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Karlsruhe: Städtische Galerie

Paris, Paris!

Karlsruher Künstler an der Seine 1850 - 1930

23. Februar - 2. Juni 2019

Seit Mitte des 19. Jahrhun­derts galt Paris als führen­de ­Kunst­me­tro­pole Europas. Mit ihren reichen Kunst­schät­zen und Se­hens­wür­dig­kei­ten, mit den Cafés und Boulevards, den Weltaus­stel­lun­gen und den Salons strahlte die franzö­si­sche Haupt­stadt eine unwider­steh­li­che Faszi­na­tion aus. Mehr und mehr ­ent­wi­ckelte sie sich im Lauf der Jahrzehnte zu einem Schmelz­tie­gel der Moderne, der auf junge Künstler und Künst­le­rin­nen aus ganz Europa eine geradezu magne­ti­sche ­An­zie­hungs­kraft ausübte. Besonders stark war das Interesse der deut­schen Maler, Grafiker und Bildhauer. Trotz aller ­Ge­ring­schät­zung durch die offizielle Kunst­po­li­tik des deutschen ­Kai­ser­reichs fand die franzö­si­sche Kunst vor allem in Deutsch­land große Anerken­nung und eine ständig wachsen­de ­An­hän­ger­schaft. Auch aus Karlsruhe machten sich Maler und Bild­hauer auf den Weg in das Zentrum der Avantgarde, nachdem sie zuvor eine Ausbildung in der badischen Hauptstadt erhal­ten hat­ten. Manche mieteten sich für einige Monate eine Unter­kunft und besuchten eine der zahlrei­chen Privat­aka­de­mien, andere lie­ßen sich dauerhaft in Paris nieder und verbrach­ten dort ­meh­rere Jahre. Von Franz Xaver Winter­hal­ter über Ansel­m ­Feu­er­bach bis zu Hans Thoma, von Karl Albiker über Karl Hubbuch und Otto Laible bis zu Wilhelm Schnar­ren­ber­ger reicht das Spek­trum der mit der Fächer­stadt verbun­de­nen Künstler, die sich in und von Paris inspi­rie­ren ließen. Mit rund 200 Expona­ten ­be­leuch­tet die chrono­lo­gisch und nach Themen­ge­bie­ten geglie­der­te Aus­stel­lung erstmals die facet­ten­rei­chen Spuren, die der Kunst­trans­fer Paris - Karlsruhe hinter­las­sen hat.

"Nicht genug dan­ken kann ich dem Meister, welcher mich von der deutschen ­Spitz­pin­se­lei zu breiter, pastoser Behandlung, von der aka­de­mi­schen Schablo­nen­com­po­si­tion zu großer Anschauung und Auf­fas­sung führte." Mit diesen Worten fasste Anselm Feuer­bach ­seine künst­le­ri­sche Ausbildung im Atelier von Thomas Couture um 1852/53 zusammen. Wie er wollten die Studie­ren­den aus Deutsch­land den erstarrten heimischen Akade­mie­be­trieb hinter ­sich lassen und an den privaten

Akademien in Paris ihren eigenen künst­le­ri­schen Weg finden. Während im Wil­hel­mi­ni­schen Deutsch­land noch histo­ris­ti­sche Strömungen und ein trockener akade­mi­scher Natura­lis­mus vorherrsch­ten, wurden in Frank­reich die entschei­den­den Weichen für die Entwick­lung der mo­der­nen Kunst gestellt. In der franzö­si­schen Hauptstadt löste im raschen Wechsel eine neue Kunst­rich­tung die nächste ab - vom Rea­lis­mus über Impres­sio­nis­mus und Symbo­lis­mus bis hin zu den "Vä­tern der Moderne", darunter Vincent van Gogh, Paul Cézan­ne o­der Auguste Rodin. Alle avant­gar­dis­ti­schen Strömungen, die in Deutsch­land - wenn überhaupt - nur vereinzelt zugänglich waren, ließen sich in Paris ohne Probleme im Original studieren.

Der Rund­gang durch die in thema­ti­sche Abtei­lun­gen geglie­der­te Aus­stel­lung beginnt mit dem Bereich "Salon und Realismus", der die Situation der Kunst in Paris um die Mitte des 19. Jahr­hun­derts beleuchtet. Franz Xaver Winter­hal­ter hatte bereits ­die Stellung eines badischen Hofmalers inne, als er sich 1834 in der franzö­si­schen Hauptstadt niederließ. Mit seinem Gemälde "Der ­De­ca­me­ro­ne", das er 1837 im Salon zeigte, feierte er einen e­pocha­len Erfolg und stieg rasch zum Lieblings­ma­ler des eu­ro­päi­schen Adels auf. Einige Zeit später, von 1851 bis 1854, hielt sich Anselm Feuerbach in Paris auf. Er kopierte im Louvre und weiteren Museen nach Werken u. a. von Eugène Delacroix, Gustave Courbet und Thomas Couture, dessen private Malschule er einige Monate lang besuchte. Dagegen dauerte der Aufenthalt von Hans Thoma in der franzö­si­schen Metropole nur 16 Tage - und war doch von größter Tragweite, denn nach der für ihn wegwei­sen­den ­Be­geg­nung mit den Gemälden Courbets veränderte sich sein Malstil ­si­gni­fi­kant.

Im offenen Lichthof werden mit Hermann Baisch und Gustav Schön­le­ber zwei Karlsruher Akade­mie­pro­fes­so­ren vorge­stellt, deren ­ma­le­ri­sches Werk nachhaltig von der Freilicht­ma­le­rei in Barbi­zon und vom Impres­sio­nis­mus beein­flusst wurde. Als Hermann Baisch 1882 erneut nach Paris reiste, nahm er den Karlsruher Studen­ten Fried­rich Kallmorgen mit. Auch bei ihm hinterließ die im­pres­sio­nis­ti­sche Kunst als prägendes Vorbild nachhal­ti­ge Ein­drücke. Einen großen Bereich nimmt hier und in den an­gren­zen­den Ausstel­lungs­ko­jen das Thema der "Stadt­land­schaft" ein. Zu sehen sind charak­te­ris­ti­sche Werke von Martha Kropp, Hugo Troendle, Hans Sutter, Wilhelm Schnar­ren­ber­ger und vor allem Otto Laible, der ohne Zweifel die inten­sivste und er­trag­reichste Verbindung zu Paris unterhielt. Schon als Student hatte er sich, vermittelt über seinen Lehrer Ernst Würten­ber­ger, mit der Tradition franzö­si­scher Zeichen­kunst und Malerei ­ver­traut gemacht. 1924, mit 26 Jahren, reiste Laible mit Hilfe ei­nes Stipen­di­ums zum ersten Mal in die Metropole und verbrach­te dann fast jedes Jahr einen längeren Studi­en­auf­ent­halt in Paris. Anfangs konzen­trierte er sich auf das Kopieren von Originalen, dann verlagerte sich sein Interesse zusehends auf weniger ­be­kannte Straßen und Plätze fernab der touris­ti­schen Highlights. Auch der bekannte Karlsruher Künstler Karl Hubbuch reiste ­mehr­fach in die charis­ma­ti­sche Weltstadt, deren Menschen und deren urbanes Leben er in einem skizzen­haf­ten Stil mit der Tusch­fe­der einfing.

Künstler und Künst­le­rin­nen: Karl Albiker, Hermann Baisch, Walter Becker, Alexandra von Berckholtz, Karl Dillinger, Kurt Edzard, Willi Eg­ler, Max Eichin, Benno Elkan, Anselm Feuerbach, Edmund Conra­d ­Fer­di­nand von Freyhold, Hermann Goebel, Carlos Grethe, Arthur ­Grimm, Bogislav Groos, Albert Haueisen, Franz Hein, Karl Hofer, Ludwig von Hofmann, Karl Hubbuch, Leopold von Kalckreuth, Friedrich Kallmorgen, Martha Kropp, Otto Laible, Otto Richard Lan­ger, Rudolf Levy, Melitta, Hans Purrmann, Clara Johanna Ris, Georg Eduard Otto Saal, Adolf Schmidlin, Wilhel­m Schnar­ren­ber­ger, Gustav Schönleber, Hanns Sprung, Erwin Spuler, Hans Sutter, Hans Thoma, Hugo Troendle, Emil Rudolf Weiß, Franz Xa­ver Winter­hal­ter

Zur Aus­stel­lung erscheint ein reich bebil­der­ter Katalog im Michael Im­hof Verlag.

Er kostet an der Museums­kasse 25 Euro.

Öffnungs­zei­ten

Mittwoch bis Frei­tag 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr,

Montag und Diens­tag geschlos­sen

Eintritt

8 Euro / 6 Euro ermäßigt

 
 

Wilhelm Schnarrenberger, Boulevard du Montparnasse, 1931, Nachlass Schnarrenberger, © VG Bildkunst, Bonn 2018

Wilhelm Schnarrenberger, Boulevard du Montparnasse, 1931, Nachlass Schnarrenberger, © VG Bildkunst, Bonn 2018


 

Hanns Sprung, Rue Madelaine, Paris, 1928, Privatbesitz.

Hanns Sprung, Rue Madelaine, Paris, 1928, Privatbesitz.


 

Albert Haueisen, Gesellschaft im Freien, 1909, Privatbesitz NRW, Foto: Galerie Bassenge, Berlin

Albert Haueisen, Gesellschaft im Freien, 1909, Privatbesitz NRW, Foto: Galerie Bassenge, Berlin


 

Karl Hubbuch, Das Wahrzeichen, 1926, Germanisches Nationalmuseum Nürngberg, Foto, Monika Runge

Karl Hubbuch, Das Wahrzeichen, 1926, Germanisches Nationalmuseum Nürngberg, Foto, Monika Runge


 

Otto Laible, An der Académie de la Grande Chaumière, 1932, Städtische Galerie Karlsruhe, Foto, Heinz Pelz

Otto Laible, An der Académie de la Grande Chaumière, 1932, Städtische Galerie Karlsruhe, Foto, Heinz Pelz