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Karlsruhe: Städtische Galerie

Interview – Axel Philipp

Im Zentrum der Ausstel­lung von Axel Philipp steht ein Häuschen, das viele Jahre Ort für einen ganz bestimmten Tausch gewesen ist: Geld gegen Visuelles, gegen Seh-erlebnisse. Jetzt bietet das ehemalige Kassen­häus­chen des nicht mehr existie­ren­den ­Karls­ru­her Kinos »Die Kamera« scheinbar ein neues Tausch­ge­schäft an. Machte früher eine Person den Deal perfekt, ist nun eine Art Au­to­mat entstanden, der im Inneren hinter Glas große Kie­sel­steine offeriert, also etwas handfest Reelles, Physisches. Und doch kann man der wohlge­form­ten Steine aus dieser Cassa ­nicht habhaft werden. Sie sind und bleiben ein ledig­lich ­op­ti­sches Angebot. »Rhein­gold« lautet der Titel der eigens für die aktuelle Ausstel­lung entwi­ckel­ten Arbeit.

Um sie herum gruppieren sich charak­te­ris­ti­sche Beispiele aus un­ter­schied­li­chen Werkgrup­pen des Künstlers, dessen Inter­es­se ­mit Vorliebe dem ästhe­ti­schen Poten-zial und dem wahr­neh­mungs­stei­gern­den »Mehrwert« alltäg­li­cher Erschei­nun­gen ­gilt. Dazu gehören unter anderem die Schmir­gel­pa­piere, die durch­ Schlei­fen zur Zeichnung werden, oder die Fotogra­fien weiß ­ge­tünch­ter Schau­fens­ter­schei­ben von leer stehen­den La­den­ge­schäf­ten. Mit Kreide­was­ser vorüber­ge­hend blick­dicht ­ge­macht, addieren sich die anonymen Malgesten zusammen mit den flüch­ti­gen Wider­spie­ge­lun­gen der Außenwelt auf der Glasfläche zu einem höchst eigenen, assozia­ti­ons­rei­chen Bild.

Einfalls­reich, hinter­grün­dig, mit Witz und Ironie, dabei strin­gent im Konzep­tu­el­len und zugleich in hohem Maße sinnlich ­zeich­nen sich die ausge­stell­ten Werke durch Vielfalt und Wand­lungs­fä­hig­keit aus. Mit Schwer­punkt im Dreidi­men­sio­na­len er­probt Axel Philipp, der sein Studium an der Karls­ru­her ­Kunst­aka­de­mie 1992 als Meister­schü­ler von Rainer Küchen­meis­ter ab­schloss, immer wieder neue Wege jenseits der klassi­schen ­künst­le­ri­schen Gattungen. Wieder­ho­lung und Serialität, Verfrem­dung und Irritation (etwa durch subtile Eingriffe am vor­ge­fun­de­nen Material), Transfer und Kontext­ver­schie­bung, ein aus­ge­präg­tes Bewusst­sein für situative Möglich­kei­ten: Diese ­Stich­worte umreißen in aller Kürze wesent­li­che Momente seiner ­bild­ne­ri­schen Strategien, mit denen er die materi­el­len, forma­len und konzep­tu­el­len Bedin­gun­gen des künst­le­ri­schen Prozes­ses aus­lo­tet. Das Ergebnis sind außer­ge­wöhn­li­che, mitun­ter frap­pie­rende Seher­leb­nisse, die mit unerwar­te­ten Fragen ­kon­fron­tie­ren.

Die Ausstel­lung im Forum des Museums ist eine Art Interview mit dem Künstler und seinen Werken, die sich auch unter­ein­an­der in Be­zie­hung setzen und befragen. Zwar weisen seine bis heute ­ge­schaf­fe­nen Werkgrup­pen im Gesamten gesehen keinen homoge­nen ­For­men­ka­non auf, in metho­di­scher und inhalt­li­cher Hinsicht sind sie jedoch eng mitein­an­der verknüpft. Im Jubilä­ums­jahr des vor zwei Jahrzehn­ten gegrün­de­ten Förder­krei­ses der Städti­schen ­Ga­le­rie Karlsruhe e. V., der seit 1996 die Arbeit des Museums i­de­ell und finanziell mit großem Engagement unter­stützt, ist »­In­ter­view - Axel Philipp« nach Präsen­ta­tio­nen mit Werken von Hiromi Akiyama, Gerhard Mantz, Harald Klingel­höl­ler, Günter Um­berg, Sabine Funke, Meuser und Ulrike Michaelis die achte ­Stu­dio­aus­stel­lung des Vereins. Ende Juli 2016 erscheint ein Ka­ta­log zur Ausstel­lung mit Raumauf­nah­men und Texten von Margrit ­Brehm, Lisa Kuon, Ursula Merkel und Wilko Thiele.

 

Axel Philipp, Ohne Titel, 2014, Haken, Modellgips

Axel Philipp, Ohne Titel, 2014, Haken, Modellgips


Ausstellungsausicht

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Ausstellungsansicht

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