Karlsruhe: Stadtteile
Geschichte Durlach
Auf dem Luftbild ist der ringförmige Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer zu sehen
Karl II. von Baden-Durlach, der "Karle mit der Tasch"
Die Karlsburg
Mehr zum Schloss Karlsburg Feiern in außergewöhnlicher Atmosphäre.
Birnenkrug aus der Durlacher Fayence. Foto: Stadt Karlsruhe, Pfinzgaumuseum
Ein Hecker-Hut. Foto: Stadt Karlsruhe, Pfinzgaumuseum
Die Gritzner-AG. Foto: Stadt Karlsruhe, Pfinzgaumuseum
Unterzeichnung der Eingemeindungsvereinbarung durch den Karlsruher Oberbürgermeister Friedrich Jäger am 1. April 1938. Foto: Stadt Karlsruhe, Stadtarchiv
Die Spuren in Durlach sind aber weitaus älter: Keramikscherben, bei Ausgrabungen gefunden, lassen sich bis ins 9. Jahrhundert zurück datieren. Beim Bau der Durlacher Gewerbeschule an der Badener Straße fand man 1991 zudem eine so genannte Villa rustica, einen römischen Gutshof aus 1. bzw. 2. Jahrhundert nach Christus. Die Durlacher Bewohner genossen die Rechte und Privilegien von Stadtbürgern, die eine eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit hatten. Eine Quelle aus dem Jahr 1495 nennt "Schulthaiß, Burgermaister, Geriecht und Radt der Statt", deren Bürger 1536 ihre überkommenen Rechte in einem Buch festhielten. Zu dieser Zeit blühte das in Zünften organisierte Handwerk, zumal die Stadt seit 1418 das Recht hatte, zwei Jahrmärkte zu halten, und sich so zu einem Handelszentrum entwickelte. Es gab drei Mühlen, zahlreiche Gastwirtschaften und Brauereien und eine Apotheke. Auch das Wassersystem war zu dieser Zeit ausgebildet, vom Wasserwerk am Blumentor floss das Wasser durch im Boden verlegte hölzerne Wasserleitungen zu den Brunnen in der Stadt. Darüber hinaus war Durlach seit dem 14. Jahrhundert Sitz des Vogtes, später Oberamtmannes, und bildete so das Verwaltungszentrum für die umliegenden Dörfer und Ortschaften. Doch die eigentliche Blütezeit erreichte die Stadt mit Markgraf Karl II. , als dieser 1565 seine Residenz von Pforzheim nach Durlach verlegte. Nun wurden die Stadtbefestigungsanlagen erneuert und ausgebaut, von denen neben Stadtmauerresten noch das Basler Tor steht,. Vor allem aber ließ Markgraf Karl II. das kleine Jagdschloss zur Karlsburg ausbauen, die durch ihn und seine Nachfolger weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt war. Da die Stadt mit der Residenzverlegung wuchs, überlieferten die Durlacher die Geschichte, der Markgraf habe seine Bauleute aus einer Tasche, die er bei sich trug, eigenhändig bezahlt, und nennen ihn liebevoll "Karle mit der Tasch".
Dies trifft aber so wie bei vielen Geschichten nicht zu, da die Durlacher sich verpflichtet hatten, im Falle der Residenzverlegung ein Jahr Frondienste für den Markgrafen zu leisten. Auch die auf dem Rathausbalkon stehende Statue, deren Original sich im Pfinzgaumuseum befindet, und die von den Durlachern als Karle mit der Tasch verehrt wird, zeigt nicht etwa den Markgrafen, sondern einen Ritter. Mit dem Landesherren kamen zahlreiche Diener und Beamte in die Stadt, für die Wohnraum gefunden werden musste und die neues Leben und neuen Wohlstand in die Stadtmauern brachten. Darüber hinaus hatte sich Karl II. schon 1556 der Reformation angeschlossen, was bedeutete, dass auch alle seine Untertanen protestantisch werden mussten. Die 1255 erstmals erwähnte Stadtkirche wurde evangelisch, und erst seit dem 18. Jahrhundert konnten sich wieder Katholiken in Durlach niederlassen. Ihre Kirche St. Peter und Paul stammt daher aus den Jahren 1898 bis 1900. Wie alle Anhänger der neuen protestantischen Glaubensrichtung setzten sich die Markgrafen von Baden-Durlach für eine Verbesserung des Bildungs- und Schulwesens ein. In Durlach wurde 1583 das Gymnasium illustre gegründet und 1586 durch Markgraf Ernst Friedrich, einem Sohn von Karl II., feierlich eröffnet. Nun lernten hier Jungen und junge Männer neben der Theologie Latein und Griechisch, Rhetorik und Philosophie, Naturlehre und Naturgeschichte. Mittwoch nachmittags fanden regelmäßig so genannte "exercitationes disputatoriae", Disputierübungen in lateinischer Sprache, statt, die jeder Professor zweimal jährlich absolvieren musste. Bald schon genoss das Durlacher Gymnasium einen hervorragenden Ruf und erreichte fast das Niveau einer Universität. Der Dreißigjährige Krieg beendete auch in Durlach die allgemeine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit und brachte Not und Elend, von denen sich die Stadt nach Kriegsende 1648 nur langsam erholte. Aber das Glück währte nicht lange, im August 1689 brannten die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. Durlach im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges bis auf die Grundmauern nieder.Der Wiederaufbau der Stadt ging nur zögerlich voran, zumal die Baupläne des nach Basel geflüchteten Landesherren auf sich warten ließen. Dieser wollte der Stadt ein neues, modernes Aussehen geben und verbot den Durlachern, die mit "einem unregulierten Bauwesen" begonnen hatten, vor Fertigstellung der für alle verpflichtenden Bauordnung neue Häuser zu errichten. Das führte zu zahlreichen Konflikten. Auch das Vorhaben, die Karlsburg nach Plänen des Italieners Domenico Egidio Rossi als mehrflügelige große Anlage wieder zu errichten, konnte nur in Ansätzen realisiert werden. Allein zwei Flügel unter Einbeziehung des vom Brand verschonten Prinzessenbaus wurden errichtet, der Weiterbau fand sein endgültiges Ende mit Markgraf Karl Wilhelm, der 1715 beschloss, seine Residenz in den Hardtwald zu verlegen und Karlsruhe zu gründen. In dem unbebauten Gelände hatte er mehr Platz, ein Schloss nach seinem Geschmack errichten zu lassen. Zudem genossen die Einwohner der neuen Stadt lange Zeit nicht die überkommenen Rechte der Durlacher, deren Bürgerstolz es wohl auch gewesen sein mag, der den absolutistischen Herrscher aus den Mauern der Stadt vertrieb. Für die Durlacher jedoch war dies ein harter Schlag. Sie blieben zurück mit einer nicht fertig gestellten Karlsburg, und manche Durlacher Söhne gingen in die neue Stadt, unter deren Einwohnerschaft sie anfangs eine große Rolle spielten. Auch die höfischen Diener und Beamten mussten das erst halb aufgebaute Durlach verlassen, um in der neuen Residenz zu leben. Die Verwaltungsstellen wurden bis 1723 in die Stadt im Hardtwald verlegt, 1724 folgte das Gymnasium, in Durlach verblieb nur ein Pädagogium. Die ehemalige Markgrafenstadt wurde nun zu einem Landstädtchen im Schatten der wachsenden Residenz, das diese mit Gemüse und Früchten und ab 1824 für eine gewisse Zeit sogar mit Trinkwasser versorgte. In der Karlsburg zurück blieb die Ehefrau Karl Wilhelms Magdalena Wilhelmina zusammen mit ihrer geistig verwirrten Schwiegertochter und den zwei Enkelsöhnen, einer davon war der spätere Markgraf und Großherzog Karl Friedrich. Die durch den Abzug der Residenz leer stehenden Gebäude nutzten die Durlacher, indem sie dort Manufakturen ansiedelten, so u. a. die Fayence, deren Erzeugnisse bis ins Ausland verkauft wurden und deren Kacheln, Birnkrüge und Teller heute im Pfinzgaumuseum zu bewundern sind. Darüber hinaus gab es zeitweise u. a. eine Seidenkompagnie, eine Lederfabrik, eine Krappfabrik, eine Wachsbleiche und eine Tabakfabrik, die jeweils einige Arbeiter beschäftigten. Die überwiegende Mehrheit der Durlacher Bevölkerung aber lebte in - wie es in einem Oberamtsbericht von 1808 hieß - "ohnehin zweydeutigem Wohlstand" vom Handwerk und von der Landwirtschaft.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schien neuer Glanz auf die Stadt zu fallen, als sie 1810 Sitz der Kreisregierung wurde, die im Schloss untergebracht war. Aber diese Aufwertung dauerte nur bis 1832, dann wurde das Kreisdirektorium von Durlach nach Rastatt verlegt. Die Anzeichen der kommenden Änderungen waren langsam spürbar. Seit 1829 hatte Durlach eine einzige Zeitung, das Durlacher Wochenblatt, 1843 wurde die Stadt an das entstehende Eisenbahnnetz angeschlossen. Durlach hatte eine Lesegesellschaft und seit 1817 einen Frauenverein, der sich der Wohltätigkeit widmete. Im Jahr 1846 gründete Christian Hengst eine der ersten Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland, die sich ein Jahr später bei dem großen Hoftheaterbrand von Karlsruhe bewährte. Schon 1844 hatten sich einige Männer zu einem Gesangverein zusammengefunden, 1846 kam ein Turnverein dazu. Damit begann das Durlacher Vereinsleben, das bis heute die Grundlage für die zahlreichen kulturellen und sportlichen Aktivitäten ist.
Doch erst einmal sollte die Revolution von 1848/49 Europa und insbesondere Baden erschüttern. In Durlach fanden sich viele Demokraten und mehr Anhänger der Revolution als in der benachbarten Residenzstadt, deren Bewohner zum großen Teil vom Hofe lebten. Das Gefecht an der Obermühle am 25. Juni 1849 zwischen den preußischen Truppen und den Freischärlern brachte dann den Revolutionskrieg ganz nah an die Stadtmauern heran.
Industrie, Wasser und weitere Sehenswürdigkeiten (PDF, 336 KB)
Weitere Informationen
Der Erste Weltkrieg und seine Folgen unterbrachen diese Entwicklung. Durlach mit seiner export-orientierten Industrie erlebte einen Zusammenbruch des Wirtschaftslebens, der sehr viel härter ausfiel als im benachbarten Karlsruhe, dessen Einwohner zu einem geringeren Anteil von der Industrie lebten. Hinzu kam der Verlust des Bezirksamtes. Auch die Eingemeindung Aues im Jahr 1921 konnte keine Erleichterung bringen, die Zahl der Arbeitslosen blieb in Durlach und Aue sehr hoch. Durch Notstandsarbeiten wie zum Beispiel dem Bau der Panoramastraße (heute Reichardtstraße) über den Turmberg versuchte die Stadt die größte Not aufzufangen, doch bald schon waren die öffentlichen Kassen leer und der Durlacher Stadtrat erwog 1931, sich nach Karlsruhe eingemeinden zu lassen. Doch die Landeshauptstadt lehnte ab. Die politische Situation in Durlach und Aue war desolat, der Gemeinderat zerstritten und die Stadtverordnetenversammlung unfähig, einen neuen Bürgermeister zu wählen, so dass 1931 von der Regierung ein kommissarischer Bürgermeister eingesetzt werden musste. Es folgte nun ein ständiger Wechsel der Bürgermeister, bis der letzte im Oktober 1937 sein Amt niederlegte. Gauleiter Robert Wagner und das Reichsinnenministerium stimmten dem bereits 1937 vom Karlsruher Oberbürgermeister gestellten Antrag auf Eingemeindung Durlachs nach Karlsruhe zu, obwohl die Durlacher Bevölkerung dagegen war. Inzwischen hatten die Durlacher Betriebe infolge der nationalsozialistischen Aufrüstungspolitik wieder volle Auftragsbücher und die wirtschaftliche Situation schien sich zu stabilisieren. Die ehemals aktiv am gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben Durlachs beteiligten jüdischen Einwohner dagegen wurden ausgeschlossen und verfolgt, die meisten 1940 in das Lager Gurs verschleppt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab es in Durlach starke Bestrebungen, die Eingemeindungwieder rückgängig zu machen. Nachdem der württembergisch-badische Landtag der Karlsruher Stadtverwaltung empfohlen hatte, dem Stadtteil Durlach eine größere Eigenständigkeit zuzugestehen, beschloss der Karlsruher Gemeinderat im Juli 1950 eine Satzung, die - 1957 um einen Bezirksbeirat erweitert - bis zur Einführung der Ortschaftsverfassung 1989 Gültigkeit hatte. Der Durlacher Ortschaftsrat ist ein lokales Gremium und für Durlacher Angelegenheiten beratendes und in bestimmten Bereichen beschlussfähiges Organ. Am Ende des 20. Jahrhunderts verlor Durlach seinen Status als Industriestadt, doch es siedelten sich in den ehemaligen Fabrikgebäuden neue Gewerbe an. So ist in den Räumen der ehemaligen Badischen Maschinenfabrik ein Gründerzentrum mit verschiedensten Unternehmen untergebracht und in der ehemaligen Nähmaschinenfabrik Gritzner unter anderem eine Internet AG. Durlach gilt heute als beliebte Wohngegend und besticht durch ein großes Vereinsleben sowie vielfältige Veranstaltungen und Aktionen. Das Altstadtfest oder auch der Fastnachtsumzug ziehen viele Tausend Menschen in die ehemalige Residenz- bzw. Industriestadt.





