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Karlsruhe: Städtische Galerie

Paris, Paris!

Karlsruher Künstler an der Seine 1850 - 1930

23. Februar - 2. Juni 2019

In einer Zeit, als die politi­schen Bezie­hun­gen zwischen ­dem Deutschen Reich und Frankreich eher angespannt waren, zog es Hun­derte von jungen deutschen Malern und Bildhauern zum Studi­um nach Paris, um sich dort auf vielfäl­tige Weise für ihr weite­res ­künst­le­ri­sches Schaffen anregen zu lassen. Auch aus Karls­ru­he ­mach­ten sich viele Künstler sowie einige wenige Künst­le­rin­nen auf den Weg in die neue Kunst­me­tro­pole an der Seine, nachdem sie zuvor eine Ausbildung in der badischen Hauptstadt erfah­ren hat­ten. Die Ausstel­lung beleuchtet erstmals die facet­ten­rei­chen und vielge­stal­ti­gen Spuren, die der Kunst­trans­fer Paris - Karlsruhe hinter­las­sen hat.

Paris war im 19. und frühen 20. Jahrhun­dert für Künstler eine Stadt voller einzig­ar­ti­ger Anregungen. Neben dem Studium in einem der zahlrei­chen renom­mier­ten Künst­le­rate­liers standen ih­nen die reichen Sammlungen des Louvre und des Musée du Lu­xem­bourg für den Anschau­ungs­un­ter­richt zur Verfügung. Zudem ­bo­ten die Salons die Möglich­keit, sich mit den verschie­de­nen Strö­mun­gen der Malerei und Bildhaue­rei ausein­an­der zu setzen. Für die großen Weltaus­stel­lun­gen 1855, 1867, 1878, 1889 und 1900 wur­den wegwei­sende Gebäude errichtet, in denen die Nationen auf den Gebieten der Technik und der Kunst wettei­fer­ten. Paris war in dieser Zeit die europäi­sche Hauptstadt, in der die prägenden Kunst­rich­tun­gen der damaligen Welt geboren wur­den.

"Nicht genug danken kann ich dem Meister, welcher mich von der deut­schen Spitz­pin­se­lei zu breiter, pastoser Behandlung, von der aka­de­mi­schen Schablo­nen­com­po­si­tion zu großer Anschauung und Auf­fas­sung führte." Mit diesen Worten resümierte Ansel­m ­Feu­er­bach seine künst­le­ri­sche Ausbildung im Atelier von Thomas ­Cou­ture in Paris. Er benannte damit den wesent­li­chen Antrieb, der Kunst­stu­den­ten aus Deutsch­land nach Paris lockte. Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun­derts betrach­tete man die künst­le­ri­sche Ausbildung an den deutschen Kunst­aka­de­mien mit dem Ab­zeich­nen von Gipsab­güs­sen antiker Statuen und dem Wieder­ho­len ­ver­ab­so­lu­tier­ter Kompo­si­ti­ons­re­geln als hemmend und erstarrt. An den privaten Kunst­aka­de­mien in Paris hingegen stand die Malerei im Zentrum der Arbeit. Die Studenten durften experi­men­tie­ren und wurden angeregt, eigene Wege zu gehen. Zu den wichtigs­ten ­In­sti­tu­ten zählten neben der Ecole des Beaux-Arts die Acadé­mie ­Suisse (gegr. 1815), Académie Julian (gegr. 1868), Acadé­mie ­Co­la­rossi (gegr. 1870), Académie Carrière (gegr. 1884), Acadé­mie de la Grande Chaumiére (gegr. 1902), die Académie Ranson (gegr. 1908) und die Académie Matisse (gegr. 1908). Umfang­rei­che Re­cher­chen ergaben, dass im Zeitraum von 1830 und 1930 circa 120 Künst­ler und Künst­le­rin­nen, die mit der Karlsruher Kunst­aka­de­mie in Verbindung standen, nach Paris reisten. Die Infor­ma­tio­nen, die hierzu überlie­fert sind, stellen sich ganz unter­schied­lich dar: Oft ist es nur eine schlichte Erwähnung in einer ­bio­gra­fi­schen Veröf­fent­li­chung. Häufig gibt es Hinweise auf die dort besuchte private Kunst­schule oder auf den Künstler, dessen ­An­re­gun­gen sich im späteren Werk der jeweiligen Paris­rei­sen­den ­nie­der­schla­gen sollte. Nur in Ausnah­me­fäl­len sind Briefe und Ta­ge­bü­cher überlie­fert, die von den Eindrücken und Erleb­nis­sen ­be­rich­ten sowie Gemälde und Zeich­nun­gen, die unmit­tel­bar in Paris entstanden sind. In der Ausstel­lung werden Werke von circa 40 Künstlern, davon drei Künst­le­rin­nen zu sehen sein.

Künst­ler­liste:
Karl Albiker, Hermann ­Ba­isch, Walter Becker, Alexandra von Berckholtz, Hermann Both, Karl Dillinger, Willi Egler, Max Eichin, Benno Elkan, Ansel­m ­Feu­er­bach, Edmund Conrad von Freyhold, Hermann Goebel, Hermann ­Göh­ler, Carlos Grethe, Arthur Grimm, Albert Haueisen, Karl Hofer, Ludwig von Hofmann, Karl Hubbuch, Egon Itta, Leopold von Kal­ck­reuth, Friedrich Kallmorgen, Martha Kropp, Otto Laible, Otto Richard Langer, Otto Ferdinand Leiber, Manfre­d ­Lin­de­mann-Frommel, Hans Purrmann, Clara Ris, Georg Saal, Rudol­f Sch­lich­ter, Adolf Schmidlin, Wilhelm Schnar­ren­ber­ger, Gusta­v ­Schön­le­ber, Hanns Sprung, Erwin Spuler, Hans Sutter, Hans Thoma, Hugo Troendle, Emil Rudolf Weiß, Franz Xaver Winter­hal­ter u. a.

Eintritts­prei­se

8 € / 6€ ermäßigt

 

Wilhelm Schnarrenberger, Boulevard Montparnasse, 1931, Privatbesitz, Foto: Heinz Pelz, © VG Bildkunst, Bonn 2018

Wilhelm Schnarrenberger, Boulevard Montparnasse, 1931, Privatbesitz, Foto: Heinz Pelz, © VG Bildkunst, Bonn 2018


 

Hanns Sprung, Rue Madelaine, Paris, 1928, Privatbesitz.

Hanns Sprung, Rue Madelaine, Paris, 1928, Privatbesitz.


 

Albert Haueisen, Gesellschaft im Freien, 1909, Privatbesitz NRW, Foto: Galerie Bassenge, Berlin

Albert Haueisen, Gesellschaft im Freien, 1909, Privatbesitz NRW, Foto: Galerie Bassenge, Berlin


 

Karl Hubbuch, Das Wahrzeichen, 1926, Germanisches Nationalmuseum Nürngberg, Foto, Monika Runge

Karl Hubbuch, Das Wahrzeichen, 1926, Germanisches Nationalmuseum Nürngberg, Foto, Monika Runge


 

Otto Laible, An der Académie de la Grande Chaumière, 1932, Städtische Galerie Karlsruhe, Foto, Heinz Pelz

Otto Laible, An der Académie de la Grande Chaumière, 1932, Städtische Galerie Karlsruhe, Foto, Heinz Pelz