei­che inter­na­tio­nale Online-Biblio­theks­ka­ta­lo­ge ­durch­sucht werden können.


Für Menschen mit türkischem Migra­ti­ons­hin­ter­grund unter­häl­t das Türkische General­kon­su­lat in Karlsruhe eine Biblio­thek ­mit deutschen und türkischen Titeln. Weitere fremd­spra­chi­ge ­Bi­blio­the­ken, wie die franzö­si­sche Bibliothek im Centre ­Cul­tu­rel Franco-Allemand und die Ameri­ka­ni­sche Biblio­thek ­sind öffentlich zugänglich. Außerdem bieten die Fach­bi­blio­the­ken des Bundes­ge­richts­hofs, des Badischen ­Lan­des­mu­se­ums und der Staat­li­chen Kunsthalle sowie das Lan­des­me­di­en­zen­trum Baden-Württem­berg zahlrei­che Mög­lich­kei­ten zur Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung.


Vielsei­ti­ges litera­ri­sches Leben

Wesent­lich zum litera­ri­schen Leben in Karlsruhe trägt die Li­te­ra­ri­sche Gesell­schaft/S­chef­fel­bund bei. Mit 6.500 Mit­glie­dern gilt die Litera­ri­sche Gesell­schaft als größte ­li­te­ra­ri­sche Verei­ni­gung in Mittel­eu­ropa. Zweimal im Jahr gibt sie die angesehene Litera­tur­zeit­schrift "Allmende" heraus. Klein, aber fein ist ihre ca. 10.000 Bände umfas­sen­de O­ber­rhei­ni­sche Bibliothek im Museum für Literatur am Ober­rhein im Prinz-Max-Palais. Die Oberrhei­ni­sche Biblio­thek ist eine Präsenz­bi­blio­thek, deren Titeldaten im Inter­net ­ab­ge­fragt werden können.

Die Schwer­punkte des Museums für Literatur am Oberrhein liegen bei den badischen Hausdich­tern Johann Peter Hebel und Joseph Vic­tor von Scheffel. Deren Lebens­werke werden mit aus­ge­such­ten Exponaten, Handschrif­ten, Möbel­stücken, Erst­dru­cken und vielem mehr präsen­tiert.

Die Litera­ri­sche Gesell­schaft/S­chef­fel­bund lobt drei ­Li­te­ra­tur­preise für junge Menschen aus: Der Schef­fel­preis wird an die jeweils besten Deutsch-Abitu­ri­en­ten an Gymna­si­en in Baden-Württem­berg, Rheinland-Pfalz und dem Saarlan­d ­ver­lie­hen. Der Apollinaire-Preis fördert das Fach Franzö­sisch an Gymnasien. Der dritte Preis ist der noch junge Prosa­preis "Ju­Li/Junge Literatur", um den sich 16- bis 20-Jähri­ge ­be­wer­ben können. Mit im Bunde sind hier die GEDOK (Gemein­schaft ­der Künst­le­rin­nen und Kunst­för­de­rer e.V.) Karlsruhe und das Kul­tu­ramt Karlsruhe.

Der Stellen­wert, den die Kultur­stadt Karlsruhe der Litera­tur ­bei­misst, ist auch am Hermann-Hesse-Litera­tur­preis zu er­ken­nen, der inter­na­tio­nal Aufmerk­sam­keit erregt. Die Liste seiner Preis­trä­ger ist lang und allgemein wohl bekannt. Es begann 1957 mit Martin Walser, dem u.a. Hubert Fichte, Adolf Muschg, Rafik Schami, Marlene Stree­ru­witz und Alain Claude ­Sul­zer folgten.

Ein inter­na­tio­nal renom­mier­tes Projekt, das zum li­te­ra­ri­schen Leben in Karlsruhe gehört, ist die Ar­beits­stelle Bertolt Brecht (ABB) am Institut für Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft des KIT. Die ABB gibt unter anderem ­die Große Kommen­tierte Berliner und Frank­fur­ter Ausgabe der Werke Bertolt Brechts in 30 Bänden heraus.

Vor diesem Hinter­grund blüht ein vielsei­ti­ges litera­ri­sches Le­ben in Karlsruhe, zu dem die Volks­hoch­schule, die Goethe-Gesell­schaft e.V., die Franz-Kafka-Litera­tur­bühne, das Karls­ru­her Lesefrüh­stück und der Carlsruher Cultur Cirkel mit Le­sun­gen, Vorträgen und Seminaren beitragen. Noch jung ist der "Dur­la­cher Lesesommer - Literatur im Park", der im Schloss­gar­ten Durlach statt­fin­det. Höhepunkt des Bü­cher­jah­res in Karlsruhe ist die Karlsruher Bücher­schau im Re­gie­rungs­prä­si­dium, zu der die Verlage mit ihren ­Neu­er­schei­nun­gen mehrere zehntau­send Besucher anlocken. Lesungen an ausge­fal­le­nen und ungewöhn­li­chen Orten mit be­kann­ten Autoren und Newcomern aus ganz Deutsch­lan­d ­prä­sen­tiert das Kulturbüro bei den Karlsruher Krimitagen. Das Kul­tur­büro engagiert sich darüber hinaus im Rahmen der Kin­der­li­te­ra­tur­tage "KLiK" auch in der Li­te­ra­tur­ver­mitt­lung.