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Karlsruhe: Städtische Galerie

fotokunst aus der sammlung

23. Juli bis 30. Oktober 2016

Ohne Frage ist die Fotografie ein allge­gen­wär­ti­ges Medium. In vielen Bereichen wird ihr eine bedeutende Rolle zugespro­chen, in der Werbung, der Mode und im Journa­lis­mus, in Museen und Ar­chi­ven, für die Dokumen­ta­tion von persön­li­chen als auch ­ge­schicht­li­chen Ereig­nis­sen und nicht zuletzt in der Bilden­den ­Kunst. Lange Zeit galt die Fotografie nicht als anerkann­te ­Kunst­gat­tung. Ihre Akzeptanz musste sie sich erst erkämpfen. Doch übt sie seit mehr als 175 Jahren eine geradezu magische ­An­zie­hungs­kraft auf Kunst­schaf­fende aus.

In einer umfang­rei­chen Überblicks­schau werden verschie­de­ne ­fo­to­gra­fi­sche Positionen aus den Beständen der Städti­schen ­Ga­le­rie Karlsruhe präsen­tiert. Dazu gehören die Kunst­samm­lung von Ute und Eberhard Garnatz wie auch die Stiftung Fotogra­fi­sche Werke Sigmar Polke aus der Sammlung Garnatz. Das Sammler­ehe­paar er­kannte früh das Potenzial der Fotografie und trug mit Gespür für Qualität, mit Mut und Konsequenz Werke renom­mier­ter ­Künst­le­rin­nen und Künstler zusammen. Sie legten eine Kollek­tion an, die signi­fi­kante Entwick­lun­gen der Fotografie aufzeigt. Im Mit­tel­punkt stehen die Kölner und Düssel­dor­fer Kunstszene mit Bernd und Hilla Becher, die ihre unver­wech­sel­bare Sprache an ihre Schüle­rin­nen und Schüler, u. a. an Andreas Gursky, Candi-da Höfer, Axel Hütte, Thomas Ruff und Thomas Struth weiter­ga­ben. Auch Licht­bild­se­rien von Anna und Bernhard Blume, Jürgen Klauke und experimen-telle Fotokunst von Sigmar Polke und Arnulf Rainer ­so­wie Schwarz-Weiß-Portraits von Benjamin Katz sind Teil der Samm­lung. Die Präsen­ta­tion zeigt inter­na­tio­nal etablierte sowie aus Karlsruhe und Umgebung stammende Künst­le­rin­nen und Künst­ler und bietet einen reprä­sen­ta­ti­ven Überblick über den reichen ­Be­stand der Sammlung. Es finden sich unter­schied­li­che ­Fo­to­auf­fas­sun­gen, ein varia­ti­ons­rei­ches Spektrum an Motiven und eine große Vielfalt in der angewand­ten Technik und Arbeits­wei­se vor­wie­gend von den späten 1960er Jahren bis zur unmit­tel­ba­ren ­Ge­gen­wart.

Der Rundgang durch die in fünf thema­ti­sche Abtei­lun­gen ­ge­glie­derte Ausstel-lung - mit spannenden Einzel­po­si­tio­nen - beginnt mit der bildlichen Dokumen­ta­tion künst­le­ri­scher ­Per­for­mance und Instal­la­tion. Jedoch sind diese ­Fo­to­gra­fien nicht allein als Zeugnis physisch abwesender Werke oder vergan­ge­ner Aktionen zu betrachten, ihnen ist vielmehr ein u­n­ab­hän­gi­ger künst­le­ri­scher Wert eigen. Anna und Bernhard Blume ­bei­spiels­weise hinter­fra­gen mit skurrilen und von Dop­pel­deu­tig­keit geprägten Insze­nie­run­gen die schein­ba­re ­Ob­jek­ti­vi­tät der Fotografie, Jürgen Klauke thema­ti­siert mit seinen Fotose­quen­zen gesell­schaft­li­che Zwänge und Normen.

Im offenen Lichthof werden die weiteren vier Themen­fel­der mit groß­for­ma­ti­gen Werken und Serien aus der Sammlung und Stiftung ­Gar­natz präsen­tiert und strahlen von dort in die umlie­gen­den Räume aus. Auch stehen sich hier zwei unter­schied­li­che ­Po­si­tio­nen gegenüber: die konzep­tu­elle und die experi­men­tel­le ­Fo­to­gra­fie.

Einen großen Bereich nimmt die sachlich-dokumen­ta­ri­sche Aufnah­me im Außenraum ein. Gezeigt werden typolo­gi­sche ­Se­rien von Indus­trie­bau­ten der Bechers, die alle konsequent den glei­chen Prinzipien folgen, aber auch urbane Landschaf­ten, städ­ti­sche Impres­sio­nen und Phänomene sind zu sehen.

Der Rundgang führt weiter zu Arbeiten, die den privaten und öf­fent­li­chen Innenraum - Ausblick als Bild­in­halt haben. Candida Höfer wandte sich in den 1980er Jahren der fotogra­fi­schen Wiedergabe von Innen­räu­men zu. Umfangrei-che Serien zu Biblio­the­ken, Kurhäusern, Hörsälen, Konzert­häu­sern, Cafés oder Museen entstanden. Nicht nur der Raum und seine ­Funk­tion, sondern auch die Ausein­an­der­set­zung mit struk­tu­rel­len ­Ele­men­ten, poetischen Annäh­run­gen und die Wechsel­be­zie­hung von Innen- und Außenraum sind für zahlreiche Kunst­schaf­fende Thema.

In der nächsten Abteilung steht der Mensch im Fokus. Die einstige Reportage-fotografin der FAZ, Barbara Klemm, hält in einfühl­sa­men schwarz-weißen Portraits Künstler, Musiker und Intel­lek­tu­elle fest, während Benjamin Katz mit seinen Schnapp­schüs­sen eindrucks­volle Einblicke in die Kölner Kunst­welt ­der 1970er und 1980er Jahre liefert. Doch nicht nur at­mo­sphä­risch dichte, subjektive Darstel­lun­gen, sondern auch sach­lich-objektive Aufnahmen von Personen werden ausge­stellt.

Den Abschluss des Rundganges bilden experi­men­tel­le ­Fo­to­ar­bei­ten. Ein bedeu­ten­der Vertreter dieser Gruppe ist Sigmar Polke. Herkömm­li­che, handwerk­li­che Regeln werden ­be­wusst negiert. Mit großer Freiheit und unkon­ven­tio-nellen ­Me­tho­den verhandeln die Künst­le­rin­nen und Künstler die u­ner­schöpf­li­chen Möglich­kei­ten der Bildge­stal­tung neu. Die Ex­pe­ri­mente reichen von kameralos herge­stell­ten Fotogram­men, Mani­pu­la­tio­nen und Bemalungen über Unter­bre­chun­gen des Ent­wick­lungs­pro­zes­ses bis hin zu speziellen Fotoko­pier­tech­ni­ken. Allzu schnelle Gewiss­hei­ten und Sehge­wohn­hei­ten werden mit spie­le­ri­scher Leich­tig­keit ins Wanken gebracht.

Die etwa 140 Exponate umfassende Auswahl offeriert in dieser ­Zu­sam­mens­tel-lung, die Vertrautes, Fremdes und Unerwar­te­tes ­bein­hal­tet, neue Anschau­ungs- und Denkräume. Die Aufmerk­sam­keit wird nicht nur auf das jeweils Besondere einer Fotoar­beit ­ge­lenkt, auch überra­schende Dialoge und Wechsel­wir­kun­gen stehen im Blickfeld.

Ausge­stellte Künstler und Künst­le­rin­nen

Dirk Altenkirch | Bernd und Hilla Becher | Boris Becker | Diethard Blaudszun | Anna und Bernhard Blume | Mona Breede | Ralf Cohen | Walter Dahn | Simone Demandt | Carine Doerf­lin­ger | Susanne Egle | Katrin Eschenberg | Gina Lee Felber | Gerlin­de ­Fer­tig | Ursula Fleisch­mann | Ute Gänssle | Constanze Greve | Andreas Gursky | Axel Heil | Franz E Hermann | Candida Höfer | Axel Hütte | Benjamin Katz | Karin Kieltsch | Jürgen Klauke | Astrid Klein | Barbara Klemm | Eva-Maria Lopez | Agnes Märkel | Gerhard Mantz | Thilo Mechau | Augustina von Nagel | ONUK | Axel ­Phil­ipp | Sigmar Polke | Chris Popovic | Arnulf Rainer | Alber­t Ren­ger-Patzsch | Tata Ronkholz | Ulrike Rosenbach | Daniel Roth | Thomas Ruff | Myriam Schahabian | Sibylle Schlageter | Daniel ­Sig­loch | Thomas Struth | Timm Ulrichs | Marijke van Warmerdam | pe wolf | Jan Zappe

Stiftung Fotografische Werke Sigmar Polke

 

Barbara Klemm, Leonid Breschnew, Willy Brandt, Bundeskanzleramt Bonn, 1973, Schwarzweißfotografie, Städtische Galerie Karlsruhe, © Barbara Klemm, Frankfurt/Main

Barbara Klemm, Leonid Breschnew, Willy Brandt, Bundeskanzleramt Bonn, 1973, Schwarzweißfotografie, Städtische Galerie Karlsruhe, © Barbara Klemm, Frankfurt/Main


Bernd und Hilla Becher, Jarny, Lothringen, 1985, Schwarzweißfotografie (10-teilig), Städtische Galerie Karlsruhe, Sammlung Garnatz, Foto: Heinz Pelz, Karlsruhe

Bernd und Hilla Becher, Jarny, Lothringen, 1985, Schwarzweißfotografie (10-teilig), Städtische Galerie Karlsruhe, Sammlung Garnatz, Foto: Heinz Pelz, Karlsruhe


Bernhard Schmitt, Ohne Titel (London), 2004, Farbfotografie, Städtische Galerie Karlsruhe

Bernhard Schmitt, Ohne Titel (London), 2004, Farbfotografie, Städtische Galerie Karlsruhe