Otto Herbert Hajek
15. September 2007 bis 13. Januar 2008
O. H. Hajek, Raumschichtung 130, 1959
Bronze, 64 x 100 x 40 cm
Museum Wiesbaden
Otto Herbert Hajek, 1927 im böhmischen Kaltenbach geboren
und 2005 in Stuttgart gestorben, war über 50 Jahre lang als
Bildhauer tätig. Mit seinen raumgreifenden, farbigen
"Stadtikonographien", die er vor allem in den 1970er Jahren
realisierte, wurde er zu einem bedeutenden Wegbereiter
moderner Kunst im öffentlichen Raum. Darüber hinaus nahm er
engagiert am kulturpolitischen Geschehen teil und setzte
sich von 1972 bis 1979 als Vorsitzender des Deutschen
Künstlerbundes wortgewandt für die Belange der Künstler
ein.
Die Ausstellung in der Städtischen Galerie ist mit rund 90
Exponaten die erste umfassende Präsentation von Werken
Hajeks in Karlsruhe. Sie zeigt das gesamte Schaffen des
vielseitigen Künstlers, der von 1980 bis 1992 als Professor
an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe
lehrte: seine frühen informellen Plastiken, die Farbwege
sowie Gouachen, Serigrafien und Gemälde. Eine Auswahl seiner
begehbaren Kunstwerke in Innenstädten und seine
bauplastischen Arbeiten werden anhand von Studien, Modellen
und Fotografien vorgestellt.
Nach dem Studium an der Stuttgarter Akademie erlangte Hajek
bereits als junger Bildhauer mit seinen dem Informel
verpflichteten, völlig frei gestalteten Arbeiten
überregionale Beachtung. Seinen eigenständigen und
unverwechselbaren Stil, mit dem er international bekannt
wurde, entwickelte der Künstler seit den 1960er Jahren, als
er pflanzlich-organische Formen zunächst mit strengen
geometrischen Gestängen oder Bändern umrahmte und dann immer
mehr zu einer geometrisch-klaren, konstruktivistischen
Formensprache fand.
O. H. Hajek, Farbwege 66/9, 1966
Holz, Stahl, bemalt, 221 x 104 x 46 cm
Privatbesitz
1964 war Hajek bereits zum zweiten Mal auf der documenta in
Kassel vertreten, wo er seine begehbare, farbig gefasste
Raumplastik "Frankfurter Frühling" ausstellte. Von ihr führt
die Entwicklung direkt zu seinen "Stadtikonographien". Die
in den Primärfarben angelegten, raumgreifenden Ensembles
sind seine Antwort auf die Unwirtlichkeit der Städte vor
allem im Deutschland der Nachkriegszeit. Beispiele finden
sich im nordrhein-westfälischen Schwelm (1969-72) oder in
Mülheim an der Ruhr (1976-77), aber auch im australischen
Adelaide, wo seine "Kunstlandschaft als Stadtmitte" 1977
eröffnet wurde.
Otto Herbert Hajeks Beiträge zur "Kunst am Bau" reichen in
die frühen 1950er Jahre zurück, als er zunächst im
kirchlichen Bereich tätig war. Zu seinen Hauptwerken zählt
der Kreuzweg für die Kirche Maria Regina Martyrum in
Berlin-Plötzensee aus den Jahren 1960 bis 1963, der als
Gedächtnismal an die Opfer des Naziregimes erinnert. Hajeks
umfangreiches Schaffen auf diesem Gebiet umfasst neben der
Ausstattung von Kirchen auch die künstlerische Gestaltung
von Verwaltungs- und Universitätsge-bäuden oder
Schwimmbädern wie zum Beispiel des Thermalbades in Bad
Schönborn oder des Studentenhauses und der Mensa der
Universität Saarbrücken.
Für die evangelische Stadtkirche in Karlsruhe schuf Hajek
1958 die Taufschale und ein Kreuz. Seit Sommer 2006 steht
außerdem auf dem Vorplatz des Karlsruher Hauptbahnhofs seine
sechs Meter hohe Skulptur "Stadtzeichen 69/9", die er 1969
modellierte und in Bronze gießen ließ. Die Plastik ist eine
Leihgabe der 2005 gegründeten Otto Herbert Hajek Stiftung
der Sparda-Bank Baden-Württemberg. Seit 1976 wandte sich
Hajek überdies verstärkt der Malerei zu. Zahlreiche große
Ausstellungen machten seine Plastiken, Gemälde und Arbeiten
auf Papier zwischen Moskau und Rom bekannt.
Im Anschluss an Karlsruhe ist die Ausstellung, die von der
Otto Herbert Hajek Stiftung der Sparda-Bank
Baden-Württemberg großzügig unterstützt wird, auch im
Kunstmuseum Singen, im Georg-Kolbe-Museum Berlin und im
Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr in der Alten Post zu sehen.
Es erscheint ein umfangreicher, reich bebilderter Katalog.