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Karlsruhe: Städtische Galerie

Mit Karl Weysser unterwegs

1. August 2018 bis Frühjahr 2019

Seine Stadt­an­sich­ten mit wink­li­gen alten Gassen und maleri­schen Archi­tek­tur­de­tails fanden e­benso wie seine stimmungs­vol­len Reiseim­pres­sio­nen aus dem Rhein- und Moseltal, aus dem Elsass oder aus Tirol nicht nur bei seinen Zeitge­nos­sen große Anerken­nung. Sie gelten auch heute noch als heraus­ra­gende Beispiele einer bewusst unpathe­ti­schen und zugleich subtilen Schil­de­rung von Natur und Landschaft. Gemeint ist der 1833 in Durlach bei Karlsruhe geborene, oft als "­ba­di­scher Spitzweg" bezeich­nete Maler Karl Weysser, dem die Städ­ti­sche Galerie Karlsruhe nun erstmals eine Ausstel­lung mit mehr als 40 Ölstudien und Gemälden aus dem eigenen, etwa 300 Bilder und Zeich­nun­gen umfas­sen­den Bestand widmet. Die Werkschau ­des Künstlers, der zu den bedeu­tends­ten Archi­tek­tur­ma­lern der zwei­ten Hälfte des

19. Jahrhun­derts gehört, befindet sich in unmit­tel­ba­rer Nähe zur neu einge­rich­te­ten Dau­er­aus­stel­lung mit Exponaten aus der Zeit von 1850 bis 1950, in der u. a. Weyssers Lehrer Johann Wilhelm Schirmer sowie seine ­Stu­dien­kol­le­gen Hans Thoma und Emil Lugo vertre­ten ­sind.

Auf Wunsch seiner Eltern - der Vater Friedrich Wilhelm Weysser war ein gutsi­tu­ier­ter Kaufmann, außerdem Stadtrat und Bürger­meis­ter von Durlach - absol­vier­te ­der junge Karl Weysser zunächst ein Mathematik- und Ma­schi­nen­bau­stu­dium am Karlsruher Polytech­ni­kum (heute KIT) und an der Berliner Bauaka­de­mie. 1855 wechselte er an die neu­ge­grün­dete Kunst­schule in Karlsruhe und wandte sich als Schü­ler von Ludwig Des Coudres, Johann Wilhelm Schirmer und Hans Fre­drik Gude der Landschafts­ma­le­rei zu. Unter­bro­chen von zwei län­ge­ren Aufent­hal­ten in München schloss Weysser 1865 seine ­künst­le­ri­sche Ausbildung in Karlsruhe ab und war bis zu seinem Tod 1904 als freier Maler und Zeichner tätig.

Zeit seines Lebens unternahm er zahl­rei­che Reisen - mehr als 50 zum Teil ausge­dehn­te ­Stu­di­en­auf­ent­halte führten ihn an unter­schied­lichste Orte im süd­west­deut­schen Gebiet und im grenznahen deutsch­spra­chi­gen Aus­land, u. a. an den Bodensee, in den Schwarz­wald und Odenwald, in die Pfalz, an Neckar, Mosel und Main oder von München bis nach Südtirol. Seiner badischen Heimat blieb Weysser jedoch s­tets eng verbunden: Seit Beginn seiner Tätigkeit als frei­schaf­fen­der Künstler lebte er abwech­selnd in Karlsruhe und Dur­lach (1865-1870, 1875-1879, 1890-1895), in Baden-Baden (1884-1890) und in Heidel­ber­g (1879-1884, 1895-1904). Sein umfang­rei­ches Werk - erhalten sind mehr als 3 200 Zeich­nun­gen sowie etwa 700 Ölgemälde und Studien - zeugt von einer gleicher­ma­ßen beharr­li­chen wie beein­dru­cken­den ­Schaf­fens­kraft.

Stehen die frühen Bilder der 1860er-Jahre im Hinblick auf ihre dunkle Tonigkeit und die de­tail­rei­che Wiedergabe der Motive teilweise noch deutlich unter dem Einfluss des Lehrers Schirmer, so entwi­ckelte sich Weysser­s ­Mal­weise bald mehr und mehr in eine freiere Richtung mit auf­ge­hell­ter Palette und großzügig skizzie­ren­der Pinsel­schrift. Mit Vorliebe wandte er sich alltäg­li­chen, im damali­gen ­Kunst­ver­ständ­nis geradezu anspruchs­lo­sen Motiven zu, deren un­ter­schied­li­che Stoff­lich­kei­ten er so subtil wie virtuos in vor­wie­gend kleinen Formaten festhielt. Dabei erweisen sich seine ­Land­schafts- und Archi­tek­tur­dar­stel­lun­gen ebenso wie die eher ­sel­te­nen Genres­ze­nen immer wieder als überra­schend modern - nicht nur im Hinblick auf die Leich­tig­keit und Frische des Farb­auf­trags oder die Wahl der schlichten Sujets, sondern auch in der Bevor­zu­gung außer­ge­wöhn­li­cher, fast fotogra­fisch an­mu­ten­der Bildaus­schnitte und spannungs­voll insze­nier­ter ­De­tails.

Kein Wunder, dass sein ­be­son­de­res Gespür für reizvolle Motive und atmosphä­ri­sche ­Stim­mun­gen, seine koloris­ti­sche Begabung und der duftige Duktus ­sei­ner Malerei bereits beim zeitge­nös­si­schen Publikum bleiben­den Ein­druck hinter­lie­ßen. In der genauen Beobach­tung des Lichts im Wechsel der Tages- und Jahres­zei­ten entwi­ckelte Weysser eine ganz besondere Meister­schaft - seien es der 1879 entstan­de­ne "Blick von der Murg hinauf auf die Häuser von Gernsbach" an einem heiteren Frühlings­tag, die im Jahr zuvor gemalte, in neblig-trübes Winter­licht getauchte Ansicht des "Basler Torturms in Durlach mit Turmberg im Schnee" oder die wunder­ba­re ­Som­mer­stim­mung auf der "Baden-Badener Schlos­ster­rasse mit Blick auf die Villa Krupp", die der Künstler in Jahr 1883 einge­fan­gen hat.

 

Karl Weysser - Baden-Baden

Karl Weysser, Baden-Baden. Schlossterrasse mit Blick auf die Villa Krupp, 1883. Foto: Heinz Pelz

Karl Weysser - Mannenbach

Karl Weysser, Mannenbach. Landungssteg am Bodensee, 1876. Foto: Heinz Pelz

Karl Weysser - Südtirol

Karl Weysser, Klausen in Südtirol. Eingangstor mit drei Zinnen der Fragburg, 1869. Foto: Heinz Pelz