Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt.

Karlsruhe: Städtische Galerie

"...12 Minuten von Karlsruhe" - Die Grötzinger Malerkolonie

10. Juli bis 5. Oktober 2014
Wie in Worpswede, Dachau und Willings­hau­sen entstand im ausge­hen­den 19. Jahrhun­dert auch in Grötzingen eine "Künst­ler­ko­lo­nie". Vor 125 Jahren entdeckten einige Maler das Dorf an der Pfinz für sich, ließen sich dort nieder und hielten gleich­zei­tig engen Kontakt zur nahe gelegenen badischen Residenz­stadt. 1889 bezog das Künst­ler­paar Friedrich Kallmorgen und Marga­rethe Hormuth-Kallmorgen sein neu erbautes Sommerhaus in der dörflichen Idylle. Wenig später erwarb Otto Fikent­scher die Augus­ten­burg, das alte markgräf­li­che Schloss, wo er mit seiner Frau Jenny Fikent­scher und ihrem Halbbru­der Gustav Kampmann lebte und arbeitete. Weitere Künstler wie Franz Hein und Karl Biese zogen ebenfalls dort ein. Ihre Kollegen Eduard Euler, Carl Langhein und Hans Richard von Volkmann pflegten zeitweise regen Austausch mit den "Gröt­zin­gern". Ausge­bil­det an der Großher­zog­li­chen Badischen Kunst­schule in Karlsruhe, in der Mehrzahl bei Gustav Schönleber, widmeten sie sich vorwiegend der Landschafts­ma­le­rei. Alle engagier­ten sich beim Karlsruher Künst­ler­bund und die meisten schufen Litho­gra­fien, die über die Grenzen des deutschen Reiches hinaus große Anerken­nung fanden. Bald nach der Jahrhun­dert­wende verließen die ersten Maler Grötzingen: 1902 erhielt Friedrich Kallmorgen einen Ruf an die Berliner Kunst­aka­de­mie und 1905 wurde Franz Hein an die Königliche Akademie der grafischen Künste nach Leipzig berufen.

Anlässlich ihres 125-jährigen Jubiläums 2014 widmen sich zahlreiche Veran­stal­tun­gen der Grötzin­ger Maler­ko­lo­nie. Teil des umfang­rei­chen Festpro­gramms ist auch die Ausstel­lung in der Städti­schen Galerie Karlsruhe. Eine Auswahl von etwa 100 Gemälden, Zeich­nun­gen und Litho­gra­fien aus dem Bestand des kommunalen Museums, ergänzt durch private Leihgaben, zeigt die facet­ten­rei­che Themen­viel­falt der Grötzin­ger Künstler: Szenen des dörflichen Alltags und die Natur als Lebensraum für Tiere gehören ebenso dazu wie Burgen und Ruinen als Projek­ti­ons­flä­chen nationaler Identi­täts­su­che oder die Darstel­lung der Künstler als Reisende. Blumen­ge­binde im Innenraum und blühende Pflanzen in der Landschaft waren das vorherr­schende Thema der Künst­le­rin­nen. Jahres- und Tages­zei­ten im steten Wandel, der Reiz des Mondlichts und der flüch­ti­gen Himmels­er­schei­nun­gen spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die Reduzie­rung der Farbigkeit zu monochro­mer Ton in Ton-Malerei, vor allem in Darstel­lun­gen des Winters.

Die Ausstel­lung beginnt mit beispiel­haf­ten Gemälden von Gustav Schönleber, Hermann Baisch, Hans Thoma und Ferdinand Keller, die die "Gröt­zin­ger" als Profes­so­ren und Künstler beein­fluss­ten. Besonders Schön­le­bers Freilicht­ma­le­rei mit ihren Farb- und Licht­wir­kun­gen vermit­telte den jungen Malern wegwei­sende Impulse. Im Mittel­punkt der Präsen­ta­tion steht die indivi­du­el­le Ausein­an­der­set­zung der Künstler und Künst­le­rin­nen mit der Landschaft sowie ihre an der Natur orien­tierte, jedoch jeweils indivi­du­elle Naturauf­fas­sung. Die Kunstwerke leben vom Reiz der direkten Anschauung und geben Wetter­stim­mun­gen und Licht­si­tua­tio­nen mit einer besonderen atmosphä­ri­schen "Einfüh­lung" wieder. Der Rundgang endet mit Gemälden und Grafiken, die licht­durch­flu­tete Landschaf­ten zeigen. Diese halten den Blick in weitläu­fige Naturräume fest und beschrei­ben den Zauber landschaft­li­cher Schönheit.


Begleitheft zur Ausstellung (PDF, 197 KB)

 

Friedrich Kallmorgen Die Kriegsstraße im Schnee, Öl auf Leinwand, 1895

Friedrich Kallmorgen Die Kriegsstraße im Schnee, Öl auf Leinwand, 1895


Otto Fikentscher, Krähen im Schnee, Farblithografie, undatiert

Otto Fikentscher, Krähen im Schnee, Farblithografie, undatiert


Franz Hein, Aschenbrödel oder Das Fest am Schloss, Öl auf Leinwand, Privatbesitz

Franz Hein, Aschenbrödel oder Das Fest am Schloss, Öl auf Leinwand, Privatbesitz


Friedrich Kallmorgen, Badisches Dorf, 1898, Lithografie

Friedrich Kallmorgen, Badisches Dorf, 1898, Lithografie