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Karlsruhe: Kultur

Die Kulturstadt Karlsruhe - Ein Überblick

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Karlsruhe ist eine beein­dru­ckende Kultur­stadt mit zahlrei­chen Kulturak­teu­rin­nen, Kulturak­teu­ren und Insti­tu­tio­nen, die in unter­schied­li­cher Träger­schaft agieren. Die Kultur­stadt Karlsruhe besteht aus Kulturein­rich­tun­gen in Träger­schaft des Landes Baden-Württem­berg oder der Stadt und aus einer Vielzahl freier, gemein­nüt­zi­ger Kultur­trä­ger, Akteu­rin­nen und Akteure sowie ehren­amt­lich Tätiger, die teilweise auch städtisch gefördert werden. Daneben gibt es noch den privat­wirt­schaft­li­chen Sektor mit Unter­neh­men und Freischaf­fen­den der Kultur- und Kreativ­wirt­schafts­bran­chen sowie die künst­le­ri­schen Ausbil­dungs­stät­ten (Hoch­schu­len).

Die Kultur­land­schaft setzt sich aus vielen Sparten und Bereichen zusammen: Bildende Kunst, Musik, Theater, Literatur, Darstel­lende Kunst, Tanz, Film, Sozio­kul­tur, Neue Medien, inter­re­li­gi­öser und inter­kul­tu­rel­ler Dialog, Fasching oder Heimat­pflege. Eine gesamte Übersicht fi ndet sich im Internet, siehe auch Anhang des Konzeptes.

Die Stadt Karlsruhe selbst ist ein Kunst­pro­dukt. Ihre Gründung und ihr fächer­för­mi­ger Stadt­grund­riss entspran­gen dem Willen eines barocken Fürsten. Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach (1679 - 1738) legte 1715 mitten im Hardtwald, der ihm als Jagdrevier, den umlie­gen­den Dörfern als Holzlie­fe­rant und Viehwei­deflä­che diente, sein neues Schloss "Carols-Ruhe" an. Ein Privi­le­gien­brief garan­tierte den Bürgern der neuen Stadt Religi­ons­frei­heit, Steuer­be­frei­un­gen, kostenlose Grund­stücke sowie andere Vergüns­ti­gun­gen und lockte dadurch Ansied­lungs­wil­lige von weit her, auch aus dem Württem­ber­gi­schen, dem Elsass oder der Schweiz.

Das Kultur­le­ben war lange Zeit auf die Ansprüche und Bedürf­nisse des Hofes zugeschnit­ten. Ein reges bürger­li­ches Gesell­schafts- und Kultur­le­ben bildete sich erst zaghaft im Verlauf des 19. Jahrhun­derts aus. Es gibt bis heute in Karlsruhe keine wirkliche Oberschicht, zu der man unbedingt gehören muss. Der in Karlsruhe geborene und lebende Komponist Wolfgang Rihm brachte es auf einen Nenner: "Karlsruhe ist eine Stadt des Maßes, eine gelassen nüchterne Stadt. Man bleibt auf dem Teppich - aber wer es vermag, der erfährt plötzlich, dass der Teppich fliegt."

Seit dem ausge­hen­den 18. Jahrhun­dert entwi­ckelte sich Karlsruhe zu einer Kultur- und Bildungs­stadt, was auch nach dem Verlust der Landes­haupt­stadt­funk­tion nicht endete. Insbe­son­dere in den vergan­ge­nen 30 Jahren wuchs eine lebendige und vielfäl­tige kulturelle Szene, die getragen wird von privaten und ehren­amt­li­chen Initia­ti­ven. Zudem haben die großen kultu­rel­len Landes­ein­rich­tun­gen vermehrten Zuspruch gefunden. Mit der Gründung des Zentrums für Kunst und Medien­tech­no­lo­gie ZKM wurde der Grundstein für eine weltweit operie­rende Kunst- und Wissen­schafts­in­sti­tu­tion gelegt.

Was sind die Gründe für diesen nachhal­ti­gen kultu­rel­len Höhenflug?
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Karlsruhe einige zentrale Behörden geblieben; vor allem wurden das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt und der Bundes­ge­richts­hof hier neu einge­rich­tet. Auch die kultu­rel­len Landes­ein­rich­tun­gen - Museen, Theater, Bibliothek und Landes­ar­chiv - blieben erhalten. Außerdem siedelten sich große Industrie- und Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men neu an. Heute bildet Karlsruhe den südlichen Ankerpunkt des Rhein-Main-Neckar-Clusters, eines der größten IT-Ballungs­räume der Welt. Aufgrund des Wirtschafts­wachs­tums wächst die Bevöl­ke­rung - auch durch Zuzug von außen - weit über dem Bundes­durch­schnitt. Hinzu kam und kommt bis heute - neben dem milden Klima und der liberal­to­le­ran­ten Mentalität der Bevöl­ke­rung - eine sehr engagierte kommunale Kultur­po­li­tik, die einen optimalen Nährboden für die Kultur- und Kreativ­szene der Stadt bietet.

Kunst und Kultur wie auch die Einrich­tun­gen kulturell-gesell­schaft­li­cher Bildung finden sich überall in der Stadt. Die Kantorate der christ­li­chen Kirchen bieten Konzerte mit Orgel, Orchester und Chor. Zahlrei­che Kultur­ver­eine widmen sich der Musik, dem Tanz, der bildenden Kunst. Ungezählte Künst­le­rin­nen und Künstler arbeiten in ihren über den gesamten Stadtraum verteil­ten Ateliers, viele Bands üben in ihren Proberäu­men, Litera­tur­kreise treffen sich im privaten Rahmen, histo­ri­sche Vereine und Förder­kreise verfolgen ihre jeweiligen spezi­fi­schen Aufgaben und Ziele. Hinzu kommen die vielen für Menschen­rechte und Demokratie engagier­ten Gruppen und die dem inter­re­li­gi­ösen Ausgleich gewid­me­ten Organi­sa­tio­nen, die sich alle ebenfalls dem kulturell-gesell­schaft­li­chen Leben dieser Stadt verpflich­tet fühlen.

Der Versuch, die Kultur­stadt Karlsruhe vorzu­stel­len, wird immer vor dem Problem stehen, dass etwas vergessen wird, eine wichtige Richtung nicht benannt, eine Verei­ni­gung oder eine Musik­gruppe übersehen, eine Initiative nicht erwähnt wird.

Daher soll hier die Kultur­stadt Karlsruhe vorge­stellt werden insbe­son­dere über die Gebäude und Räume, die der Kunst, Kultur und kulturell-gesell­schaft­li­chen Bildung gewidmet sind. Es sind Bauten, die für die Kunst errichtet oder von der Kultur übernommen wurden. Zu Anfang lediglich Gebäude für den Hof, später eigens für die Kultur errichtete Neubauten, seit dem Ende der Monarchie nach dem Ersten Weltkrieg auch ehemalige Schlösser und nach dem Zweiten Weltkrieg konver­tierte Wohn- und Verwal­tungs­ge­bäude sowie Gewer­be­bra­chen und ehemalige Kasernen. Ein solches Porträt der Kultur­stadt Karlsruhe entlang der Historie der Bauten entspricht im Übrigen auch der spezifi­schen Geschichte der Stadt, denn diese begann als geplante Archi­tek­tur.

Eine Betrach­tung der Stadt­ge­schichte der letzten 300 Jahre zeigt, dass die Kultur in Karlsruhe immer größere Bereiche des Stadt­rau­mes "erobert" hat: Durlach war die "Mutter" der Stadt Karlsruhe und ist seit 1938 ihr Stadtteil. Im Jahre 1565 verlegte Markgraf Karl II. (1529 bis 1577) die Residenz von Pforzheim hierher. Die Residenz­sch­lös­ser wurden allerdings Ruine bezie­hungs­weise blieben ein Torso; ihre Reste bilden heute die Karlsburg. Vom ersten Schloss, das 1689 durch franzö­si­sche Truppen zerstört wurde, blieb nur der "Prin­zes­sen­bau", der südliche Torbau mit Treppen­turm und Ziergiebel erhalten. Von dem Projekt eines ausge­dehn­ten Barock­schlos­ses wurde 1698 bis 1702 nach Plänen des Rastatter Schloss­bau­meis­ters Domenico Egidio Rossi (1659 bis 1715) nur der Westflügel, der "Kava­liers­bau" verwirk­licht. Er diente nach der Verlegung der Residenz nach Karlsruhe als Witwensitz und im 19. Jahrhun­dert als Kaserne. Von 1973 bis 1983 wurde der Bau grund­le­gend saniert. Er beherbergt heute das stadt­his­to­ri­sche Pfinzgau­museum, das die Durlacher Stadt­ge­schichte mit einer großen Durlacher Fayence-Sammlung und einer umfas­sen­den Ausstel­lung zur Geschichte der örtlichen Landwirt­schaft und des Handwerks präsen­tiert.

Zudem befinden sich hier die Durlacher Zweig­stelle der Stadt­bi­blio­thek, Räume für die Volks­hoch­schule und für das Karpa­ten­deut­sche Museum. Der große Festsaal ist sehr oft der Ort künst­le­risch-kultu­rel­ler oder histo­ri­scher Veran­stal­tun­gen.