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Karlsruhe: Städtische Galerie

Knautsch: Plastiken und Zeichnungen von Meuser

2. Juli bis 3. Oktober 2011

Das Material für seine abstrakt-konstruk­ti­ven Eisen­plas­ti­ken findet er auf Schrott­plät­zen, die Ideen für seine Werke entstehen oft erst im Blick auf die Fundstücke aus dem Abfall der Indus­trie­ge­sell­schaft: Seit den 1970er Jahren hat der Bildhauer Meuser aus T-Trägern, Gitter­ros­ten oder Metall­plat­ten ein gleicher­ma­ßen eigen­wil­li­ges wie wider­stän­di­ges Werk geschaffen, dass sich jeder eindeu­ti­gen Katego­ri­sie­rung und Regel­haf­tig­keit entzieht. Angesie­delt im Grenz­be­reich zwischen Skulptur, Malerei und Instal­la­tion, inspiriert von Konstruk­ti­vis­mus und Minimal Art, von Konkreter Kunst und Abstrakter Malerei entführen seine Objekte in eine eigen­tüm­lich sperrige Welt roher Materia­lien und nüchterner Formen, aus der alles illus­tra­tive verbannt ist. Einen spannungs­vol­len Kontrast hierzu bilden die erzäh­le­ri­schen, zwischen Poesie und Ironie oszil­lie­ren­den Titel seiner Werke. Fundstücke sind auch sie: Als Redewen­dun­gen oder Spezi­al­be­zeich­nun­gen aus einem konkreten Zusam­men­hang heraus­ge­nom­men, oft auf mensch­li­che Situa­tio­nen anspielend, beflügeln sie die Fantasie des Rezipi­en­ten und öffnen ein weites Feld möglicher Assozia­tio­nen.

Auf irritie­rend pragma­ti­sche Weise bedient sich Meuser der künst­le­ri­schen Strategien des Objets trouvé und der Collage, arbeitet mit vorge­fer­tig­ten und vorge­fun­de­nen Elementen, deren gestal­te­ri­sches Potential er nach verschie­de­nen Seiten auslotet. Mitein­an­der kombiniert und partiell bemalt, werden die Eisen­ble­che und Stahl­trä­ger zu völlig neuar­ti­gen Verbin­dun­gen zusam­men­ge­fügt bzw. in einen neuen räumlichen und seman­ti­schen Kontext überführt. Dabei sind die Elemente eines Werks nicht mehr einzeln, sondern in ihrer Gesamtheit als selbst­stän­dige Einheit wirksam.

Mit Ready-mades hat das nichts zu tun, im Gegenteil: "Das Ready-made ist", so sagt Meuser selbst, "etwas indus­tri­ell zu Ende Gefer­tig­tes, ich benutze nie Gegen­stände, die noch eine Funktion haben. Ich würde nie einen Kühlschrank nehmen, das wäre mir viel zu wirklich. Mich inter­es­siert Formen­spra­che nur, wenn ich sie wieder in etwas anderes übersetzen kann. Wenn ich Formen entdecke, die mir nicht geläufig, aber eine spezi­fi­sche Eigen­ar­tig­keit haben, dann inter­es­sie­ren sie mich. Diese Formen würden mir wohl nie in den Sinn kommen, wenn ich sie mir ausdenken müsste. In den Gegen­stän­den steckt immer etwas völlig anderes drin, das sich jemand anders ausgedacht hat."

Der einpräg­same, lautma­le­ri­sche Titel "Knautsch", den Meuser für diese Ausstel­lung wählte, verweist auf eine neue Werkgruppe, die hier erstmals in größerem Umfang vorge­stellt wird. Bevorzugte der Künstler bislang eine rational geome­tri­sche, klare und überschau­ba­re Formen­spra­che, so arbeitet er nun auch mit Gegen­stän­den, die unüber­seh­bare Spuren einer defor­mie­ren­den, zerstö­re­ri­schen Kräfte­ein­wir­kung aufweisen. Statt wie gewohnt die Härte und Wider­stän­dig­keit des Ausgangs­ma­te­ri­als zu betonen, lenkt Meuser die Aufmerk­sam­keit des Betrach­ters hier vor allem auf die Flexi­bi­li­tät, die Biegsam­keit und vermeint­li­che Weichheit seiner Fundstücke.

1947 in Essen geboren, studierte Meuser von 1968 bis 1975 bei Joseph Beuys und Erwin Heerisch an der Kunst­aka­de­mie Düsseldorf, absol­vierte außerdem ein Studium der Philo­so­phie, Kunst­wis­sen­schaft und Kunst­ge­schichte und lehrt - mit Wohnsitz und Atelier in Düsseldorf - seit 1992 als Professor an der Staat­li­chen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.

Die Ausstel­lung wurde - wie bereits die Präsen­ta­tion mit Werken von Hiromi Akiyama (1999/2000), Gerhard Mantz (2001/2002), Harald Klingel­höl­ler (2005), Günter Umberg (2006) und Sabine Funke (2009) - in enger Zusam­men­ar­beit und mit großzü­gi­ger Unter­stüt­zung des 1996 gegrün­de­ten Förder­kreis der Städti­schen Galerie Karlsruhe realisiert.

 

Meuser, Drehkreuz Baldeneysee, 2009, Stahl, Öl, 2 Teile, 145 x 136 x 73 cm, courtesy Galerie Meyer Riegger Karlsruhe und Berlin

Meuser, Drehkreuz Baldeneysee, 2009, Stahl, Öl, 2 Teile, 145 x 136 x 73 cm, courtesy Galerie Meyer Riegger Karlsruhe und Berlin



Meuser, Knautsch, 2009, Stahl, Öl, 40 x 70 x 33 cm, courtesy Galerie Gisela Capitain Köln

Meuser, Knautsch, 2009, Stahl, Öl, 40 x 70 x 33 cm, courtesy Galerie Gisela Capitain Köln



Meuser, Ohne Titel, 2003, Mischtechnik auf Papier, 22 x 32 cm, courtesy Galerie Meyer Riegger Karlsruhe und Berlin

Meuser, Ohne Titel, 2003, Mischtechnik auf Papier, 22 x 32 cm, courtesy Galerie Meyer Riegger Karlsruhe und Berlin