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Karlsruhe: Städtische Galerie

Mut zur Freiheit

Informel aus der Sammlung Anna und Dieter Grässlin im Dialog

16.12.2017 - 11.03.2018


Krustige Oberflä­chen, verlau­fende Farbspuren, Chaos und Struktur: In der Kunst des In­for­mel, der Avantgarde der 1950er-Jahre, waren die Zer­stö­run­gen durch den Zweiten Weltkrieg noch präsent. Nach Jah­ren der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Mal- und Denkver­bote begann nach 1945 insbe­son­dere für die deutschen Künstler eine Phase des Auf­bruchs und der Neuori­en­tie­rung. Sie schöpften aus den Er­run­gen­schaf­ten der klassi­schen Moderne, vernetzten sich in Künstler­grup­pen und setzten sich intensiv mit der zeit­ge­nös­si­schen Szene in Paris und den USA ausein­an­der. Von der damals noch vorherr­schen­den gegen­ständ­li­chen Malerei wandten sie sich ebenso ab wie von der geome­tri­schen Abstrak­tion der Vor­kriegs­jahre. Statt­des­sen betonten sie mit ihrer Kunst die in­di­vi­du­elle Geste, die sich keinen festen Regeln un­ter­warf.

Das Unter­neh­mer­ehe­paar Anna und Dieter Grässlin aus St. Georgen im Schwarz­wald begann in den 1970er-Jahren, eine bedeutende Sammlung infor­mel­ler Kunst­ auf­zu­bauen, die mit hochka­rä­ti­gen Werken das breite Spektrum der Aus­drucks­for­men vor Augen führt. Dazu zählen Gemälde und drei­di­men­sio­nale Objekte ebenso wie Arbeiten auf Papier. Mit rund hundert Exponaten aus den Jahren 1946 bis 1974 präsen­tier­t ­die Ausstel­lung erstmals die Vielge­stal­tig­keit dieser Sammlung. Ausgehend von Bildern Jean Fautriers und Wols', die als Weg­be­rei­ter der freien gestischen Malerei in die Kunst­ge­schich­te ein­gin­gen, umfasst die Sammlung heraus­ra­gende Arbeiten von Peter ­Brü­ning, Carl Buchheis­ter, K. F. Dahmen, Rupprecht Geiger, K. O. Götz, Otto Greis, Erich Hauser, Gerhard Hoehme, Bernard ­Schultze, Emil Schumacher, K. R. H. Sonderborg und Fred Thieler. Dabei wird ­deut­lich, wie facet­ten­reich und innovativ diese Kunst­rich­tung war. An die Stelle der klassi­schen Maltech­ni­ken traten neue ­Me­tho­den: Karl Otto Götz entwi­ckelte mithilfe der Kleis­ter­far­be eine Art Schnell­ma­le­rei, Bernard Schultze verwendete pflanz­li­che ­Ma­te­ria­lien in seiner Kunst, Gerhard Hoehme schuf as­so­zia­ti­ons­rei­che Bild-Text-Kompo­si­tio­nen.

In der Ausstel­lung wird an­schau­lich, welche Bedeutung die Vernetzung und der in­ter­na­tio­nale Austausch für diese Künstl­er­ge­ne­ra­tion in den Nach­kriegs­jah­ren hatten. So lassen sich neben vielen freund­schaft­li­chen Bezie­hun­gen auch zahlreiche Bezüge zur zeit­ge­nös­si­schen Musik und Literatur erkennen. Die Zentren der in­for­mel­len Nachkriegs­a­vant­garde lagen in München, Frankfurt am Main und Düsseldorf, wo sich die Künstler­grup­pen ZEN 49, Quadriga und die Gruppe 53 bildeten. Anhand ausge­wähl­ter ­Ex­po­nate aus dem Bestand der Städti­schen Galerie Karlsruhe wird die besondere Situation im deutschen Südwesten näher beleuchtet. Speziell in Karlsruhe nahm die Kunst nach 1945 andere Wege als in den genannten westdeut­schen Zentren. In Ausein­an­der­set­zung ­mit dem Informel entwi­ckelte sich hier die Neue Figuration. In einem spannenden Dialog mit der Sammlung Anna und Dieter ­Gräss­lin sind Werke von Max Ackermann, Horst Antes, Hans ­Baschang, Willi Baumeister, Julius Bissier, HAP Grieshaber, Peter Herkenrath, Herbert Kitzel, Georg Meister­mann, Karlheinz O­ver­kott, Georg Karl Pfahler, Lothar Quinte, Heinz Schanz u. a. vertreten.

Die Ausstel­lung wurde in Ko­ope­ra­tion mit dem Mittel­rhein-Museum Koblenz vorbe­rei­tet. In Karls­ruhe wird die Präsen­ta­tion mit erwei­ter­ter Konzep­tion ­ge­zeigt.


Begleitprogramm

17. Januar 2018, 18 Uhr

Kurato­ren­füh­rung mit Ines Heisig M. A., Mittel­rhein-Museum Koblenz, und Christina Korzen M. A., Städ­ti­sche Galerie Karlsruhe

24. Januar 2018, 18 Uhr

"Einen Hang zur Kunst …"

Bärbel Grässlin, Galeristin in Frankfurt am Main und Tochter des Samm­ler­ehe­paa­res, im Gespräch mit der Kuratorin Christina Korzen M. A.

31. Januar 2018, 18 Uhr

"Träumen und handeln - Das Informel vor dem Hinter­grun­d ­des Zweiten Weltkrie­ges"

Exper­ten­füh­rung mit Janina Klein M. A., Dokto­ran­din am Gra­du­ier­ten­kol­leg "Euro­päi­sche Traum­kul­tu­ren" an der Univer­si­tät ­des Saarlan­des

28. Februar 2018, 18 Uhr

"Infor­melle Kunst - eine Kunst der Freiheit?"

Exper­ten­füh­rung mit Prof. Dr. Christoph Zuschlag, Professor am In­sti­tut für Kunst­wis­sen­schaft und Bildende Kunst der U­ni­ver­si­tät Koblenz-Landau

 
 

Peter Brüning – Ohne Titel, 1960  |  © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Peter Brüning – Ohne Titel, 1960 | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Peter Brüning Ohne Titel


Carl Buchheister - Komposition Changvil, 1960  |  © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Carl Buchheister - Komposition Changvil, 1960 | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Buchheis­ter Kompo­si­tion Changvil


Karl Otto Götz - Metsa, 1961  |  © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Karl Otto Götz - Metsa, 1961 | © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Götz Metsa