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Karlsruhe: Kultur

Handlungsfeld 1: Kulturelles Erbe

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Handlungsfeld 1 (PDF, 457 KB) Kultu­rel­les Erbe

 

Die insti­tu­tio­na­li­sierte Sorge um das kulturelle Erbe geht zurück bis in die Zeit der Franzö­si­schen Revolution. Angesichts des um sich greifenden Vanda­lis­mus, dem viele Kultur­gü­ter zum Opfer fielen, wurde vom franzö­si­schen Natio­nal­kon­vent mit großer Mehrheit ein Gesetz zum Schutz von Denkmälern verab­schie­det. Auf diese erste gesetz­li­che Regelung berufen sich alle folgenden Initia­ti­ven für die Erhaltung dessen, was als kultu­rel­les Erbe bezeichnet wird. Auch heute wird die Bewahrung und Vermitt­lung des kultu­rel­len Erbes national wie inter­na­tio­nal als zentrale Aufgabe gesehen. Dafür zuständig sind im öffent­lichrecht­li­chen Bereich Archive, Biblio­the­ken, Denkmal­schutz und Museen (Schluss­be­richt der Enquete-Kommission „Kultur in Deutsch­lan­d“).

Die Vorstel­lung von den Inhalten des Kultu­rel­len Erbes hat sich im Laufe der Zeit weiter­ent­wi­ckelt: Eine der wichtigs­ten Diffe­ren­zie­run­gen ist heute die zwischen dem materi­el­len und dem immate­ri­el­len Kulturerbe. Während das materielle Kulturerbe das objekt­hafte kulturelle Erbe meint, zum Beispiel Bilder, Werkzeuge, Kleidung, Dokumente, Gebäude und vieles mehr, versteht man unter Letzterem lebendige kulturelle Ausdrucks­for­men wie Tradi­tio­nen und kulturelle Praktiken, Rituale, Feste, Handwerks­tech­ni­ken, darstel­lende Künste oder Sprachen.

Dabei gilt es im Blick zu behalten, dass die Definition dessen, was als bewah­rens­wer­tes kultu­rel­les Erbe betrachtet wird, historisch wandelbar ist und im Laufe der Genera­tio­nen immer wieder verändert wird. Nicht zuletzt das Wissen um die Konstru­iert­heit des kultu­rel­len Erbes fordert die reflexive und sensible Heran­ge­hens­weise: Auch das kulturelle Erbe der Stadt Karlsruhe wird eben nicht nur – neutral – bewahrt und an die nachfol­gen­den Genera­tio­nen überlie­fert; vielmehr finden ständig Auswahl- und Überfor­mungs­pro­zesse statt.

In Karlsruhe wird der Wandel im Blick auf das Kulturelle Erbe besonders in zwei Bereichen sichtbar. Zum einen bei den Überle­gun­gen zur Ausar­bei­tung eines Dokumen­ta­ti­ons­profi ls von Stadt­ar­chiv und Histo­ri­schen Museen. Zu deren zentralen Aufgaben gehört die Auswahl dessen, was als Archiv- oder Museumsgut ein wesent­li­cher Teil unseres kultu­rel­len Erbes wird. Diese Sammlungs­tä­tig­keit braucht einen Rahmen, der flexibel auf die sich wandelnde Stadt­ge­sell­schaft reagieren kann.  So stellt sich zum Beispiel die Frage, in welchem Umfang auch Kulturgut und kulturelle Zeugnisse von Gruppen und Personen aus anderen Ländern und Kulturen, die heute in Karlsruhe leben und verwurzelt sind, von den zustän­di­gen städti­schen Insti­tu­tio­nen bewahrt werden sollen.

Zum anderen stehen die Neuauf­stel­lung des Stadt­mu­se­ums und die Profilie­rung des Pfinzgau­muse­ums auf der Agenda. Konzep­tio­nell stehen Stadt­mu­seen an einem Scheideweg. Es stellt sich die Frage, wie sie künftig eine stärker kultur- und sozial­ge­schicht­li­che Perspek­tive auf urbane Kultur entwickeln können. Gleich­zei­tig müssen die Museen versuchen, sich über das tradi­tio­nelle bürger­li­che Publikum hinaus für viele gesell­schaft­li­che Schichten zu öffnen. Hinter einer solchen Neukon­zep­tio­nie­rung der Stadt­mu­seen steht auch die Vorstel­lung von Stadt­ge­schichte als einem ständigen „Prozess“ – und nicht in erster Linie als einer rückbli­cken­den Deutungs­an­ge­le­gen­heit. Stadt­mu­seen werden so auch zu Orten, an denen lokale Identi­tä­ten und je spezifische städtische „Eigen­lo­gi­ken“ diskutiert und ausge­han­delt werden können – und zwar unter Anerken­nung und Wertschät­zung unter­schied­li­cher Kulturen und Diffe­ren­zen.

Diese unmit­tel­bare Verbindung des Kultu­rel­len Erbes mit den Frage­stel­lun­gen der Gegenwart stellt ein riesiges Potenzial für die  Positio­nie­rung des Kultu­rel­len Erbes dar. Sie betrifft nicht nur das Stadt­mu­seum, sondern alle anderen Bereiche des Kultu­rel­len Erbes, wie etwa die anderen Museen und das Stadt­ar­chiv. Als stadt­his­to­ri­sches Gedächtnis leisten nicht nur das häufig so bezeich­nete Stadt­ar­chiv sondern auch die Museen einen wesent­li­chen Beitrag zu einer nachhal­ti­gen Kommu­nal­po­li­tik. Voraus­set­zung für diese aktive Rolle der Insti­tu­tio­nen des Kultu­rel­len Erbes ist, dass neben dem Sammeln und Bewahren die öffent­li­che Präsen­ta­tion und eine Vermitt­lung für ein breites Publikum als Kernauf­gabe der Insti­tu­tio­nen verstanden und mit den entspre­chen­den Mitteln ausge­stat­tet wird.