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Karlsruhe: Städtische Galerie

Hanna-Nagel-Preis 2018

tiptoe

Nina Laaf

05/05 - 08/07/2018

Die in Karlsruhe lebende Künstlerin Nina Laaf erhäl­t 2018 den Hanna-Nagel-Preis. Mit der Verleihung dieser ­Aus­zeich­nung sind eine Ausstel­lung der Preis­trä­ge­rin im Forum der Städti­schen Galerie Karlsruhe, eine beglei­ten­de ­Ka­ta­log­pu­bli­ka­tion und ein Ankauf durch das Regie­rungs­prä­si­di­um ­Karls­ruhe verbunden. 1977 in Hilden geboren, studierte Nina Laaf von 2011 bis 2017 Bildhaue­rei an der Staat­li­chen Akademie der Bil­den­den Künste Karlsruhe bei Prof. John Bock und Prof. Harald Klin­gel­höl­ler. Sie beendete ihre künst­le­ri­sche Ausbildung als Meis­ter­schü­le­rin Klingel­höl­lers. Mit neuen und teils eigens für die Ausstel­lung reali­sier­ten Arbeiten gibt sie unter dem Titel tiptoe im Forum des Museums einen Einblick in ihr ak­tu­el­les Schaffen. Im Mittel­punkt stehen Skulpturen, die Räume ­be­schrei­ben, Bewegungen sichtbar machen und umschrit­ten werden wol­len. Die Künstlerin entwickelt und inszeniert Situa­tio­nen, in denen Abhän­gig­kei­ten zwischen einzelnen Elementen entstehen und Mo­mente fragwür­di­ger Stabilität erfahrbar werden. In diesem ­Sinne ist auch der Titel tiptoe zu verstehen - er bezieht sich spiele­risch auf eine tänze­ri­sche Bewegung und hin­ter­fragt deren scheinbare Leich­tig­keit. Die Ausstel­lung ist ein Beitrag zu den 24. Europäi­schen Kultur­ta­gen Karlsruhe 2018, die sich in diesem Jahr dem Thema "Umbrüche - Aufbrüche: Gleiche Rechte für alle" widmen.

Nina Laaf ist eine Bildhaue­rin, die mit zahlrei­chen, ganz un­ter­schied­li­chen Materia­lien umgeht. Klassische Werkstoffe und tra­di­tio­nelle Herstel­lungs­ver­fah­ren in Stein oder Bronze finden in ihrem Werk allerdings keine Beachtung, sie bevorzugt vielmehr ­den unkon­ven­tio­nel­len Umgang mit Metall, Gips, Ton, Styro­por o­der Textilien. Einfalls­reich und hinter­grün­dig, mit ironi­schen ­Bre­chun­gen und humor­vol­len Anspie­lun­gen zeichnen sich ihre ­plas­ti­schen Inven­tio­nen und raumgrei­fen­den Instal­la­tio­nen durch­ Viel­falt und Wandlungs­fä­hig­keit aus. Konsequent durchdacht und ge­plant, sind die Skulpturen zugleich von Sponta­nei­tät und vom schöp­fe­ri­schen Potenzial des Zufalls geprägt. Nina Laaf arbei­tet ­mit den Strategien der Irritation, Verfrem­dung und Ambivalenz, der Kontext­ver­schie­bung und Umnutzung von Gegen­stän­den und führt so eine neue, überra­schende Sicht auf Dinge und Prozesse des täg­li­chen Lebens vor Augen. Dabei bleiben ihre Werke im wört­li­chen und im übertra­ge­nen Sinn immer "leicht­fü­ßig", werden ­gleich­sam mit einem Augen­zwin­kern vorge­tra­gen - ein Aspekt, den nicht zuletzt die assozia­ti­ons­rei­chen Titel der Expona­te un­ter­strei­chen.

Die enge Verbindung mit Raum und Zeit, das Bewusst­sein für si­tua­tive Möglich­kei­ten und die Intention, Skulp­tu­ra­les als Hand­lung in Erschei­nung treten zu lassen, sind Grund­kon­stan­ten in Nina Laafs Bildhaue­rei. Seien es die Brand­spu­ren, die als ge­heim­nis­voll schim­mernde Chiffren auf einer Edelstahl­rolle von der voraus­ge­gan­ge­nen, sukzessive erfolgten Hitze­ein­wir­kung ­zeu­gen, sei es eine vom Expres­sio­nis­mus inspi­rier­te ­Brun­nen­säule, aus deren wulstigen Schalen der einst flüs­sig-weiche, nun erstarrte Gips in heftigen Bewegun­gen spritzt und quillt, oder sei es die aus einem Klumpen glasier­ter Ke­ra­mik und einer Stahl­stange bestehende Instal­la­tion "zusam­men ist man weniger ____", deren raffiniert austa­rier­ten ­Kräf­te­ver­hält­nisse den Betrachter im Unklaren lassen, wer hier ei­gent­lich wen stützt: Die Fragen nach Bedin­gun­gen und Vor­aus­set­zun­gen, nach Verflech­tun­gen und Wechsel­wir­kun­gen ­spie­len eine entschei­dende Rolle im Werk der Künstlerin. Immer wie­der gibt es, wie Carolin Meister in ihrem Katalog­bei­trag schreibt, "behutsame Begeg­nun­gen von hetero­ge­nen Materia­lien, zwischen denen ein Austausch entsteht, ein Zusam­men­spiel, ein Zwi­schen­spiel."

Der Hanna-Nagel-Preis ist ein Kunstpreis von hohem Renommee. Er wurde 1998 auf Initiative von Jutta Limbach, damals Präsi­den­tin des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richts, von fünf in Karls­ruhe tätigen Präsi­den­tin­nen ins Leben gerufen, um bilden­de ­Künst­le­rin­nen ab 40 Jahren im Regie­rungs­be­zirk Karlsruhe zu fördern und ihre Arbeit auszu­zeich­nen. Mit dem vor 20 Jahren erst­mals vergebenen Preis wird zugleich das künst­le­ri­sche Werk von Hanna Nagel (1907-1975) geehrt, einer bedeu­ten­den ­Ver­tre­te­rin der Neuen Sachlich­keit, die 1925 bis 1929 an der Ba­di­schen Landes­kunst­schule Karlsruhe (der heutigen Staat­li­chen ­Aka­de­mie der Bildenden Künste Karlsruhe) studierte. Dass die Be­wer­be­rin­nen mindestens 40 Jahre alt sein müssen, soll dem oft un­ter­schied­li­chen Lebens­ent­wurf von männlichen und weibli­chen ­Kunst­schaf­fen­den Rechnung tragen. Der Hanna-Nagel-Preis wird ­aus­ge­schrie­ben von den Stifte­rin­nen des Preises: Marga­re­ta ­Barth, Präsi­den­tin a. D. der Landes­an­stalt für Umwelt, Messun­gen und Natur­schutz Baden-Württem­berg; Eva Bell, Präsi­den­tin der Lan­des­an­stalt für Umwelt­mes­sun­gen Baden-Württem­berg; Hilde­gard ­Ge­r­e­cke, Polizei­prä­si­den­tin a. D.; Gerlinde Hämmerle, Regie­rungs­prä­si­den­tin a. D.; Heike Haseloff-Grupp, Präsi­den­tin ­des Landes­so­zi­al­ge­richts Baden-Württem­berg a. D.; Andrea Heck, Präsi­den­tin der Oberfi­nanz­di­rek­tion Karlsruhe; Nicolette Kressl, Regie­rungs­prä­si­den­tin; Bettina Limperg, Präsi­den­tin des Bun­des­ge­richts­ho­fes; Gudrun Schraft-Huber, Präsi­den­tin des Ver­wal­tungs­ge­richts Karlsruhe sowie von der Stadt Karlsruhe und vom Regie­rungs­prä­si­dium Karlsruhe. In diesem Jahr wurden 55 Be­wer­bun­gen einge­reicht, unter denen eine hochka­rä­tig besetz­te Fach­jury die Preis­trä­ge­rin auswählte. Die Auszeich­nung wird im Rahmen der Eröffnung der Ausstel­lung "Nina Laaf | tiptoe" in der Städti­schen Galerie Karlsruhe am Freitag, 4. Mai 2018 um 18 Uhr übergeben.

Eintritt: 3 € / 2 € ermäßigt

 

Nina Laaf: ohne Titel (Brandspur) | 2018 | Edelstahl gebrannt. Foto: Heinz Pelz

Nina Laaf: ohne Titel (Brandspur) | 2018 | Edelstahl gebrannt. Foto: Heinz Pelz


Nina Laaf: ich wär so gern ein Alphatier | 2017 | und: Alpha Etui | 2018 | Foto: Heinz Pelz

Nina Laaf: ich wär so gern ein Alphatier | 2017 | und: Alpha Etui | 2018 | Foto: Heinz Pelz


Nina Laaf: wenn die Achterbahn am höchsten Punkt verweilt... | 2018 | Styropor, Lack, Pigment, Gips | [Detail] Foto: Heinz Pelz

Nina Laaf: wenn die Achterbahn am höchsten Punkt verweilt... | 2018 | Styropor, Lack, Pigment, Gips | [Detail] Foto: Heinz Pelz


Nina Laaf: Faltung | 2018 | Kupferbleck, Lack. Foto: Heinz Pelz

Nina Laaf: Faltung | 2018 | Kupferbleck, Lack. Foto: Heinz Pelz