Karlsruhe: Stadtteile
Chronik Durlach
Ansicht der Stadt von Norden 1739, kolorierter Kupferstich des Hofgärtners Christian Thran
- 1196
- Durlach, 1161 noch Dorf ("villa") genannt, ist eine staufische Stadt.
- 1219/1234
- Durlach wird Eigengut des Markgrafen von Baden.
- 1418
- Die Stadt erhält das Recht, zwei Jahrmärkte zu halten. Sie hat wahrscheinlich schon sehr viel länger das Wochenmarktrecht.
- 1525, 8. Apr.
- Während des Bauernkrieges kommen 2.500 aufständische Bauern in die Stadt, denen die Durlacher ihre Tore öffnen. Von hier aus ziehen sie weiter zum Kloster Gottesaue, das sie zerstören.
- 1556
- Durlach wird protestantisch.
- 1565
- Markgraf Karl II. verlegt seine Residenz von Pforzheim nach Durlach, das einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung erlebt. Bau der Karlsburg auf dem Areal eines ehemaligen Jagdschlosses außerhalb der ursprünglichen Stadtmauern.
- 1586
- Errichtung des "Gymnasium illustre" durch den Markgrafen, das bald fast den Rang einer Universität erlangt.
- 1601
- Gründung der Schützengesellschaft Durlach.
- 1648/1688
- Nachdem die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges überwunden sind, erlebt Durlach eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit.
- 1689, 15./16. Aug.
- Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wird Durlach von den Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Von der Karlsburg bleibt nur der Prinzessenbau stehen.
- 1698
- Beginn des Wiederaufbaus der Stadt nach Modellplänen von Thomas Lefèvre. Neubau des Schlosses nach Plänen von Egidio Rossi, von denen jedoch aus Geldmangel nur zwei Gebäudeflügel verwirklicht werden. In der nach Plänen von Giovanni Mazza wieder aufgebauten Stadtkirche kann Anfang September 1700 der erste Gottesdienst gefeiert werden.
- 1715
- Beginn des Wiederaufbaus des Rathauses, dessen barocke Fassade 1845 bei den Umbauten nach Plänen des Durlacher Architekten Jakob Hochstetter ihr heutiges Aussehen erhält.
- 1715, 17. Juni
- Grundsteinlegung des neuen Schlosses im Hardtwald und Gründung von Karlsruhe. In den folgenden Jahren werden die Regierungskollegien und das "Gymnasium illustre" nach Karlsruhe verlegt, Durlach wird zu einer Ackerbürgerstadt, die die neue Residenz mit Früchten und Getreide versorgt.
- 1723
- Errichtung der Fayence, die bis 1847 besteht. Auch andere Manufakturen werden in Durlach, nicht in Karlsruhe, angesiedelt wie 1735 die Münze und 1747 die Seidenkompagnie.
- 1743, Juli
- Brand im Stadtkern, dem 15 Häuser zum Opfer fallen.
- 1781
- Neubau für das Pädagogium, der 1960 abgerissen wird.
- 1786
- Gründung des Weinbauversuchsgutes.
- 1810
- Bei der Neuorganisation der Verwaltung des unter napoleonischem Einfluß konstituierten Großherzogtums Baden wird Durlach bis 1832 zur Kreisstadt erhoben.
- 1824
- Bau einer Wasserleitung nach Karlsruhe, das von nun an mit Durlacher Wasser versorgt wird.
- 1829
- Erscheinen des Durlacher Wochenblattes, das seit 1897 als Tageszeitung herausgegeben und 1964 eingestellt wird.
- 1833
- Die Karlsburg wird zur Kaserne, in der die Garnison bis zum Bau der Markgrafenkaserne 1913 untergebracht ist.
- 1834
- Einrichtung der Gewerbeschule. Wachsende Bemühungen um Kinderbetreuung (Rettungsanstalt für sittlich verwahrloste Kinder 1837, Kinderbewahranstalt 1846) und schulische Ausbildung (Töchterschule 1825, Angliederung einer höheren Bürgerschule an das Pädagogium 1841).
- 1843
- Durlach erhält eine Eisenbahnanbindung an die Strecke Heidelberg-Karlsruhe.
- 1844
- Gründung des Gesangvereins"Liederkranz", dem 1846 der Turnverein und 1847 der Bürgerverein folgen. Diese Vereine sind Ausdruck des gewachsenen bürgerlichen Selbstbewußtseins und der Demokratiebestrebungen. Nach dem Scheitern der Revolution werden die Vereine verboten.
- 1846
- Gründung der Freiwilligen Feuerwehr durch Christian Hengst, die sich beim Hoftheaterbrand von 1847 in Karlsruhe bewährt.
- 1849, 25. Juli
- Gefecht bei Durlach zwischen Preußen und Freischärlern. Zwar hat die Revolution 1848/49 viele Anhänger in Durlach, dessen Bürgerwehr eine rote statt der üblichen weißen Fahne hat ("das rote Durlach"), doch beteiligen sie sich an diesem Gefecht nicht.
- 1855
- Gründung der Maschinenfabrik Sebold, später Badische Maschinenfabrik.
- 1859
- Trennung der Gemarkungen von Durlach und dem Dorf Aue, das 1110 erstmals urkundlich erwähnt wird.
- 1860
- Im folgenden Jahrzehnt erwacht das Vereinsleben neu, das in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg eine Blütezeit erlebt.
- 1869
- Gründung eines nationalliberalen Bezirksvereins. Die Nationalliberalen werden bis zum Erstarken der Sozialdemokratie die einflußreichste politische Kraft in Durlach.
- 1872
- Gründung der Nähmaschinenfabrik Gritzner, die bis zum Ersten Weltkrieg zu einer der größten Nähmaschinenfabriken Europas wird und die mehrere tausend Arbeiter und Arbeiterinnen, auch aus den umliegenden Dörfern, beschäftigt.
- 1878, 22. Sep.
- Auf dem Gelände der ehemaligen Amtskellerei wird die Friedrich-Schule in Anwesenheit des Großherzogs eingeweiht. In diesen Bau der "Vereinigten Schulen" zieht auch das bisher im gegenüberliegenden Pädagogiumsgebäude untergebrachte Pro- und Realgymnasium ein.
- 1882
- Gründung der Lederfabrik Hermann&Ettlinger. Die Lederindustrie wird neben der eisenverarbeitenden Industrie zum bedeutendsten Wirtschaftszweig der Stadt.
- 1889
- Gründung des Durlacher "Vereins zur Erzielung volkstümlicher Wahlen". Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich die damals noch verbotene SPD.
- 1890
- Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wird Durlach zur Industriestadt, in der bald schon über 50 Prozent der Bevölkerung zur Arbeiterschaft zählen. Die Einwohnerzahl steigt von fast 7.700 im Jahr 1885 auf fast 14.000 im Jahr 1910. Durlach verliert seinen konfessionellen Charakter als protestantische Stadt, der Anteil der Katholiken steigt. Die Sozialdemokratie wird zur einflußreichsten politischen Partei.
- 1896/97
- Durlach erhält eine moderne Wasserversorgung, die die Pumpbrunnen durch Wasserhähne ablöst. Die steigende Einwohnerdichte verlangt nach einer modernen Infrastruktur. Seit 1890 gibt es in Durlach eine Fernsprechanlage, seit 1900 eine elektrische Straßenbahn nach Karlsruhe statt der bisherigen Dampfbahn (seit 1881) und seit 1907 eine öffentliche Bad- und Schwimmanstalt. 1899 erwirbt die Stadt das bisher privat betriebene Gaswerk.
- 1897
- Mit Dr. Philipp Reichardt tritt der erste hauptamtliche Bürgermeister sein Amt an.
- 1898
- Grundsteinlegung der St. Peter-und-Paul-Kirche, der ersten katholischen Kirche in Durlach seit der Einführung der Reformation 1556.
- 1907, 23. Sep.
- Einweihung des von dem Architekturbüro Wellbrock und Schäfers entworfenen Neubaus für das zum Vollgymnasium erweiterte Progymnasium. Die Friedrichschule war für die wachsenden Schülerzahlen zu klein geworden. Seit der Verlegung des Gymnasiums nach Karlsruhe hatte Durlach kein Gymnasium.
- 1911
- Eröffnung des neuen Bahnhofs an seiner heutigen Stelle. Beginn der Arbeiten am Hauptkanal für die Kanalisation.
- 1915
- Einweihung der Hindenburgschule, heute Pestalozzischule. Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung
- 1918/19
- Durlach verliert, da es zur entmilitarisierten Zone gehört, seine Garnison.
- 1921
- Eingemeindung des Dorfes Aue.
- 1922 und 1925
- Anläßlich einer Demonstration gegen die Ermordung des Außenministers Walther Rathenau stürmen Demonstranten das Rathaus und werfen die dort befindlichen Fürstenbildnisse auf den Marktplatz, wo sie zerstört werden. Durch diesen "Bildersturm" und durch die Auseinandersetzungen anläßlich der Reichspräsidentenwahl 1925 bestätigt die Stadt ihren Ruf als "das rote Dur lach".
- 1924
- Durlach, seit Jahrhunderten Amtsstadt, verliert seinen Status als Be zirksamtsstadt. Bis auf drei werden die Gemeinden des bisherigen Amtsbezirks Durlach dem Amtsbezirk Karlsruhe zugeteilt.
- 1925
- Seit diesem Jahr hat Durlach ununterbrochen die meisten Erwerbslosen aller mittleren badischen Städte. 1931 leben in der Stadt 18.000 Einwohner, davon sind 1.800 arbeitslos und 500 Wohlfahrtsempfänger.
- 1926
- Beginn der Arbeiten für die Verlegung der Pfinz.
- 1931
- Der Gemeinderat faßt den Beschluß, mit Karlsruhe Verhandlungen über eine Eingemeindung aufzunehmen. Die Zurückhaltung der Landeshauptstadt und der Umschlag der öffentlichen Meinung in Durlach, die gegen eine Eingemeindung ist, läßt die Stadträte noch im gleichen Jahr die Verhandlungen abbrechen.
- 1933
- Der ehemalige Bürgermeister Jean Ritzert wird in "Schutzhaft" genommen, zahlreiche Verhaftungen und Haussuchungen. Die Nationalsozialisten lösen die Arbeitersport- und Gesangvereine in Durlach und Aue auf und verbieten sie.
- 1938, 1. Apr.
- Durlach wird der Landeshauptstadt Karlsruhe gegen den Willen der Durlacher zwangseingemeindet. Die Stadt zählt 19.014 Einwohner.
Quellen:
Manfred Koch, Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen, Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Band 14, Karlsruhe 1992.
Die Chroniken der Karlsruher Stadtteile sind diesem Buch entnommen.

