Das Camp de Gurs
Camp de Gurs, Barackenfeld, 1939 - 1944
Das in Südfrankreich in sumpfigen Gelände am Fuße der
Pyrenäen gelegene Camp de Gurs war im Frühjahr 1939 zur
Internierung der aus Spanien geflohenen Soldaten der
Republikanischen Armee und der Freiwilligen der
Internationalen Brigaden errichtet worden. Im Oktober
1940 befand es sich unter der Verwaltung der
französischen Vichy-Regierung. Die von den
nationalsozialistischen Machthabern in der Zeit vom
22. bis 24. Oktober 1940 aus Baden, der Pfalz und dem
Saarland verschleppten über 6500 jüdischen Menschen
wurden vom Vichy-Regime in das Lager Gurs verbracht.
Modell des Deportiertenfriedhofs Gurs, Stadtplanungsamt Karlsruhe 1962
Sie fanden dort unmenschliche Verhältnisse vor. Das
Lager war ringsum von Stacheldraht eingezäunt und streng
bewacht. Es bestand aus 382 primitivsten, rund 25 qm
großen Baracken, in denen jeweils bis zu 60 Personen
untergebracht waren. Das Essen war spärlich, es fehlte
an sanitären Anlagen. Viele, vor allem ältere Menschen,
starben an Entkräftung, Epidemien oder aus Mangel an
Medikamenten, anderen gelang die Flucht. Etwa ein
Drittel der nach Gurs verschleppten Juden wurde
zwischen 1942 und 1944 in die Vernichtungslager im Osten
gebracht. Für sie wurde so Gurs zur "Vorhölle von
Auschwitz".
Das Gedenken an Gurs
Einweihung des Friedhofs 1963, Enthüllung der Gedenkplatte, Zweiter von rechts der Karlsruher Oberbürgermeister Günther Klotz
Auf dem Friedhof des Lagers Gurs sind 1070 Opfer des
nationalsozialistischen Terrors begraben. Er wurde in
der Nachkriegszeit zunächst noch gepflegt, verwilderte
dann aber in den folgenden Jahren. 1957 ergriff der
Karlsruher Oberbürgermeister Günther Klotz, unterstützt
vom Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft
Badens, die Initiative, um ihn wieder instand zu setzen.
Der Oberrat erhielt vom französischen Staat den
Friedhof für 99 Jahre übertragen und mit der
Unterstützung weiterer badischer Städte und Landkreise
begann 1961 seine Restaurierung. Zwei Jahre später konnte
er eingeweiht werden. Seitdem unterhält eine
Arbeitsgemeinschaft badischer Städte unter der
Federführung der Stadt Karlsruhe den Friedhof. Ende
1999/Anfang 2000 setzte der Volksbund Deutscher
Kriegsgräberfürsorge die Stelen neu und erneuerte die
Rasenflächen.
Alljährlich laden die badischen Städte gemeinsam mit dem
Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden
zu einer Gedenkfeier nach Gurs ein. Der
Deportiertenfriedhof in Gurs ist Teil der Erinnerung an
die nationalsozialistischen Verbrechen. Seine Pflege
ist eine Verpflichtung, die von Generation zu Generation
weitergegeben wird.
2010 - 70. Jahrestag der Verschleppung nach Gurs
Der renovierte Friedhof 1963
Arbeitsgemeinschaft zur Unterhaltung und Pflege des
Deportiertenfriedhofs in Gurs
Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft:
Stadt Karlsruhe, Rathaus, 76124 Karlsruhe
Stadt Mannheim, Rathaus, 68150 Mannheim
Stadt Freiburg, Rathaus, 79098 Freiburg
Stadt Heidelberg, Rathaus, 69117 Heidelberg
Stadt Pforzheim, Rathaus, 75181 Pforzheim
Stadt Konstanz, Rathaus, 78459 Konstanz
Stadt Weinheim, Rathaus, 69449 Weinheim
Stadt Emmendingen, Rathaus, 79312 Emmendingen
Stadt Offenburg, Rathaus, 77614 Offenburg
Stadt Lörrach, Rathaus, Rathaus, 79539 Lörrach
Stadt Bruchsal, Rathaus, 76646 Bruchsal
Bezirksverband Pfalz, Bismarckstr. 17, 67655
Kaiserslautern
Die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft liegt bei der
Stadt Karlsruhe.
Zur Erinnerung an die Verschleppung der badischen,
pfälzischen und saarländischen Juden in das Lager Gurs
wird die Arbeitsgemeinschaft der badischen Städte mit
Unterstützung der Landeszentralen für politische
Bildung Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz 2010 eine
Publikation zu Gurs herausgeben. Das vom Stadtarchiv
Karlsruhe betreute Buch wird neben einem historischen
Abriss zur Geschichte des Lagers vor allem die
Gedenkarbeit in Baden und in der Pfalz dokumentieren.
Tag der Deportierten 1990, Vierter von rechts der Karlsruher Oberbürgermeister Gerhard Seiler
Außerdem wird das Stadtarchiv die Briefe der Familien
Niedermann und Westheimer aus dem Lager Gurs
veröffentlichen. Die zweisprachige Publikation
(deutsch-französisch) wird auch Erinnerungen von Paul
Niedermann enthalten, der selbst als Zwölfjähriger in das
Lager Gurs deportiert wurde und seit mehr als 20 Jahren
als Zeitzeuge immer wieder in Schulen darüber berichtet.