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Karlsruhe: Städtische Galerie

Von der Zeichnung zur Installation

Hanna Nagel und die Hanna-Nagel-Preisträgerinnen

12. Mai bis 5. August 2007

"Ich zeichne, weil es mein Leben ist." Dieser Ausspruch der pas­sio­nier­ten Zeichnerin und Grafikerin Hanna Nagel (1907 - 1975), deren Geburtstag sich 2007 zum 100. Mal jährt, kann als Leit­mo­tiv ihres gesamten künst­le­ri­schen Werks verstanden werden. 1907 in Heidelberg geboren, studierte sie ab 1925 an der Kunst­aka­de­mie in Karlsruhe, damals ein weithin ausstrah­len­des ­Zen­trum des Verismus und der Neuen Sachlich­keit. Geprägt von ihrem Lehrer Karl Hubbuch, stehen auch Hanna Nagels frühe ­Ar­bei­ten unter dem Vorzeichen einer kriti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit der zeitge­nös­si­schen Wirklich­keit. In ihren Litho­gra­fien thema­ti­siert sie vorzugs­wei­se ­zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen, etwa das Verhältnis zwischen ­Mann und Frau, aber auch ihre eigene Rolle als Frau in der Ge­sell­schaft. Während ihrer Ausbil­dungs-zeit in Karls­ru­he ent­stan­den außerdem zahlreiche Studien nach Akade­mie­mo­del­len: In scho­nungs­lo­ser Direktheit - oftmals bis an die Grenzen der Ka­ri­ka­tur - hat sie auf diesen ausdrucks­star­ken Blättern ihr je­wei­li­ges Gegenüber mit dem Zeichen­stift festge­hal­ten.

1929 siedelte Hanna Nagel mit ihrem Studien­kol­le­gen und späte­ren E­he­mann Hans Fischer nach Berlin über, wo sie ihr Studium bei Emil Orlik und Hans Meid fortsetzte. Die Tuschfeder wurde nun ihr bevor­zug­tes künst­le­ri­sches Ausdrucks­mit­tel, inner­halb ­kür­zes­ter Zeit entwi­ckelte sie darin eine meister­haf­te ­Per­fek­tion. Mit der Änderung der Zeichen­tech­nik war mehr und mehr auch eine Änderung ihres Stils verbunden. Die Darstel­lun­gen je­ner Schaf­fen­s­phase wirken weicher und zunehmend entrückter. Speziell die sogenann­ten "dunklen Blätter", die haupt­säch­lich nach 1933 entstanden, zeichnen sich durch eine roman­ti­sche, traum­hafte Note aus. Besonders faszi­nie­rend ist die umfang­rei­che ­Se­rie der ab 1930 reali­sier­ten autobio­gra­phisch gepräg­ten ­Ar­bei­ten, in denen sie ihre unter­schied­li­chen Rollen als Künst­le­rin, Ehefrau und Mutter mit frappie­ren­der Offen­heit ­re­flek­tiert.

In Erinnerung und als besondere Wertschät­zung für die Zeich­ne­rin ­stif­te­ten fünf in Karlsruhe tätige Präsi­den­tin­nen den "Hanna-Nagel-Preis" zur Förderung von Künst­le­rin­nen über 40 Jahren. Seit 1998 wird er jährlich an eine heraus­ra­gen­de ­Künst­le­rin aus dem Regie­rungs­be­zirk Karlsruhe verliehen. Aus Anlass des 100. Geburts­ta­ges von Hanna Nagel werden nun zum ersten Mal Arbeiten aus ihrer Frühzeit, nämlich Zeich­nun­gen und Druck­gra­fi­ken aus den Jahren 1927 bis 1933, gemeinsam mit Werken der bislang neun Preis­trä­ge­rin­nen der nach ihr benann­ten ­Aus­zeich­nung gezeigt.

Die für die Präsen­ta­tion in der Städti­schen Galerie Karls­ru­he ­aus­ge­wähl­ten Arbeiten der Hanna-Nagel-Preis­trä­ge­rin­nen bieten ei­nen spannungs­rei­chen Bogen­schlag von der gestisch-expres­si­ven ­Ma­le­rei über eine archai­sie­rende Figuren­spra­che bis hin zu geo­me­trisch-konstruk­ti­ven Werken. Während die aus kubischen Höl­zern addierten Formen der Bildhaue­rin Gerlinde Fertig (1998) an mensch­li­che Figuren, aber auch an Archi­tek­tur erinnern, model­lierte Hannelore Neeb (2000) organische Gebilde mit Ver­äs­te­lun­gen, Auswüchsen und polypen­ar­ti­gen Verwach­sun­gen, die sie in Kunststoff goss. In letzter Zeit verwirk­licht sie ihre ­phan­ta­sie­vol­len Schöp­fun­gen allein in der Zeichnung. Als Ma­te­rial­col­la­gen entstehen die meist raumbe­zo­ge­nen In­stal­la­tio­nen Barbara Denzlers (2006). In der Malerei reicht das Spektrum der Preis­trä­ge­rin­nen von den ex­pres­siv-gegen­ständ­li­chen Gemälden Gabi Streiles (2002) über die abstrakt-infor­mel­len Bildstruk­tu­ren Elke Wrees (2004) zu den streng geome­trisch abgegrenz­ten, pulsie­ren­den Farbfel­dern Sabine ­Fun­kes (2005). Ebenfalls der geome­trisch-konkreten Formen­spra­che ­ver­haf­tet sind die Gemälde und Objekte Bernadette Hörder­s (2003). Sybille Wagner (1999) verbindet in ihren Arbei­ten ­Ma­le­rei und Plexiglas und gelangt so zu einer ganz eigenen ­Leucht­kraft der Farbe. Ursula Fleisch­mann (2001) thema­ti­siert in ma­le­ri­schen Fotogra­fien, die sie zu Instal­la­tio­nen zusam­men­fügt, die unmit­tel­bare Präsenz von Menschen und Dingen sowie den Reiz der Vergäng­lich­keit.