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Karlsruhe: Städtische Galerie

Andreas Arndt

HAND IN HAND

6. Februar - 5. Mai 2019

In seiner Ausstel­lung HAND IN HAND in der Städti­schen Galerie ­Karls­ruhe erforscht Andreas Arndt den Einfluss des Hapti­schen auf die mensch­li­che Intel­li­genz und damit auch auf die Kunst. Die Schau findet im Rahmen der Vergabe des Kunst­prei­ses der Werner-Stober-Stiftung 2018 statt. Aus diesem Anlass entwi­ckel­te ­der Künstler diverse Versuchs­an­ord­nun­gen und ein Symposion, das in einem experi­men­tel­len Setting stattfand. Im Format "Aus­stel­lung" führt der Künstler die im Rahmen des Projekt­s ent­stan­de­nen Zeich­nun­gen, Objekte und eine Video-Dokumen­ta­tion ­des Symposions zusammen.

Am Anfang stand die Frage, in welchem Verhältnis Hand und Gehirn ­zu­ein­an­der stehen, wie sich Haptik und Denken wechsel­sei­tig ­be­ein­flus­sen. Die Ausstel­lung HAND IN HAND greift dieses ­Phä­no­men auf. Vorlage der Arbeit von Andreas Arndt ist eine ­Ver­suchs­an­ord­nung des Neurologen Prof. Dr. Olaf Blanke an der Po­ly­tech­ni­schen Univer­si­tät in Lausanne, in der Out-of-Body-Experi­ences erzeugt werden. Für die Ausstel­lung ­baute er drei unter­schied­li­che Appara­tu­ren, die eine ­selbst­be­stimmte und zugleich medial vermit­telte Berührung des ei­ge­nen Rückens ermög­li­chen. Professor Blanke wurde zu dem in­ter­dis­zi­pli­nären Symposion eingeladen, das jedoch in einer an­de­ren Version realisiert wurde. An die Stelle der akade­mi­schen ­Ver­an­stal­tung trat ein Gespräch, das selbst zum Experi­ment wurde. Es fand auf einer Drehbühne statt, einige Teil­neh­mer*in­nen wurden durch Puppen vertreten. In der Mitte des Ti­sches rotierte eine Kamera, wodurch die Aufzeich­nung einer ei­ge­nen Logik folgt.

Die Resultate der verschie­de­nen Projekt­schritte finden in der Aus­stel­lung eine Verdich­tung und machen sie intel­lek­tu­ell wie sinn­lich erfahrbar. Die für das Symposion verwendete Drehbüh­ne ­mar­kiert den Ort der Debatte. In der Ausstel­lung dient sie mit dem darauf stehenden Tisch als Sockel für den Projektor, der die Auf­zeich­nung des Symposions als Bild an die Wand wirft. Die drei von Andreas Arndt gebauten mecha­ni­schen Apparate, die der in­di­rek­ten Selbst­be­rüh­rung dienen, lassen sich als Modelle für die Idee des Kunstwerks verstehen.

Andreas Arndt spielt in seinem Werk bewusst oder unbewusst mit Er­war­tun­gen. Das Experiment ist norma­ler­weise ein wis­sen­schaft­li­ches Verfahren, das nachprüf­bare Ergeb­nis­se er­ge­ben soll. Der Künstler schafft mit seinen ­Ver­suchs­an­ord­nun­gen reale Situa­tio­nen, die jedoch ins Irrea­le kip­pen. Auf diese Weise kann ein gedank­li­cher Raum entstehen, in dem Kunst statt­fin­det. Mehrdeutig ist auch der Titel HAND IN HAND, der nicht nur das Thema der Ausstel­lung aufnimmt, sondern auch die Arbeits­weise des Künstlers reflek­tiert. Die Drehbüh­ne etwa entwarf er gemeinsam mit dem Künstler und Me­dien­wis­sen­schaft­ler Thomas Schlereth. Beide moderier­ten auch das Symposion.

Andreas Arndt arbeitet in langfris­ti­gen Projekten, die Verfah­ren ­der Forschung adaptieren, aber immer handmade sind und das Schei­tern des Experi­ments in Kauf nehmen. Der Künstler geht Fra­gen nach, die sich um das Phänomen Kunst drehen, aber auch wis­sen­schaft­lich Relevanz haben können. Schon seit länge­rem ­in­ter­es­siert er sich für die Bezie­hun­gen zwischen Hand, Werkzeug und (künst­li­cher) Intel­li­genz. Der Mensch gestaltet die Welt nicht mehr mit den Händen, durch die digitalen Medien dringen ­künst­li­che Elemente in die Selbst­wahr­neh­mung ein. Der Künst­ler fragt, welche Wirkung diese Entwick­lung auf die evolu­tio­när ­be­deut­same Verbindung von Hand und Gehirn haben.

Die Versuchs­an­ord­nun­gen Arndts zielen jedoch nicht auf die Be­ant­wor­tung konkreter wissen­schaft­li­cher Fragen. Es geht viel­mehr darum, den Raum für Fragen offen zu halten. Im Gespräch ­sagte er einmal, er nehme sich alle Freiheiten, um Lösungen für seine Projekte zu finden. Er stellt das Selbst­ver­ständ­li­che in Frage, vermeidet den "Wett­be­werb der Dinge", Perfektion und Vollen­dung in der Ausführung. In seinem Werk machen vielmehr An­deu­tun­gen und Verweise den eigent­li­chen Körper der Arbeit aus. Alles ist im Prozess und könnte morgen unter anderen Vorzeichen eine veränderte Gestalt annehmen. Der Künst­ler lotet die Räume zwischen den Gewiss­hei­ten aus.

Andreas Arndt schloss 2010 sein Studium an der Staat­li­chen ­Aka­de­mie der Bildenden Künste Karlsruhe ab, wo er im Win­ter­se­mes­ter 2018/19 eine Vertre­tungs­pro­fes­sur innehat. Er wurde 1983 im schwe­di­schen Karlstad geboren. Dort studierte er seit 2003 Soziologie und widmete sich Germa­nis­tik­stu­dien in Frei­burg. 2005 begann er sein Kunst­stu­dium in Karlsruhe. Nach ­sei­nem Abschluss erhielt er das zweijäh­rige De Ate­liers-Stipendium in Amsterdam. Erste Einzelaus­stel­lun­gen fan­den in nicht­kom­mer­zi­el­len Kunst­in­sti­tu­tio­nen statt, etwa in Das Spectrum (Utrecht), De Vlees­hal/­Pop­po­si­ti­ons­ (­Mid­del­bur­g/­Brüs­sel) und im Museum de Pont (Tilburg).

(Text: Carmela Thiele)

Die Werner-Stober-Stiftung ist eine rechts­fä­hige Stiftung des privaten Rechts mit Sitz in Karlsruhe. Der 1990 verstor­bene Karlsruher Architekt Werner Stober hat zu­gleich mit seinem Testament in einer Satzung die Aufgaben der von ihm gegrün­de­ten Stiftung festgelegt. Die Stiftung verfolg­t ­ge­mäß §2 dieser Satzung die folgenden Zwecke: "Unter­stüt­zung al­ter, hilfs­be­dürf­ti­ger Menschen, Förderung der Ausbildung und An­er­ken­nung von Leistung und Kreati­vi­tät durch Zuwen­dun­gen, Stipen­dien oder Preise in Schulen, Wissen­schaft, Archi­tek­tur und Kunst sowie im mittel­stän­di­schen Bereich von Industrie und Hand­werk, insbe­son­dere in der Holz-, Kunststoff- und Glas­ver­ar­bei­tung".

Städ­ti­sche Galerie Karlsruhe

Lorenz­straße 27, 76135 Karlsruhe

Telefon: +49 721 133-4401/-4444

www.staed­ti­sche-galerie.de

Öffnungs­zei­ten:

Mittwoch bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr,

Montag und Dienstag geschlos­sen

Eintritt:

3 €, ermäßigt 2 €, Kinder und Jugend­li­che unter 18 Jahren sowie ­Schul­klas­sen frei,

Gruppen ab 10 Personen ermäßigter Eintritt, Freitags ab 14 Uhr freier Ein­tritt

 

Andreas Arndt

Andreas Arndt, HAND IN HAND, 2018.