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Karlsruhe: Kultur und Tourismus

Frauenperspektiven 2009

Tausendund_ein IRAN/ Mille et un IRAN


 

Plakat Tausendund_ein IRAN/ Mille et un IRAN

Die 10. Frauen­per­spek­ti­ven 2009 haben Iran als Thema gewählt, ein Land, das fast täglich Schlag­zei­len in der westlichen Presse macht. Präsident Ahmadi­ne­schad und die Atombombe. Iran, Protago­nist der "Achse des Bösen", wie der ameri­ka­ni­sche Präsident Bush formu­lierte. Iran, der große politische Gewinner des Nahost­kon­flikts. Iran, der islamische Gottes­staat, in dem die Scharia gilt. Im Zentrum des öffent­li­chen Interesses steht die Politik, die Islamische Republik Iran als Bedrohung für westliche Kultur und Zivili­sa­tion.

Von der einstigen Faszi­na­tion, die Persien im 19. und 20. Jahrhun­dert im Westen auslöste, ist heute nach der islami­schen Revolution 1979 kaum etwas übrig geblieben. Die Wahrneh­mung des Landes hat sich komplett gewandelt. Trotz einer hochge­bil­de­ten Migran­ten­ko­lo­nie – in Deutsch­land leben ca. 120.000 Iraner – ist einer breiten Öffent­lich­keit nur wenig über Geschichte, Kunst und Kultur des Iran bekannt. Hinzu kommt, dass iranische Kultur nicht nur im Iran, sondern dank vier Millionen Exili­ra­nern in Europa und USA heute an vielen Orten der Welt präsent ist.

Jenseits festge­fah­re­ner Bilder und Klischees möchte das Festival den Blick weiten. Deshalb hat die Vorbe­rei­tungs­gruppe als Festi­val­ti­tel Tausend­un­d_ein IRAN gewählt. Damit werden einerseits Assozia­tio­nen an Schahrasad und die Geschich­ten aus 1001 Nacht hervor­ge­ru­fen und anderer­seits auf die Vielzahl möglicher Perspek­ti­ven und die zahlrei­chen Fassetten iranischer Kultur angespielt. Gleich­zei­tig soll der Titel darauf hinweisen, dass iranische Kunst und Kultur (Iranität) heute an vielen Orten der Welt unter sehr unter­schied­li­chen Bedin­gun­gen gelebt und weiter­ent­wi­ckelt wird. In Kombi­na­tion mit dem Begriff Iran, der eindeutig politisch besetzt ist, wird der Wider­spruch zwischen Bedrohung und Faszi­na­tion aufge­nom­men. Der Unter­strich im Titel weist zudem auf das Kommu­ni­ka­ti­ons­me­dium Internet hin, das weltweit eine zentrale Rolle bei der Vernetzung und Vermitt­lung iranischer Kultur besitzt.

Die rechtliche und gesell­schaft­li­che Situation von Frauen gilt häufig als Messlatte für den Stand von Zivili­sa­tion und Demokratie eines Landes. Das Festival Frauen­per­spek­ti­ven widmet sich seit 1991 dieser nach wie vor zentralen und hochak­tu­el­len Frage­stel­lung, seit 2003 - im Zeitalter der Globa­li­sie­rung – mit einem Fokus auf außer­eu­ro­päi­sche Kulturen. Nach "Orient – Okzident. Befreun­dung mit dem Fremden?" (2003), "Ferner Osten – Naher Westen? China, Vietnam" (2005) und "Neue Welt – Neue Welten? Guatemala, Mexiko, Kuba" (2007) wird bei der 10. Festi­valauf­lage der Iran und die Iranität im Zentrum stehen.

Die Islamische Republik Iran ist ein Land voller Gegensätze und Wider­sprü­che. Publi­zierte Bilder in den Medien zeigen meist schwarz­ver­schlei­erte iranische Frauen als Symbol für gesell­schaft­li­che Unter­drückung und persön­li­che Abhän­gig­keit. Tatsäch­lich gehört Iran hinsicht­lich der recht­li­chen Stellung der Frau zu den rückstän­digs­ten Ländern der Welt. Gleich­zei­tig spielen Frauen bei den gesell­schaft­li­chen Moder­ni­sie­rungs­be­we­gun­gen im Iran eine große Rolle. Mehr als fünfzig Prozent der Studie­ren­den sind Frauen. Es gibt im Iran mutige Politi­ke­rin­nen und Künst­le­rin­nen, coura­gierte Frauen im Alltag. Über die ganze Welt geknüpfte Netzwerke sorgen für Infor­ma­tion und Kommu­ni­ka­tion.
Die Frauen­per­spek­ti­ven 2009 liefern erneut einen aktiven Beitrag zum gesamt­städ­ti­schen Schwer­punkt Recht, der im Masterplan 2015 festge­schrie­ben ist. Zum einen, indem sie den Aspekt Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit ins Zentrum rücken, zum anderen, indem sie außer­eu­ro­päi­schen Kulturen ein Forum bieten. Damit werden sie aus der Randpo­si­tion unserer Wahrneh­mung befreit und kommen so zu "ihrem Recht".

Mit seinen Zielset­zun­gen und seiner Thematik versteht sich das Karlsruher Kultur­fes­ti­val Frauen­per­spek­ti­ven auch als Beitrag zu einem "Islam­dia­log" im Sinne des Auswär­ti­gen Amtes Berlin, das eine Ausein­an­der­set­zung über Werte, Stand­punkte und Meinungen, ohne Kontro­ver­sen auszu­spa­ren, fordert: "Poli­ti­sche Gespräche auf höchster Ebene allein reichen für die Reali­sie­rung dieses Konzepts nicht aus. Vielmehr sollen konkrete Projekte dazu beitragen, erstarrte Klischees durch diffe­ren­zierte Wahrneh­mun­gen zu ersetzen."

Im Namen der Vorbe­rei­tungs­gruppe und aller Veran­stal­te­rIn­nen möchte ich Sie sehr herzlich zu den vielfäl­ti­gen und abwechs­lungs­rei­chen Programm­punk­ten der Frauen­per­spek­ti­ven 2009 einladen.

Weiten Sie Ihren Blick und lassen Sie sich überra­schen!

Elisabeth Schraut
Festi­val­lei­te­rin