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Karlsruhe: Stadtteile

Chronik Wolfartsweier

Ansicht der Stadt von Norden 1739, kolorierter Kupferstich des Hofgärtners Christian Thran

Ansicht der Stadt von Norden 1739, kolorierter Kupferstich des Hofgärtners Christian Thran



Historische Stadtpläne

 
1261, 2. Dez.
Erste schrift­li­che Nennung des Ortes. In einer Urkunde bestätigt Papst Urban IV. dem Kloster Gottesaue u. a. Kloster­gü­ter und Gerecht­same in "Wolvol­des­wi­le­re".
1329
Erste urkund­li­che Erwähnung einer Kirche und eines Pfarrers in "Wolf harts­wil­re". Eine Urkunde des Jahres 1488 nennt als Namen der Pfarr­kir­che "St. Marga­rethen".
1416
Heinrich von Gärtringen kauft Markgraf Bernhard einen Teil des Ortes ab. Der Sohn des Markgrafen erwirbt diesen Besitz 1439 zurück.
1419
Ein Grabstein an der Kirche weist dieses Jahr als Todesjahr des Ritters Pleich von Waldeck nach. Seine Familie besaß vermutlich oberhalb des Ortes eine Burg, die womöglich auf Mauer­res­ten eines römischen Wartturms errichtet wurde.
1480
Das Kloster Gottesaue erwirbt den "Steinhof" in "Wolfer­zwilr" von Mathias Wihlin und Bernhard Luz. Im Jahre 1531 erwirbt die Gemeinde den Steinhof und verkauft ihn im selben Jahr an den Markgrafen weiter. Auf diesem histo­ri­schen Boden entsteht in den 1950er Jahren ein neues Wohnvier­tel.
1535
Bei der Teilung Badens fällt Wolfarts­weier an die Markgraf­schaft Baden-Durlach.
1556
Einsetzung des ersten luthe­ri­schen Pfarrers durch Markgraf Karl II.
1648
Am Ende des Dreißig­jäh­ri­gen Krieges hat auch Wolfarts­weier große Verluste zu verzeich­nen. Das Langhaus der Kirche aus dem 13. Jahrhun­dert ist zerstört, Pfarrhaus und -scheune sind nieder­ge­brannt, das Pfarrgut verwildert. Es sollen nur noch sieben Einwohner (Frauen und Kinder bleiben ungezählt) hier gelebt haben.
1689
Im Pfälzi­schen Erbfol­ge­krieg fallen sechs Häuser, darunter das Rathaus, und fünf Scheunen der Brand­schat­zung zum Opfer.
1698
In Wolfarts­weier leben zehn Bürger, das ist nur noch die Hälfte gegenüber 1688. Als Schul­meis­ter wirkt Johann Andreas Feigler, der die offen­sicht­lich zahlreich vorhan­de­nen Kinder der lebenden wie der in den Kriegs­wir­ren umgekom­me­nen Bürger unter­rich­tet.
1700
Um die Jahrhun­dert­wende wird ein neues Rathaus gebaut, das 1935 erneuert wird.
1702-1800
Bis 1750 verzeich­nen die Kirchen­bü­cher 7, danach 78 Eheschlie­ßun­gen. Die Zahl der Geburten liegt vor der Jahrhun­dert­mitte bei 49, danach bei 326. Die Kinders­terb­lich­keit beträgt etwas mehr als 50 Prozent.
1741
Das Dorf wird von einem Hochwasser des Wetter­bachs hart getroffen. Sämtliche Stege werden wegge­ris­sen, Äcker und Wiesen hoch überschwemmt.
1744-45
Erneuerung des Langhauses der Dorfkirche.
1767/1778
Im Kirchen­buch dieser beiden Jahre finden sich Hinweise auf zwei Gastwirt­schaf­ten, das "Rößle" und den "Schwanen". Das "Rößle" ist seit 1813 bis zu seiner Schließung 1965 im Besitz der Familie Postweiler. Es zählt u. a. Johann Peter Hebel und Viktor von Scheffel zu seinen Gästen.
1802
Friedrich Weinbren­ner legt beim Hedwigshof die Grund­mau­ern eines römischen Gutshofes frei. 1926 führt der Kunst­his­to­ri­ker Professor Wulzinger die Arbeiten fort und entwirft ein genaues Bild der 180 m im Geviert messenden Anlage.
1837
Wolfarts­weier zählt 370 Einwohner, von denen 1840 an einem "Nerven­fie­ber" 43, meist junge Leute, sterben.
1892
Gründung des “Allge­mei­nen Sport­ver­eins”.
1897
Gründung des Gesang­ver­eins "Lieder­kranz".
Gründung der Badischen Spreng­kap­sel-, Zündhüt­chen- und Muniti­ons­fa­brik auf Durlacher und Wolfarts­weie­rer Gemarkung. Sie wird 1903 von der Firma Gustav Genschow & Co. übernommen
1899
Bau der Immanuels-Kapelle der Evange­li­schen Gemein­schaft, der 1902 eine Klein­kin­der­schule für alle Kinder des Dorfes angeglie­dert wird.
1901
Die Gemeinde zählt 506 Einwohner, darunter fünf Katholiken. Im Dorfleben macht sich die Umwandlung von der reinen Bauern­ge­meinde zur Arbei­ter­ge­meinde bemerkbar. Viele Klein­bau­ern suchen ihren Verdienst in den Fabriken Durlachs und Karlsruhes.
1904
Gründung des Radfah­rer­ver­eins.
1907
Das alte Schulhaus, ein 1749 zu diesem Zweck erworbenes Wohnhaus neben dem Gasthaus "Zum Rößle", wird durch einen Neubau am Ortsaus­gang nach Ettlingen ersetzt.
1910
Gründung des Kranken­pfle­ge­ver­eins, der eine Kranken­pfle­ge­sta­tion unterhält.
1924
Gründung des Musik­ver­ein"Ein­heit".
1930
Zum Gedenken an die 25 im Krieg 1914-1918 gefal­le­nen Wolfarts­weie­rer wird am Volks­trau­er­tag ein Denkmal geweiht. Es ist eine Erwei­te­rung der Gedenk­ta­fel für die Kriegs­teil­neh­mer 1870/71 vor der Kirche. Nach 1945 werden hier auch die Namen der 50 Gefallenen und 33 Vermißten des Zweiten Weltkrie­ges verzeich­net.
1933
Ablösung von Bürger­meis­ter Adolf Klenert durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten.
1936
Eröffnung des Schwimm-, Luft- und Sonnen­ba­des.
1938
Gründung der Freiwil­li­gen Feuerwehr.
1950
In der Gemeinde leben 1.010 Einwohner, darunter 688 evange­li­sche und 189 katho­li­sche. Sie hat etwa 180 Vertrie­bene aufge­nom­men.
1953
Bau des “Zünd­hüt­le”, des Schrot­tur­mes auf dem Gelände der Genschow & Co. AG, die 1963 an die Dynamit Nobel AG übergeht.
1963
Einweihung der Fest- und Turnhalle (Schloß­berg­hal­le) der Gemeinde mit der nachträg­lich veran­stal­te­ten 700-Jahr-Feier Wolfarts­wei­ers, zu der ein histo­ri­scher Festzug organi­siert wird.
1969
Neubau des Rathauses. Das alte Rathaus wird Rot-Kreuz-Station und Feuer­wehr­haus.
1970, 1. Jan.
Der Ort wird selbstän­dige Pfarrei. Der Bau eines neuen Ge meinde­zen­trums und Pfarr­hau­ses, die am 11. November 1973 eingeweiht werden, sind in Planung. Die Verdolung des Wetters­bachs ist abgeschlos­sen.
1972
Die Firma Dynamit Nobel AG stellt ihren Betrieb ein, womit ca. 350 Arbeits plätze verloren gehen.
1973, 1. Jan.
Der am 13. Dezember 1972 unter­zeich­ne­te Einge­mein­dungs­ver­trag tritt in Kraft. Der Gemein­de­rat mit Bürger­meis­ter Hermann Ringwald hatte sich am 29. November 1972 anders als die Wolfarts­weie­rer Einwohner für die Einge­mein­dung entschie­den. Der Ort zählt 2.605 Einwohner.

Weitere Informationen

 
Quellen:

Manfred Koch, Karlsruher Chronik. Stadt­ge­schichte in Daten, Bildern, Analysen, Veröf­fent­li­chun­gen des Karlsruher Stadt­ar­chivs Band 14, Karlsruhe 1992.

Die Chroniken der Karlsruher Stadt­tei­le sind diesem Buch entnommen.