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Karlsruhe: Städtische Galerie

Wie Malerei? Lithografie um 1900

22. April bis 2. Juli 2006
Preiswerte Kunst für die breite Bevöl­ke­rung anzubieten, war eine sozial­re­for­me­ri­sche Idee am Ende des 19. Jahrhun­derts, der sich der Karlsruher Künst­ler­bund engagiert verschrie­ben hatte. Mit der Litho­gra­fie wählten die Künstler eine vergleichs­weise moderne druck­gra­fi­sche Technik, mit der man hohe Auflagen in gleich­blei­ben­der Qualität drucken konnte, die aber vor allem vielfäl­tige gestal­te­ri­sche Möglich­kei­ten bot: Sie bewahrt die Sponta­nei­tät und Unmit­tel­bar­keit der Handzeich­nung und entwickelt im Überein­an­der­dru­cken farbiger Platten hohe malerische Reize, außerdem ist es möglich, in dieser Technik großfor­ma­tige, bildmäßige Blätter herzu­stel­len.

Der am 25. April 1896 gegründete Karls­ru­her Künst­ler­bund war eine sezes­sio­nis­ti­sche Künstl­er­ge­mein­schaft. Zum Vorstand wurden der Akade­mie­pro­fes­sor Leopold von Kalckreuth und der Maler Friedrich Kallmorgen gewählt. Zu seinen Mitglie­dern zählten neben anderen Gustav Kampmann, Karl Biese, Jenny und Otto Fikent­scher sowie Hans Richard von Volkmann. Rasch richtete der Künst­ler­bund eine Druckerei für Litho­gra­fie ein, um einerseits Karlsruher Künstlern Erwerbs­mög­lich­kei­ten zu verschaf­fen und um anderer­seits den Bürgern preis­güns­ti­gen, aber künst­le­risch hochwer­ti­gen Wandschmuck zugänglich zu machen. Nachdem 1901 ein Vertrag mit den Leipziger Verlagen Teubner und Voigt­län­der über den Vertrieb von "Wand­schmuck für Schule und Haus" geschlos­sen werden konnte und sich die Teilnehmer auf dem ersten deutschen Kunst­er­zie­hungs­tag in Dresden 1901 lobend über die Karlsruher Initiative ausge­spro­chen hatten, fanden die Litho­gra­fien des Karlsruher Künst­ler­bun­des rasch deutsch­land­weit große Verbrei­tung. Darüber hinaus waren die Arbeiten auf der Weltaus­stel­lung in Paris 1900 zu sehen.

Ausgehend von den großfor­ma­ti­gen Blättern des Künst­ler­bun­des greift die Städtische Galerie Karlsruhe das Thema Litho­gra­fie um 1900 auf und zeigt die farbigen Drucke der Karlsruher Künstler im Vergleich zu den bedeu­tends­ten franzö­si­schen Vorbildern wie Henri de Toulouse-Lautrec oder Pierre Bonnard. Auch die gemein­sa­men gestal­te­ri­schen Vorbilder, japanische Farbholz­schnitte, werden in ausge­wähl­ten Beispielen präsen­tiert. Hinzu kommen Stein­dru­cke von Edvard Munch, Emil Nolde oder Ernst Ludwig Kirchner, die mit ihren expres­si­ven Formu­lie­run­gen weit in das 20. Jahrhun­dert hinein impuls­ge­bend wirkten.

Zur Ausstel­lung erscheint ein Katalog mit zahlrei­chen Farbab­bil­dun­gen.
 

Jenny Fikentscher, Malven, 1901/02, Farblithografie, 80,5 x 60 cm, Stadt Karlsruhe, Ortsverwaltung Grötzingen


Gustav Kampmann, Bergland im Schnee, 1901, Farblithografie, 55,5 x 75,5 cm, Privatbesitz Karlsruhe


Otto Fikentscher, Krähen im Schnee, o.D., Farblithografie, 55,7 x 75,5 cm, Städtische Galerie Karlsruhe, Inv.Nr. 98/44